Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 1 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Präsident: Mein« Damen und Herren! Der viert« DerbandStag de< Preußischen Landerverbander jüdischer Gemeinden ist eröffnet. Bevor ich in die Tagesordnung «intrete, geziemt «r mir, leider auch dieser Wal, wie zu jeder Eröffnung» die Blick« zurück» M lenken auf die Verlust«, di« wir erlitte» haben. (Die Versammlung erhebt sich.) Wenn durch Götter Gnade unser eigener Kreis auch von schweren Schicksals schlügen verschont blieb, so wiege» um so schwerer die Verluste, di« unser« Schwester-Körperschaft, der Bat und mit ihm daganz« Judentum erlitten hat. Wir beklagen das hin scheiden von drei Ratsmitgltedern: Iustizrat BreSlauer, Le» Lilienthal und Bruno GalewSki. Breslauer hat in diesem Kreise nur als stellvertretendes Rats- Mitglied, also nur in verhältnismäßig kleinem Ausmaß Mitwirken könne« und Mitwirken wollen. Wir nenne» ihn doch als erste», nicht nur weil er der ältest« war, sondern weil er der erste war, dev den Gedanken einer öffentlich-rechtlichen Vertretung der deutschen Juden aufgegriffen hat und mit der ganzen Hingabe seines Feuergeistes auch propagiert«. Wenn auch seither noch nicht aller in feinem Ginn« gereift ist, wie er «S wünscht«, so hoffen wir, daß gerade dies« Tagung «nr «inen wetteren Schritt vorwärtsbringen wird auf der Bah», die er für di« deutschen Juden gewünscht hat. WaS er sonst für dar deutsch« Judentum, für di« Belebung des religiösem Lebens getan hat, davon wM ich hier nicht sprechen. Wo auch immer wir deutsch«» Juden Zusammenkommen werden, um gemeinsam unser« Dinge zu beraten, wird sein Geist unter unS weilen. Kurz nacheinander sind uns entrissen worben Bruno GalewSki und Leo Lilienthal, die beide im Vordergrund unserer eigentlichen Derbandsarbett tätig gewesen sind. GalewSki war Mitglied des Rate», und zwar al» Vertreter der gesetzestreuen Richtung im Judentum. Er hat alles daS, WaS spezielle Aufgaben d«S geseheStreuen Judentum» waren, betreut, darüber hinaus aber auch an den allgemeinen Arbeiten de» Rate», insbesondere nach der wirtschaftlich-finanziellen Geste hin, eifrig mstgewirtt. Ich brauch« Ihnen in diesem Augenblick den Mann mit seinem gütigen Auge, mtt seiner Liebenswürdigkeit und Vornehmheit nicht vor di« Seel« ja führen. Wenn da» Wort unseres Lehrers Rabbi Iochanan den Sakkai, daß «ln Lew tauw, «in gute» Herz, alles in sich schließt, wahr fft, so fft Galewrft «in echte» Beispiel für ein Lew tauw, für «in gute» Herz gewesen. Sein« vornehme, ritterlich« Art, auch dem Gegner gegenüber, sich zu geben, hat bewirft, daß er sachlich manchen Gegner, ober sicherlich persönlich nur Freunde hinterlassen hat. Wen« wir un» nun zu Leo Lilstnthal wenden, so schsteift unser Blick zu de« Platz, der leer geblieben fft und, ich glaube, auch leer bleiben wird, hier im Saal« und in unserem Herzen. WaS dieser Wann durch di« majestätich« Klughest seine» Geiste» und durch da» glutvoll« Mttleben mit allen jüdischen Dinge« für unS geleistet hat, wird erst «in« spätere Geschichte voll erkennen. Wenn er sprach, hatte er das Ohr der Versammlung, hatte er auch unseren Seist und unser Herz in seinen Bann gezogen. ES wird schwer sein, «inen Mann von diesem jüdischen Wissen und von der Klughest de» Geistes zu ersetzen. Wir, mein« Damen und Herren, müssen di« Rechen enger schließen und müssen versuchen, durch gemeinsames Wirken dt« Lücke zu ergänzen, di« unS der Tod geschlagen. Aber da» Angedenken an dies« guten und großen Männer wird in unserer Mitte unvergessen bleibe« und niemals verlöschen. Ich danke Ihnen, daß Sie «st mir sich zu Ehren der teuren Loten von de« Plätze» erhoben haben. (Die Versammelten nchmen di« Plätze wieder ein.) Ich begrüß« al» neu« Mstglieder, mein« Damen und Herren, in unserer Witt«, soweit st« anwesend find, di« durch Austritt und Amtsniederlegung anderer Mstglieder «ingetretenen Dame» und Herren: Emil Büunenau-Köl», Otto Bonwi'-Frankfurt a. Lehrer WM Freundlich-BreSlau, Rechtsanwalt Galinger-HomburgvbH^ Frau Ella Werner-Frankfurt a.M^ RechtSanwall Dr. Alfred Wiener-Berlin. Ich hoff«, daß St« all« gern bei uns Mitarbeiten und Freud« an unserer gemeinsamen Tätigkest habe» werden. Bevor ich nun tu di« Tagesordnung eintrete, möchte ich ganz kurz von de« einstimmigen Beschluß des Aeltestenrate» über den Gang der Tagung selbst Mitteilung mache». Wir werden zuerst den Geschäftsbericht de» Rate», dann gleich anschließend den Bericht de» Rate» zu» Rechnungsabschluß und Etat hören. Wir werden daun heul« «ine Generaldebatte haben, und zwar soll diese Debatte nach de« einstimmigen Beschluß aller Parteien gelte» al» erst« Lesung nicht nur zu« Etat, sonder» auch zu de» and«»» Vorlagen, di« «d»«r. doppellen Lesung bedürfen, insbesondere auch der Verfassungsänderung, der Reviston de» preußischen Iudenrecht» und de» Reichsverband. Wir nehmen an, daß kamst der heutige Tag ausgefülst ftt» wird. Wir bedürfen dann keiner Generaldebatte über di« genannten Vorlagen mehr, sondern wst treten gleich in die Speziallefungen «in. Wir welchen st» Lauf« der Versammlung, vstlleicht vor der Generaldebatte, die AuS'chüsfe zu bilden haben, und zwar: de» tzauShaltSauStchuß. den Ausschuß für die Verfassung und den Ausschuß für di« Geschäftsordnung. St« wissen, daß Verfassung»- und GeschäftsordnungS-Aenderungen auf der Tagesordnung stehen. Di« drei Ausschüsse werden morgen von S—11 Uhr Jett genug haben zu tagen, und dann werden wst morgen um 11 Uhr di« Beratungen wahrscheinlich mtt der zweiten Lesung d«S Etat» aufnehmen.. Di« Abstimmung werden wir gemeinsam, soweit tunlich, vornehmen, und zwar nicht vor 4 Uhr nachmittag», damit dann ein volle» Hau» zusammen sein kann. Wenn wst dann, mein« Damen und Herren, insbesondere auch den Wünschen de» AeltestenauSfchusseS bezüglich der Redezeit, di« ich bei den einzelnen Punften bekanntgeben werde, folgen werden, dann hoff« ich. daß wst morgen Abend unser« Tagung beschließen, und «» dann nicht nötig sein wird, auch noch den DienStaq dazu zu nehmen. Es liegt an Ihnen, ob wst diese» alle» erfüllen können. Dann möchte ich noch einmal ganz eindringlich in Erinnerung bringen, daß wir nur mit großer Mühe diesen Saal he» Hause» zu unserer Tagung bekommen haben, und zwar unter der Bedingung, daß di« Arbeiten der Staat-. und Reichsbehörden, di« in diesem Hause tättg sind, nicht gestört werden. Da» gitt insbesondere auch morgen für die Zeit bi» 3 Uhr nachmsttag». Ich bitte Sie dringend, mein« Damen und Herren, wenn Sie diesen Saal verlassen, sich nur in den unmittelbar hinter dem Saal befindlichen Räumen aufzuhallen. Da» Umhergehen im Hause und da» Plaudern auf den Gängen ist auf da» strengste verboten, und ich werde auch unnachsichtllch di« Damen und Herren, die dem zuwiderhandeln, durch unsere Beämten darauf aufmerksam machen lasten. Wir dürfen «» nicht veranlasten, daß die Arbetten der Behörden, dst un» diesen Saal zur 'Verfügung gestellt haben, gestört werden. Nunmehr steten wst aber in di« Tagesordnung ein. Ich bitte den Beauftragten de» Rate», zu seinem Geschäftsbericht da» Wort zu nehmen. RatSmttglied Dr. Freund: Mein« verehrten Damen uild Herren! Wenn ich dem Auftrag« de» Rate», Ihne» in Ergänzung besten, wa» wst Ihnen schriftlich unterbreitet haben, «inen Tätigkeitsbericht zu erstatten, nunmehr Nachkomme, so darf ich auSgeh« von dem äußer«» Bestand« unsere» Landesverbandes. Im großen und ganzen läßt sich feststellen, daß wst in bezug auf di« Zahl unsere» Mitglieder gewissermaßen an einem toten Punkt angelangt sind. Di« Ding« liegen so, daß der Landesverband heut« immer noch rund 722 Mstglieder zähst, und daß in der Zwischenzeit «ine nicht unerheblich« Anzahl von Austritten zu verzeichnen fft. Insgesamt haben 13 Gemeinden ihren Austritt au» dem Landesverband erklärt. Die Zahl der Doppelmitgliedschasten, d.h. derjenigen Gemeinden, di« Nicht nur unserem LandeSverbande, sondern auch dem tzalberstädter Bunde angehören, fft auf SS gestiegen. LS verbleibt danach die Tatsache, daß ungefähr, wie im Vorjahr«, auch jetzt noch rund 200 Gemeinden vorhanden sind, di«, allen Bemühnngen zum Trotz, sich keinem Landesverband« angefchlosten haben. Ich erinnere daran, daß wir insgesamt etwa SSO preußisch« Gemeinden haben und daß von diesen Gemeinden 700 «in« Seelenzahl von 100 und -weniger aufweisen, also Gemeinden sind, die, auf sich selbst gestellt nicht leben können. Bei den 200 Gemeinden handelt es sich in der Mehrzahl um Zwerggemeinden der angedeuteten Art; um so bedauerlicher. ist er festzustellen, daß «» unseren Bemühungen bisher nicht gelungen ist, dies« Gemeinden in unseren Verband hineinzubringen und kamst ihr« Erhaltung stcherzustelle». Mein« Damen und Herren! Wenn wst von der verhältnismäßig erheblichen Anzahl von AnStritten sprechen, so ist vielleicht noch bedenklicher und bedauerlicher al» di« Ziffer der inner« Grund dieser Abtritte. Wst sind jetzt erst am Anfang de» inneren Ansbane» des Verbände»; wst haben insbesondere «ine der wichtigsten Frage», da» ist die Regelung de» Beamtenrechte», nicht in Angriff nehme» können, daS sind diesentgen Arbetten, dst ohne einschneidend« Aeu» derunoen innerhalb der Struktur der Gemeinden sich nicht werden durchführen lassen. Wst bereits jetzt schon, so werden später in einer nicht unerhSlichen Anzahl von Fällen Gemeinde«, well ihnen dieses oder jenes nicht Paßt, ihren Austritt au» dem Landesverband erklären, wenn nicht rechtzeitig hier ein Rstgel vorgeschoben wird. Di« Drohungen, dst un» in dieser Hinsicht «ntgegentrestn»^ sind bedenklich zahlreich. Bekomme» dst Gemeinden an BethKst» nicht da», was fl« erwarteten, oder passen ihnen di« Forderung«» de» LandeSverbande» ftt bezug auf Beiträge .nicht, oder verlangt her Landesverband von ihnen auch nur Auskünfte, dst st« nicht- «»»