Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 5 (15.6.1927)
- Date
- 1927-06-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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i 2 g«zwung«n haben, Opfer ZN bringe», sondern well es etwas Göttliches ist, sich zu opfern, sich dem großen Gewaltigen zu «nterordnen. Di« Opfer sind «S, di« de« Juden zum Idealismus, zum Glauben und Hoffen erzogen haben. And auch heute ist ein Judentum ohne Opfer undenkbar. And gar oft wird von uns nicht nur «in Opfer an Geld, Zell und Kraft verlangt, sondern auch «in Opfer des Willens, ein Aufgaben dessen, was unser« Individualität unS diktiert. Nicht jeder Gedanke ist in allen seinen Konsequenzen nach starrem Willen durchfichrbar. Der Will« ist ftei, di« Tat ist häufig voller Hemmungen. Nicht immer geht das Leben die gerade Linie. Nur da, wo «S sich um «in wirklich' helliges, hohes Prinzip handell, haben wir das Recht, unversöhnlich zu sein. Der höchste Gedanke aber, der unS all« beseelt, ist: di« Erstarkung des Iudentums, di« Erhaltung der Gemeinde in ihrer Reinheit und Einheit. Diesem Gedanken müssen wir di« höchsten Opfer bringen. Di« Weisen des Talmud sind uns darin als leuchtendes Beispiel vorgegangen. St« stelllen den Grundsatz auf: „Die Religion ist dazu da, um den Menschen zu beleben, und nicht um ihn zu vernichten". And wo es galt, «in Leben zu retten, da erlaubten sie «in Abweichen vom Religionsgesetz. Am so mehr müssen wir dieses Prinzip der Religion des Lebens da Hochhalten, wo es güt, die Zukunft des Iudentums zu retten. Wir all« sind di« Träger de« Judentums, wir alle tragen di« Verantwortung für di« Entwicklung der Gesamt» jubenheit^ Unser Judentum ist «in« kleine Well für sich, reich an eigenartigen Schönheiten und an Urkräften. Diese Well stcht nicht im Gegensatz zu der großen Wett draußen; nein, sie hat stets di« Kultur und die Ethik der Menschhett in sich ausgenommen und bereichert und sie bahnte der Sittlichkett den Weg zur höh«. Aber sie muß ihr« eigenen Weg« gehen und darf sich nicht in Nachahmungen verlieren. Ebenso wie der Geist find es auch di« Formen, di« «ine Religion charafterisieren, und wie in der Kunst, ist «S auch in der Religion das Höchst«, wenn die Formen mit dem Gei st« zu einer g« wa ltigen Einheit verschmelze». Kein« Religion kann ohne Formen chr« höchst« Aufgabe, di« Erziehung des Menschen, erfüllen, und jede Religion schöpft di« adäquaten Formen aus ihrer Natur heraus, aus der geschichtlichen Entwicklung und der Art ihrer Anhänger. Organisch gestatten heißt, dem Wesen sein« natürlich« Form geben. Daher darf kein« Religion den Rahmen verlassen, den di« Natur ihr gezeichnet hat. Daher steht jeder wahre Jude voller Pietät vor den heiligen Formen, di« uns den Geist des Iudentums, den Geist sittlicher hohett und sozialer Gerec^igkett durch all« Zeiten und all« Schicksal« erhallen haben. Ohne Pietät vor dem Ererbten ist «in religiöses Empfinden kaum denkbar, und bei allem Dorwärtsstreben und allem Anerkennen des Entwicklungsprinzips können totr den Weg, den unser« Religion gegangen, nicht verleugnen, und immer wieder kehrt unsere Bettachtung zum Ausgangspunkt der göttlichen Offenbarung zurück. Nur da, wo Tradition und Fortschritt Hand in Hand gchen, wo die Lieb« zum Ererbten mit dem Streben nach Vollkommenheit sich harmonisch paaren, gedeiht gesundes religiöses Leben. M. D.l In der Sidra dieser Woche wird uns erzähtt, daß ven Söhnen Arons zum Vechängnis wurde, daß sie dem heiligen Altar mtt ftemdem Feuer nahten. Darin liegt «in« symbolisch« Warnung für all« Geschlechter. Wir müssen bei allem Großen, dawtt erstreben, das hellig« Feuer des Idealismus in uns ttagen. Wir müssen bei jedem religiösen Werk« «in« warm« Begeisterung mitbringen. Aber dieses Feuer müssen wtt aus der jüdischen Seel« schöpfen und nicht fremden Quellen «ntnchmen. In der Verkennung der eigenen Art, in der blinden Nachahmung liegt unser Verhängnis. Nicht alles, was wtt draußen scheu, ist gut, und nicht alles, waS gut ist, ist für uns gut. Wenn draußen daS Bild der Zersetzung, der Zerklüftung in Gruppen und Parteien, di« einander mtt Haß und Feindschaft begegnen, entgegentrttt, so müssen wtt der Wett das Bild einer idealen Gemeinschaft zeigen, di« in allem Großen einig ist; denn heiliger Boden ist es, auf dem wtt stehen. Wtt wollen den Glauben an den Fortschritt nicht aufgeben, well darin unser Trost in schwerer Zeit ruht. Wtt, deren Bestimmung es ist, „ein Volk von Priestern" zu sein, wollen unserer Gemeinschaft und der Menschhett durch Wahrheit und Frieden dienen. Aber das dem Heiligtum ftemd« Feuer des Fanatismus, der Anduldsamkeit, alles waS dem erhabensten Gesetz« der Menschenachtung und Lieb« widerspricht, müssen und wollen wtt uns fernhatten. Wir wollen bei aller Festigkett der eigenen Ueberzeugung, für btt wtt Achtung fordern, auch Achtung anderen «ntgegenbringen. Das ist das hellige Gebot, dessen Erfüllung ich nicht nur für unsere Versammlung, sondern auch für unser Judentum überhaupt aus tieffter Seel« wünsch«. (Lebhafter Beifall.) Punkt 1: Eröffnung. Präsident d«S Rates Wolfs: Wein« Da««« und Herrenl Rach den weihevollen Worten des verehrten Herr« Rabbiner« O». Weiß«, di« auf uns alle den größten Eindruck gemacht, dt« in u«< den Gedanken des Friedens innerhalb der jüdischen Religion dertitst und uns für dtt Ideal« der Religion aufs neue begeistert haben, n»h diesen weihevollen Worten fällt mtt, als dem Präsidenten des MOes, nach der Verfassung dtt Aufgabe zu. dtts« Tagung zu eröffnen. Ich stell« fest, daß stt ordnungsmäßig einberufen worden ist, und Hab« hiernach dtt Ehre, Sie zu begrüßen und dtt Versammlung für eröffnet zu erklären. Vizepräsident Dr. Kollenscher: M. s. v.D. u. H.l Zum 3. Matt tritt in diesem Saatt der Verbandstag d«S Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zusammen. Ich heiß« di« verehrten Abgeordneten herzlich wlllkommen und begrüß« zugttich dtt sehr vevchrlichen Mitglieder des RateS, di« hier erschienen sind, um an unseren Arbetten tellzunehmen. Im Mittelpuntt d«S Interesses an dieser Tagung steht dtt Beratung über den Entwurf eines IudengesetzeS, das wtt der Gesetz» gebung des Landes Preußen zur verfassungsmäßigen Verabschiedung überweisen wollen. Ich greif« den Berhandlungeü der Tagutkff sttzht vor, wenn ich zur Einleitung den Wunsch aussprech«, daß es unS gelingen möge, an der Herstellung eines gesetzlichen Zustandes mitzuwttken, durch den das Judentum und di« deutsch« Iudenheit nach innen und nach außen gestärtt wird, «ine ftei«, ftlbstverantwörtlich« und schaffenSfroh« Krastentfaltung ermöglicht und gefördert, Frieden und Eintracht in unseren Reihen gemchrt und zu Land und Reich di« Stimmung d«S gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens erzeugt wird, di« das Ideal der Beziehungen von Staat und Religtonsgemein. schast darsteltt. Wenn wir das zuwege bringen, wttd der dritte Verbandtag sich in der Geschichte des deutschen Iudentums «in« Ehrenstell« erobert haben. Vor Eintritt in di« Tagesordnung wird es uns allen «in Bedürfnis sein, derjenigen zu gedenken, die unS fttt der tttzten Tagung durch den Tod entrissen sind. (Die Abgeordneten und dt« Zuhörer erheben sich von den Plätzen.) Di« Abgeordneten Iustizrat Hugo Sonnenfeld-Berlin und Bürgervorsteher Jacob Pels-Emden sind in di« Ewigkett abberufen. Mtt Hugo Sonnenfeld hat der Verbandstag seinen ersten Präsidenten, nach Rang und Zeit ersten Präsidenten, verloren. Eine Institution bildet nur «inen organisatorischen Rahmen; di« Personen, di« zu ihrer Führung berufen sind, haben ihn mtt Inhall zu «rfiillen. Hugo Sonnenfald hat uns dtt Sttltt d«S Präsidenten d«S Verbandstages geschaffen. Aus den tottn Paragraphen einer ttockenen Geschäftsordnung hat er den lebensvollen Leiter und Führer unserer Verhandlungen und Geschäft« gebildet. So lebt er in unserem Gedächtnis als der Mann, der mtt Sachkunde und Umsicht, mit Herz und Geist ge» ttnkt und gettttet hat. An dem denkwürdigen 21. Juni 1825, als wtt zum ersten Matt zusammentraten und ihn zu unserem Präsidenten erkoren, hat er in den ersten Worten an uns die Erfüllung der Pflicht der Unparttllichkeit gelobt. Wtt können chm all«, ohne AuLnahm«, heut«, nachdem zu unserem Schmerz« sein« Amtsführung nur «ttr« so kurz« war, bestätigen, daß er dttseS Gelöbnis tteu und restlos erfüllt hat. Aus der Mehrheit des Hauses hervorgegangen, war er hier der best« Hort für dtt Recht« der Minderheiten. So werden wir und unser« Nachfolger feine Verdienst« um diese Versammlung, um unfern Verband und um das deutsch« Judentum stets in dankbarer Erinnerung behallen. Wtt haben ferner den Verlust unseres Kollegen Jacob Pels zu beklagen. Jahrzehnt« hindurch der Letter seiner Heimatgemeind«, um dtt er sich unvergänglich« Verdienst« erworben hat, trat er, von chrem Vertrauen getragen, hier ein, um für dtt groß« Gemeinschaft wirken zu können. An Jahnen schon «in Greis, aber stark und frisch im Denken und Fühlen, im Handeln und Wirken, hat er mtt ntt ermüdendem Intereffe sich an unseren Arbetten beteiligt, ein liebenSwürdiger, von allen geehrter Kolleg«. Ein getteueS Andenken bei «ns ist chm gesichert. Sie haben sich m. v. D. u. H., von Ihren Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen und konstatier« dos. Ich werde mtt erlauben» auch den Angchörigen der Dahingeschiedene» Mitteilung von der Trauerkundgebung dieses HauseS zu machen. Wtt trettn nun in di« Tagesordnung «in und kommen zum ersten Puntt: Puntt 2: Wahl des PräsSente». Auf Vorschlag des Abg. Dr. Baerwall» wird durch Zuruf Abg. Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin) zum Präsidenten gewählt. Präsident Stern: M. D. u. H.l Indem ich zunächst mtt bestem