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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-02-15 · 1 (15.2.1929) · p. Seite 14

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
1 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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— 14 - können, wo es sich hier nur um Nuancen handelt, mit solcher Schärf« und Gereiztheit gegenüberstehen. Wenn heut« der Landesverband dies« Stellung innehat, wenn der Große Rat doch im allgemeinen, so glaube ich wenigstens, zu unserer Zufriedenheit gearbeitet hat, so kann man doch von vornherein darauf, schließen: daß di« führenden Persönlichkeiten ihre Pflicht getan hocken. Ich möchte im Naman der Mittelpartei dem Herrn Präsidenten, Herrn Professor Türk und Herrn Dr. Freund, sowie unserem Verl» storbenen Freunde Galewski unseren Dank aussprechen, daß sie mit hingebender Treue und Ueberlegung und Vorsicht gearbeitet haben. Auf die Worte des Herrn Dr. Baerwald, der, wie er sagt«, gegen ein nennenswertes Parteimitglied, Dr. Freund, vom sachlichen Standpunkt« aus Einwendungen zu machen Hab«, dies« Einwendungen aber in einer außergewöhnlichen Schärf«, ohne der großen Verdienste des Herrn Dr. Freund zu gedenken, vorgebracht hat, habe ich folgendes zu erwidern: Herr Dr. Baerwald meint es ehrlich; daran kann ich nicht «inen Augenblick zweifeln. Aber vielleicht befindet sich Herr Dr. Baerwald, weil er eben nicht in Berlin ist und die Sache nicht aus der Nähe sieht, in einem falschen Fahrwasser. Die sachliche Arbeit des Herrn Dr. Freund ist in keiner Weise zu unterschätzen. Die anderen von mir erwähnten Herren, werden es, wie sie es mir schon oft im persönlichen Gespräch zugegeben haben, auch hier sicher anerkennen, daß in den Werken des Herrn Dr. Freund eine ungeheure Arbeitskraft, Hingebung und Fleiß liegt; gewiß ist Herr Dr. Freund sehr egozentrisch. In. manchen Versammlungen, namentlich im kleineren Kreise, hört man nur sein Wort dauernd rauschen wie den Gasteiner Wasserfall. Hieran hat man sich bei solchen Unterhaltungen gewöhnt und nimmt es ihm nicht weiter übel. (Heiterkeit.) Wir wissen aber doch alle, daß er außerordentlich unterrichtet ist. Gerade bei seinen Arbeiten im Ministerium hat er durch sein« Sachkenntnisse Außerordentliches geleistet und er wird bewundert, vielleicht auch manchmal auf der anderen Seite gefürchtet. Ich bitte nochmals hier sagen zu dürfen, daß die Mittelpartei dem Großen Rate und dem Präsidenten des Landesverbandes herzlich für afle Bemühungen dankt, und daß ich im Namen meiner Partei bitte, daß auch Herrn Dr. Freund die voll« Anerkennung gezollt werde. (Bravorufe und Händeflatschen.) Der Präsident: Das Wort hat Herr Berger. Abg. Berger (Poale Zion): Sehr geehrte Herren und Damen! Mein verehrter Herr Borredner hat chen die Feststellung getroffen, daß der Preußische Landesverband mit dem, was er «rreicht hat, doch im allgemeinen zufrieden sein kann. Ich bedaur« ganz außerordentlich, diesmal mit Herrn Professor Sobernheim nicht einig gehen zu können. Wenn irgend etwas uns überzeugen sollte, wie wenig wir in Wahrheit erreicht haben, dann das Bild der heutigen Versammlung. die unter vöfliqer Teilnahmslosigkeit der Berliner Iudenheit stattftndet, dann der Auftakt, mit dem der Vertreter der größten Partei dieses Hauses, anstatt sich und der Oeffentlichkeit Rechenschaft über das zu geben, was wir für das preußische, das deutsch« Judentum getan haben oder was getan werden sollte, statt dessen die Gelegenheit benutzt, einer einzelnen Persönlichkeit mehr oder weniger unfteundlich« Worte zu sagen. Mir scheint dies nicht zufäflig zu sein. Mir scheint dies alles nur daher zu kommen, weil di« gesamte Arbeit von falschen Voraussetzungen ausgeht. Ich halte es für unsere Pflicht, in einer Etatsdebatte immer wieder zu diesen Grundsätzen Stellung zu nehmen, weil ich aus tiesster Seele überzeugt bin. daß unser« Arbeit erst dann Erfolg haben wird, wenn wir ausaehen von der gesamt-jüdischen, von der national-jüdischen Erkenntnis. (Sehr richtig!) An einem Beispiel will ich Ihnen das zeigen. Ls war mein besonderer Auftrag in diesem Hause von der ersten Tagung ab, immer wieder auf die Not der jüdischen Anqestelften, der jüdischen Arbeiterschaft hinzuweisen. Ich habe inzwischen bemerkt, daß diese Worte wirflich nicht ohne Erfolg geblieben sind. Man beschäftigt sich schon in diesem Hause damit, leider immer nur noch mtt Reden, während es unserer Ansicht nach Aufgabe des Rates gewesen wäre, hier mit Taten zu kommen. (Sehr richtig!) Nun hat sich «ine außerhalb dieses Hauses stehend« Organisation, eine Gesinnungsqemeinschaft, dieser Frag« bemächtigt und hat sie ausführlich behändest, eine Gesinnungsgemeinschaft, die nicht bas gesamte preußisch«, nicht daS gesamte deutsch« Judentum vertritt, während dies doch «ine Frage des ganzen deutschen Judentums ist. Dies« GesinnungSgemeinschast benutzt offenbar dies« Frag«, um sich in den Bordergrund zu spielen. Sie macht aus dieser ernsten Angeleqenheft «in« Propaqandasach«. Ich Hab« sehr wenig Zutrauen, daß aus dieser Arbeit mehr herauskommen wird als aus den Jahrzehnt« lang betriebenen Debatten über all« schwerwieqenden Fragen, denn dies« Gesinnungsgemeinschast scheint in ihrer Arbeit von vornherein zum Mißerfolg verurteiÜ zu sein. Unsere Aufgabe wäre es, zu arbeften und Taten zu schaffen. . ,. t , Nun zur Frag« der Sabbathruh«: LS genügt nicht, daß wir unS hier in schönen Bemerkungen über diese Sache auSlassen. Wichttger ist, daß Sie in den Frattionen und Ausschüssen dahin wirken, daß di« jüdischen Angestellten di« Möglichkeit haben, den Sabbath zu feiern. (Sehr richtig!) Ich bin der Ueberzeugung. daß «S noch «ine groß« Anzahl sabbathtreuer Arbeitgeber gibt, di« lieber Nichtjuden beschäftigen, alS ihren jüdischen Angestellten den Sabbath freizugeben. (Sehr richtig?) Dies zählt mit zu den Aufgaben der Erziehung, von denen hier gesprochen worden ist. (Sehr richtig!) Hierzu gehört auch, daß wir in aller Ruh« dazu übergehen, uns selbst dazu zu erziehen, nichts in den Geschäften getaufter Juden zu kaufen. Ein großes Berliner Seidengeschäft würde dann erkennen, von welch außerordentlicher Bedeutung, die jüdisch« Kundschaft ist. Ls ist beschämend, daß «S im wesentlichen Juden sind, di« ihr« Einkäufe bei Leuten decken, di« durch die Tauf« jede Gemeinschaft mit unS gelöst haben. (Zuruf: Und was wird auS den jüdischen Angestellten dieses Hauses?!) Nach meiner Ueberzeugung sst gerade dieses Geschäft in der Einstellung jüdischer Angestellten außerordentlich vorsichtig. (Zuruf: Er muß aber!) Er kann ja nicht anders. (Heiterkeit.) Ich muß gestehen, daß daS traurig« Bild, daS unserem Gefühl nach die bisherig« Leistung des Preußischen Landesverbandes bietet, naturgemäß ja auch Rückwirkungen in der Oeffent» lichkeft hat. Wie ist es anders zu erklären, als daß durch ein« immer stärker werdend« Interessenlostqkeit das Geld, über das der Rat verfügen soll, so außerordentlich langsam «ingeht; daß z. B. der Wohlfahrtsausschuß aus den in den ersten zehn Monaten dieses Jahres bewilligten Ausgaben von 143000 RM den Institutionen, denen sie bewilligt waren, ungefähr nur 60»/« zahlen konnte. Nicht etwa, weil er nicht mehr geben wollte, sondern weil das Geld von den Gemeinden nicht da war. Wir stoßen auf die gar nicht erstaunlich« Tatsache der immer stärker werdenden Neigung der Gemeinden, auszutreten oder mit dem Austritt zu drohen. Aber es ist dies «in Beweis dafür, daß es unS nicht gelingt, diesen großen, schönen und stolzen Gedanken der Vertretung des gesamten preußischen Judentums, d«S gesamten deutschen Judentums würdig durchzusehen. Wir haben z. B. in der BerichtSperiod« die Hauptversammlung des Central-Dereins gesehen, die für unS «ine ungemein wichtige war (Widerspruch), di« «in« wirflich beachtenswerte Versammlung gewesen ist. Zu ihr müssen wir Stellung nehmen. Sie weichen hier den Dingen aus, aber dies sind di« Fragen, di« uns anqehen. Man konnte dort feststellen, wie Broschüren über Palästina, di« in Deutschland geschrieben sind, wirken. Ich will von den Broschüren, di« von Herren verfaßt wurden, die sechs Tage im Land« waren, absehen. Sechstagerennen sind in Deutschland in Mißkredit gekommen. Ich will nur bemerken, daß auch in dem Neudruck dieser Broschüre Herr Staatsrat Lohn di« Unwahrheit weiter verbreitet, daß di« hebräisch« Universität in Jerusalem nur vier Zimmer Hab«, während dem Herrn Staatsrat längst nachgewiesen ist, daß es sich um über hundert Räume handell. Aber wahrhaft erstaunlich ist. daß dem Verfasser einer Broschüre über Palästina jubelnder Beifall zutell wurde, einer Broschüre, in der drinsteht, daß der Schriftsteller de Haan zweifellos durch Zionisten ermordet wurde. (Unruhe. Zuruf«: Steht nicht drin!) Mein« Damen und Herren! Bor ungefähr zwei Monaten ist in Wien «in Nationalsozialist erschlagen worden. Der Polizei gelang es nicht, den Mörder zu finden. Ich empfehle Ihnen, die Zeitungen aller jüdischen Richtungen daraufhin nachzulesen, daß sich die jüdisch« Gesamtheit mit Recht dagegen gewehrt hat, daß von antisemitischer Seite behauptet wird, diese Tat sei durch «inen Juden oder durch einen von Juden gedungenen Mörder vollführt worden, obwohl der Mörder überhaupt nicht entdeckt worden ist. Herr Dr. Wiener, Syndikus des Lentral-Dereins, hat den Mut, «inen uneutdeckten Mord seinen Parteiqegnern in di« Schuh« zu schieben. (Zuruf: WaS hat das «iqentllch mit dem Etat zu tun?!) (Unruhe.) Ich bin berert. Ihnen die Stell« vorzulesen, und zu einem derartigen Machwerk klatscht« ein« Versammlung stürmischen Beifall. Diese Broschüre ist auch deshalb für uns von besonderem Interess«, weil sie nicht nur antizionistisch, sondern auch in schärsster Form antisozialistisch sst. Das geschieht von derselben jüdischen Gruppe, die den kommenden Monat bei der Reichstagswahl mehr Wert auf den Sozialismus und die Sozialdemokratie legen wird, als bei Abfassung dieser Broschüre. (Unruhe, Zurufe: WaS hat das mit dem Etat zu tun?!) Dies hat damtt genau so zu tun, wie die merkwürdige und erfreulich« Erkenntnis, di« aus dem Referat von Professor Hirsch auf der Tagung d«S Lentral-BereinS vorgetrage» worden sst. E« ist für unS interessant, festzustellen, daß das, was wir immer seit 25 Jahren behauptet haben, nämlich, daß wir Juden eine« Stammes sind — Professor Hirsch sagt« es wörtlich —. daß

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