Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 1 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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— 11 — etwa sogar vor Le« Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband zurückweichen. (Bravorufe.) ES handelt sich hier um «in« Grundfrage des Judentums. Der Sabbach ist für den modernen Juden di« einzig« Gelegenheit, wirklich« WirtschaftSethik zu betätigen. War gibt «S Erhabener«-, alS den Gedanken, daß sechs Lag« der Arbeit dienen, und baß der siebent« Lag alS Krönung der Woche der Ruh« gehört, und daß daS Leben erst seinen Sinn dadurch erhält, daß wir unS dem großen Gedanken d«S SabbathS nähern, di« Arbeit dann freiwillig an« der Hand zu legen, wenn wir unS vor dem Willen deS höchsten beugen, und dadurch auch unser« Werktagsarbeit chm heiligen. (Bravorufe.) Wenn irgendwo, dann lohnt «S sich hier, für jüdisch« Ding« wirklich« Opfer zu bringen. Und wenn die Erkenntnis da.zu kommt, daß wir alle verpflichtet sind, den fabbatheiligenden Brüdern di« Treu« zu halten, dann sehe ich hier die Notwendigkeit einer Tat d«S LandeSverbandeS. Lassen Sie unS einem solchen Apell di« weitest« Verbreitung geben, dann, nur dann wird unsere Arbeit hier über den Tag hinaus Wert erlangen als sittliche-, jüdische- EwigkeitSwerk! (Lebhafte Bravorufe.) Der Präsident: DaS Wort hat Herr Dr. Horovitz. Abg. R.-A. Horovitz (kons.): Mein« sehr verehrten Damen und Herren! Wir haben unS heut« zum vierten Mal« versammelt, und wenn ich bei Beginn der Aus st»rach« über den Etat für unsere Fraktion daS Wort ergreif«, so ist «S mir zunächst «in Bedürfnis, den Worten, di« unser verehrter Herr Präsident über unseren Freund GalewSki oechrochen hat, nun auch den besonderen Dank der Richtung anzuschließen. die er mit Vornehmheit und Tatkraft in dem Rat« d«S Preußischen LandeSverbandeS vertreten hat. Wir wissen, baß dies« Arbett nicht allein dastand, und daß nur di« Mitarbeit aller dazu geführt hat, seine Arbeit fruchtbringend zu q«. stalten. Wir glaichen, Ihnen aber in unserem zu früh dahin» gekchiedenen Freuud den Tvv d«S ftommen Iehudi vor Augen halten zu dürfen, der mtt Verständnis für di« Erfordernisi« des Frieden-, mit Verständnis für di« Erfordernisse des Zusammen. arbeftenS mtt allen, den allen, überkommenen Abel in Leben und Gesinnung bewahrte und auftechterhielt, der allein die Erhaltung d«S Judentums gewährleistet. Neben der Arbeit diese- Mannes, dem Sie alle Ihr« Verehrung zu zollen bereit sind, denken auch wir der Arbeit LilienthalS in Dankbarkeit. DaS Andenken dieser vorzüglichen Mitarbeiter möge unS zum Segen gereichen! Mein« Damen und Herren! ES ist hier auch von anderen Personen viel Persönlichegesprochen worden, di« zu unserer Freude noch in unserem Kreise arbeiten. Wenn ich auch überzeugt bin, daß gerade Herr Kolleg« Dr. Baerwald sich von sachlichen Gründen her mtt der Tätigkett d«S Herrn Dr. Freund hat befasien wollen, so darf «S unserer Ansicht nach doch nicht Sach« dieser Versammlung sein, «inseitig und nur mit kritischen und mäkelnden Worten dieses Mannes, der den Verband sozusagen in den Sattel gehoben hat, zu gedenken. (PielsettigeS: Sehr richtig!). Schon bei früheren Gelegenheiten haben wir die außerordentlichen Verdienst« des Herrn Dr. Freund um di« Sach« d«S LandeSverbandeS und der preußischen sowie deutschen Iubenheit rühmend erwähnt. Selbstverständlich: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten", und eS mag sein, daß Herr Dr. Freund, alS «in Mann, der sich mit größter Enerqi« für di« Durchführung seiner Ansichten einsetzt, in manchen Fragen diese Verfechtung seineeigenen Standpunktes, in dem starken Glauben an die Richttqkett seiner Auffassung und in der außerordentlichen Sachkenntnis, die ihm zu eigen ist, wettertreibt, als vielen lieb sit. Aber der Rat und der Engere Rat bergen ja noch ander« Persönlichkeiten; wie sollt« eS kommen, daß diese anderen Persönlichketten, di« doch auch mtt Sachverständnis und Arbeitskraft auSaestattet sind, wenn sie mtt gleicher Interessennahme sich den Arbeiten widmen, nicht gegen di« Meinung deS Herrn Dr. Freund in den Gremien des Preußischen LandeSverbandeS auffommen könnten? Wenn also im Namen d«S RatS und im Rahmen d«S Rats di« Meinung deS Herrn Dr. Freund sich nach Meinung mancher allzu stark durchsetzt, so könnt« «S nur an diesen anderen Mitgliederu de- RatS und deS engeren RatS liegen. Gerade durch den Ausgleich der verschiedenen Intelligenzen und Fähigkeiten allein kann in der Arbeit «in«S Gremiums der richttg« Erfolg erwachsen. Hoffen wir, daß dieser Ausgleich sich reibungsloser vollzieht alS bisher! Hoffen wir aber auch, baß di« treu«, bedeutungsvolle und selbstlose Arbeit des Herrn Dr. Freund Wetter zu ihrem Recht« kommt! Mein« Damen und Herren! Zunächst einig« allgemein« Bemerkungen, da ja diese Ltatdebatt« sich auch mit de« Iudengesetz und dem Reichsverband befassen will, auch Versa sinn gSänderun gswLn sch« hier mtt zur Sprache gekommen find. ES werden ja auch von unserer Frattion in diesen Gpezialfragen wohl noch manch« anderen Redner zu Worte kommen, so daß ich nur «ine Frag« aus dem Entwurf d«S IudengesetzeS vorwegnehm«. Wir haben auf der letzten Versammlung den Standvunkt vertreten — und den Standpunkt hat der rabbinikch« LinieitungSredner unserer Tagung erneu) wieder gegeben —: der Gesetzentwurf, den wir beschlosien haben, mag politisch von größerem oder geringerem Belang sein; jedenfalls aber darf er nicht den Gemeinden die Differenzierung zwischen zwei Arten von Juden, inländischen und ausländischen, verstatten. Der verabschiedete Entwurf zeigt den schweren' Fehler, baß hier zwei Verschißen« Arten von Juden gerade in bezug auf die Zugehörigkett zur Borsteherschast in der Gemeinde alS möglich festgelegt sind. ES gibt kein wahre- Judentum, daS für innerjüdisch« Fragen di« Frag« der Staatsangehörigkeit zu etwas Entscheidendem macht. (Bravorufe.) Deshalb glaube ich, einen Appell an diejenigen richten zu sollen, di« daS Iudengesetz im positiven.Sinn verabschiedet haben, jedenfalls in dieser Frag« den Makel auS dem Gesetz herauSzuräumen, schon deshalb, weil mtt diesem Mäkel behaftet meines Ermessens der Entwurf schweren Gefährdungen entgegensieht. Andererseits betone ich, wie es oft gesagt worden ist, daß wir bei allem Stteben nach einer idealen Gestaltung uns damit begnüaen müssen, daS Erreichbare zu erreichen, und wir nicht auf dem Standpunkt stehen dürfen, wir geben die MLqlichkett und daS Streben, «in neuer und allgemeines preußisches Iudengesetz zu erhalten, ganz auf. wenn nicht jeder seine eigensten Wünsch« in allen Phasen und Einzelbestintmunaen der Gesetzgebung verwirklicht sieht. Meiner Ansicht nach befinden wir uns in einer so traurigen Entwicklungd«S Judentum-; wir können da nicht schwarz genug sehen. Ls ist unsere Pflicht, darauf hinzuarbeiten, daß wenigstens eine einheitliche Basis für die Arbeit der deutschen, zunächst der preußischen Iudenheit gegeben ist. Auf die Frage des Austritts will ich jetzt nicht näher ein-' gehen; unsere Fraktion wird aber einer gesetzlichen Unterbindung der Gründung neuer Austrittsgemeinden, die aus reliqiöstn Gründen verlangt werden, keinesfalls zustimmen. Im übrigen ist vorhin von Herrn Kollegen Goslar ausgeführt worden, daß die Bolkspartei eine Reihe von Vorschlägen für di« Abänderung des Gesetzentwurf«- ausgearbeitet Hab«. Ich bedaure sehr, baß uns dies« Vorschläge bisher noch nicht voraelegt worden sind. Line Vorberatung der Vorschläge hätte vielleicht zu einer baldigen Einigung über einzeln« Abänderungen führen können. Ich hoffe aber, daß die Möalichkett dazu noch weiter bestehen bleibt, und daß wir auf dieser Tagung bei gutem Willen einen Entwurf erreichen, mit dem sich schließlich alle zuftieden geben können. Wenn wir nun auf die Tätigkeit des Verbandes, so wie sie sich im Bericht auSsprzcht, und so. wie sie im Haushaltsplan .zu« Ausdruck kommt, «inaehen, so müssen wir vor allen Dingen sehen, daß di« BerwaltunqSkosten dieses Verbandes sich ständig erhöhen, während die Tätigkeit, was das Geldliche anqLht, fast zurückgeht. (Sehr richtig!) DaS geht, mein« Damen und Herren, nicht an. Ich habe das letzte Mal von den Gefahren der Kompetenz-KoMpetenz gesprochen, daß jeder Verband sich immer mehr Ziele steckt. Wir können unS nicht immer mehr Ziele stecken^ andererseits aber noch weniger erledigen, noch weniger Mittel für die alten und neuen Ziele aufbringen. Ich bin wett entfernt von der Duldsamkeit gegenüber den Gemeinden, di« große Rückstände haben, di« man zum großen Tefl« abschreibt, und von der Duldsamkeit, di« sich damit begnügt, von den Mitgliedsgemeinden etwas weniger zu verlangen, damit man überhaupt etwas bekommt. Ls ist kein Wort der Kritik scharf genug für diejenigen, die die Arbeiten des Verbandes untergraben, indem sie die anverlangten Mittel nicht auSzahlen. Die sitzen wohl nicht hier in diesem Saal«, sie sitzen in den Gemeinde» stÄe»; es sind diejenigen, di« darauf achten, daß ihr lokaler Etat balanciert wird, ohne daran zu dtnken, daß es auch Intereffen gibt, di« über die Bannmeile der eigenen Gemeinde hinausgehen. (Schr, richttg!) Bei allem Wohlwollen für die Beamten und daS Büro des DerbandeS können wir fteilich nicht hinnehmen, daß die DerwaltungSkostem, wie sie uns hier der Haushaltsplan und der Etat zeigen, sich erheblich erhöht haben; in dieser Richtung will ich hier gleich bemerken, daß wir dem Plane, ein eigenes Grundstück für den Verband zu kaufen, nicht wohlgeneigt sind. (Sehr gut!) Wir sind der Ansicht: Zunächst wollen Nur für die sorgen, für die wir gegründet sind (Gehr richtig), nämlich für di« notleidenden Gemeinden, für die notleidenden allgemeinen jüdischen Interessen, und dann wollen wir, wenn di« Möglichkeit bleibt, «in Haus für uns einrichten. (Sehr richttg!) Wesentlich wichtige» als diese- HauS, das unS schön« Räume geben will, unseren Beamten, di« wir in jeder Weis« ordnungsmäßig stcherftellen wollen, «in angenehmes Arbeiten «nnöglichen soll, ist der Gedanke der Ausdehnung und Vertiefung der wirklichen BerbaadSarbett bei den großen Interessen, di« für unS auf dem Spiele stehen. (Sehr richttg!)