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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-02-15 · 1 (15.2.1929) · p. Seite 15

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
1 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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- 16 - wir in »p»ser« Wirtschaft gesondert sind und durch wirtschaftlich« Erscheinungen im WirtSvolk bedroht werden, daß dies« Erdomtni« auch de« Lenttal-Berein vorgetragen wird. Diebedeutet, daß Professor Hirsch mit und zu der Erkenntnis kommt, daß der Zug dieser Zeit, das Ziel der Bergesellschaftung, vor allen Dingen das Judentum trifft. Es ist di« ökonomisch« Frage, di« unS immer beschäftigt hat. Wir können nur im Schlußwort Professor Hirsch nicht folgen. Er hat daS Wort geprägt, daß «S doch ein wahrer Jammer ist, daß ein jüdischer Jung« besser wisse, was ein Dunam sei als «ine Aktie. UnS scheint di« jüdisch« Jugend inftinktmäßig den Weg richtig zu finden. Dieser historischen Erscheinung der Vergesellschaftung gegenüber müssen neue Weg« gegangen werden; diese Weg« sind für unS eindeutig Sozialismus und Zionismus. lBravorufe.) Uns ist besonders erfreulich die erst« Erkenntnis zu diesem Weg. Ich traue Herrn Professor Hirsch bei seiner starken Wandlungsfreudigkeit und -fähigkett zu, daß er auch di« letzte Konsequenz eines schönen Tages erkennen wird und daß er dann bedauern wird, seinen Zuhörern die Konzession gemacht zu haben, von der asiatischen Universität zu sprechen, vielleicht daS Einzig«, was di« Zuhörer wahrhaft aus diesem Referat verstanden haben. Aber es ist interessant, daß Herr Professor Hirsch dt« Erkenntnis über die ökonomisch« Lag« des deutsche»» Judentums, di« sich ruft der »mfrigen durch«»»s deckt, vor Mitgliedern des Lentral-DereinS ausgesprochen hat. Ls war gewiß airgenehm, derartig ernsthaft« Dinge zu hören, nach den Prologproben bcitfföcr Dichtkunst, die dort g«bot«n wurden, und die in der Lat auf einem besonderen Niveau standen. Dabei erinnere ich daran, daß mein Freund Tri«tsch seit langen Jahren das Fremdwort „Niveau" mll dem gutdeutschen Wort „Tiefstand" übersetzt. Ich freue mich deshalb auch besonders, daß der Preußische Landesverband der Gesellschaft Ort «inen Beitrag bewilligt hat, einer Gesellschaft, die außerhalb Deutschlands arbeitet, für deren Befürwortung wir uns einig sind. Um so bedauerlicher ist, daß die Gesellschaft „Ort" nicht auch die Rede d«S Präsidenten — wenn ich so sagen darf — der Sowjetregierung, d«S erfahrenen Kommunisten und Nichtjuden Kalinin verbreitet hat, di« er auf der Ort» Versammlung in R»»ßland gehalten hat und di« deutsche Juden, Führer des Lentral-Vereins gehört haben. In dieser Rede spricht Herr Kalinin mll eindeutigen Worten davon, daß di« Bewegung der Juden zum Lande, zur Erdarbell »ur zu erklären sei, aus ihrem Willen, sich als Nation 31z erhalten, sich auch in der kommunistischen, religionSfteien Gesellschaft alS jüdisch« Nation zu bewahren und in der neuen kommunistischen Oekonomik chre eigen« »rational« Form zu erhall«». Ich habe leider in den zahllosen Veröffentlichungen über „Ort" und von „Ort" den Abdruck dieser Red« von Kalinin, die nach vielen Richtungen hin ausgezeichnet ist, vermißt. Ich habe vermißt, daß dies« Red« in Deutschland nicht ebenso abgedruckt und verbreitet worden ist, wie viele andere Broschüren, obwohl Kalinin Rußland und daS russisch« Judentum besser kennt alS z.B. die Herren, di« nach sechStägtgen Palästinareisen über Palästina und das Judentum schreib«». ES ist unverständlich, daß man auf der einen Seit« für «ine eindeutige national« Bewegung «intritt, während Sie auf der anderen Seit« Palästina bekämpfen. DaS führt zu so entzückenden Szenen, wie di«, daß man nach dem Besuch von Professor W«iz»»ann in» Auswärtig« Amt geht (Hört, hört!) und dort versucht, gegen de» Empfang ,WetzmannS Beschwerd« zu führen. (Hört, hört! Zurufe: Rur Berger darf dort hingehen!) (Anruh«.) Wenn Berger dort hingeht, pflegt er sogar noch höher« Stellen zu erreichen als Sie sie erreichen (Heiterkeit, Bravorufe), aber Berger war noch nie zu DennnziationS-gvecken im Auswärtigen Amt. Ob daS mm des Judentums würdig ist, ob es zur GesdrnungSgemeinschast zählt, ob «S zur Abwehr«ch«it zählt, wird schwer festzustellen sein. Tatsache ist aber, .daß «S geschehen ist. Im Zusammenhang damit muß gesagt werden» .daß im Segensatz zu den Veröffentlichungen in der E^V^Zettung, in denen imrner wieder darauf hingewiesen wird, daß die national-jüdisch« Bewegtmg in Polen dem Deutschtum Abbruch tu«, festgefteüt werden muß, daß wiedermal, gewiß nicht um des Deutschtums willen, tatsächlich Deutsch« und Juden tu Pole« gemeinsam gekämpft haben, unS die Deutschen verdanken «inen Tell ihres besonderen Wahlerfolges den jüdisch-nationalen Parteien. Sie hätten einen größeren Erfolg gehabt, wenn die Agudah mitgegangen wäre, di« dlismol gegen die Deutschen operiert«. Dt« Freund« der Agndifte» sitzen ja in Ihren Reihen (Hellerkett)» di« Verbündeten d«S Derer Rebbe find ja in dies« GefinnungSgenosseufchaft «athallen (erneute Heiterkeit). Ich bedaure» daß man bei den Verhandlungen i» Reichsverband solch« Rücksicht nimmt auf die Agudah. Ich glaube, niau sollt« den Weg gehen» ohne sich im» diesen Tell d«S Judentum z» bemühen. Di« E»»twürf« der Agudah beweisen, daß ein« Dereinigirng unmLglich ist. Di« Anschaurrngen stehen sich diametral gegenüber. Wir müssen aber auch den größeren Tell der Anträge der Liberalen Fraktion in der Frage der Verfassungsänderung ablehnen. Trotz einer geschickten Fassung erkennt u»an beim Durcharbeiten, daß «S darauf hinausläuft, di« Vorherrschaft der Liberalen Fraktion wesentlich zu verstärken. Das muß die kleinen Fraktionen völlig dezimieren. Es wird kaum noch möglich sei»», daß mehr als zwei Fraktionen vorha»»d«n sind. Ich Halle das für schlecht. Ich glaub«, daß daS preußische Judentum in seiner Ganzhell vertteten sein soll. In dem anerkennenswerten Bestreben, den Rat zu verbessern, sollte man den Schrllt gehen, den Rat gemäß den Wahlergebnissen zusammenzusetzen. ES stehen vor u»»s wichtig« Aufgabe»», Interessen eines großen Telles preußischer I»»den »oerden geschädigt werden d»»rch die Vorlage im Reichswirtschaftsrat über di« Wandergesetzgebung. Taus«»»de jüdisch« Familien werden in wenigen Monaten chr Brot verlieren, nicht etwa durch den Antis«mitism»»s, sondern einfach deshalb, weil «in neues Gesetz geschaffen wird, das das Wandergewerbe gerade in einem Punkt, in dem zu einem großen Teil I»»d«n tätig sind, völlig inhibiert. Ich halte es für unsere Pflicht, daß wir uns rechtzeitig um die Sache bekümmern, hier nützen nicht Worte, sondern hier muß den Familien geholfen werden. Die Darlehnskassen müssen in Funktion treten. Dasselbe gllt für die älteren Angestellten, deren Not unbeschreiblich groß ist, u»»d denen man, da sie keine Stellung finden, dadurch helfen muß, daß man versucht, chnen «ine selbständig« Existenz zu schaffen. Hier nmß unser Verband einsetzen; es darf nicht alles bloß den Gemeinden überlassen bleiben. Herrn Dr. Horowitz bin ich dankbar dafür, daß er in seinen Ausführungen di« Schändung der Iudengräber berührt hat. Das ist wirklich «ine Frag«, zu der wir Stellung nehmen müssen. Es ist unsere Aufgabe, dieses ganze Gebiet zu behandeln; wir sollen daS nicht einer Gesinnungsgenossenfchast überlassen. Im übrigen sind, wir der Meinung, daß sonst der einzeln« I»»d« selbst politisch Stellung zu nehmen hat. Wir lehnen das System ab, daß gerade jetzt der Klingelbeutel hinausgeht und sammelt für eine Gesinnungsgerwssenschast. Wir lehnen die ganze Polllik ab, wir^halten nicht viel von dieser Abwehrarbeit. Der Einzelne soll Stellung nehmen. Keinen Pfennig für diese Gesinnungsgemeinschast. Soweit wir kollektiv bedroht sind, haben wir Stellung zu nehmen. Unsere eigen« Ueberzeugung aber werden wir jeder selbst ausfechten. Wir treten den Parteien bei, zu denen wir wollen. Ich spreche die Hoffnung an», ta|j die deutsche Iudenschaft, soweit st« «rkennt, wo chre Interessen liegen, im künftigen Wahlkampf geschlossen der sozialdemokratischen Partei bellreten wird (Hört, hört!), jener Partei, die chre Interessen am schärfsten vertreten wird. Ls kommt darauf an, unser« Politll anzusehen vom Standpunkt des gesamten »rationaljüdischen Interesses. Sehen wir sie von dort airs an, dann werden wir den Weg finden, der dem preußischen Judentum, dem deutschen Judentum, die Instit»»tion, die nottut, geben wird. (Lebhafte Bravorufe und Händeklatschen.) - Der Präsident: Ls fehll mir hier noch die List« der Mittelpariei für die Kommissionen; die übrigen Parteien haben die Liste bereits hergegeben. DaS Wort hat dann Herr Kammergerichtsrat Wolff. Präsident des Rates, Kammergerichtsrat Wolfs: Mein« sehr geehrten Damen uird Herren! Nachdem ein Redner von jeder Fraktion diese- Hauses gesprochen hat, möchte ich zu dem, was hier gesagt worden ist, Stellung nehmen. Ich kann dabei nur einen Tell Ihrer Altsführungen in Bettacht ziehen, da jedes Mllglied des RateS, daS an dies« Stell« tritt, nicht dazu daS Wort erhält, um etwa sein« eigenen Ideen oder seine eigen« Anschauung über das, waS «S hier gehört hat, vorzuttagen, sondern mir di« Ansicht des RateS kundgeben kann. Gerade aber alS Dertteter des RateS habe ich manches zu sagen. Bor allen Dingen ist «S mtt «in Bedürfnis, für di« Anerkennung, di« von einigen Rednern der Arbell des Rates ausgesprochen worden ist, von hier auS meinen Dank zu sagen. Mein« Damen und Herren! Wir haben im Rat« nicht» Wetter getan al» unser« Pflicht, und dies« besteht darin, di« Geschäfte d«S LandeSverbandeS sorgsam, ordnungsmäßig und mtt größter Gewifseuhastigkell zu führen. Wenn man aber sein« Pflicht tut, so will man dafür keinen Dank, und hat auch keinen Anspruch auf Dank. Ich muß deshalb anerkennen, daß hier von Ihnen uns gegenüber mehr gesagt worden ist, al» erforderlich gewesen wäre. And ich kann vielleicht in diesem Zusammenhang gleich darauf ht»»w«is«n, daß einer der Herren Redner einem Mitglied« des RateS die Ausdehnung seiner Tätigkeit über den ihm durch sein« Pflichterfüllung gezogenen

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