Mannheim
Compact Memory

Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-06-15 · 5 (15.6.1927) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
5 (15.6.1927)
Date
1927-06-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3980048-10021561-10021554--257-3980275
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 Wunsch, daß Sie, m. D. u. H„ auS meinem Dortrag« entnehmen mögen, daß der Rat nach besten Äräfttn bemüht gewesen ist, seiner nicht leichten Aufgabe gerecht zu werden, und daß wir der Hoffnung Ausdruck geben können, daß auch daS kommend« Jahr uns «inen wesentlichen Schritt weiterbringen wird auf dem Weg« zur Besserstellung unserer Gemeinden und zur Erhaltung d«S Judentums. (Lebhafter anhaltender Beifall und Händeklatschen.) Präsident Stern: Ich glaub«, in Ihrer aller Sinn« zu handeln, m. D. u. h., wenn ich dem Rat im allgemeinen und Herrn Dr. Freund als bisherigem Geschäftsführer des Verbandes unseren Dank für di« aufopferungsvoll« Arbeit ausspreche, die Sie all« ausgeübt haben zu unserem Besten, und daß wir di« Herren bitten, auszuharren in chrer mühevollen Arbeit, auch dem Staat« gegenüber, Kamst, was uns gebührt, auch uns gegcken werde. (Beifall.) Zum Geschäftsbericht ist niemand zum Wort gemeldet. Wir kommen daher sofort zum nächsten Pgnkt der Tagesordnung, Etat, und ich bitte Herrn Direktor Kareski, für den Rat den Etat «inzubringen. Punkt 4: Etat 1927-1928. Ratsmitglied Ka re-s ki: M. s. g. D. u. h.l Ich glaube mich sehr kurz fassen zu können, schon mit Rücksicht darauf, daß wir den auf dem vorigen Derbandstag geäußerten Wunsch, dem Etat eine gedruckt« Begründung beizufügen, erfüllt haben. Ich möchte mich daher auf einig« allgemeine Bemerkungen beschränken. Herr Dr. Freund hat ja bereils darauf htngewiesen, daß von den 563 000 Mark, di« wir aus Beiträgen der Derbandsgemeinden hereinzuholen hofften, bisher nur 380 000 Mark eingegangen sind. Das ist «in Gesichtspunkt, der unser« ganzen Etatsarbeiten entscheidend beeinflussen muß, denn es liegt, uns di« Pflicht ob, nicht bloß in di« Lust hinein festzustellen, was wir an Ausgaben für wünschenswert hasten, sondern zu überlegen, in welchem Umfang« di« Mittel hereinzuholen sein werden. Run haben wir trotzdem in diesem Etat «in« Steigerung der Besträg« der Derbandsgemeirrden auf 661000 Mark vorgeschlagen. Wenn Sie di« im vorigen Etat noch enthaltenen Rückstände aus 1824 außer Bettacht lasten,, kommt das nahezu auf Verdoppelung der vorjährigen Derbandsbesträg« hinaus. Sie können versichert sein, daß dies« Entscheidung uns nicht leichter gefallen ist, nachdem wtt di« Schwierigkeiten, di« bisherigen, wesentlich niedrigeren Beiträge hereinzubekommen, kennengelernt haben. Aber Sie werden andererseits auch verstehen, daß dies« Schwierigkesten in der Finanzierung unseres Etats uns «in« westgehend« Pflicht zur Zurückhaltung auferlegen im Hinblick auf Ausgaben, di« vielleicht durchaus wünschenswert und sachlich begründet fein mögen, di« aber im gegenwärtigen Moment doch zurückgestellt werden müssen. Der Etat unterscheidet sich von dem von Ihnen vor etwa drei Monaten angenommenen durch «ine Ausgabensteigerung von 12°/o. Di« Steigerung ist in der Hauptsache zurückzuführen auf di« besonder« Berücksichttgung des Kapitels „Wohlfahrtspflege". Wtt haben auch etwas höher« Ausgaben vorgesehen inbezug auf di« allgemein« Verwaltung, einmal, weil die Personalverhältniss« unzulänglich sind und mit Rücksicht auf di« gestttgenen Arbeitsanforderungen eine Vermehrung auch der Angestellten unumgänglich war, andererseits aber auch aus den unmöglichen räumlichen Verhältnissen des Büros heraus. Sie wissen, daß wtt heut« noch bei der Jüdischen Gemeind« Berlin wohnen. Dort können wir aber mehr Räum« nicht bekommen. Wir müssen im Lauf« dttses Etatsjahres daran gehen, für unfern Verband ausreichend« und geeignet« Räum« zu beschaffen. Das wird zu Mehrausgaben in bezug auf den Etat für das Personal führen. Wtt haben dann etwas erhöht btt Position „Banbeihilfen". Gerade hierbei sind wtt uns ganz klar darüber, daß wtt auch nicht annähernd damit den wirklichen Bedürfnissen gerecht werden können. Es liegen Anträge in mehrfacher Höh« der eingesetzten Summen vor, aber wir werden uns hier bescheiden müssen. Ganz, haben wtt allerdings dies« Wünsch« nicht abweisen zu sollen geglaubt, well «S sich in der Tat in sehr vielen Fällen um absolut dringend« Ausgaben handelt. Di« „Bechllfe für Kultusbeamt« und deren Hinterbliebene" stt wesentlich erhöht. Das ist aber «in« Sach«, di« eigentlich unserer eigenen Etatswirtschast weniger unterliegt, well dtt Gelder hierfür ja aus anderen Quellen zur Verfügung stehen. Dtt wesentlichste Erhöhung von 100 000 auf 150 000 Mark haben — wie bereits betont — di« Ausgaben für Wohlfahrtszweck« erfahren. Wtt haben geglaubt, den vorliegenden Anträgen Rechnung tragen zu muffen, weil der Wohlfahrtsausschuß geglaubt hat, zwei Gebiet« neu erfassen zu sollen, auf denen wtt uns bisher nicht betätigten, nämlich das Gebiet der Gefährdeten-Fürsorg« und das Gebiet der Bevölkerungspolstik. Neu stt «in« kleine Position für .Heranbildung von Hilfskantoren". Näheres darüber. ist aber im gedruckten Bericht bereüs enthasten. Stt sehen also, m. D. u. H., daß auch httr zwischen Lipp' und Kelchesrand «in« gewiss« Kluft sich auftut. Aber dtt Schwierigketten unserer Arbeit hat Ihnen Herr Dr. Freund ja bereit« geschtlderl. Es wird wefentlich besser werden, wenn der Staat sein« Pflicht gegenüber unseren Gemeinden in größerem Umfang« erfüllt als bisher. (Beifall.) Präsident Stern dankt dem Redner besonders auch für di« vorbildlich« Kürze seiner Ausführungen und erteiÜ für di« Aussprach« das Wort. Abg. Dr. Sandler: M. s. g. D. u. h.l Als Sprecher der Jüdischen Dollspartei will ich httr zu gewissen Vorgängen und Sttömungen, dtt in den letzten Monaten zutage getreten sind, Stellung nehmen. Bei der allgemeinen Aus sprach« im November vorigen Jahre« war das Bestreben mehrerer Redner, den Wille» zur Verständigung durchblicken zu lasten, unverkennbar. Verständigung kann aber näht den Sinn haben, daß etwa in Weltanschauung und Gesinnung «in Ausgttich gesucht werden sollt« — ich setz« gleich an dtt Spitz« meiner Ausführungen di« These, daß keiner Sette ein Gesinnungsopfer zugemutet werden darf —, sondern es handelt sich darum, Mißverständnisse auszuräumen, Zwistigkeiten beizulegen, USelwolttud« ihres Einflusses zu berauben, di« «inenden Moment« stärker zu betonen und den AufgabenkreiS festzustellen, innerhalb dessen gemeinsam« Energttn eingesetzt werden könnten. Di« Auseinandersetzungen in einem Tritt der jüdischen Press« gttich nach der Tagung zeigten zwar einen anderen Charakter; aber kurz darauf wurden doch gewichtiger« Stimmen wieder hörbar. M- D. u. h.l Es ist kein Zweifel, daß auf dttsem Weg« nicht nnr «in« Festigung unserer Stellung im Staat«, soudern auch gegenüber unseren Gegnern gewonnen werben könnt«, und daß sogar dtt einzelnen Parteien aus einer solchen Verständigung Nutze» ziehen könnten. Ich mein« das nicht im Verhältnis der Dollspartei etwa zur Konservativen, denn mst dieser verbindet uns schon fest langem polstisch« Freundschaft, well wtt mst ihr dtt Treue zur Tradttion, das Verständnis für dtt Bedeutung des hebräischen, der jüdischen Schul« und des Palästina-Ausbaues gemeinsam haben. Ich sprech« httr von einer Verständigung zwischen den anderen Parteien, und da glaub« ich, daß z. B. auch dtt Liberalen von. einer solchen Per» ständigung Nutzen haben würden, well sich auch in unseren Rechen «in« ganz« Anzahl von Männern liberaler.Gesinnung befindet, dtt bisher den Weg zu den Liberattn nicht finden konnten, well di« Liberal« Partei es als chr« Aufgabe betrachtet«, den Zionismus zu verketzern, chm allenthalben Schwierigkesten zu beresten und di« Anschauungen des politische» Liberalismus kritllloS auf daS religiös« Judentum zu übertragen. Auch wtt aber würden aus einer solchen Verständigung Nutzen ziehen, weil es heut« gilt, dtt Pflicht zur Mtarbest am Pallstina-Aufbau von den Schultern. einer Partei auf dtt der gesamten Iudenhett zu übertragen. Wtt wissen, M- D. u. H„ daß Stimmung hierfür auch im liberalen Lager vorhanden ist, und daß «ine solche vielfach geweckt werden kann, wenn «S gelingt, Mißständ« zu beftstigen und dem Treiben gewstfer Kreise «in End« zu machen, dtt infolge chrer Grundeinstellung ein Interesse daran haben, den Zwiespall klaffend zu erhallen. Dies« Fragen sollten eigentllch vor einem Forum der deutschen Iudenhett erörtert werden. Da wtt aber dtts« Tribüne noch nicht besitzen, so muß es hier auf der Tribüne d«S preußischen Judentums geschahen. Zuvor soll di« Situation in der Berliner Gemeind« gestreift werden. Ich glaub«, daß ich berechtigt bin, httr über lokatt Verhältnisse zu sprechen, well ein« solch« Befriedung nicht nur für dtt großen Organisationen im Land« gellen soll, sondern auch für dtt großen Gemeinden, in denen sich dtt Mchrheitsverhältniss« tttzchin verschoben haben, wtt Berlin und Köln. Schon diese prattisch« Erwägung wäre ein« Widerlegung der Behauptung, daß dies« Frag« nicht hierher gehört (Sehr richtig). Wenn nach 70 Jahren «in Wechsel im Regime einer großen Gemeind« «intrstt, so entbehrt dttser Moment nicht der historischen Bedeutung, und «S sollt« Aufgabe der Redner bei der allgemeinen Aussprache sein, sich zu jüdisch-geschichtlichen Vorgängen zu äußern. Dtts« Sache hat auch für den Landesverband ihr« Bedeutung; denn wenn in einer Gemeind«, dtt «in Drittel aller deutschen Juden umfaßt, ein« solch« Verschiebung der MehrheitSverhällniffe «intrstt, kann das auch für das Geschehen innerhalb d«S Verbandes nicht ohne Bedeutung sein. Dtt neue Wchrhett in Berlin wird nun bald Tatsache sein. Mst Rücksicht auf di« liberalen Prottft« hat dtt AuffichtSbehörd« gewiftt Nachprüfungen angeordnet, über di« wtt im Gemeindevorstand noch hinausgegangen sind. Voraussichtlich werden gegen 100 Stimmen nachttäglich zu kassieren sein (Höttt Hört! links), und daS bei einer Wählerliste von 130000 Wählern und bei einer Wahlbeteiligung von SO 000 Personen. Sie werden zugeben, daß die moralisch« Integrstät und Rechtmäßigkett dttser Wahlen gar nicht in Vergttich gestelll werden kann mst der der Wahlen zum Preußischen Landesverband, gegen di« bekanntlich von keiner Gelle Protest eingettgt worden stt, ttotzdem schwerste prinzipiell« Verstöße gegen dtt Verfaffung «rwttsen waren. Wtt rechnen auf weitere Sieg« in den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.