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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-02-15 · 1 (15.2.1929) · p. Seite 8

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
1 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Engeren Rat aufgestellten Richtlinien Wester auszuüben. Wir würden dies« Erklärung, daß wir über die Vergangenheit den Mantel der Lieb« bretten wollen, nicht abgeben, und wir wären genötigt, zu Feststellungen anderer Art zu kommen, wenn wir damit rechnen müßten, daß Herr D». Freund noch weiter Geschäftsführer des Verbandes bleibt. Wir müßten dann feststellen, daß di« Möglichkeit einer gedeihlichen Arbest im Verband« nicht mehr vorhanden ist, wenn Herr Dr. Freund das Amt als Geschäftsführer weiter ausübt." Meine Damen und Herrenk Di« Dinge haben sich in der Zwischenzeit formell geändert. Herr Dr. Freund hat das Amt als Geschäftsführer niedergelegt. Es ist «in Generalsekretär bestellt worden. Ich habe den Eindruck, daß man für diesen Mann weniger die Po'i ion eines Generals, als vielmehr diejenige «ineS Sekretärs geschaffen hat. (Hesterkeit.) Man ist heutzutage gewöhnt, in Bildern zu sprechen. Ich darf Sie vielleicht bttten, unter den Ihnen zugegangenen Vorlagen auch einmal den illustrierten Führer, den Situationsplan hervorholen zu wollen, in dem die Einteilung der Geschäftsräume dargelegt ist. Er fft gar nicht so uninteressant. Sie finden darin all« möglichen Räum« angegeben. Sie finden kein Zimmer für den Herrn Präsidenten des Rates, Sie finden kein Zimmer für den Vorsitzenden des Verbandstages, aber Sie finden ein Zimmer für Herrn Dr. Freund. And dies« kleint Aeußerlichkeit, auf di« mich einer meiner Freunde hingewiesen hat, spricht Bände, und sie ist sehr bezeichnend. Herr Dr. Freund ist nicht mehr Geschäftsführer, aber er fft der intellektuelle Leiter des Verbandes geblieben. Und wenn Sie noch irgendeinen Beweis dafür erfordern wolsten, dann glaube ich, ist die Tatsache genügend, daß der Geschäftsbericht, der di« großen maßgebenden Gesichtspunkt«, die für unsere Verhandlungen lestend sein sollen, enthält, nicht von dem Vorsitzenden des Rates, sondern von einem der Dezernenten, nämlich von Herrn Dr. Freund, erstattet worden ist. Das ist auch gar kein Wunder, wenn Sie die Ding« dezernatsmäßig .bettachten. Rach dem mir zugegangenen Bericht hat Herr Dr. Freund folgend« Dezernat« zu erledigen: Polstik, StaatSbeihilfen, Bezirksrabbinat«, Antisemitismus, Rechtssachen (außer Privatrechtssachen), Gesetzgebung (mst Ausnahme der Revision des Gesetzes von 1847). Früher waren es noch di« sämtlichen unverteilten Ding«. Dazu haben wir dann noch die Vorlage, di« die Schaffung der vierten Präsidentenstelle im Rat betrifft, und di« wohl auch den Zweck hat, Dr. Freund die Stelle eines Vizepräsidenten zu geben. Ich mißgönne sie ihm durchaus nicht; ich hätte nicht das mindeste dagegen, wenn der Engere Rat mit seinen 11 Derttetern ausschließlich aus Präsidenten zusammengesetzt wäre. (Heiterkest.) Wie mir zugettagen wird, beschräntt sich aber die Tätigkeit des Herrn Dr. Freund nicht bloß auf dies« Dezernat« — ich bin gewöhnt, zu sagen wie die Ding« liegen —. I. B. soll Dr. Freund auch dem Ankauf eines Hauses für den Verband sein« Aufmerksamkeit nicht vollkommen haben entziehen können. (Hesterkeit.) Meine Damen und Herren! Jetzt werden Sie fragen: Wozu das alles? Run komme ich auf das, was mir entscheidend zu s^in scheint. Wir haben im November 1926 in den Worten, di« ich mir erlaubt habe, Ihnen noch einmal vorzuttagen, das gesagt, was wir über die Stellung des Herrn Dr. Freund im Landesverband denken. Ich habe den Eindruck, als ob diese in mild« Wort« gekleidet« Ansicht nicht überall das geneigte Gehör gefunden hätte, auf das sie Anspruch erhoben hat. Ich war deshalb zu meinem lebhaften Bedauern genötigt, das heute etwas deutlicher zu sagen. Ich habe namens meiner Freunde zu erklären, daß wtt nicht den Wunsch haben, daß Herr Dr. Freund das polstisch« Dezernat westerführt. Ich habe ferner zu erklären, daß wir den Wunsch haben, daß Herr Dr. Freund das Referat über das Iudengesetz, das er innehat, auch nicht in der Form ausübt, daß er tatsächlich die Verhandlungen mst dem Ministerium führt. Wir haben, wenn ich mst einem Wort auf das Iudengesetz zu sprechen komm«, den dringenden Wunsch, und wir haben auch di« Hoffnung, daß es gelingt, mst dem Ministerium zu einer Einigung zu kommen. Wohl ist «S schwer, den Entwurf eines Iudengesetzes ferttgzustellen, der in doppester Fassung von verschiedenen Richtungen an di« preußisch« Regierung kommt. Aber ich kann mir nicht denken, daß «S ein« Förderung dieser Bestrebungen bedeutet, wenn die verschiedenen Berhandlungen in dieser Richtung von einer Persönlichkest wie Herrn Dr. Freund geführt werden, der seiner innerften Ueberzeugung nach — ich nehme «S chm nicht übel — durchaus kein Freund des IudengesetzeS fft, wie «S auf der letzten Tagung beschlossen worden ist. Aehnlich mögen vielleicht di« Ding« bei dem Reichsverband liegen. Wir haben auch hier den Wunsch, daß di« Leitung d«S Verbandes die Dinge in di« Hand nimmt, und wtt hoffen, daß wtt dabei westerkommen. Ich gebe zu, daß di« Ding« im Rat« schwierig Kegen mögen. Die Herren sind mst Dezernaten überlastet. Schließ, lich sind sie aber nicht so überlastet, daß nicht bei dem einen oder dem anderen Herrn der Gedanke vorhanden gewesen wäre, zu allen diesen Referaten auch noch daS Referat «ineS Berichterstatters und Ratgebers für jüdische Dinge im Ministerium zu übernehmen. Möglichkeiten, dem abzuhelfen, sind vorhanden. Sie brauchen nur den 8 13 der Geschäftsordnung dahin zu ändern, daß dem nun einmal bestellten Generalsekretär, dem man dtt Möglichkeit zur Arbest schaffen soll, nun auch durch Aenderung des 8 13 G. O. Dezernat« und chr« selbständig« Bearbeitung überttagen werden. Di« Schwi«. rigkeiten, die sich ergeben haben, di« Unzufriedenheit, die ich zum Ausdruck gebracht Hab«, sie beruhen im wesentlichen meiner Ueber» zeugung nach auf diesen persönlichen Zuständen im Rat, über di« ich seit Jahren sprechen muß. Es gibt Leut« außerhalb diese-Hause- — kluge Leute — die der Ansicht sind, daß der Verband sich im höchsten Maße schaden würde, wenn er in der seitherigen Weis« seine Tätigkeit in allererster Reih« abstellt und abstellen würde auf di« Persönlichkeit eines einzelnen Mannes, mag er auch noch so hervorragend in seinem Wissen und in seiner Arbeitskraft sein. Mir ist von einem Manne, der die Ding« gut kennt, und der nicht zu meinen jüdisch-politischen Freunden gehört, gesagt worden, wtt sollen uns in acht nehmen und die Dinge zu ändern suchen, Kamst es nicht so kommen könnte, daß man von dem Verband sagen könnte: „Zurück, du rettest den Freund nicht mehr, so rette daS eigen« Leben"! (Heiterkeit.) Meine Damen und Herren! Ich habe dies« Besorgnis nicht, denn stärker als die einzelnen Persönlichkesten ist der Gemeinschafts» gedank«, der Gemeinschastswille, der uns zusammengeführt hat; er wird uns auch dies« persönliche Schwierigkeit überwinden lassen. Es war mir unerfreulich, über dies« Ding« zu sprechen. Schärf« ist nicht mein« Sache. Trotz dem, was heut« in der EinleitungSrede gesagt worden ist, stehe ich auf dem Standpunkt, daß überall da- Wort zu gellen hat: Scholaum, Scholaum, Friede dem Nahen wie dem Fernen. Ich bin keine Kämpfernatur, ich habe nur den Wunsch, daß wir in sachlicher Weise das Judentum fördern. Aber einmal gill doch auch das Wort, das Storm geprägt hat: ,Lu Zeiten sind erquickend wie Gewitter gold'n« Rücksichtslosigkeiten" und ich bitte es mir nicht zu verübeln, daß ich alles vorgebracht habe, was gesagt werden mußt«. Arbest ist bisher geleistet worden. Werden di« persönlichen Schwierigkeiten noch hinweggeräumt, so haben wtt di« fest« Zuversicht, daß der Verband weiter als bisher gefestigt wttd, und daß wtt die schweren Aufgaben, die uns obliegen, auch Wester und besser alS bisher fördern werden zum Segen unseres Judentums. (Lebhaftes, anhallendes Beifallklatschen und Bravorufe.) Der Präsident: Herr Ministerialrat Goslar hat das Wort. Herr Ministerialrat Go Sla r (Volkspartei): Mein« sehr geehrten Damen und Herren! Ich muß meinen verehrten Herrn Vorredner enttäuschen. Er hat sich als Redner der EtatSdebatt« nur auf daS Sachliche beschränkt. Wir glauben aber, daß wir bei Gelegenhett der Etats» debatte auch über allgemein« jüdisch« Angelegenheiten schon deshalb sprechen müssen, weil wir «ine ander« legitim« Tribüne in Preußen und Deutschland nicht besitzen, um jüdisch« Angelegenheiten von großer Tragweite vor dem gesamten jüdischen Forum zu besprechen. Denn der einzeln« Verband, der sich „Eenttal-Derein" nennt, ist keine legstim« Derttetung des gesamten deutschen Judentums. DeShaG begrüßen wtt hier die Möglichkeit, vor den gewählten Derttetern der gesamten preußischen Iudenhest zu st>r«ch«n. Ich habe übrigens auch deshalb das Recht, Ihnen, Herr Ilfftizrat, «in« Enttäuschung zu beresten, well Sie unS allen mst Ihrer Red« «ine Enttäuschung bereitet haben. Es war kein« sachlich« Red«, di« Sie hiellen. (Sehr richttg!) Allein schon der Generalangriff auf Hemm Dr. Freund ist kein Mittel, daso sachlich fft, wie wtt eS von dem Redner der größten Fraktion erwartet haben. (Sehr richttg!) Ich »«hm« an, man sollte denen den Dank auSsprechen, di« in den letzten Jahren dauernd erfolgreich für den Landesverband gearbeitet haben. (Sehr richttg!) Gerade auf dem Gebiet der Staatszuschüsse ist Lobenswertegeleistet worden. Dr. Klee hat einmal gesagt: Undankbarkeit muß in der Politll nicht gerade ein echischeS Postulat sein! Wan darf wirklich auch einmal jemand seine Dankbarkeit bezeugen, der nicht zur eigenen GestnnungSgruppe gehört. (Bravorufe.) Wir bllligen «inen Angriff auf Herrn Dr. Freund um so weniger, als wtt unS nicht den Luxus leisten können, ihn auSzuschatten. Wir glauben, daß wtt keinen Ueberflutz au Arbeitskräften haben, dtt juristisch und politisch so geschull sind, «ad dtt dtt jüdischen Diug« so kennen, daß man Dr. Freund auSmerzen kau». Ich möchte «in paar Wortt noch vorwegnehm«» zu dem Thema, zu dem mein« Freund« bei der Spezialdebätt« später noch sprechen werden. LS ist «i» PassuS einer Vorlage, dtt Herr Ostberg vev»

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