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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-03-24 · 3 (24.3.1927) · p. Seite 33

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
3 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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ergangen sind, auch den Gegner zu respektieren, nicht wirkungslos bleiben mögen, wenn jemand daS Wort nimmt, der in Ihren Augen «inen etwas extremen Platz «innimmt, wie Sie von der Volkspa rtei, wenn auch nicht alle, sondern in ihren prominenten Führern, in meinen Augen gleichfalls «in« recht extrem« Stellung einnehmen. Herr Dr. Badt hat hier ausgeführt, daß di« größten Feind« der Juden die Juden selbst seien. Diesen Gedankengang muß ich von vornherein ablchnen. Der Jude ist kein Feind des Juden, er kann höchstens sein Gegner sein, sein sachlicher Gegner. Mein Feind ist jemand, den mich ein« manchmal hart« und widerwlllig auf mich genommen« Pfllcht zu vernichten zwingt, «in Gegner aber jemand, den ich durch überlegenes Spiel matt zu setzen such«. Ich hoff« und wünsch«, ja ich bet« darum, daß. der' Lag kommen möge, wo die Herren, di« nach meiner Auffassung den Begriff d«S Zionismus so falsch und unrichtig verstehen wie gerade di« Führer der deutschen Zionisten, durch die Gewalt ethischer und politischer Gegengründ« sich selbst in ihrem Kampf gegen uns matt gesetzt erklären müssen. DaS kann «in sehr anregender, aber unter Umständen auch ein widerwärtiger Streit werden. Soweit es aber an unS liegt, soll «S nicht «in Kampf des GeiferS, sondern «in Kampf der Geister sein. Ich geh« auf das viel« Unschön«, Unrichtige und Ungenau«, was von politischem Betrieb unzertrennlich zu sein scheint, nicht «in. Wir haben aber mtt Männern zu tun, di« sich im Parlament und Parteileben mtt Polttik beschäftigen müsse«, und nicht immer an solchen Dingen festhallen. Das unrichtig« Zttieren z. B. des Herrn Badt, das Auseinanderreihen von Zitaten, werd« ich an anderer Stell« widerlegen. Iil Herrn Blumenfeld fteu« ich mich «inen Gegner gefunden zu haben, mit dem man trennend« Ding« besser besprechen kann, als mtt gewissen Führern, wie sie z. B. in der ersten Tagung ihre Ausführungen damit eröffnet«», daß sie all« Juden als Juden ansähen, di« sich nicht außerhalb des Judentums gestellt hätten, wie «in« gewiss« Grupp«. Damit meinten sie di« um Herrn Naumann, zu der auch ich mich zähl«. Ich will im Gegensatz dazu auf geistig« Grundlagen eingehen und nicht agitatorisch werden. Der ganze Unterschied zwischen Herrn Blumeufeld und unS ist mtt einem Wort gesagt: Jessen Sie den Staat auf wie Ficht«, bevor er oder nachdem er sein« groß« Wandlung erlebt hatte, chn aufgefaßt hat? Nehmen Sie den Staat als ein« Nützlichkeitseinrichtung, in den man hineinkriechen und aus dem man herauskriechen kann, an den man sich beliebig auch nur teilweise anschließen, den man irgendwo künstlich errichten kann? Oder fassen Sie den Staat auf als «in« Einhett von Kultur, Volk und Staat? Hier sind di« beiden Pol« gegeben. Sie fassen, meine Herren deutschen Zionisten, und zwar im Gegensatz zu den Zionisten anderer Länder, den Staat in der ersten Weis« auf. Meine Anhänger und die überwiegende Mehrheit dieses Hauses, Orthodoxe und Liberal«, faßt den Staat wie Ficht« auf, als er Deutsä,lands Erzieher wurde, nämlich, daß man seinem Bolk« alles, sein Ich. sein Fühlen, sein Denken hingeben muh, alles dem Staat und Volk, mit dem man sich verbunden fühll. Kommt man zu solchem Ergebnis, dann gibt es für uns deutsche Juden gar nicht so etwas wie «in« Wahl; Wir fühlen uns als Deutsch«! Als Deutsch« jüdischer Religion und jüdischer Abstammung. Fühlen Sie nicht so, dann habe ich, wie es mein Freund Naumann oft genug erklärt hat, nichts dagegen, daß Sie es auf Ihre Weise anders machen. Ich eracht« es alS «in edles Ziel, Menschen, di« ausschließlich jüdisch fühlen, auf chre Methode aus der Engstirnigkett, der körperlichen und gesellschaftlichen Bedrängthcit herauszubringen. Zwei Gegensätze find da, Sie und wir! WaS in der Mitte liegt, hat sich zu entscheiden, welchen Weg es wählen will. Das sind hohe und heilige Ding«. Sie werden profaniert, sie werden entweiht, wenn sie in die Arena der parteipolttifchen Kämpf« hineingezogen, mit den Schlagwörtern der Parteien verquickt werden. Wir haben bei unserer ersten Tagung noch erlebt, daß, wenn man, wie ich, das Wort zu solchen Dingen nahm, die Gegner in einer Form, wie sie «in« üble parlamentarische Sitte darstellt, lärmten» unterbrachen und dergleichen mehr. Aber wir sind allmählich dazu gekommen, daß man uns schon ruhig anhört. Möge bas so weitergehen. Ich steh« nicht auf dem Standpunkt de» Herrn Badt, dessen rednerisch« Wirkung von gestern ein« mißverständlich« Berichterstattung der Bossischen Zeitung durchaus irreführend darstellt,, «ine Einheit zwischen uns. «in Hinüberziehen d^k «inen zum anderen herbeiführen zu wollen. Ich sag« nicht in Umkehrung seiner Worte, Sie» meine Herren Zionisten, werden in gewisser Zeit vielleicht zu 50.»/» nationaldeutsch« Juden werden. Wenn Sie wirkliche Zionisten sind, können Sie das ja niemals werden. Bei uns beiden, die wir Gegenpole sind, handett es sich vielmehr darum» diejenigen, die noch nicht gedankentief oder willeasftark genug sind, sich für unS oder- Sie zu entscheiden, herüberzuziehen zur einen oder anderen Sette. Das ist unser« beidersettig« Aufgabe. Aber bei ihrer Lösung können wir ln der Wahl unserer Mittel gar nicht vornehm genug ftin. Das ist jüdisch und das ist deutsch im besten Sinn«. Und darum begrüß« ich dies« Tagung trotz allem Unschönen, waS so nebenher ging, als letzt«, auf der wir mtt verwerflichen Mitteln bekämpft wurden, und als erst«, auf der auf diesem E Gebiet mit vornehmen MUteln gekämpft wird. Möge es auch künftig bei Vornehmheit und Sachlichkeit bleibeu! Schluß: 7 Uhr abends. Dritter Tag (23. November). Präsident eröffnet di« Sitzung um SV, Uhr. Di« Aussprach« wird fortgesetzt. Abg. Ollendorf: M. s. v. D. u. H.! Ich bedauere es außerordentlich, daß weder Herr Horovitz, noch Herr Berger augenblicllich anwesend sind, di« beide den Wohlfahrtsausschuß und vor allen Dingen di« Frauen angegriflen haben. Beide Herren haben das alle Rüstzeug von der mangelnden Objektivttät wieder hervorgcholt und haben dabei indirekt, aber recht verständlich von den „schönen Augen" gesprochen. Ich möchte dem gegenüber zurückweisen, baß irgend «twaS zugunsten der Frauen geschehen ist. Ich möchte hierzu «in markantes.Beispiel anführen: Di« zweit« Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes hat in der Sitzung des Wohlfahrtsausschusses dagegen gesprochen und gestimmt, daß überhaupt Subventionen verteill werden, eh« es allen Anstallen zur Kenntnis gebracht ist, daß wir solch« Subventionen auszahlen. Sie ist übersttmmt worden, und «S ist ein ganz Neiner Teil des zur Verfügung stehenden Geldes weggegeben worden, und zwar zugunsten der Sefährdetenfürsorg«. Bei diesen Gefährdeten — es handett sich um körperlich und sittlich Gefährdete — ftagen wir gar nicht danach, welcher Richtung und welcher Partei sie angehören. Wir sorgen einfach für sie, und da di« Not ungeheuer groß ist, und die Zahl der Gefährdeten ständig wächst, haben wir ein paar tausend Mark weggegeben. NamenS der Frauen habe ich weiter zu erklären: Herr Dr. Weiß hat erklärt, wir sollten uns nicht so viel mit der Wohllätigkett beschäftigen, sondern mtt der Förderung jüdischen Wesens. Demgegenüber sag« ich: Wir befassen uns gar nicht mit Wohllätigkett, sondern mtt Verantwortlichkett, mit tätiger Hllf«. Dazu gehört auch, daß wir Wohltättgkeit verbreiten. Ich hätte nicht gedacht, daß die Mittelpariei so jung ist, daß sie diese Begriff« immer noch verwechsett. Wir Frauen sind eben erst in den Besitz unserer Recht« gekommen, wnh wir können es nicht vertragen, daß man unS in der Wohlfcchrtskommission in Interessierte und in Richtinteressierte einteilen will. Jede Frau ist interessiert an dem Wohlergehen der Jugend, Das wollt« ich hier erklären und wollt« Sie sehr bitten, di« Recht«, die Sie uns einmal gegeben haben, nicht dadurch wieder zu beschneiden, daß Sie durch ein« Hintertür mit den alten Begriffen und Ladenhütern wieder hereinkommen. Wir' wollen gar kein« besonderen Frauenrecht«, wir wollen die Recht«, die wir als jüdische Bürger «in«S deutschen Staates haben. Auf Anttag des Abg. Dr. Breslauer wird mtt großer Mehrheit beschlossen, die Redezeit auf 10 Minuten zu beschränken. Punkt 5: Reichsverbau-. Lilienthal, Mitglied des Rates: s. v. D. u. H.l Der Rat war der Meinung, daß diese Vorlage die wichtigste ist, di« den diesjährigen Landesverband beschäftigt. Wenn ich sch«, in welcher Besetzung des Hauses diese Angelegenheit verhandelt wird, so kann ich nicht zu der Meinung komme», daß auf der anderen Sette diese Ansicht getellt wird. Im übrigen sind wir der Meinung, daß «S unrichtig wäre, erst noch in «in« längere Begründung der Vorlage unsererseits «inzutreten, nachdem uns bekannt geworden ist, daß der größte Teil der Fraktionen dieses Hauses ihr ablchnend gegeuüberstcht. Wir behalten uns vor, falls noch ein« Erörterung stattfinden sollt«, in dies« «inzugreifen. Im übrigen müssen wir der verchrten Versammlung die Entscheidung und di« Verantwortung für diese Entscheidung überlassen. Abg. H. Stern (Berlin): Hochgeehrt« Versammlung! Ich schließ« mich dem Bedauern des Herrn Vorredners an, daß wir dies« wichtige Vorlage vor leerem Haus« behandeln. Den» wen» auch das Schicksal der Vorlage an sich kaum zweifelhaft sein dürste, so sollt« doch die Anteilnahme an diesem Ereignis «ine größer« sein. Ich habe namens meiner Fraktion folgend« Erklärung abzngeben: Di« Liberal« Fraktion erklärt, daß der vorliegend« Entwurf in verschiedenen Punkten erheblichen Bedenken begegnet, und daß deshalb di« gesamt« Vorlage nicht angenommeu werden kann. Sir erwartet, daß es dem Rat« gelingen wttd, baldmöglichst einen Entwurf vorzulegen. der auch den jetzt Ablehnenden di« Annahme ermöglicht. Daß gerade ich gezwungen bin, dies« Erklärung abzngeben, schmerzt mich um so mehr, alS ich am 23. Januar 1821 der Sprecher der Liberalen war, der di« grundsätzlich« Bereitwilligkeit uud freudige Usbereimstimmuug mtt dem Wunsche nach einer ReichSorganisatio» ausgesprochen hat. Dieser Wunsch besteht bei uns alle« ohne Ausnahme in voller Kraft

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