Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 1 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 22 Wo in der Welt jüdisch« Interessen in Frage stchen, ist das Interesse unserer Freund« immer vorhanden gewesen. Ich glaube, wir werden unS alle, wenn di« Wogen sich über diesen Dingen geglättet haben, in einer Anzahl solcher Fragen zusammenfinden können. Bon diesem Standpunkt auS ist auch die Masseneingliederung russischer Juden in Rußland ln der Ortbewegung, die von der russischen Regierung selbst gefördert wird, zu unterstützen. Wir wenden auch unser« Mitarbett den Dingen in Palästina zu, soweit sie nicht daS Jüdisch-Rational« zum Ziel« haben, und soweit wir sie nicht für ein« Bedrohung der LebenSinteressen des jüdischen Teiles d«S deutschen Volkes betrachten. Da mehrfach von mir selbst die Red« gewesen ist, will ich, obwohl ich es bisher abgelehnt habe, auf all« Angriffe einzugehen, doch sagen: Ist «S nicht geradezu kindlich, die Beobachtungen, bi« in einem Land« von jemand gemacht worden sind, nach der Zahl der Tage abschätzen zu wollen, di« er in diesem Land« gewellt hat? Ich will mich nicht auf Schiller berufen, der, ohne jemals die Schweiz gesehen zu haben, «inS der schönsten Bücher über die Schweiz, den Wilhelm Teil, geschrieben hat. Ich will mich nicht auf jene zionistischen Deröffentlichungen in allen Zeitungen der ganzen Wett an jedem Tag berufen, deren Verfasser niemals den geheiligten Boden Palästinas mit einem Schritt betreten haben, und die sich dennoch für befugt Hallen, über di« Dinge in Palästina zu schreiben» (Sehr gut!) Ich will auch nicht darauf Hinweisen, daß pazifistische'Generäle und demokrattsch« Regierungspräidenten, di« auch nicht länger in Palästina gewesen sind, als zionistisch« Kronzeugen im Triumphzuge durch das Land geführt werden, nur well sie prozionistisch schreiben und sprechen. (Heiterkeit, Händeklatschen.) Ich will mich nur darauf berufen, daß der allen Parteien bekannte Herr Dr. von Weisl, Zionist, Palästinenser, Mitglied des palästinensischen Rates in einer hiesigen Bersammlung die von uns veröffentlichte Broschüre in die Höh« gehalten hat und dabei sagte: „Da sind zwei Leute kurze Zeit in Palästina gewesen. Ich muß sagen, alles, was Dr. Well von Palästina sagt, ist richtig und muß von dem, der die Dinge kennt, unterschrieben werden." Allerdings stand dann der Oberführer der Partei auf und sagte: „Mein lieber Doktor Weisl, hier sitzen doch Journalisten der verschiedenen Parteien, auch Nicht-Zionisten, wie können Sie als ein Mann, der Beachtung in der Polllik beansprucht, hier von einem politischen Gegner sagen, daß er die Dinge in Palästina richtig gesehen hat?" Da sich für nachher derjenige Herr, der diese Bemerkung in öffentlicher Versammlung machte, zum Wort gemeldet hat, so teile ich schon jetzt gegenüber etwaigen Dementis mit: — hier steht es im Stenogramm, ich stelle es der Versammlung zur Verfügung. Ich begrüß« es, daß di« Schande der Friedhofs-Skandale von einem der Herren unterstrichen worden ist. Ich darf wohl sagen, daß gerade auf diesem Gebiet« der Eentral-Derein «in« vorbildlich« Arbeit geleistet hat, und zwar ganz unabhängig von einer religiösen Richtung; das hat dabei niemals «ine Rolle gespielt. Ich unterstreich«, daß der Lentral-Derein einfach so gekämpft hat, wie es für bi« jüdischen Interessen notwendig war. — Da von keinem der Redner ein Wort über die Ding« in Rumänien gesagt worden ist, so halte ich es für notwendig, daß von hier aus Protest ergeht gegen die Vorgänge in Rumänien, gegen die Schändungen der Heiligtümer, gegen die barbarisch« Handlungs» wei'e, die sich nicht darauf beschränkt, jüdisches Eigentum zu schänden, sondern in einem Rückfall von Barbarei jüdische Ritualien und Einrichtungen jüdi'cher Gotteshäuser anzündet und angreift, jüdisch« Gesetzbücher auf die Sttaße schleift; di« sich nicht entblödet, jüdische Gebetsmäntel an der Spitz« von Trunkenen im Zug« von Studenten und verhetzten Bürgern tragen zu lassen. Das Gewissen der gesamten Kulturwelt, um Juden oder Nicht-Juden handeln, muß hier /anger>»feN werden. ^Ich glaub«, es ist «in« Aufgabe des Verband«ch-an^diesem Tag« und an dieser Stell« flammenden Protest zu erheben im Namen aller gerecht und menschlich Denkenden, im Namen der Juden, im Namen der Juden Deutschlands, im Namen des gesamten Verbandes oder jedenfalls im Namen aller derjenigen, di« den Standpuntt des Eentral-Dereins billigen, daß der Antisemitismus überall zu bekämpfen ist, wo immer er auch in der Well zu finden ist. (Lebhaftes Händeklatschen und Bravorufen.) Abg.Iustizrat tzirschberg(kons.): Verehrte Damen und Herren! Wenn ich mir ganz kurz das Bild des heuttgen Tages mach«, so werd« ich nicht umhinkönnen zu sagen: Es ist manches heut« hier vorgebracht worden, was an uitb für sich nicht in den Aufgabenkreis des Landesverbandes gehört. Aber ich möchte doch das, was gesagt worden ist, letzten Endes nicht missen, obwohl ich mll manchem. waS gesagt worden ist — ich komme auf einiges zurück —, selbstverständlich nichts weniger als einverstanden bin. Ich möchte es nicht missen, und zwar aus dem Grund«, den, wenn ich nicht irr«, der Führer der Konservativen Fraktion in seiner Ansprache voxhin hervorgehoben hat. Aus den Ausführungen eines jeden Redners war immerhin zu erkennen der jüdische Will«, da« jüdisch« Streben und daS jüdi chr Ziel. Meine Damen und Herren! Und wenn ich dann im übrigen zu den Aufgaben zurückkehr«, di« uns eigentlich hier beschäftigen sollen, so kann ich im allgemeinen zunächst nicht dem folgen, wa« die verehrten zwei Redner der jüdischen Bolkspartei vorhin hier vorgetragen haben, schon aus dem Grund«, well di« von mir vertretene Konservativ« Fraktton zu dem Iudengesetz noch nicht Stellung genommen hat. (Zuruf: Nur in bezug auf Zell!) Dann hätten Sie nicht so spät damit hervorkommen sollen. Wir haben heute erst Ihre Anttäg« vorgelegt bekommen, und da wir bereits seit 8 Uhr tagen, können Sie uns den Vorwurf der Säumigkeit nicht machen. (Sehr richtig!) Wenn irgend jemandem ein Vorwurf gemacht werden kann, dann richtet er sich eventuell gegen «ine andere Seite, nicht aber gegen unsere Partei. Meine Damen und Herren! Was aber den Reichsverband anlangt, so ist das, was uns heute hier als Entwurf vorgelegt worden ist, nach meinem Empfinden leider als «ine Abschlagszahlung nicht anzusehen. (Sehr richtig!) Und zwar aus dem Grund« nicht, weil derjenige, der «in« Abschlagszahlung leistet, des. Sinnes ist, in der Zukunft mehr zu leisten, und weil derjenige, dem di« Abschlagszahlung geleistet wird, in dem Augenblick, wo er sie annimmt, der Ueberzeugung ist, daß er später weiter« Zahlungen erhält. In diesem Sinne bin ich — nehmen Sie es mir nicht übel — etwas steptisch, (Sehr richtig!) Wenn wir uns erst auf das Gebiet begeben, das der jetzt vorgelegte Entwurf behandell, dann, fürchte ich sehr, wird manches Jahr darüber hingehen, ehe wir eine weitere Abschlagszahlung bekommen werden. (Sehr richtig!) Dessen ungeachtet wird uns gar nichts weiter übrig bleiben, als die bitter« Pille zu schlucken und di« Arbeitsgemeinschaft, di« von den verschiedenen Verbänden jetzt ins Leben gerufen worden ist, als.solch« anzunehmen und zu sehen, wie sich dies« Arbeitsgemeinschaft weiterentwickeln wlld. Die besten Wünsche werden dieses Kind von unserer Seite zweifellos begleiten. Hoffentlich wird es sich bester entwickeln, als wir es fürchten. Mein« Damen und Herren! Es ist uns der Vorwurf gemacht worden, daß wir im Rechtsausschuß nicht genügend gearbeitet haben. Auch dieser Borwurf ist nach meiner Auffassung nach der falschen Richtung gegangen. Der Rechtsausschuß ist, wenn ich nicht irr« — die Herren mögen mich korrigieren, wenn es unrichtig ist —, wohl seit einem Jahre nicht mehr einberufen worden. Wo hätte er denn eigentlich Arbeit leisten sollen? Was mi'st persönlich betrifft, so habe ich immer gewartet, ob ich nicht doch in dieser oder jener Frag« zu einer Besprechung nach Berlin beru,en werden würde. Aber es war eben nichts. Und schließlich sehen wir, daß alle die Ding«, die den Rechtsausschuß beschäftigen sollten, bis heute ungeschehen geblieben sind, und daß der Rat es versäumt hat, die Dinge so weit vorzubereiten, daß der Rechtsausschuß in die Lage gekommen wäre, daran zu arbeiten. Etwas, was di« Konservative Fraktion mit großer Genuatuung und Freud« begrüßt, ist der Antrag der Liberalen Frak ion, für di« Siedlungszwecke des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten «inzutreten. Meine Damen und Herren! Wo etwas für die Jugend Ersprießliches gefordert oder geleistet wird, wird es die Konservative Fraktion an Wohlwollen niemals fehlen lassen. Der Preußische Landesverband in seiner Tagung und in seinem Rate kann überhaupt nicht genug in dieser Richtung tätig sein, den Wünschen der jüdischen Jugend Rechnung zu tragen. Wnn jede jüdische Organisation es sich zur Aufgabe stellen würde, auf die Wünsche der Jugend zu hören, würde wahrscheinlich manches unterbleiben, was die Gesamtheit stört, und mancherlei getan werden, waS der Gesamtheit förderlich sein könnte. (Sehr richtig!) Hier etwa den Antrag der Liberalen Fraktion, weil er gerade aus diesem Kreise kommt, abzulehnen, würde ich für ein schweres Unrecht halten. Meine Damen und Herren! Wir begrüßen es ebenso, daß neben dem Siedlungswerk« des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten auch Ahlem gestützt werden soll. Die Gründe, die dafür maßgebend sind, liegen auf der Hand; ich brauche nicht weiter darauf einzugehen. Wenn aber der Redner der Liberalen Fraktion den Anträgen der Konservativen Fraktion «ine wohlwollende Prüfung in Aussicht stellt^ dabei aber gleich bemerkt, im einzelnen werdrn wir darüber noch im Etatausschuß beraten, und wir wissen nicht, ob wir dieses oder jenes werden brwllligen können aus politischen Gründen, so ist uns, meine Damen und Herren, mll diesem theoretischen Wohlwollen nicht sehr gedient. Wenn Sie der Ueberzeugung sind — und daS haben die Redner zum Ausdruck gebracht —, daß die Anträge der Konservativen Fraktton zu begrüßen sind, dann müssen Sie auch dafür sorgen, daß die Mittel zur Verwirklichung diefer Anträge vorhanden sind. Sie sind vorhanden! Wenn Sie beispielsweise die Positton betreffend das Grundstück streichen, dann sind wir uns wohl