Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 3 (24.3.1927)
- Date
- 1927-03-24
- Page
- Seite 46 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Herr Dr. Peyser hat gestern hier «ine, wie ich gern bestätig«, sehr maßvoll« Red« gehallen. Ich würde mich sehr freuen, wenn eS nicht bei dieser Red« blieb«, sondern wenn auch di« ganz« Haltung seines Blattes hinfort dieser Red« entsprechen würde. Aber er hat mir wieder einmal den Dorwurf falschen Zitierens gemacht. Da dieser Dorwurf von jener Sette gewohnheitsmäßig erhoben wird, so leg« ich hiermit di« beiden von mir erwähnten Originalartikel, den aus der „Berliner Börsen-Zettung" vom 12. August 1926 und den aus der „Täglichen Rundschau" vom 20. November 1926 auf den Tisch des Hauses nieder. Desgleichen leg« ich «ine» Sonderabdruck der „Jüdischen Rundschau" nieder; er «nthäll meine Entgegnung auf Angriffe im Blatte des Herrn Raumann, in dem mir im Anschluß an di« vorjährigen Sitzungen des Landesverbandes der Dorwurf der „Lüge" gemacht wird, well ich angeblich falsch zitiert hätte. Ueberzeugen Sie sich bitte selbst, ob ich richtig zittert habe. Ich möchte auch hier zu «inem versöhnlichen Schluss« kommen. Herr Peyser hat sich darüber beklagt» daß ich.ihn und sein« Freund« gewissermaßen als den Roschoh aus Mahnischtanu bezeichnet habe. Ich freu« mich jedenfalls, daß er sich dadurch getroffen gefühll hat; denn bisher haben wir von seiner Sette immer nur gehört, daß seine Richtung keinen Wert darauf legt» in di« jüdisch« Einheitsfront hineinzugehören. Wenn Sie die Mahnischtanu kennen, so werden Sie wissen, daß in ihr «in Gegensatz gemacht wird zwischen dem Roschoh und dem Ehochom in dem platonischen Sinn«: „Das Bösesein ist nur ein Nichtwissen um das Gut«. Wenn also di« ganze Richuth dieser Herren bisher nur darin bestand, daß sie das Gut« noch nicht erkannt hatten, so würde ich mich freuen, wenn das in Zukunft anders werden sollt«. Wir wollen dann auch mtt chnen, wenn sie das Bestreben haben, zum Weg« der jüdischen Einhettsfront zurückzufinden, ehrlich ringen, wie Jakob mtt dem Engel, aber wir wollen dann, nachdem wir als ehrlich« Gegner gekämpft haben, uns zusammenfinden zu ehrlicher Arbeit für di« jüdisch« Gesamtheit. Abg. M. A. L o e b: Ich muß zunächst mit einigen Kleinigkeiten beginnen, die aber für »ns doch nicht nur Kleinigkeiten sind. Es ist gestern hier von Herrn Wohda als Sprecher der Liberalen Fraktion der Dorwurf gemacht worden, wir hätten vor kurzem in Berlin «ine Repräsentantenversammlung abgehalten, in der von 68 Punkten der Tagesordnung kein einziger «rledigt wurde. Er hat das als ein Zeichen der Unfruchtbarkett unserer Versammlung hingestellt. Ich muß mich sehr wundern, daß Herr Wohda, der seinen Sitz in unserer Repräsentantenversammlung hat — wenn auch nur am Pressetisch —, ein« derartige Behauptung auffteltt. Er muß doch wissen, daß jene Dersammlung einzig und allein zu dem Zweck« «inberufen wurde, den Haushaltsplan für 1926 formell zu genehmigen. Di« unseligen Verhältnisse, di« in der Berliner Gemeinde herrschen, kennen Sie. Sie wissen, daß durch di« Nichterledigung des Wahlprotestes, der sich sett einem halben Jahre hinzieht, di« regelmäßigen Sitzungen der Repräsentantenversammlung nicht stattfinden können. Wir haben im Etatausschuß vereinbart, ausnahmsweise ein« Dersammlung der alten Repräsentantenversammlung abzuhallen, um dem Ex-Lex-Zustanb in der Finanzverwaltung der Gemeinde «in Ende zu machen. Don fetten des Dorstandes wurden uns dann noch 68 Punkte auf die Tagesordnung gestellt. Wir haben nach einer Geschäftsordnungsdebatte, di« noch nicht halb so lang war, wie die am Sonntäg hier geführte, di« Beratung des Etats in Angriff genommen. Daß sie nicht ferttg geworden ist — nun, m. £)., wir haben über «inen Etat von achtMillionen zu beraten, und wenn hier über einen Etat von 300000 M. zwei Tag« lang beraten worden sst, so werden Sie sicht nicht wundern können, daß wir im Bewußtsein unserer Derantwortung in der Berliner Repräsentantenversammlung di« Dinge nicht übers Knie gebrochen haben. Es liegt also kein Anlaß vor, das Niveau der Berliner! Repräsentantenversammlung herabzuwürdigen. Di« entsprechend« Aeußerung des Herrn Wohda möchte ich daher zurückweisen. Ganz unverständlich ist mir «in anderer Appell. Es wurde der Konservativen Fraktion zugerufen: Wenn Ihr keine Konzessionen macht bezüglich des halberstädter Derbandes, dann wissen wir nicht, was wir bei der Unterstützung der Seminare tun. Unsere Beziehungen zum Halberstädter Verband sind ungefähr so wie die, di« der Redner zu einer auswärtigen Bank hat. In der Hauptsache wollte ich sprechen über den Unterrichtsausschuß, der von fetten der Dollspariei beantragt worden ist. Als es sich um di« Wahl zu den Kultusausfchüssen handelt«, wurde von seiten der Vertreter der Pollspartei gellend gemacht, daß sie glaubten, ein Recht zur Mitwirkung bei der Wahl dieser Kultusausschüss« zu haben, und zwar liberale wie konservativ« Zionisten, jeder bei seinem eigenen Ausschuß. Dem ist ohne wetteres entsprochen wollten, und wir haben das Vergnügen, in einigen Herren der Bollspallei wertvolle Mitarbeiter unseres Konservativen Kultusausschusses zu begrüße». Das bedeutet aber doch, daß di« religiös« Unterscheidung nicht «in integrierender Bestandtell der zionistischen Anschauung ist. Für TrennungSmöglichketten der Anschauung in bezug auf Kultus und Unterricht — dort scheiden sich di« Zionssten in Liberal« und Konservative, hier, beim Unterricht, fillt dies« Unterscheidung weg — habe ich hier kein Verständnis. In dem zionistischen Unterrichtsshste« in Palästina haben Sie «inen konservativ-religiösen und «inen allgemeinen Unterricht, der unter der allgemeinen Verwaltung steht» Wenn Sie also hier in Deutschland logisch sein wollten, dann müßte« Sie beantragen: «inen zionistischen UnterrichtsauSschuß, getrennt in zwei Abteilungen, «inen konservativen und «inen liberalen. Nach unserer Verfassung sehe ich keine Möglichkett für etwaig« ander« Moment«. Ich bemerk«, daß wir in der Konservativen Frattion bisher noch kein« Gelegenhett hatten, über diesen Gegenstand zu sprechen, und daß ich hier zunächst meine eigen« Meinung Vortrag«. Aber dies« wird geteill von einem so großen Teil meiner Freund«, daß ich sagen kann: Wir haben gegen di« Errichtung dieses zionistischen Unterrichtsausschusses di« schwersten Bedenken. Wir glauben, daß damtt in die ohnehin schwierige Lage ein Moment hineingettagen wird, das nicht zur Förderung bettragen wird. Wir möchten vermeiden, daß neben di« beiden Unterscheidungsmerkmale, di« wir jetzt haben, Religiös-Liberale und ReligiLs-Konservativ«, nun «in Drittes, Religiös-National, tritt. Die formell wunderbar schönen Ausführungen, di« hierzu von Herrn Blumenfeld gemacht wurden, haben uns zu seinem Standpunkt auch nicht bekehren könne«. Als er so schön von der Erneuerung des jüdischen Menschen sprach, fiel mir ein Wort aus Kohelech «in: „Ls gibt nichts ganz Neues unter der Sonne". Dies« Klänge haben wir ähnlich schon oft gehöll. Di« meisten von Ihnen werden wohl in früheren Jahren Rousseaus „Emlle" gelesen haben. Dort finden sich solch« Gedankengäng«. Ich resümier« mich dahin, daß wir gegen den zionistischen Unterrichtsausschuß die schwersten Bedenken haben, selbst dann, wenn die Verfassungsänderung, di« zu seiner Errichtung notwendig wäre, beschlossen wird. Nun möchte ich noch einen Punkt erwähnen, bei dem es hoffentlich keine Polemik geben wttd. Ich habe vor beinah« zwei Jahren in der Berliner Repräsentantenversammlung als Vertreter der Konservativen Fraktion den Antrag gestellt, die Berliner Gemeind« möge ein« Allgemein« Deutsch« Konferenz einberufen zur Besprechung der Frage der Mischehen und der Taufen. Ich glaub«, mir an dieser Stelle «ine weivrre Begründung hierzu ersparen zu können. In diesen beiden liebeln sehe ich den Krebsschaden, der an unserem Dollskörper frißt. Anstatt vieler Zahlen, di« vorzubringen jetzt di« Zeit fehlt, möchte ich nur darauf Hinweisen, daß, soweit die Resullat« der letzten Pollszählung vorliegen, di« jüdisch« Dollszahl in Bayern, in Baden, in Hessen nicht nur relativ, sondern absolut gegen di« letzt« Zählung zurückgegangen sst. Daß di« Zahl der Mischchen unaufhaltsam steigt, daß sie in den Großstädten bis zu 50°/° hinaufgegangen ist, sst Ihnen bekannt. Wenn sich in diesem Punkt« di« Derhällnisse nicht ändern, dann brauchen di« Streitigkeiten, di« wir haben, unser« Kinder und Enkel nicht mehr zu beschäftigen. Ls will» dann überhaupt kein nennenswertes deutsches Judentum mehr geben. Wir werden untergegangen sein, ganz einerlei, wie wir unser« Angelegenhetten geordnet haben. Der Antrag, den ich in der Berliner Repräsentantenversammlung stellte, sst einstimmig angenommen worden. Er ruht im Schoß des Vorstandes. Ich appellier« von der Instanz der Berliner Re- Präsentantenversammlung an das Forum des Preußischen Landesverbandes und bitte Sie, einen Antrag anzunchme«, daß so schnell wie möglich ein« Konferenz «inberufen will», di« einzig und allein dies« Frag« zu behandeln hat — ein« Konferenz, die zusammenfaßt all« Rabbinerverbänd«, Lehrerverbände, Frauenorganisationen, Jugendorganisationen usw. Und wenn Sie fragen: Was soll auf dieser Konferenz geschehen, so muß ich gestchen: Ein Allheilmittel weiß ich nicht. Aber diese Konferenz soll eben beraten. Sie soll vor allem zeigen, daß di« deutsch« Iudenhett sch des Ernsteder Situation bewußt ist. Es werden sich Mittel finden lassen. Ein großes Mittel ist «S schon, wenn man den Willen schtbar und hörbar zum Ausdruck bringt. Man darf das Woll und den Entschluß ncht unterschätzen. Der Einzeln« unterliegt nun einmal einer geistigen Gesamtanschauung. Bringen wir es fertig, dem jüdischen Bewußtsein einzuhämmern, daß di« Mischehe etwas sst, waS den Fortbestand des Judentums untergräbt, dann muß es dazu kommen, daß der Einzelne — sch selbst unbewußt — vor «inem solchen Schritt zurückscheut. Diese Möglichkeit ist gewiß ncht von heut« auf morgen zu verwirklichen, aber es ist ein« Möglchkeit, zu der einmal «in Anfang gemacht werden muß. Hier ist einmal wirklch di« Ge legenheit gegeben, ohne Unterschied der Parteien einer Sach« zuzustimmen. Ich bitte Sie, den Antrag anzunehmeu, daß uns« Rat beauftragt wird, schleunigst mit den Porarbetten zur Einberufung