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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-06-15 · 5 (15.6.1927) · p. Seite 10

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
5 (15.6.1927)
Date
1927-06-15
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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- 10 - taxnbig sein» daß bk Indisch« Bolkspartei von der Propagierung aller jener Tendenzen sich fern hält, di« uns jüdischen Deutschen so vollkommen unannchmbar sind, daß wir glauben, daß ihr« Propagierung auch für di« nach uns kommenden Geschlechter, in Deutschland von einer unerträglichen Auswirkung fein werd«. M. D. u. tz.l Herr Kollege Sandler hat ja eigentlich zwei ganz verschieden« Moment« behandelt, einmal di« Frag« eines Ausgleichs oder einer Annäherung von Gegensätzen — «ine Frag«, di« hier nicht hergehört, — und er hat Weiler behandell di« Frag«, ob man nicht Mißverständnisse und Uebelwollen im Kampf um die lieberzengnng beseitigen könnt«. Und «S freut mich, daß ich in diesem Punkt« sagen kann: Es gibt niemanden unter «ns, der nicht wünscht, daß die GegensLtze, die ja da find und ausgetragen werden müssen, daß der GeisteSkampf in einer Weife ausgefochten wird, di« auch einem Kampf« mtt geistigen Waffen entspricht, daß dies« Mißverständnisse, das Uebelwollen, das Aufbauschen, das demagogisch« Breittreten zu politischen Zwecken auf allen Setten für immer — ich glaub« leider «inen frommen Wunsch aussprechen zu müffen — begraben sein möge (Beifall). Ls würde, mich aufrichtig freuen, wenn sich bk Erkenntnis durchsetzen könnte, daß politischer Kampf durchaus nicht mtt persönlichem Kampf gleichgesetzt zu sein braucht und daß politisch« Gegnerschaft durchaus Achtung vor der Ehr« deS politischen Gegners mtt sich bringen könnte und daß dies« Achtung sich nicht erst nach dem Tod« äußern kann (Beifall'bei den Liberalen;. — Zischen und Zurufe links: taktlos!). M. D. u. H.l Ob etwas taktlos ist oder nicht, ist «in« Gewissensfrage, und wenn ich das Wort sprach, habe ich es getan, um Ihnen zu zeigen, daß man dann, wenn «S noch Zett ist, sich besinnen soll, im polttischen Kampf« di« Ehre des Gegners zu achten und trotz aller Gegensätze nicht zu vergessen, was doch so oft aus Ihren (nach links) Reihen gesprochen worden ist, daß wir als Brüder hier im geistigen Kampfe stehen. Sie zwingen mich, auszuführen, daß in dem Augenblick durchaus Grund gewesen ist, nach den Kämpfen der vorjährigen Tagung mit einer Zwischenbemerkung, wie ich es tat, dies zu erwähnen. ES ist Ihre Schuld, wenn Sie mich veranlaßten, das, was ich mtt einem halben Relativ-Satz ein schieben wollte, Ihnen nun noch naher vor Augen zu sichren (große Unruh« links). Ich hoff«, daß Sk inzwischen begriffe» haben, was ich Ihnen gesagt habe, und vielleicht bemerkt haben, daß mein« Freund« erst mtt vorbildlicher Ruh« alles angehört habe», was Herr Dr. Sandler uns vorgetragen hat. Also, m. D. u. H^ akzeptkren könne« wir ohne weiteres diesen Aufruf zum geistigen Kampf bei Wahrung der Form und des Entgegenkommens, wie wir es erwarten dürfen. Und nun tun wir am besten, wenn wir dk gemeinsamen Energien zunächst nicht verwenden auf di« Auseinandersetzungen prinzipkller Art, sondern unser« ganz« Kraft darauf konzentrieren, für di« im Preußischen Landesverband zusammengeschlossenen jüdischen Gemeinden zu wirken. Und wenn wir also uns nunmehr entschließen, an dk wirklich sachlich« Arbett der Tagung zu gehen und den Entwurf eines Iudengesetzes zustande zu bringen, so gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß dkse Arbett den jüdischen Gemeinden in Preußen zum Segen gereichen wird (Lebhafter Beifall bei den Liberalen; Zischen links). Abg. Dr. Braun schweizer: M. s. g. D. u. H.l Ich befinde mich in der für mich und vxchrscheinlich auch für Sie sehr beneidenswerten Lage» als Vertreter der kleinsten Fraktion dieses Hauses (Widerspruch), auch von der Redezeit, nur «inen ganz kleinen Teil in Anspruch zu nehmen. Ich glaub« auch, daß wir bisher eigentlich nur von «inem Etat des geistigen Bestandes und des g«i st i g«n Voranschlages gehört, haben. Und wenn auch dk Religiöse Mtttelpartei vollständig den Standpunkt tritt, daß der Fried« und dk Achtung vor der Anschauung der Gegner oder der Andersdenkenden di« Grundlage aller Beratungen und Meinungsäußerungen sein muß, so glaub« ich doch ganz besonders betonen zu müssen, daß solch« Reden und solch« Worte dann ihren Wert verlieren, wenn sie immer nur an di« ander« gerichtet sind und man nicht Einkehr bei sich selbst hätt (Sehr wahr!). Wir haben heute so oft — nicht von dem gestrigen Dhora-Ab schnitt — aber von den Beethoven-Feiern reden gehört» und auch ich möchte auf den Musiker Beethoven Hinweisen, der taub geworden war, aber in sich selbst klingen hört« di« Helligen Tön« seiner Musik, mtt der er uns beschenkt«. In uns selbst müssen wtt erst klingen hören dk Friedensschalmei. Dann, m. D. «. £)„ hätten wir nicht nötig, von dkser Stell« aus unser« kostbar« Zett mtt dauernde« Ansprachen und Ausrufen zum Frieden und zur gemeinsamen Arbett zu vergeuden (Beifall). M. D. u. H.l Ich möchte nun nicht mehr von diesem geistigen Etat sprechen, sondern von dem wirklich« Etat, der »ns vorgetragen wurde; und ich glaub«, damtt de« Uebergang zu finden zu der wahrhaft praktischen Arbeit unserer heutige» Tagung. Der Etat ist namentlich in «ine« Punkt« dasjenige, was di« gesamte Iudenhett gm heftigsten und innersten berührt, dort wo er ein Spiegelbild gibt der Rot unserer Gemeinden. Und, «. D. u. H., wer, wie ich, aus «in« Grenzprovinz stammt, bk durch di« politische« Verhältnisse groß« Abstrich« erfahren hat, und w«, wk ich, täglich in Berührung kommt mtt größeren und kleineren Gemeinden dort, deren Absterben miterlebt, der weiß, wk not es tut, mtt allen Mitteln diese« Absterben entgegenzuwirken. Und wenn ich glaub«, daß so manches von dem, waS hier gesprochen wurde, nicht für Sie, m. D. u. tz., alS genügend unterrichtete Abgeordnete bestimmt ist, sondern daß sehr vkles zu der Tribüne und über die Tribüne hinaus zum Doll« gesprochen ist, möchte ich mir nicht »«sagen, auch zum Fenster hinaus zu sprechen und an dk OpferwMgkett derer, die draußen sind, appellieren, indem ich darauf Hinweise, daß dk Not, besonders unf««r kleinen Gemeinden, auf keinen »«richten kann. Es kann heut« kein größere» Verbrechen am preußisch« Judentum geben, als wenn man aus kleinlichen, persönlichen und materiellen Rücksichten der Gemeind« di« Steuern verweigert, und wenn es Personen gibt, dk im öffentlichen Leben an der Spitze stehen und sich nicht scheuen, dem jüdischen Gemeindeleben ein derartiges erbärmliches Beispiel zu geben. Dkse Steuerfttlcht, di« wir so manches Mal in den Gemeinden sehen, würde aufhören, wenn jene Drückeberg« einmal hinauskämen in die kleinen Gemeinden und dort mtt«l«b«n würden, wie man dort schreit nach religiöser Belehrung. Ich sprech« nicht von kirchlich« Herrschaft, sondern von solchen religiösen Aufgaben, ohne dk uns«« Gemeinden nicht beskhen können. ES genügt nicht, nur dafür zu sorgen, daß in den einzelnen Gemeinden Religionsunterricht «rtellt wird; sondern, daß man immer mehr an di« einzelnen Fragen des Gemeindelebens herangeht und sich fragt, wie diese Arbett geleistet w«den soll, ist notwendig. Ich glaube, im Etat können kein« Mittel groß genug und freudig genug gegeben werden, die dies« Aufgabe geräht werden. Das, m. D. u. tz., möchte ich zu dem Etat im Namen der Religiösen Mittelpartei gesprochen haben, daß wir unS mehr und mchr fernhatten sollen von schönen Redensarten, dk doch schließlich nicht das eigentlich« Diesen uns«« Arbett im Landesverband sein sollen, und daß wir von hkr aus den Seist der Opferwilltgkeit für unsere Gemeinden hinausschreien und rufen, bespnderS dorthin, wo sich imm« mchr «in« Lässigkeit geltend macht, wenn es sich um jüdisch« Ding« handelt, für deren Pfleg« wir doch hi« zusammengekommen sind (Lebhaft« Beifall). Abg. Berger: M. D. u. tz.l Ich bin in d« sehr angenchmen Lag«, außerordentlich kurz sein zu können. Ich Hab« Wied« einmal dk Pflicht, nach schr klaren und nach sehr wenig klaren prinzipiellen Debatten über jüdisch« Fragen auf einig« Punkt« hinzuweisen, di« imm« wieder von dies« Tribüne herab berührt werden müssen, nämlich auf dk wirtschaftlich« Lag« groß« jüdisch« Massen in Preußen. Ich Hab« Wied« die unangenehm« Aufgabe, Sie, m. D. u. £)., daran zu erinnern, daß dk Boykott-Bewegung gegen den Juden in Preußen, insbesondere gegen den jüdischen Angestellten, von Tag zu" Tag größer« und schärfer« Formen annimmt. Wir müffen hkrzu Stellung nehmen (Sehr richtig! links). LS bleibt di« Tatsache beskhen, daß d« jüdisch« Beamt« und Angeskllte in Preußen namentlich aus den größten wirtschaftlichen Betrieben planmäßig herausgedrängt wird, und daß wir hi« «in« Proletaristerung «leben, dk kein« Produktivierung ist, sondern dk identisch ist mtt Lumpenproletarisierung. Wtt haben, «in« Arbeitslosigkeit, namentlich auch bei den ält«en jüdischen Angestellten, di« zum Himmel schrett. Wtt müssen an diejenigen Kreis« herantteten» die dtt Möglichkeit haben, abzuheffen. Es muß einmal in all« Oeffentlichkett gesagt werden, Paß bei manchen Großbanken, auch den D-Bank«n zwar durchaus für «inen Juden noch dk Möglichkett besteht, Direktor zu werden, ab« nicht mehr dk Möglichkett, Buchhalt« zu werden. ES muß gesagt werden, daß auch in der Schwerttldustri« heut« kaum noch «in Jude mehr angesteltt wird, es sei denn in ganz führenden Positionen. Dabei handett es sich nicht nur um «inen Notstand der manuell tätigen Arbett«, sondern auch um eiuen Notstand des akademischen Nachwuchses, d« heut« ebenfalls aus den wichtigsten Gebieten abgedrängt wttd. Man muß dk Gewissen schärfen. Wtt haben in den Aufsichtsräten der Gesellschaften Herren sitzen, di« oft genug «in Bekenntnis zum Judentum ab legen, wenn es nichts kostet. Wtt müssen von ihnen »«langen, daß mtt dies« währen Imparität gchrochen wird, und wtt müssen auf der and««n Sette dafür sorgen, daß di« Bestrebungen, den jüdischen Arbeitsnachweis zu fördern, von uns unterstützt werden. Auch hi« kann mau nicht unterstützen, indem man nur warm« Worte findet, sondern indem pran sich bemüht, Stellen zu "schaffen. Wtt brauchen nicht etwa das feig« Argument zu berücksichtigen, daß wtt mtt dies«» uns««n PyNÜHnngen bei Christen Anstoß erregen könnten. Dk antisemitische Seit« kennt dkse Rücksicht nicht; sie stößt uns«« Menschen aus den Betrieben heraus, und wtt haben di« »«dämmte Pflicht und Schuldigkett, tatkräftig für sk «dlzutteten. Die» kann auch dadurch geschehen, daß z. B. unsere jüdischen Handwerk« stärk« als bisher den

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