Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 3 (24.3.1927)
- Date
- 1927-03-24
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
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höher, so ist kamst etwas ausgesprochen, was vielleicht di« Grundlagen der heidersestigen 'Weltanschauung kennzeichnet. Und dann komme ich zu der gebotenen Stellung zu unserer nichtjüdischen Umwest. Herr Blumenfeld hat seine Ausführungen in durchaus klarer und folgerichtiger Weise entwickelt. Bon seinem Standpunkt muß mast den „Galuth" verneinen und «in« ErziehungLmöglichkeit schaffen, di« den absoluten jüdischen Menschen in voller Reinheit herstellt. Don unserem Standpunkt« stellen sich aber unser« Beziehungen zu unserer nichtjüdischen Umwelt ganz anders dar als sie «inest Manne erscheinen, dessen Weltanschauung ihm die Aufgabe stellt, den neuen revolutionären Typus des jüdischen Menschen zu schaffendenn wir haben neben der Ueberzeugung von der Reinheit und der notwendigen Gestaltung unserer religiösen Auffassung noch die Ueberzeugung, die leider Gottes oft angezweifelt wird, daß wir im deutschen Volksleben tief verwurzelt sind. Das ist nicht, wie man manchmal äußern hört, «in« «ffektvoll« Phrase, sondern das Bewußtst» des geschichtlichen Zusammenlebens mit dem deutschen Volke, des Zusammenwirkens mit ihm verletzt uns di« Berechtigung und den inneren Wunsch, daß wir in der deutschen Staats-, Volks- und Kulturgemeinschaft unser Leben und das Leben der kommenden Generationen beschlossen sehen wollen. (Beifall.) Und so sehr ich auf der einen Seite di« Auffassung des Kollegen Blumenfeld achte und ehre, so sehr nehme ich für uns in Anspruch, daß man. auch unsere Auffassung der notwendigen Verbundenheit zwischen Deutschtum und Judentum als eine Auffassung achtet und ehrt, die durchaus nicht di« Folge der sogenannten Entjudung des Judentums nach sich ziehen muß. Wenn immer wieder verlangt wird, wir sollen jüdischer werden, so ist diese Forderung berechtigt, und wst wollen ihr Nachkommen, indem wir uns immer mehr in die Ideal« unserer Ueberlieferung vertiefen. Wir sollen aber nicht jüdischer werden, indemwkr alle möglichen, gar nicht mit dem Judentum in Zusammenhang zu bringenden Fragen als jüdisch« Fragen betrachten, sondern indem wir den gebotenen Unterschied zwischen unserem Judentum und unserer Zugehörigkest zum deutschen Volke und zur deutschen Kultur zu unterscheiden und zu beobachten lernen. Auch wir wollen «in neues jüdisches Geschlecht, aber «in neues jüdisches Geschlecht, das besser verankert ist in der Religion und in der Erkenntnis des Judentums, das aber trotz aller Angriff« von außen her und trotz allen Bestrettens unserer deutschen Existenz, diese deutsch« Existenz in jeder Beziehung betätigt und alle Gegner dieser Existenz in die Flucht schlägt. Und wenn Herr Blumenfeld gemeint hat, diese Bestrebung bringe es mit sich, daß notwendigerweise ein fortgesetztes Anpassen an die Stimm« der Umgebung auftreten muß, daß wir also gewissermaßen auf jeden Ruck von außen zu achten haben,- und -daß wir uns in jeder Minute in opportunistischer Weise an die g«ntt>e herrschenden Gewasten anzuschließen haben, so is? das ein Irrtu» in der Grundauffasfung. Der Irrtum in der Grundauffassung liegt darin, daß wir naturgemäß die Aufgabe haben, Angriffe in gebührender Weise zurückzuweisen, daß wir aber aus der anderen Seite verpflichtet sind, in ständiger Betrachtung und Durchprüfung der gesamten Vorgänge des deutschen öffenllichen Lebens je nach der individuellen Einstellung des Einzelnen unsere Ueberzeugung zu vertreten und durchzusetzen, und daß nicht etwa feig« Furcht und Opportunität für uns maßgebend sein dürfen. Das beweist! di« ganz« Tätigkest und di« Größe unserer Partei und unserer Fraktion, und die unserer Gesinnung nahestehenden Männer und großen Politiker, die den verschiedenen Parteien von den Sozialdemokraten und Kommunisten bis zur Deutschen Bolkspartei angchören. Es ist darum durchaus ein Irrtum, wenn man die Konsequenz zieht, als wenn nach irgendeiner Richtung Opportunität und Banalität der Maßstab unserer Jugenderziehung oder unser« «igene Einstellung wäre; Maßstab kann nur daS sein, was Herr Dr. Klee im vorigen Jahr richtig betont hat: in jüdischen Dingen jüdisch und in deutschen Dingen deutsch. Jüdische Dinge sind für uns religiös« Ding«, deutsch« Dinge unser« Umwelt und Verwurzelung im deutschen Vaterland«. Herr Blumenfeld hat sich auch wie andere Redner darüber beschwert, daß vielerorts die Frag« Palästina nicht mit dem nötigen Respekt behandelt würde. Ich werd« das ferner bedauern. Wenn Irrtümer porkommen, so gebe ich Herrn Blumenfeld das Versprechen, daß diese Irrtümer. wie ich das auch von seinen Parteifreunden erwarte, loyal berichtigt werden. Aber wir müssen auch hier die Möglichkett haben, ohne stgendwi« als banal oder als schlechter« Juden bezeichnet zu werden, einer anderen Ansicht huldigen- oder ein« ander« Auffassung zur Geltung bringen zu' können. Vielleicht wäre «S anders, wenn heut« ein Werk geschaffen wird> das ohne national« Einstellung lediglich kolonisatorisch die Besiedelung Palästinas zum Gegenstand der geschäftlichen oder idealen Unternehmung machen würde. Dann wäre ein« Basis gegeben, wo stan zu einer Vereinigung kommen könnt«. So wie es jetzt ist, werden Sie dem, der anderer Auffassung ist, seine gute jüdisch« Gesinnung trotzdem nicht in Abrede stellen können. Ich glaub«, daß es ein Verdienst war, daß Herr Blumenselb di« grundsätzlichen Unterscheidungen in Reinheit dargestellt hat. well sie di« Lust reinigen und zur Bildung reiner Anschauung führen können. Wir unsererseits werden nie einen unnötigen Kampf entfachen. Wir werden aber in der Betonung unserer religiösen Grundsätze, in der Ueberzeugung, daß unser Judentum» religiös gefaßt, ewig war, wie es von ewig kommt, nicht erlahmen und auch damit innerhalb des Rahmens unseres Landesverbandes Sandkorn auf Sandkorn zum Bau der Ewigkett tragen. Abg. Loeb (Trier): M. D. u. H-, nach meinen Jahren zähl« ich wohl zu den älteren, in der Zugehörigkett zu diesem Haus« aber bin ich das jüngste Mttglied, denn nach dem allzufrühen Heimgang« von Herrn Sanitätsrat Mendel war ich geschäftsmäßig dazu berufen, in di« entstandene Lücke einzurücken — in ein« Lücke, di« nicht ausfüllen zu können, ich mir bewußt bin. Wenn ich mich als Neuling gleichwohl bei Beginn der heutigen Sitzung schon zu Wort« gemeldet hatte, so geschah «S aus einem Impuls heraus, den Sie verstehen werden, wenn ich Ihnen feg«, daß ich heut« stich in meinem Hotel erst die zur Information für diese Tagung nötigen Drucksachen «rhiett, die mir vorgestern von Haus« aus nachgeschickt worden waren. Inzwischen ist nun ja von verschiedenen Herren das Nötige über die nicht ausreichend« Vorbereitung der Tagung gesagt worden. Ich will Gefegtes nicht wiederholen und habe auch nicht di« Absicht, mich über di« Tätigkeit des Herrn Geschäftsführers freundlich oder unsteundlich zu äußern, aber das ein« glaube ich doch fegen zu dürfen: daß wst schlecht Informierten» die wst zum Teil von wetther kamen, uns hier Ln einer peinlichen, um nicht zu sagen, geradezu lächerlichen Situation befinden. Wst wissen wohl, daß ein« Summ« hoher Intelligenz im Rate versammett ist, wst wissen auch, daß der Rat zweifellos das best« nicht nur gewoltt, sondern auch geleistet hat, aber wst wollen uns doch selbst «in Urteil bilden, und da müssen wir das Material rechtzeitig erhallen, damit wir nicht nur hier sitzen wie di« Puppen, di« gelegentlich aufzustehen und die Hand zu erheben habest. Ich komm« aus dem fernen Westen und möchte gerade deshalb erklären, daß, wenn in dieser Beziehung sich bis zur nächsten Tagung nicht« wesentliches geändert haben sollte, sowohl ich, wie viel« meiner Freunde Bedenken stagen müßten, hstrher zu kommen und dem Verband di« Kosten unserer Reis« aufzuerlegen. Wenn wst uns stagen, was in der gestrigen sechsstündigen Sitzung an positiver Arbett geleistet wurde, so muß leider geantwortet werden: es war recht wenig. Wst mußten bei Beginn der Tagung lange, peinliche und in tzrer Wirkung nach außen zweifellos sehr beklagenswerte Ausführungen über uns ergehen lassen, besteffend den Präsidenten unserer Tagung, Me, selbst angenommen, der Präsident hätte einen Fehler begangen — wer von uns hätte das noch nie getan! — gegen seine Lhrenhastigkett und Geschäfts» tüchttgkett in der Leitung des Präsidiums nichts besagen. Dann hatten wst «inen Geschäftsbericht anzuhören, der zwar sehr interessant und aufschlußreich war, der uns aber so zettig hätte zugeschickt werden müsien, daß wst tzn in seinen Einzelheiten prüfen und alsdann hier dazu hätten Stellung nehmen können. Noch ein kurzes Wort über die Erörterung der Berliner Wahlvorgänge, di« uns gestern so lange in Anspruch nahm. Wir in der Provinz haben gewiß das lebhaftest« Interesse für das, was in der Großgemeinde Berlin geschieht, in der nahezu di« Hälfte aller deutschen Juden lcht, aber dennoch, glaub« ich, dürsten rein örtlich« Berliner Vorkommnisse und tzr« Auswirkungen uns hier nicht stundenlang beschäftigen. Was würde man dazu fegen, wenn Abgeordnete aus anderen Großgemeinden wst Frankfurt, Köln oder Breslau hier vstl« Stunden über Dinge sprechen wollten, die nur tzre Heimatgemeind« angehen? Meines Erachtens darf ähnliches nicht wieder Vorkommen. Ich glaub«, in der jungen Institution, die der Landesverband darstellt, haben wst als Abgeordnete noch manches zu fernen, um Fchler anderer Parlamente zu vermeiden. Dieses Haus darf nicht «in Forum werden zum AuSstag parteipolttischer Kämpf«. Sind aber gelegentlich- Erörterungen von Weltanschauungsfragen nicht zu vermeiden, so mag uns das vornehm« und hohe geistig« Niveau der beiden fetzten Reden ein Beispiel dafür sein, wst sich Gegner aüseinandersetzen sollen. Wir müssen unsere Verhandlungen stei von Fanatismus» nach dem allen guten Grundsatz« führen: forttter in re, suavtter in modo, und wst wollen uns bewußt bleiben, daß wst hier nicht Parteiinteressen, sondern dst Interessen der jüdischen Gesamthett zu vertreten haben. Ich schließe mtt dem Wunsch«, daß dst nächste Tagung besser vorbereitet werde, «inen ruhigeren Verlauf nehmen und treue, förderlich« Gemeinschaftsarbeit feisten möge. Abg. Dr. P«y s«r: Ich spreche die Hoffnung aus, daß dst Ermahnungen, die ausnahmslos von allen Setten dieses Hauses