Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 3 (24.3.1927)
- Date
- 1927-03-24
- Page
- Seite 48 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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- 48 — mehr Respekt verwendet werden. Wissen Sie nicht, daß in den meisten jüdischen Häusern Renegaten, d. h. getaufte Juden, «in- und ausgehen, daß diese Subjekt« wie anständig« Menschen behandelt werden, von denen man doch weiß, daß es kein« idealen Moment« waren, di« st« zur Tauf« vercmlaßten. Dies« Täuflinge, di« sich von unserer Gemeinschaft loSgesagt haben, finden bei Andersgläubigen kein« Unterkunft; darum kommen sie immer wieder zu uns zurück. Daß sie untereinander heiraten, kann man chnen gönnen, da sie meist nirgendwo sonst geduldet werden. Aber daß wir unser« Kreis« durch sie stören lassen, darf nicht länger geduldet werden. Gegen dies« Täufling« muß ein Boykott aller anständigen Menschen aufgerichtet werden. Wir sind keine GesinnungSschnüffler. Aber wir müssen denjenigen, die unser« Gemächer nicht mehr bewohnen wollen, auch den Zutritt hierzu versagen. Wir haben einen Haushaftsplan vorgelegt bekommen, auf dem unendlich viel steht, was unt«r den Namen Zedokoh zu placieren wäre. In der letzten Sitzung der Berliner Repräsentantenversammlung ist bereits zum Ai»Ä>ruck gekommen, daß di« Art und' Weis« nicht richtig ist, in welcher wir heut« in Deutschland die Wohltätigkeit zentralisieren. Ich Haft« di« Art nicht für richtig, in der einzelne Instanzen die Wohltätigkeit regulieren zu können glauben, und die dahin führt, daß der einzeln« Jude nun den Arewaus- Gedanken im täglichen Leben entbehren zu können glaubt, wenn er nur seinen Monatsbeitrag pünktlich an di« Zenttalinstanz entrichtet. Diese Art der starren Erfüllung unserer formalen Verpflichtungen ertötet das Bewußtsein, daß in den jüdischen Familien wieder der jüdisch« Bruder unmittelbar an den Tisch kommen muß, daß der jüdisch« Mann und di« jüdische Frau von sich aus das Recht und die Pflicht haben, den Arewaus-Gedanken Tag für Tag in di« Wirklichkeit umzusehen. Der jüdisch« Bruder gehört an den jüdischen Tisch, das jüdische Kind muß fühlen, daß der wandernd« Jude an seinem Tisch Brot und Nahrung findet. Zum Schluß noch «in Wort: Ich habe bereits erwähnt, daß in den letzten Monaten sich ein« Bewegung innerhalb des Liberalismus breitzumachen scheint, di« auf starke Radikalisierung drängt. Wir haben in einer der letzten Nummern des führenden liberalen Organs Vorschläge gelesen über Abschaffung von diesem und wettere Anschaffung, von jenem. Ich kann dazu nur sagen: Destigia terrent. Wer in den Ländern, in denen der Liberalismus restlos geherrscht hat, z. B. in Frankreich, öfters weift, wer sieht, daß di« jüdisch« Jugend von nichts mehr weiß, der kann nur sagen, lassen Sie ab von diesen radikalen Strömungen, geben Sie, mein« Herren der Liberalen Fraktion, denjenigen Frauen und Männern, di« mit stark jüdischem positiven Bewußtsein dieser Entwicklung sich «ntgegenstellen, di« Oberhand. Nur wenn Sie nach dieser Richtung hin arbetten, kann der gesamt« Zusammenhang und Zusammenhalt des Judentums in Deutschland -und in der ganzen Welt auftecht erhallen werden. Wir wollen und müssen zusammenstehen, wir wollen und müssen einander verstehen, damtt sich erfiille das Wort: Im haschem Auß l'amau jitein jvorauch eß amau bascholaum. Präsident Sonnenfeld: Herr Kahn hat Klag« darüber geführt, daß er und Dr. Kollenscher zur Mttarbetterschaft an den Präsidialgeschästen nicht herangezogen wurden. Sowett der entsprechend« Antrag dieser Versammlung, auf Mitheranziehung der beiden anderen Präsidenten ztt den Ratssitzungen durch den Rat abgelehnt wurde, erübrigt fich dazu wohl eine Wetter« Bemerkung. Ich bin selbstverständlich für den Antrag des Ständigen Ausschusses eingetreten. Wenn ich verreist war, habe ich die Tatsache des Derreisens beiden Vizepräsidenten mttgeteilt. Ob sie in solchen Fällen von ihrem Rechte Gebrauch gemacht haben, entzieht sich bis auf einen negativ gearteten Fall «einer Kenntnis. Ich habe in den Akten gesehen, daß in meiner Abweseuhett Herr Dr. Kollenscher vom Rat gebeten wurde, angeblich« Unstimmigketten in der Beschickung der Ausschüsse aufzuklaren und zu besettigen. Dazu findet sich eine Bemerkung in den Akten, die nicht von der Hand des Herrn Dr. Kollenscher stammt, sondern von einem Bürobeamten, dem Dr. Kollenscher erklärt haben soll, er könne kein« Auskunft geben. Herr Dr. Kollenscher hätte in Wirklichkett daS tun müssen, was ich nach meiner Heimkehr getan habe, nämlich sich an di« Fraktionen zu wenden, die in jedem Fall« die Quellen für di« Besetzung der Ausschüsse sind. Im übrigen schreibt di« Geschäftsordnung nicht etwa vor, daß der Präsident zusammen mit den Vizepräsidenten die Geschäft« zu führen hat. Nach der Geschäftsordnung war ich gar nicht in der Lag«, nach irgendeiner Richtung hin di« HUf« der Herren in Anspruch zu nehmen. Di« Geschäftsordnung kennt kein Präsidialkollegium, sondern «ine» Vorstand, der auS dem jeweiligen Präsident«» und zwei Beisitzern besteht. Daß ich aber den Herren genaue Kenntnis gebe von allem, was di« Prasidialgeschäst« betrifft, das werden sie mir bestättgen müssen. Dr. Freund (Berlin), Mttglied des Rates: M. Du. H.! Ich werde der Mahnung des verehrten Herrn Präsidenten auf möglichste Kürze der Reden Rechnung tragen und mich nur auf das «inlasten, was mir unerläßlich erscheint. Der Rat hat von Ihnen eine Kritik erfahren. Diese Kritik zu üben, war Ihr Recht und Ihre Pflicht. Und wir sind Ihnen dafür zu Dank verpflichtet. Ich darf Ihnen sagen, daß ich persönlich überrascht war über die Mäßigung und die Zurückhaltung dieser Kritik. Ich glaub«, wir sind alle auf wesentlich anderes gefaßt gewesen. Bon mir aus darf ich sagen, daß wir selbst mit unserer Geschäftsführung durchaus nicht so zufrieden sind, als es nach der Kritik des DerbandstageS etwa angemessen erscheinen könnte. Wir können nur annehmen, daß Ihr besonderes Wohlwollen uns beglettet, und di« Oekonomi« der Zett manchen verhindert hat, alles zu sagen, was er auf dem Herzen hatte. In meiner Erwiderung kann ich mich nach alledem kurz fasten. Ich könnt« anfangen mit der Gegenkritik und könnt« sagen, was wir an den Ausführungen diese- Hohen HauseS auszusehen haben. Ich hatte geglaubt, daß wir vielleicht Anregungen auS dem Land« für bestimmt« Gebiete unserer Arbeit erhalten würden, etwa in der Art, wie Herr Dir. Guttmann hier «in« Reih« von Postulat«» der Lehrerschaft vorgebracht hat. Die Bedeutung, die der Religionsunterricht innerhalb des jüdischen LebenS beanspruchen kann, läßt es als durchaus berechtigt erscheinen, daß dieser Sonderfrag« ein besonders breiter Raum eingeräumt wird. Ich kann Herrn Dtt. Guttmann sehr summarisch erwidern, daß wir nicht nur in der Tendenz allen seinen Ausführungen restlos beipflichten, sondern daß manches von seinen Forderungen bereits verwirklicht ist. Obwohl ich auf Einzelhetten angesichts der vorgerückten Stund« im allgemeinen nicht eingehen will, möchte ich zu dem vorgebrachten konkreten Fall kurz Stellung nehmen. Es ist Klag« darüber geführt worden, daß einem 78jährigen Lehrer ein« Ablehnung seines _ Gesuches zuteil geworden sein soll mit der Begründung, daß er ' Kinder habe, die chn unterstützen könnten. Mir ist von einem derartigen Bescheid« nichts bekannt, wobei ich allerdings bemerken muß, daß ich von den 17 Sitzungen der Subventionskommission «in« — während meiner Urlaubszeit — nicht besucht Hab«. Es müßt« also gerade sein, daß in dieser «inen Sitzung «in solcher Bescheid beschlossen wurde. Jedenfalls glaub« ich sagen zu können, daß niemandem, der seinen Verhältnissen nach «inen berechtigten Anspruch auf Ruhegehalt hat, von uns «in solches verweigert werden witt», weil er Kinder hat, die ihn unterstützen können. Im Laufe der weiteren Debatte ist insbesondere die Frag« der Lehrer, und Rabbinerbezirk« hervorgehoben worden. Daß wir diese Angelegenhett für «ine der dringlichsten ansehen, habe ich in meinem Tättgkeitsbericht ausgeführt. Ich kann nur an alle Beteiligten den Wunsch richten, daß sie uns ihrerseits bei chren Arbetten so untersrützen, daß wir das Tempo in dem Maß« beschleunigen können, wie wir es selbst wünschen. Gegenüber der Bemerkung des Herrn Dr. Guttmann, daß acht Stellen in Aussicht genommen seien, stell« ich fest, daß zehn bereits geschaffen und insgesamt dreißig im Etat vorgesehen sind. Wir würden es dankbar begrüßen, wenn die Mttarbett der Provinzialverbänd« uns in den Stand setzen würde, noch tu diesem Jahre die dreißig Stellen zu errichten. AuS der übrigen Diskussion wlll ich nur auf «inen Vorwurf eingehen, der von dem Sprecher der Liberalen Fraktion, Herrn Dr. Baerwald, erhoben und von ziemlich sämtlichen Rednern ausgenommen worden ist. Es handelt sich um den gegen den Rat gerichteten Borwurf, daß er es an der notwendigen Rücksicht gegenüber der Versammlung habe fehlen lasten, indem er die Tagung nicht genügend vorbereitet habe. Ich stehe für mein« Person nicht an, diesen Vorwurf als 'berechtigt anzuerkennen. Ich bin mit Ihnen der Ansicht, daß es Pflicht des Rates ist, die Tagung so vorzubereiten, daß die Versammlung verantwortungsvoll an den Aufgaben des Verbandes Mitarbeiten kann, und hierzu gehört, daß das Material so zeittg in di« Hände jedes Einzelnen kommt» daß er imstande ist, sich mtt den Dingen gründlich auseinanderzusehen, lieber den sachlich«» Borwurf hinaus hat der Sprecher der Liberalen Frattion nun geglaubt, fein« Borwürfe an ein« bestimmte Adresse zu richten, nämlich mich als Geschäftsführer dafür verantwortlich machen, und Wetter Bemerkungen persönlicher Art daran knüpfen zu sollen. Dies« Ausführungen nötigen mich zu den folgenden Feststellungen: Der Große Rat hat zwei Sitzungen gehabt, eine am 17. Oktober und «in« am 31'. Oktober. Die erster« sollte den Perbandstag vorbereiten. Da die Frag« des Reichsverbandes di« gesamte Zett absorbiert«, ist «S nicht möglich gewesen, «in« Verabschiedung derjenigen Punkte herbeizuführen, di« notwendig waren, um übechaupt «ine Tagesordnung für den Derbandstag festzusetzen. Es ist deshalb di« zwett« Sitzung vom 31. Oktober notwendig geworben. Auch in dieser stt es zur Vertagung einer ganzen Reihe von Punkten gekommen, di« anticipando von uns inzwischen auf die Tagesordnung gesetzt worden