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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-02-15 · 1 (15.2.1929) · p. Seite 13

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
1 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Zu erreichen, di« eS jedem Unbemittelten ermöglicht,' seinem Gewissen folgend, religiös« Vorschriften ohne besonder« und wirtschaftlich schwer zumutbar« Leistungen zu erfüllen. Mit Recht ist gesagt worden, daS ganze deutsche jüdisch« Leben ist arm und kann nicht reich und sieghaft Weichen, wenn nicht Menschen da sind, die wirklich erfüllt sind von der Größe, von der Ganzheit des jüdischen Denkens. Dazu ist nötig, daß man jüdisch« Kulturzentren schafft, daß man nicht nur Anstatten .zur Förderung der Wissenschaft deS Judentums und insbesondere dt« Stätten, die zur Heranbildung unserer Lehrer und Rabbiner bestimmt sind, fördert, sondern daß man auch di« Ieschiwoth, di« daS altjüdisch« geistige Leben in unseren Kreisen pflegen, unterstützt. Auch darauf richtet sich einer unserer Anttäg«, der die Erhöhung der Subventionen für die Ieschiwoth im Haushaltsplan fordert. Meine Damen und Herren! Ihnen allen wird daS alt« Wort bekannt sein: min' PK -Nvp?*K DK <£« isf nötig, wenn wir wirklich jüdisch« Kulturzentren schassen wollen, wenn wir «in lchendigeS, jüdisches Leben haben wollen, daß wir alletun, um die Umschichtung der Berufe unterer deutschen Iudenhett wirklich in ordnungsmäßiger Form in die Weg« zu leiten. Wie daS getan werden soll, sst außerordentlich schwierig. Unsere Meinungen decken sich in vielem mst dem, was Herr Kolleg« GoSlar vorhin vorgetragen hat. Wir haben auch einen positiven Antrag «ingebracht, und wir halten ihn auch für unbedingt nöttg. Wir sehen, daß, während die christlich« Bevölkerung in einem bewußten Gegensatz zu der jüdischen Bevölkerung und den vorhandenen jüdischen Berufszweigen in den Klein- und Mkttesstädten in Raiffeisenvereinen und landwirtschaftlichen Genossenschaften zusammenaefaßt wird, es unserer jüdischen Bevölkerung dieser Land» und Mittesstädt« überhaupt unmöglich sst, irgendeine Berufsumschichtung oder eine neue Berufswahl zu vollziehen. Auch zu dieser Tatsache muß der Landesverband Stellung nehmen. ES ist sicher, daß nach der heutigen Struktur unseres Verbandes hierfür zunächst vielleicht die Zentralwohlfahrtsstell« oder ein« «inzuberufend« jüdische Wirtschaftskonferenz zuständig wäre. Aber wir müssen es aussprechen, und wir hoffen, daß andere unsere Anregungen aufnehmen: Wir sind dafür, daß in Gemeinschaft mit der ZentralwohlsahrtSstelle Be'irkSdarlehnskassen gegründet werden, daß schleunigst entsprechend« Konferenzen abgehatten werden, und daß «ine weise und vernünftig« Auswahl, ein ständiger Hinweis auf neu« Berufsarten die Möglichkeit der Umschichtung zu neuen Berufen. die wirklich« Gesundmachung alter Berufe gibt. Natürlich gilt diese Verpflichtung nicht nur für das Land und die kleinen und mtttleren Städte. Wo schon wie in manchen Städten DarlehnSkassen bestehen, müssen diese ausgebaut werden, und «in Netz solcher DarlehnSkassen muß Stadt und Land überspannen. Es wiich sich aber empfehlen, daß der Sitz der BezirkSdarlehnSkaffen in Gemeinden ruht, wo «in reaes jüdisches Leben herrscht, und wo «in« Leitung nach kaufmänniAhen Gesichtsvunften stattfinden kann. Ich Hab« gehört, daß es einer solchen Kasse in Hannover aelunqen sst, gute Erfolge zu erreichen und auch beim Preußischen Wohlfahrtsminister Unterstützung zu finden. Unsere jüdischen DarlehnSkassen gehen diesen Weg nur schwer. Deshalb müssen sie von dieser Stell« auS angefvornt werden, wirklich etwas zu tun, um den Schwierigkeiten zur Erhaltung des bisherigen Berufs zu begegnen, um auch der jüdischen Bevölkerung in Stadt und Land di« Möglichkeit zu geben, dort ein wirtschaftlich erträgliches Leben zu führen. (Ruf vom Vor» standstisch her.) Ich höre soeben, daß mir nur noch wenig« Minuten zur Der. fügung stehen. Ich will nicht hoffen, daß ich mitten im Wort abbrechen muß: aber ich will mir die nötig« Disziplin auferlegen, nicht auf die wichtige Frag« der Förderung jüdischer Schulen und ander« Gegenständ«, insbesondere Wetter« soziale Fragen, «ingehen. Wenn «S aber wahr sst, daß der LandeSverbärtt» zunächst einmal di« einzig« zentraljüdische Körperschaft in Preußen ist, so ist im Rahmen deS LandeSverbandeS daS Nötige vorzusorqen für «ine gesund« und vernünftig« BedölkerungSpolitik; dazu gehört di« Erziehung unserer jüdischen Bevölkerung zur Frühehe. Unterstützung der AuSstattungS» vereine; unter vielen anderen Mitteln sind auch gemeinnützige Eheberatungsstellen angeregt worden. Mein« Damen und Herren! Das hört sich für viele merkwürdig an (Rufe: N«in1), «S wird aber nöttg werden, und wir müssen alles tun, um auch in diesem Punkt wetterzukommen. (Sehr richttgk) Noch «inS: Ich hatte «S für «in« Pflicht d«S LandeSverbandeS, nachdem nichts so sehr di« Ehre d«S deutschen DolleS befleckt wie di« zahlreichen FriedhofSfchändungen, dt« auf jüdischen Friedhöfen geschehen sind, daß er hervortritt, um 311 fragen: wv bleibt die Rechtspflege, wo bleibt die, Durchführung der Rechtspflege, wo bleibt der «hrttch« und vornehm« Eharakter unseres deutschen DolleS, wenn «S hinnimmt, wenn wtt bald Jubiläen ' dieser FrtedhofS» schändungen, die sich den hundert nähern, zählen können? (Sehr richttgk) Der Landesverband und neben chm der Lentral-Derei» müssen hingehen, um di« Verschärfung der Strafbestimmungen zu verlangen; sie müssen ernsthaft protestteren gegen dies« Schmach und den Makel, der nnl nicht trifft, der aber von den anderen nicht wegzunehmen ist, solang« sie chn nicht weqwascherr und dafür sorgen, daß Unhold«, die solches treiben, in ihren dunflen Winkeln für immer verschwinden. (Lang anhaltende Bravorufe und Händeklatschen.) Mein« Damen und Herren! Wir Traditionstreuen, di« wir der Geschichte ergeben find, und uns all« vor chr in Ehrfurcht neigen, dt« wir alles, was in unserer jahrtausende langen Dergangenhett von Bedeutung ist, tagtäglich zu verwirklichen suchen mit schwachem Streben, wir sehen in die Zukunft, wir glauben an di« Zukunft, wir wissen, daß st« unS verbrieft ist als «ine groß« und herrlich« Zukunft, aber wir wollen auch, daß alle Zusammenarbeiten, dies« Zukunft wirflich zu verkörpern. ES ist davon gesprochen worden, ob man den Frittxn höher setzen muß als die Wahrheit, und ob daS Recht vor Frieden, oder Frieden vor Recht geht. Mein« Damen und Herren! Wenn man uns hier streiten hört: Ich habe von-- keinem der Redner heut« bis jetzt und selten nur in diesem Hause «in Wort gehört, das nicht doch letzten Endes aus einem jüdischen Geist« heraus geboren war. Das ist mein Dertrauen. Gewiß sind Entgleisungen vorgekommen; schwere Entgleisungen. Aber ich bin der Ueberzeuqung, daß, wenn wir unS nur näher prüfen, wahr bleiben wird daS Wert, das gestern im Anschluß an ein Thorawort einer unserer Lehrer gesagt hat: Doch ist es noch «ine Seele, di« in unS lebt. Mein« Damen und Herren, die ttyK VPI st« lebt noch und bleibt unser Teil, wenn wir alle den Mut und Willen haben, «inzugreifen in di« Speichen der Räder, wenn wir unS nicht treiben lassen nur von dem, was der Tag und die Mod« bringt, sondern in dem Bewußtsein unserer geschichtlichen Verantwortung unser« Arbeit leisten als Erben einer großen Dergangenhett und Bürgen einer großen Zukunft, wenn wir alle uns bemühen, als überzeugungstreue und wahre Juden alles zu tun, um die^nyss tfpj der ganzen Iudenhett zu erhalten, Wahrheit mit Frieden zu verbinden und das zu tun, waS der Zukunft deS Judentums,, di« über allem steht, zum Nutzen und zum Gedeihen sein kann. (Anhaltendes Bravorufen und Händeflatschen.) Der Präsident: Das Wort hat Herr Professor Sobernheim. Abg. Prof. Sobernheim (M'ttelp): Meine Damen und Herren! ES ist bereitin ausführlicher Weise über mancherlei gesprochen worden, so daß ich mich kurz fassen kann. Die Derbandstagung ist ja immer der Tag, di« Stunde der Prüfung. Wir wollen gewissermaßen prüfen, waS wir selbst geleistet haben. Wir werden aber immer und immer wieder damit anfangen zu kritisteren, was unser« Vertreter, unsere Bevollmächtigten geleistet haben. Lines, glaub« ich. kann man doch sagen: daß sich der Preußisch« Landesverband di« Stellung, die ihm zukommt, in der kurzen Zeit seines Bestehens erobert hat. Das ist unbestritten. Die ernst«, arbeitsreich« Vertretung der preußischen Juden greift naturgemäß mit ihrem Einfluß auch über andere deutsche Länder über. Da wir hier bei der Budget-Debatte sind, darf ich wohl, ohne in «in« besonder« Diskussion einzutreten, bemerken, daß «S für unS recht schwer ist, hier über daS neue Budget und über daS alte Budget abzustimmen, da wir verhältnismäßig sehr spät den Voranschlag und den Bericht des früheren Jahres erhallen haben. ES ist wohl richttg, wenn Herr Dr. Baerwald sagt, daß dies« zu druckenden Schriftstücke früher und zahlreicher an unS gelangen müßten. Wir haben auch die Bemerkung machen müssen, daß die Beschlüsse de« DerbandStageS in pekuniärer Beziehung von dem Großen Rat« nicht immer «ingehatten worden sind. LS dürft« sich bei der detaillierten Besprechung nachher die Frage erheben, ob der Groß« Rat daS Recht hat, Bestimmungen, di« getroffen sind, nicht zu befolgen. Ich möchte da doch gleich als Verteidiger bemerken, daß die Durchführung der Beschlüsse mitunter sehr schwierig ist. ES werden oft in der großen Versammlung einzeln« Posttionen beschlossen, di« bei «iner näheren Nachprüfung doch nicht ganz stichhaltig bleiben. Aber im großen und ganzen muß eben dafür gesorgt werden, daß dieS «inzurichten ist, durch den Ständigen Ausschuß oder durch die neutralen Ausschüsse oder dadurch, daß man nicht so starre Bestimmungen trifft, sondern gleich von vornherein dem Präsidenten im Großen Rat di« Entscheidung überläßt. Zur Wahrung unsere- Ansehens im allgemeinen, glaub« ich, gehört aber einS: daß «iner gewissen gereizten Stimmung, von der wir heut« peinlich« Proben hatten, doch die ruhig« Üeberlegung weicht. ES sst ganz erstaunlich, .zu sehen, wie Pch verschieden« Wettanschauungen, wie sich verschiedene Parteiungen tat Judentum, wo wir gar nicht mehr von Wettanschauung reden

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