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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-03-24 · 3 (24.3.1927) · p. Seite 44

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
3 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 44 (sequence 44)
Language
German
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- 44 - fassung sein. — Der Etat bleibt also in Einnahme und AuSgab« auf der Summ« von 916 472,40 Mark. Wir beantragen, diesen Etat mit den vorgetragenen Abänderungen, aber in der unveränderten Endsumme anzunehmen. Di« dem Ausschuß übergebenen Resolutionen haben wir bestmöglichst geprüft und soweit sie zur Zuständigkeit« des Ausschusses gehören, und sowest uns die Möglichkeit hierzu vorlag, sie bei den abgeänderten Positionen berücksichtigt. Hierzu ist noch folgendes zu sagen: Die seelsorgerisch« Betreuung der in Irrenanstalten untergebrachten Glaubensgenossen glaubten wir zurückgeben zu müssen, weil das eine Sach« des Wohlfahrtsausschusses ist. Wir beantragen, dies« Resolution der Liberalen Fraktion dem Wohlfahrtsausschuß zur wohlwollenden Erwägung zu übergeben. Der Haushaltsausschuß beantragt: Der Rat soll ersucht werden, jeder -Abgeordnete der Landesversammlung erhält die Drucksachen sämtlicher Derbandsausschüsse, insbesondere di« Tagesordnung, Protokoll« und Materialien aller Sitzungen. Der Rat wird ersucht, über seine Tätigkeit vierteljährlich Informationen den Abgeordneten der Landesversammlung zu erteilen. Eine ausführliche Begründung dieses Antrages kann ich mir ersparen. Wir sind jetzt nichtsahnend hierher gekommen. Wir hatten nur spärlich« Nachrichten aus den jüdischen Zeitungen. Wenn die Berbandstagung nicht nur eine demokratisch« Derbrämung sein soll, sondern eine wirkliche Mitarbeit der aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Abgeordneten, so müssen wir nicht vier Tage vor Eröffnung des Hauses, sondern während des ganzen Jahres von allem Wichtigen unterrichtet sein. Ich hoff«, daß das Plenuin diesen Antrag einstimmig annehmen wird. Die Eingabe des Jüdischen Frauenbundes in Rheydt ist berücksichtigt, ebenso di« fest langen Jahrzehnten wirkend« Frankfurter Haushaltungsschule. Ich bin am Schluß meines Referats, das ich sehr knapp gehalten habe, weil ich die Lag« des Hauses berücksichtigen muß. Mehr zu tun war uns unmöglich. Ich spreche di« Hoffnung aus, daß wir im nächsten Jahre nicht allein viel früher, wenigstens vier Wochen vor Eröffnung der Sitzung, in den Besitz des neuen Etatentwurfs kommen, damit wir nicht nur den Etat studieren können, sondern uns auch mit Kollegen und den heimischen Gemeindeinstanzen ins Benehmen setzen können. Ich hoffe, daß wir den neuen Etat mit einer etwas eingehenderen Begründung bekommen als den jetzigen, und daß der Rat diesen Etatentwurf durch einen bejahenden Beschluß zu einem Berbandsbeschluß gestalten wird. Wir haben im Plenum und Ausschuß recht viel zu bemängeln gehabt, dazu sind wir da. Es gebietet aber die Pflk^ der Objektivität, anzuerkennen, daß wesentlich« Arbeit geleistet worden ist. Wenn wir daran denken, wie kurz unsere Maschinerie läuft, mft welchen Schwierigkeften wir als Neulinge zu kämpfen haben, so müssen wir sagen, es ist schon nützliche Arbeit geschaffen worden, und das soll uns zu einem hoffnungsvollen Ausblick für die Zukunft berechtigen. Wenn wir fortfahren, nützliche Arbeit zu leisten, dann glaube ich, wird die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, in fteudiger und erfolgreicher Weise gelöst werden können zum Segen der Juden in ganz Preußen. Darauf tritt «ine Mittagspause «in. Der Präsident eröffnet die Nachmittagssitzung um 2,15 Uhr. Es wird in der Debatte über di« Punkt« 2, 3 und 4 der Tagesordnung fortgefahren. Abg. Dr. G u t m a n n: Ich bin von einer Gruppe von Lehrern beauftragt worden, zu Kapitel 2, Abs. 1, das Wort zu ergreifen. Es handelt sich in erster Linie um unsere Wünsch« bezüglich der Lehrerbesoldung, der Pension von emeritierten Lehrern, der Versorgung der Hinterbliebenen der Lehrer usw. Wir haben die Gründung des Verbandes in erster Linie deshalb begrüßt, weil wir hofften, daß er berufen sei, di« unhaltbaren Zustände, di« oft in den kleinen und manchmal auch in den miftleren Gemeinden bestehen, zu bessern. Wir hatten gehofft, daß die Besoldung der Lehrer und di« Versorgung ihrer Hinterbliebenen in würdiger Weise geregelt würden. Nun wollen wir gern anerkennen, daß innerhalb des Rates in den letzten Jahren mancherlei geschehen ist, daß manches Elend in Lehrerkreisen gemildert wurde; aber noch ist nicht alles, was wir erhofften, auch wirklich in Erfüllung gegangen. Wir nehmen insbesondere Anstoß daran, daß für die Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden nur 144 000 M. in den Etat eingestellt und daß als Beihilfe für Kultusbeamte im Dienste nur 25000 M. eingesetzt sind. Ls sind das gewiß Summen in einer Höh«, an die man früher gar nicht gedacht hätte. Aber sie reichen nicht aus, und wenn wir nun hören, daß die 144 000 M. aus der Staatsbeihilf« herrühren, so scheint uns die Hergab« von 25 000 M. aus den eigenen Fonds viel zu gering zu sein. Sie reicht jedenfalls nicht aus, den Lehrern «in genügendes Einkommen zu verschaffen. Unsere Lehrer sollen, nach den Mllteilungen des Verbandes, «in« Besoldung von 3000 M. jährlich erhalten. Das entspricht ungefähr dem Anfangsgehall eines DolkSschullehrers. Wenn darüber hinaus kein« Zulagen gegeben werden. so bleibt der Lehrer während seiner ganzen Dienstzeft bet diesem Anfangsgehalt stchen, und Sie werden mir zugeben, daß 3000 M. für «inen Famllienvater kein ausreichendes Einkommen find. Nun hat der Staat, deffen Zuschuß 144000 M. beträgt, verlangt, daß jeder Lehrer wöchentlich 28 Stunden gch«. Das flingt ganz plausibel. Aber Sie wissen ja, daß ein Lehrer in einer kleinen Gemeind« es gar nicht auf 28 Stunden bringen kann, selbst wenn man seine kantoral« und seine übrig« Tätigkeit stundenweise hineinrechnet. Wenn nun der Verband selber in dankenswerter Weise sich für die Erhaltung von Zwergschulen eingesetzt hat, so glaub« ich, daß ein Antrag an di« Regierung, von ihrer Forderung Abstand zu nehmen, doch Erfolg haben würde. In den Etat ist «in« Summ« eingesetzt für Bezirkslehrer, stellen, di« gleichfalls nicht ausreicht. Es ist durchaus möglich, besonders nachdem man die Provinzialverbände zu dieser Frag« gehört hat, mehr Bezirkslehrerstellen als bisher einzurichten. Es sollen, wie ich höre, 30 neue Stellen eingerichtet werden; sie werden aber in durchaus ungenügender Weise besoldet. Unser Wunsch geht dahin, daß mehr Gelder für dies« Zweck« aufgebracht werden. Sie wissen, m. D. u. £>., daß der Andrang zum Lehrerberuf in den letzten Jahren außerordentlich gering gewesen ist, und daß die Schließung der Seminare nicht bloß damit zusammenhängt, daß die ganze Lehrerbildung auf eine neu« Basis gestellt wurde, sondern auch damit, daß mancher tüchtige jung« Mensch mit Recht von seinen Eltern oder sonstigen Beratern davon zurückgehalten wurde, einen Beruf zu ergreifen, in dem die Aussichten auf «ine fest« Anstellung und auskömmlich« Besoldung schlecht sind. Wir Lehrer haben uns niemals auf den Standpunkt gestellt, daß diese Ansicht berechtigt sei. Denn di« Sache liegt doch so, daß, wenn keine tüchtigen Lehrer vorhanden sind, auch die Gehälter nicht aufgebessert werden. Aber man kann es gleichwohl verstehen, wenn von einem Beruf« abgeraten wird, hei deffen Ergreifung ein junger Mensch, nicht di« Aussicht hat, «in Leben zu führen, wie t es eines Lehrers würdig ist. Dazu kommt di« schlechte Versorgung der Hinterbliebenen und der arbeitsunfähig gewordenen Lehrer. Es ist uns berichtet worden, daß «in 78jährig«r Greis den Bescheid erhielt, er könne keine Pension vom Verbände bekommen, da er Kinder habe, dt« ihn erhallen können. Das ist «in absolut unhallbarer Standpunkt. Wir Lehrer verlangen kein Almosen, sondern das, was dem Lehrer gebührt. Wenn jemand in treuer Pflichterfüllung viel« Jahr« einer Gemeinde gedient hat, dann darf er nicht auf das angewiesen sein, was sein« Kinder chm geben. Daß di« Versorgung deS arbeitsunfähig gewordenen Lehrers durch diejenigen, denen er gedient hat, eine Pflicht und ein Gebot der Gerechtigkell ist, wird mir hoffentlich jeder in diesem Falle zugeben. Wenn Lehrer chre Schüler von der Ergreifung dieses Berufes zurückhällen, so hat das seinen Grund aber nicht bloß in der ungenügenden Besoldung, sondern häufig auch in der unwürdigen sozialen Stellung, die der Lehrer in einer kleinen Gemeind« einnimmt. Dem Lehrer - wird häufig genug aus irgendwelchen äußeren Gründen gekündigt, wenn er der Gemeinde nicht paßt. Es muß das Rechtsverhältnis des Lehrers und sein« soziale Stellung auf «in« ganz ander« Basis gestellt werden. Wenn der Verband «ine Gemeind« subventioniert, dann hat er auch das Recht, chr zu sagen: Du hast deinem Lehrer in sozialer und rechtlicher Hinsicht die Stellung zu geben, di« einem Lehrer gebührt. Notwendig wäre es vielleicht auch, daß für Unterrichtsfragen «in besonderes Dezernat eingerichtet wird. Wir haben wohl «inen Anterrichtsausschuß, aber ich hör« von dem Kollegen Stern, daß ein besonderes Dezernat für Unterrichtsaugelegenheiten innerhalb des Rates nicht existiert. Ich Hab« nun mll' aller Kürze noch einen anderen Wunsch hier zu befürworten, indem ich für die Lehrerfortbildung «in« Summe einzustellen bitte. Die Lehrerbildung soll ganz anders werden, als sie bisher gewesen ist. Da nun die alten auS den bisherigen Seminaren hervorgegangenen Lehrer mit den neuen nicht werden gleichen Schritt Hallen können, so werden wir chnen Gelegenhell zur Fortbildung geben müssen. Es sind deshalb Fortbildungskurse «inzurichten. Solch« Kurs« sind in Münster geplant; sie bestchen sell mehreren Jahren auch in Berlin, und ich bitte, einen Antrag anzunehmen, durch den «in bestimmter Fonds für dies« Zweck« gefordert wird. Lehrerseminar« bestehen augenblicklich nur in Würzburg und in Köln. Kein Mensch wird uns Liberalen übelpehmen können, daß wir den Wunsch hegen, daß auch liberalgesinnte Lehrer ausgebildet werden. Was di« jüdisch« Schule angeht, so Hab« ich nie «in Hehk daraus gemacht, daß sie etwas in höchstem Maß« Wünschenswertes ist. Sie ist es einmal aus Parllätsgründen. Solange es konfessionell« Schulen evangelischen und katholischen Charakters gibt, haben wir das Recht, auch jüdisch« Schulen zu verlangen. Di« Befürchtungen, di« ihretwegen bestehen, sind wenigstens in vielen Gegenden unbegründet. Ich selbst Hab« bis zu meinem 11. Jahre

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