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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-03-24 · 3 (24.3.1927) · p. Seite 45

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
3 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 45 (sequence 45)
Language
German
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- 4k» - «in« jüdisch« Volksschule besucht. ohne mich.d«n christlichen «am«, raden zu entfremden. Für st« spricht ferner di« Tatsache, dah wir in ihnen viel mchr Gettgenheit haben, jüdisch« Menschen zu erziehen. Ich muß mich aber gegen das wenden, was hier von der Jüdischen Dollspartei gesagt worden ist. daß in den jüdischen Schulen ganz ander« Menschen erzogen werden müssen. Wir jüdischen Lehrer haben immer unseren Stolz darein gesetzt, in unseren Schulen ebensolche Menschen zu erziehen, wie in allen anderen. Auf leinen Fall können wir unser« Zustimmung dazu geben, daß di« Kinder ganz «inseitig in jüdischem Sinn« erzogen werden. Ich würde da« für «in Anglück Hallen, da dadurch di« Kluft zwischen «ns und unseren Mitbürgern nur vertieft und «rweitert würde. Wir haben uns immer bestrebt, unser« Kinder sowohl zu guten Deutschen wie auch zu religiSsen Juden zu erziehen. Ich glaub«, daß man beides sehr gut auch in Zukunft miteinander vereinigen kann. Abg» Dr. Dogelstein: Der Herr Berichterstatter des AusschusteS hat hier «in« Reche von Aenderungen in Vorschlag gebracht, di« mir grundsätzlich den schwersten Bedenken zu unterliegen scheinen. Er hat beantragt, daß den drei -«alogischen Hochschulen «in Betrag von je 5000 M. gestrichen wird. Er hat Wetter beantragt, daß für di« AuSblldung von Beamten «in weiterer Posten von 10000 M. abgesetzt wird, und er hat «in« Reih« weiterer Streichungen von geringfügiger Bedeutung beantragt. Ich halt« mich für verpflichtet, entschieden hiergegen Widerspruch zu erheben und Sie dringend zu bitten, diesen Abänderungsanträgen nicht stattzugeben. Es ist auf der anderen Seit« eingestellt worden «in Bettag für den Arbeiterkulturverein usw. Ich denk« nicht daran, dies als unzweckmäßig anzugreifen, nur erscheint «S mir unzweckmäßig, daß dies« Sachen auf Kosten der theologischen Hochschulen gehen. Der Berichterstatter hat wetterhin noch beantragt, daß sämtlichen MUgliedern des DerbandstageS di« gesamten Protokoll«, Materialien usw. zugehen. Wenn Sie die Kosten, die hierfür aufgewendet werden müssen, ersparen, dann können Sie den theologischen Anstallen die.5000 W. ohne wettereS belasten. Ich möchte hierbei auf «in prinzipielle- Moment Hinweisen: Di« Aufgabe des Preußischen LandeSverbandeS stt in erster Reih« selbstverständlich nicht «in« wissenschaftlich«, sondern betrifft in erster Linie di« Ordnung der jüdischen Religionsgesellschaft in Preußen, di« Förderung der einzelnen Gemeinden usw. Indessen zeugt es von einer unendlichen Kurzsichtigkett, wenn wtt uns dabei lediglich auf di« praktischen Ding« beschränken und diejenigen nicht berücksichtigen, auf denen das gesamt« Misch« Leben basiert. Unser gesamtes jüdisches Leben stt zerstört, wenn wtt nicht di« gesttigen Grundlagen immer wieder von neuem aufbauen. Ich verweise httrzu auf das Wort von Hermann Lohen: „DaS Wesen des Judentums ist di« Wissenschaft des Judentums." Ich möchte meinen, daß es den denkbar schlechtesten Eindruck nach außenhin machen würde, wenn di« Landesversammlung diesen einzigen Posten im ganzen Etat herabsetzt, und wenn dadurch der Eindruck erweckt wttd, als ob gerade diese theologischen Hochschulen von einer so geringen Bedeutung sind. Schließlich möchte ich bemerken, daß «S auch für die praktisch« Aufrechterhaltung des jüdischen Gemeindelebens von ganz eminenter Bedeutung ist, daß wtt durchweg Rabbttrer bekommen, die wissenschaftlich und theologisch auf das gründlichste durchgebildet sind. Jede Ersparnis auch nur «in«» Pfennigs in dttser Beziehung schadet der gesamten deutschen Iudenheit. Ich bitte also,' diese Position wieder herzustellen. Ich hall« «S ferner für sehr wahrscheinlich, daß im Lauf« dieses Etatjahres noch ttgend etwas für die Lehrerbildung geschehen kann und wttd. Wenn wtt von vornherein den Bettag absetzen, so entfällt für den Rat di« Möglichkeit, Gelder für diesen Zweck zu verwenden. Jedenfalls bitte ich aber auf das allerdringlichst«, den theologischen Anstallen nichts zu kürzen. Ich spreche daS nicht aus dem Grund« auS, well ich selbst Rabbiner bin, sondern deshalb, well wtt hier di« Möglichkett einer Lesttung verringern auf einem Gebiete, das für unS di« Grundlage unserer ganzen weiteren Arbett ist und sein muß. Abg. Dr. Badt: Zu den Einzelhetten des im tzaushattSaus» schuß besprochenen Etats, zu den Aenderungen und Streichungen wttd ein anderes Mitglied meiner Fraktton sprechen. Mtt liegt «S ob, hier in der Generaldebatte noch auf «inen Punkt «inzugehen, der im ersten Teil der Diskussion ungeklärt geblieben ist, aber doch geklärt werden muß. Don verschiedenen Herren stt an unS mehr oder minder deutlich die „Gretchenftage" gerichtet worden: Wie hattet Ihr in der Jüdischen DolkSpartei organisierten Mttglieder «S denn mit dem Staat«? Es ist mehr oder minder verschäutt zum Ausdruck gerächt worden: Ihr seid doch nun einmal nicht so ,.deutschf«hl«nd" wtt wtt. Für Euch stt der Staat nur «in« Mitzlichkeitsanstall, und deshalb ist auch di« Fragt der Inkompadllvät. insbesondere bezüglich der Beamten, aufzuwerfen. Da dies« Frag« immer wieder aufgeworfen wird, fühl« ich mich verpflichtet, vor dttsem Forum dazu einige» zu sagen. Ls ist meines , Erachtens «in Grundfehler, di« Frag« des Wertes «ine» Staatsbürger» auf da» „Gefühl" abzustellen. Für Gefühl« gibt «» bekanntlich kein« Kontrolle, wtt haben noch kein Gefühlsbarometer. Außerdem liegt aber da» Bedenkliche, diese Fragen als solch« der Gesinnung zu bezeichnen, darin, daß sich «in« solch« Austasfung «ine» Lage» gegen Sie all« richten kann. Gesinnungen kann man nicht nachprüfen, man kann stt nur beteuern, und Sie all« werdeit schon di« Erfahrung gemacht haben, daß oft derjenige di« tttfsten Gefühl« in seinem Innern hegt, der sie am wenigsten laut beteuert und umgekehrt. Aber diesen Gedanken kann man noch Wetter auSsptnnen. Mtt dem Augenblick, wo Gesinnungen anfangen nützlich zu werden, wo «in« bestimmt« Gesinnung ihrem Träger Vorteil« gesellschaftlicher oder materieller Art sichttt, mtt demselben Augenblick wird ja di« Aeußerung von Gesinnungen noch peinlicher. Denn di« Forderung nach «iner „richtigen" Gesinnung bedeutet dann oft nicht» anderes als ein« Prämtt auf di« Sefinnungslosigkett. Ich glaub« indesten, m. D. u. tz., wtt können unS auch hier fchr schnell Einigen. Ich fr«»« mich ja, daß bei allen Rednern immer wieder daS Bestreben zum Ausdruck gekommen ist, an der Entgiftung der innerjüdischen Atmosphäre mitzuarbetten. Eine» der Grundelement« d«S jüdischen WesenS ist — darauf hat z. B. Martin Buber wiederholl hingewiefen — di« Idee der „Tat". Wenn wtt dies« ganz« Frag« nicht auf das Gebiet der Gesinnung schieben, sondern auf daS her Tat, so können wir vielleicht sehr falb zu «iner Einigung gelangen. Di« Tat stt mestt eindeutig. Wir haben ja daS schön« Wort: 7DT7 NVP1 "I1ÖK — „Rede wenig, handle lieber mehr". Das scheint mtt in erster Reche für unser aller Verhältnis zum Staat« zu gellen. Ich glaube, es spielen oft im Unterbewußtsein bei vielen von Ihnen noch etwas veraüete Anschauungen vom Staat« mtt. Der Staat ist heut« nicht mchr der über unS schwebend« ObrigkettSstaat» dem gegenüber «S irgend so etwas gibt» wie Lvhalttätsbeteuerungen, sondern heut« gllt mchr denn je für jeden von uns das Wort: „L'etat ckest moi". Wenn wtt Beamt« des Staates find, so sind wir dttjenigen Dollsgenossen, denen von den anderen Volksgenossen di« hohe Pflicht auferttgt ist, kraft unserer besonderen Vorbildung und Eignung die Geschäft« für all« so zu führen, wie sie zum Wohl« der Gesamtheit geführt werden müssen. Im Sinn« dieser GedankengLng« sind Konflttt« in der Praxis gar nicht denkbar. Wenn wtt immer wieder unser altes jüdstcheS Wort zugrundelegen: njJBBW — Erst wollen wir handeln, dann wollen wtt hören, wie Ihr unser Handeln, unser« Leistungen beurteilt, dann werden Sie verstehen, mtt welcher Seelenruhe wtt all dem Geschwafel von Inkompatibllttät und dergleichen gegenüberstchen. Und wenn Sie, z. B. unter meinen zionistischen Freunden, di« Staatsbeamte sind, Leut« sehen, di« nicht acht Stunden, sondern freiwillig und ohne materielle» Eittgell 14 und 16 Stunden des TageS chr« Kraft in den Dienst des Staates stellen, so stt das viel mehr Beweis für chr« chrlich«, innere Derbundenheit mtt dem Staat, als irgendein Beteuern des „Deutschtums bis auf dtt Knochen", Di« Taten sind es, auf die es ankommt, und nicht di« Wort«. Wenn ich das hchr ausgeführt habe, so gaben mtt Veranlassung dazu auch gewistt Aeußerungen von Herrn Bärwald und Herrn Peyser. Di« Aeußerung von den .Deutschen Ministerialdttektorposten, die n»an so lange in Kauf nimmt, alS man noch kein« Ministersessel in Palästina bekommt", nehme ich ja nicht so ttagisch. Aber, Herr Kollege Bärwald, es muß Sttchoch bedenklich stimmen, wenn Sie dies« Aeußerungen im gleichen Wortlaut in der antisemitischen Press« wiederfinden. Herr Bärwald hat Wetter gesagt, faß ich aus den Berliner Repräsentantenwahlen einen konkreten Fall herangezogen habe, zeig« in Wirklichkeit, faß ich nicht so objektiv bin, wie ich «S im Gegensatz zu dem nun schon so oft zitierten Brief« des Herrn Iustiarat Sonnenfeld selbst behaupt«. Ich darf darauf erwidern: Mtt in von «iner Unterredung berichtet worden, di« der Polizeipräsident voll Berlin mtt Herrn Kareski hatte, und in der er sagte: Don all den 14 Punkten des Wahlprotestes kommen für mich nur drei oder vier in Betracht. Ich aber habe zu den anderen Punften gesprochen, und zwar habe ich davon nur einen erwähnt. Ich habe also über «in« Sach« gesprochen, über die es gar keinen Strett mehr gibt. Im übrigen muß ich Ihnen sagen: Sie überschätzen meine Bedeutung ganz kolossal. Dtt Entscheidung liegt ja gar nicht beim Ministerium des Innern, sondern stt liegt zuerst beim KulluSminstterium und dann bei den anderen Instanzen. Rein technisch liegt dtt Sach« im Innenministerium so, faß der Dezernent, Herr Ministerialrat Soundso, «inen Bericht abzufassen hat, der mtt dann vorgelegt wird. Dtt Ent» scheidung wird dann letzten Ende» wieder höheren Gtell«» vorgelegt, und in polttisch bedeutsamen Fragen geht keinerlei Entscheidung heraus, di« nicht mtt dem Schlußzeichen des Ministers unterfertigt ist.

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