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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-03-24 · 3 (24.3.1927) · p. Seite 50

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
3 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 50 (sequence 50)
Language
German
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— 60 — „3><r Preußisch« Landesverband jüdischer Gemeinden ist «ine Religionsgesellschaft." Diesen in der Verfassung festgelegten Grundsatz müssen wir als maßgebend ansehen bei der Bildung und bei der Arbeit aller unserer Ausschüsse. Das Wort des Herrn Jaffa „Das Primat der Religion ist für uns das Maßgebende" ist auch unser prinzipieller Stand» Punkt in dieser Frage. Wir haben gegenwärtig zwei Unterrichtsausschüss«, «inen liberalen utrd «inen konservativen, di« beide die Richtungen einer unteilbaren Einheit vertreten. Di« Zionistisch« Partei hatte die Möglichkeit der Mitarbeit in diesen Ausschüssen. Sie hat es im Ständigen Ausschuß abgelehnt, «inen liberalen oder orthodoxen Vertreter zu benennen. (Widerspruch links.) Es war den Zionisten di« Möglichkeit gegeben, sich «inen Platz zu sichern. Sie haben im Ständigen Ausschuß nicht einmal den Versuch dazu gemacht. Di« Stimmung war-dort so, daß von keiner Seite ein Widerspruch erhoben worden wäre, wen» «S sich darum gehandelt hätte, den Mitgliedern der Dollspartei Sitze «inzuräumen. Wir sind der Ansicht, daß nur religiöse Richtungen daS Recht haben, für sich die Bildung gesonderter Ausschüsse zu fordern. Und als religiös« Richtung können wir di« Dollspartei keinesfalls ansehen. Herr Blumenfeld hat es alS das Ziel seiner Partei bezeichnet, daß unsere Erziehung nicht horizontal, sondern vertikal gelagert werde. Darin stimmen wir vollkommen mit ihm überein. Auch wir wollen, daß die Erziehung nicht in di« Breite, sondern in di« Tiefe geh« und bestretten, daß dieses Ziel «in Monopol der Zionisten ist. Wir wollen die Religion nicht ausschatten, wir wollen sie um keinen Preis missen, als di« Grundlage der Erziehung und der Ethik für unser« jüdisch« Jugend; aber wtt glauben, daß di« beiden bestehenden Ausschüsse ausreichen, um darüber zu wachen, daß unserer jüdischen Jugend dies« Grundlage der Erziehung nicht genommen oder geschmälert wird. Wenn Herr Blumenfeld darüber hinaus verlangt, - daß di« jüdisch« Schul« außer der Erziehung zur Glaubensgemeinschaft auch di« Erziehung zur jüdischen Volksgemeinschaft anstrebt, so müssen wtt das entschieden ablehnen. Und wenn er sagt, die einzig« Möglichkett der jüdischen Entwicklung sei hiermit verquickt, so tteten wtt dem mtt aller Entschiedenheit entgegen. Wir glauben vielmehr, daß ein« Dolls- und Staatsgemeinschast zettlich bedingt und begrenzt ist. In der religiösen Erziehung wollen wtt aber unserer Jugend ewig« Wert« vermitteln. Unser Gott, der groß« Säemann, hat sein Voll Israel in seine Vaterhand genommen und als Samen verftteut über all« Länder. Wenn wir Frücht« tragen wollen, so müsien wtt auch verwurzeln in dem irdischen Heimatboden, in dem wtt wachsen und aus dem wir Kräfte saugen sollen. Aber wir dürfen nicht hasten bleiben im Irdischen, wir müssen unser« Wurzeln tief in das Erdreich senken, bis an die ewig« Quell« unseres Glaubens. Und dahin soll auch unser« Erziehung führen. Als jüdisches Land im Sinn« der Verheißung fassen wtt unseren jüdischen Glauben auf, unser« ewig« Heimat, und nicht etwas zettlich Bedingtes, das an Land oder Doll gebunden ist. Das Iudenland ist der jüdisch« Glaube, und zu chm wollen wir unsere Jugend fahren, gespeist von den Quellen der jüdischen Lehre, wurzelnd in deutscher Erd« und hinaufreichend in di« lichten höhen unseres jüdischen Glaubens. Abg. Dr. Kober: Don allen Seiten des Hauses ist soviel über di« Wichtigkett und Notwendigkett der Unterweisung unserer Jugend im jüdischen Schrifttum gesprochen worden, daß ich mich über die Tatsache wundern muß, daß trotzdem in der Posttion „Jüdische theologisch« Bildungsanstatten" der Bettag von je 5000 Mark für jede Anstalt gesttichrn werden soll. Ich möchte Sie herzlich bitten, diese Streichung zu unterlassen und di« att« Position in voller Höh« wiederherzustellen. Vergessen Sie nicht, daß beispielsweise die Universttäten, denen doch unser« theologischen Anstalten gleichzusetzen sind, ihr« Tätigkeit täglich ausdchnen. Da nns der Staat keinen Pfennig für unser« Anstatten zahtt und Sie nicht verlangen können, daß unsere Anstatt«» schnorren gehen sollen, so bitte ich Sie dringend, di« vorgesehenen Mittel zu bewilligen. Der Antrag der Liberalen Frattion betteffend di« seelsorgerifch« Betteuung der in Irrenanstallen usw. untergebracht«« Glaubensgenossen ist an den Wohlfahrtsausschuß verwttsen worden. Ich hatte das für ein Begräbnis erster Klasse und muß Sie auf Grund meiner genauen Kenntnis der Derhästniss« darauf aufmerksam machen, daß dies «in ganz dringender Gegenstand öffentlich-rechtlichen EharakterS ist. Ich bitte daher, es bei dem Antrag der Liberalen Fraktion zu belassen, daß der Rat umgehend dtt nöttgen Schritt« auf dieHm Gebiet« ergreif«. Abg. Blumenfeld: Ls sind «in« Anzahl Reden gchatten worden, u. a. von Frau Schoenewald, dtt den Versuch macht«, uns von der Minderwertigkett unserer Anschauungen zu überzeugen. Wenn Sie öfter mtt unS. zusammenkämen, würden Sie sehr bald «in sehen, wie wenig fundiert all daS ist, was Sie heute unter dem Beifall Ihrer Freund« hier vorgebracht haben. DaS gleich« gilt für di« Red« des Herrn Holländer, der den Begriff „Religion" zu oberflächlich nimmt. Sie sagen, es Handel« sich bei dem Unterrichtsausschuß nur um religiös« Fragen, »nd man könne nur nach religiösen Differenzen Ausschüsse einrichten. Wenn also beispielsweise noch «in« orthodoxe Grupp« aufltehen würde, so würden Stt sagen, deren Ansprüche seien diskutabel. Bei unS dagegen nennen Stt sie indiskutabel, well wir nicht als religiöse Grupp« austreten. Ich hatte «S zunächst für unzuläsiig, daß ttgendetn« Grupp« über btt Legitimität einer anderen zu Gericht sitzt. Wtt unsererseits werden in allen formalen Dingen jede Forderung, dtt Sie aus Gründen der Gleichberechtigung erheben, ohne wetteres bewilligen, well wtt glauben, daß es «in« Unterdrückung der Minorttät darstellt, wenn di« Majorität materiell über sie zu Gericht sitzt. In der Frag« der Religion ist alles Deutung. Ich bchaupt«, daß di« Schulen, dtt Sie errichten, sehr wenig zu tun haben mtt dem, was unter jüdischer Religion verstanden werden kann und verstanden werden muß. Ich behaupt« nämlich, daß vor 100 Jahren noch kein jüdischer Religionsunterricht existiert hat, und daß dies «in« ganz neuartige, wie mir scheint, unjüdisch« und antijüdisch« Einrichtung ist, weil sie nämlich das Judentum seiner Eigenart entkleidet und es Zu einem konfesslonelttn Begriff umgemünzt hat. Wtt verlangen «inen eigenen Ausschuß, well wtt jüdisch« Menschen nach unserer Art zu den Quellen des Judentums führen wollen. Unser« Schulen sind nicht antireligiös oder arettgiöS. Wtt glauben, es sind Schulen, wo den Schülern Gelegenheit geboten werden muß, durch den Aufbau des Lehrplanes zu den Quellen unserer eigenen Art vorzudringen. Die Ausschüsse haben beratende Befugnisse. Sie können zu Behörden gehen, Gutachten abgeben und ähnlich« Schritte unter- > nehmen, die wir, wie Sie wiffen, sowieso tun. Aber wtt verlangen ' hier aus Gründen der Gleicfcherechtigung, daß Sie diesem Prinzip der Parität Rechnung tragen. Wtt verlangen diesen Ausschuß auf Grund der Erkenntnis der bestehenden Zustände, auf Grund der Erkenntnis, daß di« bestehenden Schulen uns nicht genügen. Ihr« Ablehnung verstehen wir nicht. Warum wollen Sie unser« Kinder zwangsweise in Schulen pressen, di« unserer Auffassung nicht entsprechen? Was wir wollen, ist: zu erreichen, daß Kinder aus einem gewissen Maße jüdischen Wissens ihr« Entscheidungen fällen, und daß der Lehrplan die Garantie gibt, daß sie imstande sind, zurückzukehren zu dem, was wirklich jüdische Bergangenhett ist. Überall in der Welt, und ganz besonders im Judentum sind Renaissancebewegungen nur so entstanden. Ich warn« Sie davor, materielle Entscheidungen zu treffen und hier zu erklären: Nur das ist Judentum. Wtt alle sitzen hier als Juden zusammen. Und wenn Sie sich auf den Paragraphen 1 der Verfassung berufen und behaupten, daß wtt alS Religionsgemeinschaft zusammensitzen, so behaupten wtt mtt ebenso großem Recht«, daß wtt dttsen Ausschuß auch brauchen, um dem, was jüdisch« Religion in Wahrheit ist, nämlich Tradition, Verbundenheit, Zusammenhang zum Durchbruch zu verhelfen. Und wenn Sie «ine Definttion geben, dtt Stt dem Protestantismus entlehnen, so bestreiten wtt Ihnen das Recht nicht, dies« Definttion für sich zu wählen. Sie gehen Ihren Weg. Sie unterrichten Ihr« Kinder, wtt Sie wollen. Daß Sie uns aber verhindern wollen, unser« Kinder in unserem Sinn« zu erziehen, ist mtt unverständlich. Wen» Sie den Ausschuß ablehnen, so erbringen Sie den Beweis, daß Sie Majorväten rücksichtslos ausnützen und nicht verstehen wollen, wie sich dtt Ding« geändert haben. Früher gab «S nur «inen Kampf zwischen Liberalen und Orthodoxen. Dieser Kampf wurde mtt ziemlich denselben Argumenten geführt wie heut« der Kampf zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Was man damals den Konservativen vorwarf, Ulttamontanismus, Daterlandslosigkett ufw., dasselbe wirst man heute den Zionisten vor. Der früher zwischen Liberalen und Orthodoxen geführt« Kampf hat an Schärf« verloren. Entscheidend ist heut« in Wahrheit der Kampf zwischen den Grupp«, die sich um di« zionistisch« Gedankenwelt scharen und den anderen Gruppen. Ich hatte es für unmöglich, daß dtts« entscheidend« Frag« von einer jüdischen Versammlung heut« nicht begriffen wird. Etwas ganz anderes als diese prinzipiell« Frage ist aber dtt formale, welchen Inhatt sich jede dieser Gruppen selbst gibt. Stt müsien uns dtt Entscheidung überlassen, welch« Deutung wtt uns geben. Sie haben nicht das Recht zu sagen, wtt hatten Euch für eine Gesellschaft, dtt mtt Religion nicht« zu tun hat. Dtt Entscheidung liegt bei uns. Und deshalb hatten wtt unsere Forderung nach einem eigenen Unterrichtsaus schuß mtt allem Nachdruck aufrecht. Abg. Dr. Rosenthal: Es ist «in großes Glück, daß für dtt Frage, di« ich namens meiner Fraktion hier bchandele, nur fünf

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