Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 1 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 hat. Nichtsdestoweniger hoffen wir, daS gleich« auch in Ankunft durchzusetzen. Der praktisch« Erfolg ist, daß, während bisher von der GtaatSbeihilf« für di« Rabbiner, dt« der Staat verteilt, nicht «in Pfennig zur Ausschüttung gelangt ist, wir immerhin für die Position «inen Vorschuß von 225000 RM erhalten haben und heut« morgen dt« Mitteilung der StaatSregierung «tngetroffen ist. daß die Auszahlung eines weiteren Betragevon 108000 RM bereitan uns angewiesen ist. Da» ergibt di« außerordentlich erfreulich« Tatsache, daß wir mehr erhalten haben, all wir im Etat eingestellt hatten, da wir mit 225000 RM rechneten, tatsächlich aber 333000 RM erhalten haben. Mein« Damen und Herren! WaS diese Summ« für den Landesverband nicht nur, sondern vor allem für di« Existenz der gefährdeten Gemeinden bedeutet, von denen ich gesprochen habe, wird ohne weitere» klar sein. Ziffernmäßig habe ich dem, wa« ich Ihnen bereit» mttteilte, nur noch folgendes hinzuzufügen: Wir haben bisher aus den Mitteln, di« unS di« Regierung als erste Rate überwiesen hatte, in diesem Jahre ISS Gemeinden unterstützen können, außerdem für SS Lehrer Bewilligungen ausgesprochen, also insgesamt 214 Fäll« berücksichtigt. Wir haben unS mit Rücksicht auf die Knappheit der Mittel im Borjahr darauf beschränken müssen, grundsätzlich nur solch« Gemeinden zu bedenken, die mindesten» 40 o/o KultuSsteuern erheben. Nachdem, wie ich schon sagte, die Regierung selbst höchsten» 10% als normalen Höchstsatz ansteht, kann man «rmeffen, wie wett wtt noch bei unserer Aktion hinter dem zurückstehen, wa» wtt als unbedingt notwendig erachten müssen. ES ist im Augenblick noch nicht zu übersehen, wie sich der Nachschuß, den wtt heute bekommen haben, praktisch auswirken wird. Immerhin hat «S den Anschein, al» ob es nicht ausgeschlossen ist, daß die Belastungsgrenze von 40»/» wird auf 30°/o heruntergesetzt werden können. (Bravorufe.) Sollt« da» möglich sein, so würden statt ISS Gemeinden 274 Gemeinden auS der StaatSbeihUf« unterstützt werden können. DaS sst viel, aber natürlich nicht ausreichend. Denn, meine Damen und tzerren, wenn wir unS auch sagen, daß wir nicht schon bet 10% die Belastungsgrenze ziehen können, wie di« Regierung will, so werden wir über SO"/» den Gemeinden auf die Dauer nicht zumuten können, und dann würden 400 Gemeinden unterstützt werden müssen. Sie sehen also, daß die Mittel, dtt wtt bisher erhallen haben, nicht annähernd ausreichen, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Mein« Damen und Herren! Neben der Unterstützung der Gemeinden von der Grenz« an, dtt ich «6«n erwähnt«, sst dtt wichtigste Aufgabe dtt Aufbesserung der Gehälter der Lehrer. Nicht etwa, al» ob wtt glauben, daß die Aufbesserung der anderen Funktionäre sozial und vom jüdischen Standpunkte auS weniger wichttg wäre. Aber angestchts der ausdrücklichen Beschränkung der bewilligten Staatsmittel auf Zwecke des Religionsunterrichts, können wtt eben nur da eingreifen, wo eS sich um Personen handelt, die ReligionSunterricht erteilen, also Lehrpersonen. In dieser Hinsicht möchte ich zunächst mit Befriedigung feststellen, daß es möglich gewest» ist, die Hoffnungen, denen ich bei meinem tttzten Referat Ausdruck gegeben hatte, zu erfüllen, nämlich die Gehälter der Lehrer grundsätzlich bis zu dem vollen Satz der allen Besoldungsgruppe VII aufzubessern. Mein« Damen und Herren! Wtt haben insgesamt 82 Lehrer unterstützt, außerdem 68 KultuSbeamten, also solche» Personen, di« nicht Lehrer sind, aus den Mitteln d«S Landesverbandes Unterstühungen gewährt. Meine Damen und Herren! Um gewisse Reklamattonen, auf di« ich schon gefaßt bin, von vornherein abzubtegen, möchte ich darauf Hinweisen, daß wir selbstverständlich nur daun dtt vollen Staats» gehäller gewähren können, wen» «S sich um «in« voll« Tätigkeit handelt. (Sehr richtig.) In denjenigen Fällen, in denen diest Voraussetzung nicht gegeben ist, werden unter Umständen Wünsche noch unerfüllt bleiben. Aber in denjenigen Fällen, in denen ein« voll« Beschäftigung tatsächlich vorliegt, wird da» Versprechen grundsätzlich «ingelöst und der voll« Sah der allen Gruppe VII gezahlt werden. Mein« Damen und Herren! Daß wtt damtt nicht am End« sind, darüber sind wtt unS klar. Inzwischen sst dtt ganz« Angelegenheit überholl durch di« Tatsache der neuen Besoldungsordnung, und «S sst naturgemäß volllommen auSgeschlosstn, daß wtt innerhalb der jüdischen Gemeinden diestr neuen Tatsache nicht Rechnung ttagen. In einer ganzen Reih« von Fällen find dtt Gemeinden mit entsprechenden Forderungen bereit» an uns herangetreten. Wtt haben na» aber bisher leider außerstand« erklären müsst», dttstn Forderungen nachzukommeu, wttl wtt unS nur nach der Deck« strecken könne». Wenn wtt die Mehrbelastung durch dtt neuen Gehälter tragen sollten, müßt« schätzungsweise «in weiterer Bettag von etwa 100000 RM allein für diestn Zweck vom Landesverband aufgebracht werden, und den haben wtt eben nicht. Mein« Damen und Herren! Wenn wtt unS noch einmal zusammenfassend klarmachen, in welchem Umfang« die Gemeinden aufzubessern sind, um auch nur dem schwersten Notstand« zu begegnen, wenn wir uns weiter klarmachen, was notwendig ist, um di« Gehäller der Beamten auf die erforderlich« Höh« zu bringen, so ergibt sich, welch« ungcheuren Aufgaben dem Landesverband gestellt sind, fei «S, daß wir vor der Notwendigkett stehen, einen Bettag von rund einer Diertelmillton RW vom Staat« noch zu dem zu erhalten, was er schon bisher ttistet, oder aus Mitteln de» LandeSverbandeS diestn Bettag aufzubrtngen, wenn der Staat erklärt, nicht weitergehen zu können. Mein« Damen und Herren! Ich komm« nun zu einer anderen Frage, die hier wiederholl noch wird angeschnitten werden müssen, da» ist der Stand derjenigen Einrichtungen, für di« wtt nicht in letzter Linie die Staatsbeihilf« wünschten, nämlich di« Bildung von Lchrerbezirken und di« Bildung von Rabbinatsbezirken. Ich brauch« nicht zu wiederholen, daß unstre Hilfsaktion sich nicht in der Weist vollziehen kann, daß wir stder von den Zwerggemeinden einen eigenen Beamten stellen und diestn gar nicht voll zu beschäftigenden Beamten nach den vollen Sähen der BestldungSordnung honorieren. Wir können nur so Vorgehen, daß wtt mehrere Gemeinden zusammenschließen. Meine Damen und Herren! Wir haben eS an der intensivsten Mühe nicht fehlen lassen, diese für unS I<&«n»- wichtige und dringende Aufgabe des Landesverbandes mit allem Nachdruck zu betteuen. Wenngleich di« Dinge noch nicht so weit gediehen find, wie wir wünschten, so kann doch immerhin festgestellt werden, daß «S uns gelungen ist, 30 Lehrerbezirk« zu schaffen, und die Deichandlungen über weitere 18 derartig« Bezirke sind augenblicklich noch in der Schweb«. Hoffentlich werden dies« zum Abschluß kommen. Ich will bei dieser Gelegenheit auf die ungeheuren Schwierigkeiten Hinweisen, die sich einer beftiedigenden Lösung dieser Frage «ntqegenstellen. Auf der einen S^ite die Schwierigkeiten, di« von den Gemeinden gemacht werden. Ein« Gemeinde, die einmal «inen eigenen Funktionär gehabt hat, kann sich schwer in die Situatttn finden, sich mV anderen Gemeinden in einen Funktionär teüen zu müssen. Zu diestn Imponderabilien de» Gefühls kommt «in weiteres Moment hinzu, dessen Berechttgung keineswegs verkannt werden kann. Dtt Gemeinden sa^en: Wtt können unS zur Not mit einer derarttgen Regelung absinden, soweit «S sich um die Versorgung mtt Religionsunterricht handelt; wtt können «S.aber nicht, soweit der Gottesdienst in Frage steht. Der betteffend« Funktionär kann am Sabbath nur an einer Stell« sein, und die anderen Ort« fallen auS. Wir werden dieser Frag« nur dann wirklich zu Leib« gehen können, wenn wtt ein« Maßnahme verwirllichen, die grundsätzlich von unS bereit» beschlossen ist, nämlich zurückzugreifen auf den ehrenamtlichen Dienst im Kultus. Es muß versucht werden, daß in den kleinen^ Gemeinden sich Personen finden, die ehrenhalber den Gottesdienst regelmäßig an den Sabbathen versehen, so daß die Gemeinden hierin von dem Bezi'kSbeamten unabhängig sind. Wir haben auch schon durch eine Reihe von Umfragen festgestellt» daß sich Personen finden, dtt geeignet und bereit sind, dies« Tätigkeit zu übernehmen. Wtt werden aber nicht anders wetterkommen als dadurch, daß wir shstemattsch «inen derarttgen Nachwuchs an Ehrenbeamten heranbilden. Di« jungen Leute müssen aufgefordert werden, sich zur Uebeknahme der Funktion grundsätzlich bereit zu erklären, und der Verband muß sie dann in geeigneter Weis« ausbilden lassen. Neben dieser Schwierigkeit, dtt sich der Bildung von Lehrerbezirken «ntgeqenstellt, sst zum Teil dtt Frag« der Lehrerbeschaffung außerordentlich brennend geworden und durch all« unser« Maßnahmen, di« wtt bisher getroffen, nicht befriedigend gelöst. Wenn wtt auch «in« eigen« pädagogisch« Akademie haben, wo wir den Nachwuchs für dtt großen Gemeinden und diejenigen Stellen, dtt einen lediglich als Lehrer auSgebildeten Beamten voll beschäftigen können, heranbilden, so wissen wir, daß den kleinen Gemeinden damit nicht gehoffen ist. Di« Ding« liegen so, daß auf der «inen Seit« Ueberfluß an Lehrern herrscht, auf der anderen Sette sie fehlen. Lehrer, di« nur Lehrer find, finden vielfach kein« Anstellung, weil die Gemeinden mtt Unterricht allein st« nicht voll beschäftigen können, und an Lehrern, die gleichzeitig dtt sonst erforderlichen Funktionen des Kantors und Schächters mtt übernehmen können, fehtt es. so daß zahlreich« Gemeinden nicht in der Lag« sind, die Bezirksleh «erstellen zu besetzen. Meine Damen und tzerren! Go sieht «S mtt den Bezirkslehrern aus. Run zu der Frage der Bezttksrabbinat«. Hier liegen dtt Ding« so, daß wtt. den Wunsch haben, daß kein Jude innerhalb de» Machtbereiches de» Landesverband«» ohne religiöst Versorgung, ohne Anschluß an «in Rabbinat sei. Daß wtt da» nicht durch Einzettabbinat« erreichen können, ist klar. Wtt stehen stmtt vor der Frag« der Bildung von Bezttksrabbinaien. Trotzdem wtt auch dttser Frag« »nser tntensivstes Interesse entgegengebracht haben.