Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 1 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 - Rahmen hinaus vorgehalten hat. Hierauf werde ich nachher noch mit einem Wort zurückkommen müssen. Mein« Damen und Herren! Wir all« im Rat« haben die größte Genugtuung empfunden, daß «S unS vergönnt war, für. die Sache d«S preußischen Judentums zu wirken, und wir haben auch geglaubt, daß wir gewiffe Erfolg« errungen haben. Was in dieser Beziehung im Geschäftsbericht mitgeteilt worden ist und von Herrn Dr. Freund auch mündlich vorgetragen wurde, haben Sie ja gehört. ES hat anderseits nicht an Borwürfen und Bemängelungen gefehlt, die unserer Arbeit gezollt wurden. Meine Damen und Herren! Ich habe mich nicht der Illusion hingegeben, daß solche Dorwürf« mit Recht würden ausbleiben können. Denn selbstv«ständlich ist di« Arbeit, die wir geleistet haben, in mancher Beziehung mangelhaft. Ich will da nicht untersuchen ob mit oder ohne unser Verschulden. Aber ich will hier nur wieder, wie ich das vielleicht schon früher getan habe, hervorheben, insbesondere im Interess« meiner Mitarbeiter, daß die Schwierigkeiten, unter denen wir auch jetzt noch, nachdem die Kinderkrankheiten eigentlich längst hätten überwunden sein sollen, in unserem Verbände gearbeitet haben, doch nicht gering waren. Sie sind zurzeit immer noch nicht nur äußerer, sondern auch innerer Art. Wir haben gelitten unter dem großen Mangel an Raum, der uns bisher zur Verfügung stand, und dem abzuhelfen es trotz unserer Bemühungen bisher nicht gelungen ist. Wir haben unsere Angestellten über Gebühr anspannen müssen, und wir haben auch gelitten unter dem Mangel an Mitteln. Wenn in dieser Beziehung.über die Gemeinden, die mit ihren Beiträgen im Rückstand« sind, gesprochen worden ist, so kann ich dem nur durchaus beitreten. Ich muß sagen, daß das Gefühl für di« Aufgaben d«S Landesverbandes, für die Notwendigkeit des Landesverbandes, für seine Lebensnotwendigkeit im Interesse der preußischen Juden, der deutschen Juden doch im allgemeinen noch nicht in der Intensität verbreitet ist, wie es notwendig gewesen wäre. Sonst wäre es nicht möglich, daß tatsächlich große Gemeinden, denen die Aufbringung der Mittel fteilich zuweilen schwer, aber doch jedenfalls möglich war, sich noch immer nicht zur vollen Bezahlung chrer Beiträge haben, auftaffen können. Wenn demgegenüber gesagt worden ist, daß andere Gemeinden mit dem Austritt gedroht haben oder gar ausgetreten sind, und wenn daraus gefolgert worden ist, daß manch« Dinge, über die gerade diese Gemeinden sich beschweren, im argen liegen, nicht richtig behandelt worden sind, so möchte ich doch vor einer solchen Auffassung warnen. Ich möchte zunächst hervorheben, daß es sich bei den Austrittserklärungen durchweg um recht kleine und unbedeutend« Gemeinden handelt«. Weiter möchte ich zu bedenken geben, daß das im allgemeinen nur solche Gemeinden sind, die in ihrem Beitritt zum Landesverbände von vornherein «in gutes Geschäft sahen, die glaubten, daß man zu Beiträgen nicht herangezogen werde, und die anderseits di« Dorteile des Landesverbandes genießen wolsten. Gewiß, meine Damen und Herren, liegt es in unserer Absicht, solche leistungsschwachen Gemeinden nicht zu belasten. Aber «ins müssen wft aufrechterhallen, nämlich das Prinzip der gerechten Verteilung derjenigen Mittel, die uns von Staats wegen zufließen, und derjenigen Mittel, die wir von leistungsstarken Gemeinden erhalten. Wir müssen gewissenhaft prüfen, wo wft helfen können, und wo die Not am größten ist. Wir müffen Grundsätze haben. Und wenn nach diesen Grundsätzen irgendeine klein« Gemeind« im Augenblick die Beihilfe nicht erhält, auf die sie rechnet, dann hat sft aus diesem Grunde allein noch nicht das Recht, zu erklären, daß sie aus dem Landesverbände austrete, und daß der Landesverband seine Pflicht nicht erfülle und damit eigentlich eine Existenzberechtigung nicht Hab«. Meine Damen und Herren! Ueber die einzelnen Vorwürfe, di« hier noch erhoben worden sind, wollte ich eigentlich nicht sprechen. Ich möchte aber doch, da auch einzelne technisch« Dinge erwähnt worden sind, Ihnen sagen, daß di« Schwierigkeiten, von denen ich sprach, es auch mit sich, gebracht haben, daß bei der heutigen Versammlung gewisse Dinge, die man vielleicht für mehr als «ine Unbequemlichkeit erachten muß, vorgekommen sind. Man hat z. B. einig« Vorlagen, die man hätte vor 14 Tagen drucken können, Ihnen erst vor acht Tagen vorgelegt. Gewiß ist das richtig. Aber wir haben unter einem außerordentlich starken Druck gearbeitet. Nach der Lebenserfahrung kommt es durchaus nicht nur bei Schularbeiten vor, daß st« im letzten Augenblick gemacht werden. Das hat manchmal seinen guten Grund, denn di« Füll« der Arbeften zwingt dazu, sie auf di« ganz« zur Verfügung stehende Zett zu verteilen. Man muß prüfen, was eilig ist, und gewiffe Ding«, die nicht so wichtig sind, etwas zurückstellen. Da wftd man sich eben entschließen müssen, die «ine Vorlage früher, die ander« aber erst später zu fertigen. Di« Etatsvorbereitung war nicht so einfach, wie mancher Redner anzunehmrn scheint; wft konnten sft zwar vor Monaten schon vornehmen — und tatsächlich ist st« langst begonnen worden —, aber dann mußt« der Etat zunächst im Rat durchberaten werden. Daher war «S erst nach der letzten Sitzung d«S Rates vor vier Wochen möglich, mtt dem Druck zu beginnen und di« Heranfchaffuug der erforderlichen Unterlagen für den DerbandStag zu besorgen. Solch« Dinge kommen nicht bloß im Landesverband, sondern auch anderswo vor. Sft sollten deshalb nicht gerade hier als «in Zeichen mangelhafter Verwaltung angesehen werden. Ein besonderer Borwurf ist uns daraus gemacht worden, daß die in Aussicht genommenen Bezirksrabbinate noch nicht gebildet sind. Der Herr Derfteter der konservativen Partei hat sogar geglaubt, verlangen zu können, wir müßten an dies« Aufgabe der BezirkSrabbinaft mit mehr Ernst gehen. Meine Damen und Herren! Im Namen der Herren, die in der Verwaltung und im Rat dies« Angelegenhest bearbeiten, darf ich Ihnen erklären, daß es an dem nötigen Ernst nicht gefehlt hat, daß es auch nicht an Rabbinern fehlte, di« bereit gewesen waren, dieses Amt zu übernehmen. Meine Damen und Herren! Wir haben getan, was möglich war. wir haben nicht bloß Theorie getrieben. Wir haben an mehreren Stellen in Preußen den Versuch gemacht, ein Bezirksrabbinat zu bilden. Di« Versuch« sind bisher fehlgeschlagen, aber nicht etwa wegen der Kandidaten, sondern wegen der Verhältnisse der Gemeinden, die sich zusammenschließen sollten. Da ergaben sich Schwierigkeiten materftller und sonstiger Art. WaS da für Widerstände austauchten, darüber können Sie sich keinen Begriff machen. ES scheint kaum möglich, mehrere Gemeinden unter einen Hut zu bringen und «ine Regel aufzustellen, nach der sie sich alle richten, nach der sft die gemeinsame Versorgung durch einen Rabbiner hinnehmen, ganz abgesehen von der Frage der Bezahlung. Mein« Damen und Herren! Das ist «in Schulbeispiel dafür, wie schwer es ist, ein Programm, das aufgestellt ist, ein Programm, daS nach der übereinstimmenden Ansicht aller Sachkundigen durchaus zweckmäßig aufgestellt ist und verwirklicht werden könnte, wftklich durchzuführen. Meine Damen und Herren! Es ist, um darauf noch mit einem Worte zurückzukommen, über die Tätigkeit des Herrn Dr. Freund gesprochen worden, und Herr Rechtsanwalt Dr. Baerwald hat eine gewiss« Kritik an dieser Tätigkeit geübt. Sie ist dahin gegangen — im wesentlichen das, was ich bereits angedeutet habe —, daß Herr Dr. Freund mehr getan hat als seine Pflicht. Nun, meine Damen und Herren, es ist richtig, was gesagt worden ist, Herr Dr. Freund fft seit geraumer Zett nicht mehr Geschäftsführer des Landesverbandes. Nach seinem Ausscheiden aus diesem Amte sind, wie Ihnen bekannt ist, alsbald hier in unserem Rat zu unser aller Trauer sehr schwere und fühlbare Lücken entstanden, an die unser verehrter Herr Präsident zu Eingang der Sitzung erinnert hat. Es begann eine Uebergangszett, in der es außerordentlich schwierig war, bei dem sehr verminderten Engeren Rat und dem verkleinerten Dezernentenkollegium überhaupt die Geschäft« ordnungsmäßig weiterzuführen. ES begann dann die Zeit, in der es sich darum drehte, wer Nachfolger der ausgeschiedenen Herren werden würde, und welche Dezernat« chnen anvertraut werden sollten. Alles das hat auß«rordentlich« Schwierigketten gemacht. Dies« Dinge haben sich leider nicht reibungSlas abgewickelt und sind zum Teil heute noch nicht erledigt. Herr Dr. Freund, das wiffen wir alle, und das ist an dieser Stelle schon mehrfach betont worden, das wird auch von allen anerkannt. hat große profund« Kenntnisse auf vielen Gebieten, die hier im Landesverband besonders in Beftacht kommen. Er hat sie im Intereffe des Landesverbandes verwertet. Wenn jetzt die Forderung aufgesteltt ist, daß er sich Selbstbeschränkung auferftgen soll«, so glaub« ich, daß diese Beschränkung auf die chm dezernatsmäßig überwiesenen Gebiete in seinem eigenen Interesse liegt. Er kann dann auf diesen Gebieten viel intensiver arbeiten. Ls kann aber so vor alftn Dingen daS Prinzip unserer Arbett, das wft in unserer Geschäftsordnung aufgestellt haben, durchgeführt werden, daß nämlich nicht von einer Stell« aus alle Arbeit geftistet wftd, sondern daß «in« Verteilung der Arbett nach Dezernaten «inftitt, und daß jeder Dezernent an seinem Trift mit dazu beiftägt, dft Geschäfte des Rates zu führen. Gerade durch die Beschränkung des einzelnen auf ein gewisses Gebiet wird es erreicht, daß auf jedem Gebiet« di« erforderlich« Arbett auch wirklich geftistet wird. (Bravorufe.) Mein« Damen und Herren! Ich sagt«, daß dies« Entwicklung noch nicht abgeschlosftn ist; eS sind in dieser Beziehung Anregungen an uns herangefteten, di« zu prüfen und gegebenenfalls zu berücksichtigen wft gern bereit sind. Was Li« Arbeitsverteilung an- . langt, so ist auf Herrn Dr. Eharig, der seit Jahresfrist bei uns bft Lätigkett als Generalsekretär auSübt, hingewiesen worden. ES liegt sehr nah«, auch ihn zur Bearbeitung von Dezernalen heranzuziehen. Nur ist im Augenblick dazu kein« Mögttchkeit vor-