Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 1 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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geschärft werden muß all bisher. ES wird ja schön sein» meine Damen und Herren!, wen» jeder von Ihne» sein guteS Mische« Herz für irgendeinen besonderen gn'en Zweck nachher entdeckt nnd dafür plädiert, daß dies« oder jene Position erhöht werden muß. Ich bitte Sie aber, nicht zu vergessen, daß Leistungen nur möglich sind nach Lag« der Einnahmen. DaS erfordert di« Logik, di« nur zu oft vergessen wird. LS empfiehlt sich, die» alle« zu berücksichtigen, und bei den Gemeinden dafür zu sorgen, daß dies« Ding« nicht übersehen werden. Der Präsident: Wir treten jetzt tndteDchatt« «in. Ich wiederhole nochmals und ich bitte den Schriftführer, festzulegen: M« Debatte ist zugleich die erst« Lesung zum HaiMalt, zum Etat und auch zu den Punkten Verfassungsänderung, Iudengesetz und Reichsverband, d.h. also die Generaldebatte. Di« beiden letzten Punkt« bedürfen verfassungsmäßig keiner zweiten Lesung, wohl aber der Puntt Der» fassirngSänderung. Infolgedessen muß da» ausdrücklich protokolliert werden. Bevor ich dem ersten Redner da» Wort erteil«, möchte ich bitten, di« Ausschüsse zu konstituieren, di« morgen früh tagen, da «S leicht möglich ist, daß Gi« nachher dazu nicht mehr kommen. Ich bitte, daß die tzerren FrakttonSführer di« AuSschußmttglieder für den EtatauSschuß, den Ausschuß zur Beratung der Geschäftsordnung, den Ausschuß zur Beratung von DerfassungSfragen benennen. DaS Wort hat nun Herr Dr. Bärwald. Abg.Dr.Baerwald (lib.): Mein« Damen und Herren! Mir find nun schon zum vierten Male im wesentlichen im selben Streif« zusammen. Wir haben alle die Ehre, unS näher zu kennen. Wir kennen all« den Standpunkt, den wir gestnnungSmäßig zu den Hauptfragen haben, die daS deutsch« Judentum beschäftigen. ES scheint mir deshalb wenig förderlich zu sein, wenn wir unsere Tagung zu einer Hall« der Wiederholungen auSgestalten würden, wie man despektterlicherweis« von dem sehr hohen Gremium, da» hier zu tagen Pflegt, spricht. Ich habe infolgedessen nicht di« Absicht und den Wunsch, auf di« großen und allgemeinen Gesichtspunkte und die großen Fragen einzugrhen, di« heute da» Judentum in Deutschland bewegen, weil ich glaub«, daß ich Ihnen wenig Reue» zu sagen habe, und well ich auch nicht glaub«, daß mein« Ausführungen den Standpunkt, den Sie einnehmen, nach der «inen oder anderen Richtung hin erschüttern würden. ES ist erst recht nicht meine Absicht, auf ferne oder zukünftig« Ding« «inzugehen. Ich will auch nicht vom ReichSverband reden, nachdem von ihm daS Wort gefallen ist, daß eS sich dabei um Zukunftsphantasien handelt. Ich will nüchtern sprechen vom Bericht de» Rate», und well ich im Lauf« meiner Auseinandersetzungen da» «in« oder ander« Wort zu sagen haben werde, daS vielleicht nicht ganz besonders angenehm klingt, so will ich Kamst anfangen, daß ich der Pflicht genüg«, herzlichen Dank zu sagen für di« Arbeit, die geleistet worden fit. Der Dank muß, wenn man die Ding« im einzelnen ansteht, «in sehr großer sein. Rach dem unS erstatteten Bericht darf ich mit Befriedigung feststellen, daß «S gelungen ist, für die jüdischen ReltztonSlehrer wenigstens die Einreihung in die Grupp« VII der ReichSbesoldungSordnung zu erreichen. Ich kann mit Freuden konstatieren, daß dst Institution, die sich die Fortbildung und Ausbildung der Lehrer zum Ziel gesetzt hat, ganz erheblich« Fortschritte macht. Wst Höften, daß nach dieser Richtung hin noch mehr erreicht werden wird. Ich freu« mich über da» Gedeihen der Schächterschule. Ich stelle gern fest, daß wichttg« Rechtsfragen durch di« Arbest d«S Rate» geklärt worden find. Ich muß mst vielem Dank für den lewer nicht mehr in unserer Mitte weilenden Herrn GalewSkt und ebenso mst Dank für daS, waS Herr Dr. Klee als sein Rachfolger geleistet hat, konstatieren, daß di« Subventionskommission in außerordentltch hingebungsvoller, angesttengter Arbest »ach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel für di« kleinen notleidenden Gemeinden gesorgt hat. Di« Anregungen de» Wohlfahrtsausschuss«» bilden ei» höchst werIvolleS Material, und «S wäre ungerecht, wenn wst tadeln wollten, daß Positive» auf diese» überaus schwierigen Gebiet« bisher noch nicht erreicht werdeu konnte. Die Beihilfen, die zu sozialen Zwecken vertritt würben, sind gerecht und sachgemäß verteilt; ich Hab« dstse» Eindruck auf Gruud erneuter Prüfung gewonnen. , Ich darf für unsere Richtung dann noch festst eilen, daß da«, waS der liberal« KultuSauSschuß gearbettet hat auf de« Gebiete der endlich durchzeführten Schaffung de» Einheit»gebetSbuche» für dt« liberalen Synagoge», einfach staunenswert ist. De« Mann«, der a»S unseren Rechen auf diese« Gebiet« vor allem tätig war, Herrn Rabbiner Geligmann, zu danken, ist «n» tteflte» Bedürfnis. Ein« Fülle von Aktiven ist also vorhanden, und wst können, ohne ruhmredig zu sein — den» dieser Teil der Arbest ist im wesentlichen nicht von Mstgliedern de« DerbaudStage« geleistet worden —, feststellen, daß Ersprießliche» erreicht worden ist. Wst können feststelleu, daß da» alle» nicht möglich gewesen wäre, wenn der Landesverband nicht existiert«. Ich glaub«, konstatieren zu können, daß au» dieser Aufzählung, mst der kedreSfall» «in vollständige» Bild gezeigt werden kann, sich ergibt, daß der Landesverband nicht nur eine Notwendigkeit ist, nein, daß er auch arbestet. Wst hoffen, daß er in Inkunst mich Bester es leistet. Da. wo viel Licht, da ist natürlch auch mancher Schatte». Und ch darf nicht verschweigen — da wst doch alle wahrhaftig sein wollen —, daß nach vieler Richtung hin lebhafte Unzufriedenheit herrscht, nicht nur in unseren Reihen, sondern auch bei anderen Richtungen, über «ine ganze Reihe von Dingen, di« geschehen oder viellecht auch nicht geschehen sind. Immer wieder mußten wst «tt großem Bedauern feststMen, daß die Vorlagen de» Rate» «n» mtt einer Verspätung zugehen, dt« gar nicht zu rechfferttgen ist. Sachlich können die größten Schwierigketten entstehen, wenn wst nicht iu Ruh« an di« Ding« Herangehen können, besonders beim Etat. Ueber de» Etat wstd nachher noch gesprochen werden: so wie er hier vorliegt, kann er nicht angenommen werden. Bei aller Anerkennung der geleisteten Arbeit hatten wst ihn nicht für «inen Etat, der in stch überzeugend ist. Ich glaub«, er ist «in Kunstwerk, da» scharfer' kritischer Bestachtung nicht standhatten kann. Wst haben den dringenden Wunsch, daß, wenn wst da» nächst« Mal Zusammenkommen, die Vorlagen rechtzeitig ferttggestellt und unS zugänglich gemacht sein werden. Und daß nicht mtt uns — nehmen Sie den Ausdruck nicht übel — ein« Art Schuljungenpolitik getrieben wstd, bei der man in den letzten Wochen de» Schuljahres sticht, mtt allen Mttleln di« Arbeiten zu beenden. lieber das DerwaltungSblatt Hab« ich ein argeS Klagelied anzustimmen. ES erscheint nicht allzu häufig, und wenn «S erscheint, ist «S nicht zu inhaltsreich. Ferner ist «S vorgekommen, daß in dem DerwaltungSblatt manch« Ding« unvollständig oder nicht ganz richttg wiedergegeben worden sind. Da« hier Borgestagen« ist doch wohl für di« Allgemeinheit bestimmt und für diejenigen, dst sich der Wahrheitsliebe in allen Dingen befleißigen wollen, und eS sollte davon auch der recht« Gebrauch gemacht werden. Vom RechtSauSschuß kann ich schweigen, denn er hat selbst geschwiegen. (Heiterkett.) Wir haben ihm im vergangenen Jahr« «in« nach unserer Auffassung sehr wichttg« Vorlage überwiesen, nämlich den Wunsch einer grundlegenden Aenderung der Verfassung. Der RechtSauSschuß hat tntensst gearbettet; er hat die Vorlage nämlich einem Unterausschuß überwiesen, und dieser Unterausschuß hat überhaupt nicht getagt. ES fft bei den Betettigten mtt keinem Wort bekannt geworden, daß er überhaupt «ine Tätigkett entfaltet hat. ES blieb mernen Freunden nicht» übrig, «IS in einem Iuitiattvanstag in sehr eindringlicher Form den Rat zu ersuchen, da» Wetter« in die Wege zu letten. Auch Anstäge haben ihr Schicksal. E» sind jetzt wohl nahezu fünf Wochen her, daß dieser Anstag an daS Büro de» Landesverband«» gekommen ist. Da nach meinen Informationen in Berlin Druckereien vorhanden sein sollen, so wäre «S doch wohl möglich gewesen, diesen Anstag rechtzeittg zu verbretten. Er ist aber erst vor wenigen Tagen in di« Hand der Mitglieder des DerbandStageS gelangt. Mein« Damen und Herren! All das ist «in atteS Klagelied. Ich muß Sie bitten, mich noch eingehender mtt diesen Dingen beschäftigen zu lassen. Ich habe im November 1926 in eingehenden Ausführungen über dstse Ding«, die nicht nur formaler Natur waren, sondern dst auch den Lebensnerv de» Verband«» berührten, gesprochen. Ich habe damals gesagt, daß dst Dinge so nicht weitergehen, daß ein« Fülst von Arbett nicht geleistet, oder daß sie zu spät gestiftet worden ist, und daß schwer« organisatorische Mängel vorhanden sind. Und ich habe damal» — ich bitte, mst zu erlaube», daß ich das »orstsen darf — nach dem stenographischen Protokoll gesagt: ,F>ie Dinge lstgen zum großen Tell daran, daß der verehrte Geschäftsführer Dr. Freund «ine Füll« von Dingen hat allein erledigen wollen, daß er nicht imstande war, allen diesen Dingen nachzugehen, stotz der Fülst der Arbeitskraft, di« ihm innewohnt, und seiner Kenntnisse. Er ist sich nicht der WeiShett de» allen Worte» bewußt geblieben: ,Qui stop embrasse, mal »steint? Gerade darin glaub« ich bei aller Anerkennung dessen, waS Dr. Freund geleistet hat, di« Ursache der schweren Mängel ju sehen, di« ich hervorgchobea habe." (Zuruf: WaS hat daS mtt dem Geschäftsbericht zu tun?) Ich Hab« hinzugefügt: „ES liegt mst nicht daran, auf dst Dergangenhett zu sehen, wst wollen vorwärts, und deshalb will ich den große» Mantel Mischer Lieb«, den wst besitzen, über di« Dergangenhett auSbretten, nachdem ich gehört Hab«, daß Herr Dr. Freund nicht berett ist, stch Amt al» Geschäftsführer i« Rahmen der vom