Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 5 (15.6.1927)
- Date
- 1927-06-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 ®«nt<tti5en de« Land«-. Di« Aufrichtung «in«S Parteiregimes? M. D. «. tz! WaS wird di« Folg« dieser Siege fein? Ein Parteireg im« gab «S früher in mancher Großgemeind« und gibt «S heut« auch noch hier und da im Westen Deutschlands, wo sich dauernd Bestrebungen regen, ein Ausnahmewahlrecht «tnzuführen oder da« Proportionalwahlrecht zu verweigern. WaS bei un«, m. D. u. £)., in Berlin herrschen wird, ist da- Prinzip der Parität, die wir für unS in Anspruch nahmen, und di« wir auch anderen gewähren werden (Sehr gut! link«). Parität und Demokratie, sind Ideen, di« au« unserer Anschauung von der Einheit d«S jüdischen Volle« fließen, innerhalb besten wir jeglich« Art der Differenzierung für möglich halten (Beifall). Bei reiner Konfeffionalisteruug de« Judentum« unterliegt man leicht der Verkirchltchuug der Weltanschauung, di« dazu führt, ähnlich wie di« Kirche d«S Mittelalter« festzustellen, waS g«1 ist und waS böse, und nun daS Gut« zu fördern und daS Böse auSzurotten. Im Prinzip ist «S nichts anderes, wenn z. B. ein Semetndevorstand, der «in« Schul« subventionieren soll, in Erwägungen darüber ein tritt, ob der Weg, den di« Schul« «infchlägt, der recht« ist, ob wir da« Jiddisch« unterstützen oder auSrotten sollen, ob di« dort vertreten« Auffassung vom Judentum berechtigt und zuläflig ist. Unser Standpunkt ist, daß überall dort, wo «in jüdische« Bedürfnis empfunden und geäußert wird, «S durch den Verwalter des gemeinsamen Besitzebefriedigt werden muß (Sehr richtig!) Wir sind keine kirchlichen Oberrichter und Inquisitoren, di« sich im Besitz der allein selig machenden Wahrheit dünken. Wo jüdisch« Schulen von einem großen Kreis« verlangt werden, sind sie zu gewähren. Wird «in chassidifcher oder sephardischer Gottesdienst verlangt, so ist auch er zu gewähren. Und wenn wir z. B. hier «inen besonderen UnterrichtSauSschuß verlangt haben, so stand Ihnen nach unserer Ansicht nicht daS Recht zu, zu entscheiden, ob dies« Ford«ung berechtigt ist, ja «S bedeutet sogar schon ein« Verletzung d«S ParitätSgedankenS, wenn di« Frag« einer Berechtigung einer bestimmten jüdischen Gesinnung von Ihnen auch nur geprüft wird. Di« Parität soll nicht auSschließen, daß wir gewiss« Residuen eine« Parteiregimes noch befestigen und unerfüllt« Forderungen noch nachträglich erfüllen müssen. DaS gist namentlich auf dem Gebiet« der jüdische« Schulpolitik, und ich brauch« nur an den Stand der KonkordatSfrag« zu erinnern, um zu zeigen, daß dieses Problem für unS bald brennend werden wird. Heber den Charakter unserer Schulen sind geradezu ungeheuerlich« Vorstellungen verbrestet, obwohl «S doch jedem freisteht, sich am lebenden Objekt von den Tatsachen zu überzeugen. Wir geben zu: ES gibt Unterschied« zwischen jüdischen Schulen und jüdischen Schulen, und schon di« quantitativ« Frage kann im hebräischen Unterricht zu einer qualitativen Differenz führen. Indem ich nun da« Gebiet der Gemeindepolitik verlasse, möchte ich zum Ausdruck bringen, daß dieser Geist der Parität selbstverständlich auch in den großen Organisationen der deutschen Juden herrsche» sollt«, hier ruckt vor allem die Frag« der Unterstützung unserer Palästina-Forderung in den Vordergrund, denn gegen sie hat sich immer der konzentrische Angriff unserer Gegner gerichtet. ES ist kaum zu glauben, welch« Ammenmärchen auf diesem Gebiete Glauben finden. Wenn manch« Mißverständnisse beseitigt sein werden, wird sich in vielen von Ihnen «in« «rast« Neigung, di« «in Erbteil Ihre« Blute« ist, von neuem regen, di« bisher von einer schematisch auf das Judentum angewandten politischen Doktrin verdrängt worden ist. ES ist hier nicht der Ort, im einzelnen auf dies« Mißverständnisse einzugehen und zu versuchen, sie auSzuräumen; ich kann nur einig« Stichwörter geben. Da gibt «S zunächst den Kampf gegen di« politischen Grundlagen unserer Bewegung, obwohl «S nicht schwer sein kann, zu begreifen, daß «in« Maffenkolonisation unter den komplizierten politischen Verhältnisse« de« vorderen Orient« nicht anderals mtt politischen Mitteln bewältigt werden kann, ja, daß gewiss« politisch« Voraussetzungen hierfür geradezu erforderlich sind. (Zuruf: Genau da« Gegenteil I) hierüber werden vielleicht manchem di« Augen geöffnet sein durch die Red« KalininS in Moskau über di« Krim-Kolonisation (Sehr richtig!). Ob man di« national-kulturellen Forderungen in den Vordergrund stellt, oder ob «an di« Siedler chrer eigenen kulturellen Entwicklung, also chrer Entwicklung zu einer jüdischen Kultur» überläßt, bedeutet keine prinzipiell« Differenz, «S sei denn, daß «au glaubt, di« spontane Entwicklung soll« oder werde zu einer Anpassung an da« Levanttnertum oder an da« Arabertum führen. Biele« werden Sie selbst mst anderen Augen betrachten, wenn Sie di« Ding« nicht mehr theoretisH oder parteimäßig oder polemisch oder dialektisch erörtern werde», sonder« wenn Sie selbst in di« hart«, verantwortungsvolle Arbett htneinstrigen werden. Dann werde» Sie auch über dtefe Fragen hinweg von dem Ewigkeit-Hauch, der diese» Problemen anhastet, berührt werden. Ich muß hier unsere aste Versicherung wiederholen, daß unser« Anschauungen mst Staat-treu« und StaatSgefinnung in vollem Einklang stehen. Wir überlassen «S einer gewisse» Presse, uns gegenüber von zwei Vaterländern zu sprechen, andererseits aber für dl« Deutschen in Ungarn, Polen, Italien, Rumänien ufw. national« MinderhestSrecht« oder ähnliche« zu fordern, ohne zu bedenken, daß die« Schlagwort von den zwei Vaterländern, z. B. den Deutschen im Lrentino gefährlich werden könnt«. Sie alle haben nicht verkannt, daß di« psychologisch« Wirkung der Begründung de» Pro Palästina-Komitees auf di« deutsch« Iudenhest ein« tiefgehend« gewesen ist. LS war deutlich zu fühlen, welch« Rückwirkung di« produktiv« Leistung in der Paläst inäarbeit auf di« Achtung der Völker vor Juden und IudentuiN auSübt, und der jüdisch« Bürger mußt« sich doch sagen, daß etwa« an den ihm vorgetragenen liberalen Theorien nicht stimmen konnte, wenn sich di« höchsten Staatsbeamten und di« Vertreter der Parteien von Brettscheid über da« Zentrum bi« tzoetzsch für den zionsstischen Aufbau Palästina« «insetzten (Unruhe). Ich brauch« hier nicht-über di« Kompetenz jener Männer zu sprechen, di« offenbar jene Staatsmänner für naiv« und irregelettete Kinder hielten, denen sie «ine Belehrung über das, waS deutscher Gesinnung zuträglich und abträglich ist, zukommen lassen mußten. Zum letzten möchte ich auch noch bi« Legend« von unserer angeblichen Forderung nationaler Minorität-recht« zerstören. Wst vertreten hier di« von Eugen Fuchs akzeptierte Formel: Wir erheben diese Forderung dort, wo Juden in Massen siedeln, und wo sie glauben, sich durch Minorität-recht« vor der Vergewaltigung durch di« Mehrheit oder vor den Gefahren einer einseitigen nationalen Bindung schützen zu können (Bestall links). Auf deutsch« Verhältnisse übertragen aber stirbt diese Forderung an chrer eigenen Sinnlosigkett (Beifall link«; Zurufe b. d. Liberalen; Zuruf Dr. Klees: Er tötet doch nur einen Leichnam!). M D. u. h.k Für «in« solch« Forderung fehlen auch nach unserer Ansicht «henso im Aufbau des deutschen Staates wie in der Gliederung und Verteilung der Iudenhest alle Voraussetzungen (Rufe bei den Liberalen: Sagen Sie daS Herrn Köllen scher!). M. D, u. h.k UnS genügt in Deutschland jene Autonomie der Gemeinden, di« unS durch den Art. 137 der Reichsverfassung gewcchrlesttet ist. (Schr richtig! links.) Aber mtt dieser- Legend« von der angeblichen Forderung der Minoritätsrechte ist für den naiven Bürger von jeher ein Zionisten schreck aufgerichtet worden, ganz «benso wie mst der Vokabel „DollSgemeinde", di« nicht« andere« auSdrücken sollt« al« das Programm Befriedigung aller jüdischen Bedürfnisse durch die jüdisch« Gemeinschaft und den Protest gegen di« unjüdisch« Derkirchlichung und Koufessionalisierung der asten Kehilla. (Schr richtig! link«.) Ich glaub« an di« Möglichkeit einer Verständigung — aber unter einer Voraussetzung: daß von keiner Sest« Gesinnungsopfer verlangt werden; wir können sie weder von Ihnen verlangen, noch Sie von uns. Besorgnisse wie di« oben erwähnten können zerstreut werden, praktische Aufgaben können gemeinsam gelöst werden, über all da« gibt «S Aussprache und Verständigung. Aber über Fragen wie die, welch« Vorstellungen wir von der Zukunft d«S Judentums und des jüdischen Dolle« haben, darüber kann doch kein Kompromiß geschlossen werden. Ein solcher Versuch wäre ja geradezu naiv. Wenn «S Kreise gibt, di« glaubten, daß wir etwa« von unserer Ideologie opfern würden, so müssen deren Illusionen zerstört werden. 3H« von manch«» unserer Gegner sogenanni« „GoluStheorie" abschwören, hieß«: den ZioistSmuS abschwören. Diese Theorie ist die „Theorie" d«S Jesaja«, de« Micha und der anderen Propheten, auf di« Sie sich ja bei der Vertretung Ihrer religiösen Anschauungen besonder« gern berufen. ES hieße den Ginn chrer Worte künstlich verrenken, wenn man auS chnen «inen anderen Sinn herauslesen wollt« all den unS geläufigen: ,Zu jener Jett werde ich euch bringen, werde , ich euch sammeln, da ich zurückführe eure Gefangenen vor euren Augen, spricht der Herr." Run Hab« ich nichtdagegen, wenn Sie den Worten der Propheten widersprechen. Daß wir aber unseren Glauben, unsere Hoffnungen und Anschauungen zum Ver» handlungSobjekt degradieren könnten, stt ausgeschlossen. Darüber muß Klarheit geschaffen werden (Unruhe). Nicht« andere« soll daS deutsch« Judentum tun als das, was da« amerikanisch« mtt seiner Zustimmung zum Iewish Agency-Gedanken, zum Gedanken der BündniS-Politik getan hat. hier sind Möglichketten vorhanden für die gleichberechtigt« Teilnahme vieler jüdischen Gruppen an einem großen Werk. Di« Mißverständni ff«, die Sie an der Mitarbeit hindern, werden bei gegenseitiger wohlwollender Aussprach« zerstreut werden können. M. D. «. tz.! Ich will nur noch all Etatredner «in Wort über daS Iudengesetz sagen. Ich beschränk« mich auf zwei Sätze, indem ich für dt« Jüdisch« DollSpartet erkläre, daß wir keiner Verschlechterung gegenüber den Bestimmungen de« alten Gesetze« von 1847 zustimmen werden, da« an« immerhin noch gewisse Kautel«» gegen Ausnahmebestimmungen in den Semeindestatuten gegeben hat. Wir wollen auch keinerlei Bestimmungen, di« gewiss« Gruppen unserer Gemeindemttglieder schlechter stellen all di« gleichen Gruppen innerhalb der christlichen Religionsgemeinschaften.