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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-03-24 · 3 (24.3.1927) · p. Seite 51

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
3 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 51 (sequence 51)
Language
German
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— 51 — Minuten zur Verfügung stchen, denn sonst könnt« man fünf Stunden darüber -»rechen, ohne zum End« zu gelangen. Auf di« Weltanschauungsfragen, di« hier aufgerollt worden sind, kann ich mich jetzt. Mischen Tür und Angel, nicht mehr «inlassen. Ich möchte aber folgendes sagen: Der Vertreter der Liberalen Fraktion, Herr Kolleg« Kober, hat einen Antrag gestellt, und ein« Sache besprochen, mtt der wir — und ich glaub« auch di« Fraktion des letzten Redner« — vollkommen einverstanden sind. Er hat nämlich vorgeschlagen, die ursprünglich« Position für die Rabbinerbildungsanstallen wiederherzustellen. Er hat damit zum Ausdruck gebracht, daß wir den in diesen RabbinerbildungSanstatten vertretenen geistigen Strömungen des Judentums unsere größt« Fürsorge zubilligen müssen. Aus diesen RabbinerbildungSanstalten g«h«n die Lehrer d«S Judentum« hervor. Und dies« Lehrer d«S Judentums bemühen sich, de« „jüdischen Menschen" zu erziehen. Ich stell« in Abrede, daß das lediglich Programm der BollSpartei ist. ES ist unser Programm ganz genau so. Und darum muß ich auch daS Wort. daS vom letzten Redner gefallen ist, daß nämlich der ReligionSunterricht ein« unjüdisch« Sache sei, mst aller Energie zurück, weisen. Wo Religionsunterricht erteilt wird, wird er als «ine jüdisch« Sache erteilt; und die Elemente in diesem Religionsunterricht stammen nicht aus dem letzten Iahchundert, wie Herr Blumenfeld «S darstellt, sondern sie gehen auf zwei und drei Jahrtausend« zurück. WaS in unserem Religionsunterricht gelehrt wird, daS ist geschöpft au« Thora, Propheten und Talmud; und die «inzelnen wissenschaftlichen Zweige, die wir lehren, sind entstanden im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung. Das sind di« Quellen, di« wir in unserem Religionsunterricht verwenden, um den „jüdischen Menschen" zu erzichen. — In der Frag« selbst, ob di« Iübisch« BolkSpartei «inen eigenen UnterrichtSauSschuß erhallen soll, sind in unserer Fraktion di« Meinungen geteilt. Der größer« Teil 'stimmt dafür, daß «S der BolkSpartei nicht verwehrt werden soll, ein« Unterrichtskommission zu bilden, und zwar auS dem Gedanken heraus, daß daraus «ntwaS Schlimmes nicht entstehen kann. „Stellt viel« Schüler hin, und macht «inen Zaun um das Gesetz" lehrt di« Mischnah; also gründen Sie Schulen und erziehen Sie in ihnen den jüdischen Menschen. Zurückweisen aber muß ich di« Behauptung, daß di« heutig« jüdisch« Welt geteilt ist in Zionisten und Richtzionisten, daß eS nur ein« zionistisch« oder ein« nichtzionistisch« Weltanschauung gibt. DaS ist nicht der Fall. Diejenigen in unserer Fraktion, die der Meinung sind, «S sei «in besonderer UnterrichtSauSschuß der Jüdischen BolkSpartei nicht nötig, sind der Ueber» Zeugung, daß in edler guten jüdischen Schule oder Religionsschule — und solch« gibt «S Gott sei Dank noch bei unS — Zionisten wie Richtzionisten in gleicher Weise auf ihr« Rechnung kommen, indem ihr« Kinder in dftsen Schulen im Sinn« des wahren Judentums zu wahren jüdische« Menschen erzogen werden. Ein Antrag Stern auf Schluß der D^atte wird mit großer Mchrheit angenommen. Der Präsident gibt nunmehr Kenntnis von dem Ergebnis der Beratungen des tzauptauSfchuffeS. Der Ausschuß schlägt vor, auS dem Voranschlag zu streichen: ») in Kap.2, TttelS, bei 1. 2. 8 je 5000 M.. 15 000 M. b) in Kap. 6, Beittag zum Reichsverband. 15 000 . c) in Rap. 8, Punkt 1 .* ■ 10 000 , 40000 W. Dafür sollen an Reu» bezw. Mehrbewilligungen eingesetzt werden: ») in Kap. 2, Titel 4, unttr Abänderung der Überschrift . . . 15 000 M. b) in 8ap.S, für den Arbetterkulturverein. 3000 . c) in Kap. 6, für Reichsauafchuß für ZugendverbSnd« . ... 15 000 . 0) in Kap. 6, für ein Heim jüdischer Zöglinge der Gewerbeschule Rheydt.. - - 2500 . «) in «ap.«. für die jüdisch« Haushaltungsschule Frankftirt . 2500 . t) in Kap.«, für den Verein ritueller Sprisehäuser in Hamburg 2 000 „ 40000 M. Ferner schlägt der HauShaltSausschuß vor, die gleich« Umlage wie im letzten Jahr« zu erheben. ES fotzen nunmehr Abstimmungen. Der vom Abg. M. A. Loeb «ingebrachte Antrag, «in« allgemeine Konferenz aller jüdischen Organisationen (Rabbiner-, Lehrer-, Frauenusw. Verbände) in möglichst naher Zett «inzuberufen, di« sich mtt der Frag« der Austritt«. Laufen und Mischehen zu defasten hat, wird nahezu einstimmig angenommen. „ Der Antrag der Liberalen Fraktion, bet »apttel 2, TUel 4, Voranschlages zur Überschrift den Ansatz hinzuzufügen .stowi« Stt- Prndien für solch«, di« sich dem Lehrerberuf widmen wollen", wird nahezu einstimmig angenommen. Der folgend« Antrag der Liberalen Fraktion: „ES hat sich gezeigt, daß die feelsorgerisch« Betreuung bet in Irrenanstakten und anderen öffentlichen Anstasten auf dem Land« untergebrachten Glaubensgenossen «in« unzureichend« stt. Zum Teil stt nicht einmal für die Bestattung in derartigen Anstalten verstorbener Juden auf einem jüdischen Friedhof gesorgt. Der Rat wolle Feststellungen darüber treffen, in welchen derartigen Anstatten regelmäßig Juden unter gerächt sind und Vorkehrungen für di« Seelsorge und Bestattung derselben herbeiführen." wird durch nahezu einstimmigen Beschluß dem Rat zur wohlwollenden Erledigung überwiesen. Di« vom HaushattSauSschuß vorgeschlagen« Stteichung von je 5000 Mark für di« drei theologischen Bildungsanstalten wird abgelehnt und di« Position in ihrer ursprünglich vorgesehenen Höhe wiederhergestellt. Dagegen wird einstimmig beschlossen, die Position „Unvorhergesehen« Ausgaben" um 15 000 Mark zu ermäßigen. Im übrigen werden di« Vorlagen des Rater, mtt den vom tzauShallsauSfchuß vorgeschlagenen Aenderungen «n btoc einstimmig angenommen. Darauf soll über den Antrag der Jüdischen Dollspariei abgestimmt werden, der den Rat ersucht, di« ihm gemäß Art. 3, Ziffer f, obliegend« Verpflichtung zur Beratung der Shnagogengemeinden in dem Sinne zu erfüllen, daß diese von dem Grundsatz d«S gleichen Wahlrechtes jüdischer In- und Ausländer nicht abweichen. Vor der Abstimmung erklärt Abg. Epstein, daß di« Anttagssteller den Antrag zurückzuziehen wünschen, zumal di« Resolution der Konstituierenden Landesversammlung vom 25. Juni 1022 viel weitgehender ist. Der Präsident stellt fest» daß «in« Abstimmung sich erübrigt, da der Antrag zurückgezogen wurde. ES gelangt sodann folgender Antrag der Jüdischen Dollspariei zur Abstimmung: „1. Der Jüdischen BollSpartei soll neben dem Liberalen und dem Konservativen UnterrichtsauSschuß ein besonderer dritter Unterrichtsausschuß «ingeräumt werden. 2. Di« mtt der Revision der Verfassung der Landesversammlung beauftragt« Kommission wird ersucht, die entsprechenden Berfasfangsänderungen vorzubereiten." Di« Abstimmung über di« beiden Teil« dieses Antrages wird gettennt vorgenommen. Der erst« Teil wird mtt 43 gegen 30 Stimmen abgelehnt. Der zwett« Teil erledigt sich dadurch.^ Der von der Liberalen, der Konservativen und der Fraktion der Jüdischen BollSpartei «ingebracht« Anttag, der den Rat in Wiederholung des vorjährigen einstimmig gefaßten Beschlusses «rneut auffordert, gleichzeitig all« drei Mitglieder des Präsidiums zu seinen Sitzungen mit beratender Stimm« hinzuzuzichen, wird nahezu einstimmig angenommen. Der folgend« Antrag der Konservativen Fraktion: _ „Seitens des jüdischen Landesverbandes soll dahin gewirkt werden, daß in allen geeigneten Fällen «in« Fühlangnahme wegen gemeinsamer Arbeit mit dem Bund gesetzestreuer Gemeinden in tzalberstadt stattfindet. Insbesondere sollen Gemeindest, di« beiden Verbänden angehören, Subventionen nur nach gegensettiger Fühlungnahme erhallen." wird angenommen. — Desgleichen angenommen wird folgender Antrag der Konservativen Fraktion: „Rcken der Beeinflussung der DerwaltungSpraxiS in Ein» bürgerungsftagen ist es ein« der dringlichsten Aufgaben auch d«S Preußischen Landesverbandes, di« Rechtlosigkeit der Staatenlosen, und zwar auch der mtt Ransen-Paß ausgestatteten Personen bzgl. der Freizügigkett zu beheben." ES folgen di« Abstimmungen über di« Puntt« des Nachtrages zur Tagesordnung. ES liegt zunächst «in Antrag auf Aenderung der Verfassung vor, und zwar soll der Arttkel 20 folgend« Fassung erhallen: „Die Eröffnung des DerbandstageS erfolgt in der ersten Tagung nach Neuwahlen durch den Präsidenten des Rate» oder «inen seiner Stellvertreter, sonst durch den Präsidenten des Verbandstages oder «inen seiner Stellvertreter. Der DerbandStag wähll seinen Präsidenten, zwei Stell- Vertreter und zwei Schriftführer. Er gibt sich sein« Geschäftsordnung." Der Antrag wird nach erläuternden Worten des Ratsmitgliedes Dr. Freund (Berlin) dem Rechtsausschuß überwiesen. K» Puntt 2 de« Nachtrages hat dl« Liberal« Fraktion den Entwurf einer Beamtenordnung eingedracht. Zur Begründung erhätt daS Wort Abg. Abraham: Ich möchte, da «S fast «in« Vermessenheit erscheint, in so später Stund« noch da» Wort zu ergreifen, an Sienur. den Appell richten, unseren Wunsch zu unterstützen, daß der

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