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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-06-15 · 5 (15.6.1927) · p. Seite 9

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
5 (15.6.1927)
Date
1927-06-15
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 Misch« Gemeinschaftsleben ohne persönlich« Befriedung und ohne di« Beseitigung der ZerspitterungStendenz« der letzten Jahr« nicht weilergeht. Wir werden ganz zufrieden sei» müssen, wenn hier auch, von manchem, der sonst «in radikale» Wort sprach, di« Hand zum Fried« gereicht wird; und man ntuß dies« Hand freudig ergreifen. M. D. u. h.! ES ist hier gesagt Word«: „heute geht leider die Religion neben dem Leb« Herl" DaS ist wahr und sollte doch nicht wahr sein. Denn das war unsere Auszeichnung und wird unser« Auszeichnung bleiben: Unser« große Berufung, alle Möglichkeit« des Hinweises auf ein« glorreich« Vergangenheit geh« für unS verloren, wen« wir nicht Versucher», die Religion in unser Scheu hinetnzuzieheu, st« zu verlebendig« und für ander« lebendig zu mach«. Bemühen wir uns, zu umserm Teil auch hier im Landesverband, di« materielle Grundlage dafür zu schaffen, daß religiöses Leb« »sicher aufblüht — «an kann leider für unsere deutschen Derhältuiffe fast überall sag«: aus Ruinen —, daß wir M«sch« gewinnen, der« Sch« Religion ist. Die Wehrhett bildet heute «in Phantom, das überall angebetet wttd. Und auch bei Ihr« Beschlüssen entscheidet di« Mchrhrtt. Und doch sollt« «S für unS all« hier «in« gewichtige Frag« sein: Soll di« Mehrheit wirklich entscheidend sein oder nicht? In religiös« Fragen kann ich von einer Demnnst, di« 1« der Mehrheits- «ntfcheidnng liegen soll, nicht tz»r«ch«. Deshalb sollten wir auch dort» wo wir durch StaatSgesetz« zu gewiss« Abstimmungen gezwungen fint>, versuchen, durch Kompromiss« d« Beschluß der Mehrheit zu ersetzen, durch geg«settig«S Entgegenkommen die allseits erwünscht« Befriedung der jüdischen Parteien, in Deutschland wenigst««, herbeiznführ« (Sehr gut! links). M. s. g. D. u. tz.! Don all« Sett« ist h«t« in kurz« Wort« d«S große» Meisters gedacht »vorden, der heute in der ganz« Wett gefeiert wird und dessen Töne in unserer Seel« erkldigen. Romain Roland hat in einig« kurzen Worten zur Beethoven-Feier als das Leitprinzip dieses Groß« im Reich« der Kunst angeführt und klargelegt: „Durch Leid« zur Freud«". Dieses Leitprinzip eines Großen, den heute di« Kutturwett feiert und dem sie ewig dankbar sein wird, fft das L«b«Sprinzip unserer Gemeinschaft. DaS Leid, das uns auferlegt wird, daS wtt erlebt haben in Jahrtausenden der Zerstreuung, soll den Einzeln« und di« Gemeinschaft zur Fr«de führen, soll schließlich im Leben des Einzeln« und im Leb« der Gesamtheit ein« freudvolle Erfüllung finden, und im diesem Sinn« möchte ich sag«: W«n ich auch kein Freund der vielfach« Vertretung und Betonung des Gedaickens des Golus im politischen Sinn« btt», so müss« doch auch Sie, m. tz„ di« Sie sich gegen dies« Gedanken und gegen diese Theorie immer mit solcher Schärf« wehren, zugesteh«, daß wtt nach unser« religiösen Vorstellungen in der Verbannung leben, in der Gottesfern«, di« abgelöst werden soll von einem Reich der Gottesnäh«. Ist «S auch richtig, daß wtt nach den prophetischen Vorstellung« nach dem Aufhör« unserer Z«rstt«ung, nach unserer Zusammenfassung schließlich selbst in unserer enger« Gemeinschaft aufhören und abberufen werde» sollen, tocU dann am End« der Tag« unser Beruf sein« Erfüllung gefund« hat (Zustimmung), so müss« wtt doch all« erkenn«, daß wtt eben in diesem Sinn« zur Zeit im Golus sind» und baß wtt h«t« unter den Völle« leben, z«rstr«t, entwurzelt, abgerissen von unserer Traditio», daß das aber nicht daS Wesen unserer Bestimm«- sein kann. Solang« wtt in dieser körperlichen Entferntmg vom Helligen Boden, der uns vereinen soll» und in der geisttgen Enffemung von der Rühe des groß« Schöpfer« «inhergeh«, werd« wtt nicht unser« Beruf erfüllt haben und versuchen müss«, unser« letzt« Kraft in jedes einzeln« Persönlichkett «inzusetz«, um dtt jüdisch« Gemeinschaft zu stärk« und zu fördern (Lebhafter Beifall rechts und links). Abg. Dr. Wertheim: M. D. «. hl LS »oar der Wunsch der Liberal« Fraktion, daß h«t« kein« allgemein« Aus sprach«, kein« Tendenzaussprache bet der Einbringung de- Etat« stattfinden möge. Nachdem wtt erst vor w«igm Monat« uns allgemein aus-. gesprochen haben und man anmchm« darf, daß dem «in« oder ander« dtt Ueberzeugung« der verehrlen Herr« Gegner in diesem haust aldnählich hinreichend bekannt geword« sttrd, glaubten meine Freund«, im Interest« der sachlich« Arbeiten, von der allgemein« Aussprache Abstand nehmen zu sollen (Sehr richtig! bet den Liberalen). Nachdem aber dieser Wunsch nicht die Gegenliebe der ander« Partei« gefund« hat und wtt hier einig« Tendenz» ansprach« gehört haben, müssen wtt selbstverständlich uns auch da« Recht nehmen, mtt «in paar Wort« hierauf «inzugehen. M. D. «. h.l Mein« Fr«nd« Hab« «S durchaus begrüßt, daß dtt Red« des her« Kolleg« Sandler heute sich in manchem von früher« Reden prinzipieller Art auf da« ang««hmste unterschied« hat (Sehr wahr! bet d« Liberal«). Wtt wert»« nicht verfehl«, am geeigneter Stell« und zu geeigneter Zeit «ist dies« Erklärung zurückzukomm« (Beifall). Wtt glaub« aber, daß diese Tribüne hier und der Verdandstag, der dtt Aufgabe hat, dtt Verwaltung I der preußisch« jüdisch« Gemeinden »tt regeln zu heff« und dies« t Gemeinden zu unterstütz«, nicht der geeignete Ort ist» um dtt Brück« zwischen polttischen Gegnern zu schlagen zu »»erstich«. Wtt ' glaub«, daß derartige Aussprachen nur an anderer Stelle stattfind« könn« und an dieser Stell« nur geeignet sind, uns abzuhatt« von der eigentlichen Arbeit, zu der wtt zusamm«beruf« find (Sehr gut! bei d« Liberal«). Nachdem aber Dr. Sandler verschirden« Fragen angeschnitt« hat, möchte ich kurz einig« prinzipiell« Bemerkung« mach«, hem: Dr. Sandler hat mtt Recht gesagt, di« Anschauung soll nicht zum DerhaudluugSobjekt werden. Er hat erklärt, daß dtt Ueberzeugung eines jeden Gegners hier im Saal« feststeht und daß kein lieber zeugungsopfer verlangt werden darf. Ich hob« leid« gesturd«, daß Herr Dr. Sandler im Wetter« Verlauf seiner Ausführungen sich nicht ganz strikt an diese von chm selbst getvähtt« Auffassung gehall« hat (Sehr gut!). Er hat, den Liberal« vorgeworfen, daß sie dem Zionismus Schwierigkeit« bereitet«. M. D. u. h.l Ich denk«, jede Partei betrachtet es als «in« chrer Aufgaben, für chr« Ideale zu tocrfen und den Ideale« «in« gegnerischen Partei möglichst entgeg«zuwttk«. (Sehr richtig!). Im Gegenteil: Bei sehr dielen meiner Fr«nd« fft di« fest« lteberzeugung eingewurzelt, daß es Aufgabe der Liberal« gewes« wäre, in toett erheblicherem Mache, als es geschah, den Tendenzen entgegen» zuwttken, die wtt nun einmal als schAüich für das deutsch« Judentum glaub« betracht« zu müssen (Bestall bei den Liberal«). Wetter sprach Herr Dr. Sandler von der Aufgabe einer Befriedung in den Gemeinden, und er hat dabei gesagt, daß <» sein« Freunden fern läge, als kirchlicher Oberrichter oder als Ketzerrichter fungieren zu wollen; es werde ^lediglich volle Parttät verlangt. Di« Liberalen haben es immer als «in« chrer vornehmsten Aufgaben betrachtet, für dtt absolut« Parität in den jüdisch« Gemeind« aufzutreten, aber nur in den jüdisch« Gemeind«, di« noch Auffassung meiner Fr«nd« Religionsgemeind« sind und Religionsgemeinden bttiben sollen. ES ist also nicht annehmbar für unS, unS unter dem Deckmantel der Parität dtt Unterstützung von Besttebungen zumuten zu »voll«, dtt den Charakter der Religionsgemeinschaft« der jüdischen Gemeinden aufhch« wolttn. Herr Dr. Sandler sprach von einem konzentrischen Angriff aller Gegner auf die Palästina- Arbeit und glaubt«, einige „Amm«märch«n" zerstör« zu mästen. Sowett es sich um das Minoritätenrecht und di« politisch« Austastung der Golus-Theortt handell, habe ich persLnlich besonders dankbar davon Kenntnis g«omm«; und ich hoffe, daß diese Wort« eines Führer» der Jüdisch« Volkspariei sich btt zu d« nächsten Wahlen auch unter, den Scharen der Anhänger herumsprech« mög« (Beij fall). Aber von einem konzentrisch« Angriff auf die Palästina-Arbeit kann gar kein« Red« sein. Für dtt Abwehr, die wtt jüdisch« Deutschen von unserem Standpunkt aus Ihr« Bestrebungen entgegensetzen, ist nicht maßgchend dtt Frag« einer Aufbauarbett in Palästina als solcher, sonde« lediglich dtt Frag« einer polttisch, national-jüdisch eingestellten Aufbauarbett mtt dem gleichzeitig« Bestreben, den Aufbau dttseS national« Judentums auch in Deutsch» land zu fördern (Beifall). Wogegen wir uns gewendet Hab« und auch toetterhin mit aller Entschiedenheit wend« würden, sind di« Besttebungen, dtt darauf hinauslauf«, d« jüdisch« Lell d«S deutsch« Dplkes aus der «gen Kutturverbnndenhett mtt de« ander« deutschen Volk und aus der eng«, auf innerster Ueberzeugung begründeten polttischen Verbund«nhett mtt dem deutschen Volk« allmählich heraus lös« zu »voll«, um so d« Boden vorbereit« zu helfm 'für den Aufbau eine» nationalen Judentums nicht in [ Palästina, sonde« in D«tschland. Und desweg« würde ich es i besonders angenehm begrüßt haben, toenn Herr Dr. Sandler auch -J noch «in Wort darüber gefunden hätte, daß es nicht «tu» di« Zionistisch« Partei ist, dtt als «in« chrer Aufgab« brachtet, dadeutsch« Iudentum in Deutschland zu «twurzell», um die deutsch« < Juden reff zu mach« für ein« Zusammenschluß zu einem jüdisch« 1 Volk«, mag dieser Zusammenschluß nun mehr «ach Palästina tani gier«, oder verbünd« sein mtt der Forderung nach Minoritätenj rechten oder nicht. \ M. D. u. h.l Die Golus-Theorie d«S verehrt« her« Kol» - ttnscher, daß wtt «ns im religiösen -Sinn« in der Verbannung \ befinden, ist «ine religiöse Auffassung» der, glaub« ich» der wett '{ überragend« Teil aller Juden beipflicht« wttd, sowett sie dtt Inj terpretation des Kolleg« horovitz findet. Aber, m. D. «. h.l Dies» Ü Theorie hat leider nicht das geringste JU tun mtt den Ausführung«, | wie wtt st« bisher von seiten der Jüdisch« Dolkspartei zu hör« ] gewöhnt waren, nämlich, daß wtt uns nicht religiös, sondern Po- '? Misch in Deutschland in der Verbannung befind« (Sehr richtig!), u Wenn, «. D. u. h., wirklich daS Bestreb« maßgebend w«d« sollt«, j unbeschadet der gegenseitig« innersten Ueberzeugung gemeinsam« | Energien für gemeinsam« Zweck« «inzusetz«, dann wird «S notj

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