Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 5 (15.6.1927)
- Date
- 1927-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3980048-10021561-10021554--252-3980270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'-Ä'.'^.'^.'r-.-' _;;. ■ -> ■ - ■- x -*^-'^- -f- ' rV.„ '.- 7.. jf.v M.' MM . tfc . •cf4*tel hi (<t<<t g*ltt. L»r ft»tt M*f«r Rmum* Mri|l 80 9f«nl« des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden »«schäst»g»»e: — * * - »— -«- * V(N|(|fH MIVtflKifM Misch« tranftm. «cttta Nk, Oiatiniit|(t Ctafel W DU ttWK« W »mwltiwt»W«tt U tfan« »tHRto i>« »rtterH. C«f*ni w$mt »p*»IaR «cwtefi^i Mitra, t# ictaibra BtfMhoii trfnttiH#. t« «h,UH»», btt »,ß>I ****♦» «fri* i» ■*«• hi »cm^ssn«. — Oi ZHchNsU» M 1> «ich«» u M „araMdhutftMr M «m»«*« SmMwtlmkM pttisch« •owhdM. San» Nit Oanktta«« 0tr.M 5. Jahrgang Berlin, den 15. Juni 1927 Nr. 5 Stenographischer Bericht der dritte« Verbandstagung de» Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinde« von Sonntag, dem 27. und Montag, dem 28. März 1927 lm große« Sitznngosaale de- Preußische« Staat-ratsehe«. Herrenhau») z« Berlin, Leipziger Straße 8. Tagesordnung (lt. Ginladung vom 1. März 1927). 1. Eröffnung. 2. Tätigkeitsbericht de» Rate«. 3. Etat 1927/28. 4. Dir Revision de» preußischen Zudenrechts. 4. x 1. Nachtrag zur Tagesordnung (lt. Mitteilung vom 8. März 1927). 8. Wahl de» Präsidenten. v. 2. Nachtrag zur Tagesordnung (tt. Mitteilung vom 13. März 1927). 6. Antrag Arnold Wiener, Beuthen O.-Schl., betr. Vorprüfung von Unterstützung-fachen. Erster Tag (27. März). Rabbiner Dr. Weiße: M. Dt Ich soll dieser Versammlung dt« religiöse Einleitung geben, und ich glaub«, «S am besten zu tu» durch die Betonung dä Worte», tu dem unser« Kraft und unser« Größe in Vergaugenhett und Zukunft ruhen: Frieden. Frieden bedeutet nicht Verleugnung der Gegensatz«, di« aus verschiedenen WUtanschauungen fließen, sondern Ueberdachung aller Unterschied« durch «in gemeinsames große- Ideal. Dahsr ist di« Wahrheit di« Voraussetzung eines wirklichen Frieden«, und unser« Philosophen und Ethtker voriger Jahrhundert« pflegen häufig chre Betrachtungen «tt den Worten zu schließen: „Lichet dt« Wahrheit und den Friedenl« Was wir Religiosität nennen, ist im Grund« die Sehnsucht nach dem höchsten Frieden, nach der Harmonie, di« nur «in starker Glaub« zu geben vermag. ReltgiöS sein heißt, nach Wahrheit strSe», nicht ober glauben, im Besitz« der alleinigen Wahrheit zu sei». Wir sind modern« Menschen, modern fein aber be» dentet, den erkannten Weg gehen, aber auch begreifen, daß es auch ander« Weg« geben kann. Di« wahrhaft dorn chm« Lesinnung zeigt sich tu der Dnldsamkett, im Verständnis für die An» schauuageu und di« Psyche des Gegners. Einer Gemeinschaft, di« im Sauf« der Geschichte soviel durch Verkennung und Anduü»samkett gelitten, und dennoch den Glauben an den Fortschritt nicht verloren hat, sollt« es nicht schwer sein, Verständnis und Sich« auch für den andersdenkenden Glaubensgenossen aufzubringen. Unsere Religio» atmet überall Frieden, «ine» Frieden, der aus höhmen Regionen kommt, einen Frieden in dem Bewußtsein, daß wir bernfe» sind, groß« Aufgaben für uns und di« Menschheit zu lösen, und baß dieses nur durch Eintracht möglich ist. Ja, unser« Religion erstrebt nicht nur den Frieden innerhalb unserer Gemeinschaft, sondern darüber hinaus den Frieden der Welt. Wir find, m. B., «in« religiös« Gemeinschaft, und welchen Aufgaben wir uns auch zuwenden, im Vordergrund steht stets auch der Wunsch und der Will«, das teuer« Erb« unserer Väter zu erhalten und zu vertiefen. Dieses heilig« Band, das unS umschlingt, muß stark genug sein, um auch bei Konflikten den Bruder, de» Glaubensgenossen zu erkennen und zu achten. Auch da, wo gekämpft werden muß, soll di« Ethikdes Kampfe», di« Voraussetzung der ehrlich« Gesinnung beim Gegner, nicht außer acht gelassen werden. Ja, m. D, in alten Zetten, wo die Religion alle seelischen Kräfte absorbiert«, und wo der Glauben ideutisth war «tt dem geistigen Leben überhaupt, war es noch psychologisch begreiflich, wenn im Kampf alle Leidenschaften sich auStobteu und di« Verbitterung häufig zu Ungerechtigkeit führte, heute aber, wo di« Religion nicht «ehr das Lebe« ausmacht, sonder» meistens »eben dem Lsbeu herläust, wäre jede Leidenschaft gänzlich verfehlt, heut« müssen wir in der gemeinschaftlichen Arbeit, im Dienst« eines Ideals den Weg zum Friede« finden, heut« gebietet es das Lebe» nnb die Rücksicht auf di« Zukunft»daß wir das betonen, was «ns «int, und nicht das, was un» trennt. Groß« Aufgaben, m. B^ harren unser, und auch unser« Tagesordnung zeigt Punkt«, di« ungemein wichtig für das Schicksal unserer Gemeinden find. Da gilt es, mtt de« Willen zu» Frieden und zur Verständigung an die Aufgaben heranzutreten »nd nufere Kräfte der Sach« des Judentums zu widmen. Das Judentum, m. V^ ist die Religion des Opfers. Nicht nur, well di« äußeren Verhältnisse »ns zu allen Zette»