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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-03-24 · 3 (24.3.1927) · p. Seite 31

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
3 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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— 31 — unserer eigenen Unzulänglichkeit, aus der Eng« der jüdischen Segenwart durch «inen Entschluß und durch rin Werk herauSzukommen. Wir glaubten, daß «S wichtig ist, im Landesverband di« Forderung unseres besonderen UnterrichtSauSschusseS, unser« Stellung zur Frag« der Erziehung, zionistisch zu begründen, um den«», di« uns nie kennen lernen, di« uns boykottieren, bei solch einer Gelegenheit zu sagen, daß di« zionistisch« Bewegung di« stärkst« jüdisch« Kraft ist, di« Sie ablehnen können, zu d«r di« meisten von Ihnen nicht den Weg finden werden, di« Sie aber kennen und anerkennen müssen. Wir wollen kein« künstliche Etnheitserklärung, wir wollen aber wahr« Berantwortlichkest und Solidarität der jüdischen Welt gegenüber der allgemeinen Oeffentlichkett. ES darf kein« Diffamierung von Juden gegen I»»d«n gegenüber der Oeffentlichkeit geben. Wir kommen als kämpfend« Organisation in den Verband hinein. Unser« Bedeutung liegt auch hier nicht in der Quantität, sondern in den inneren Kräften unserer Bewegung. Ich begrüß« es, daß der Landesverband sich in Zukunft mit den von uns vertretenen Forderungen u»»d Anschauungen wird auseinandersetzen müssen. i Abg. Dr. Holländer: M. v. D. u. H! Als größter Feind d«S Landesverbandes hat am gestrigen Tag« Herr Ministerialdirektor Dr. Badt di« Zerrissenheit im Judentum»« bezeichnet, und er hat als Beispiel« dafür einige Fälle angeführt, auf die «inzugehen «ine Notwendigkett sein wird. Herr Blumenfeld hat in feiner soeben gehörten 9lcb« m. E. mit vollem Recht« die Tatsache beleuchtet, daß ei»»« »mbedingt« Einigkeit im Judentum« niemals erreicht werden kann uird vielleicht auch nicht einmal unbedingt erstrebenswert ist, weil jede Entwicklung dadurch abgetötet würde. Und doch scheint mir Herr Ministerialdirektor Badt in einem Puntt« volllommen Recht zu haben. ES müßt« unter allen Umständen erstrebt wett»«», daß di« Sachlichkeit in der Behandlung gegnerischer Anschauungen und di« . Ehr« vor der Aufrichtigkeft auf gegnerischer Sette erhöht wird. Ich muß sag«»», daß allerdings die Tatsache — unter der mein« liberalen Freund« in ganz besonderem Maß« zu leiden haben —, daß Motive der Gegner diffamiert werden, der Hauptkrebsschaden im jüdischen Leben ist. Wenn ich mich daran erinnere, wie oft die Aufrichtigkett unserer religiösen Ueberzeugung diffamiert worden ist, wie oft davon gesprochen wurde, daß wir eigentlich alle „entjudete Menschen" sind, wie oft behauptet wurde, daß das Streben nach einer gerechffertigten Assimilation «in Lharaktermanko darstellt, — so Hab« ich mtt kurzen Worten das Umrissen, was ich sagen muß. Ich glaub«, daß man Motiv« »md Gesinnungen anderer niemals in Verruf bringen sollt« und «in« solch« Haltung di« einzig möglich« Grundlage für «in« Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Meinungen ist. Leider habe ich in den Ausführungen des Herrn Ministerialdttettor Badt diese Linie, di« ich soeben gekennzeichnet habe, nicht ganz durchgeführt gefunden. Es ist mir nicht angenehm, hier verschiedenes über den. Eentralverein aussprechen zu müssen; denn «igentlich gehört danicht in den Rahmen dieser Erörterungen. Nachdem aber am gestrigen Abend u»»d auch heut« di« Ding« gestreift worden ftnb, und zwar nicht ganz richtig gestreift worden finb, lassen Sie mich wenigstens einig« ganz wenig« Wort« dazu sagen. Es ist über di« angeblich so sehr schlecht« Eingabe des Lentralvereins zur Reform des Strafgesetzbuches gesprochen worden und der Hauptpunkt dieser Eingabe ist geradezu als Bagatelle, als etwas überflüssiges, als etwa« schädliche« bezeichnet worden; nämlich der Puntt, der die Bestrafung der Kollektivbeleidigung erwirken will. Ich glaub«, auf Grui»d einer Zweieinhalbjahrzehnte langen Tätigkett im jüdischen Leben sagen zu könne»», daß uns nichts in der Oeffentlichkett so rechtlos macht und jedem Lu»»p«n auSliefert, wie gerade di« Straflosigkeit dieser «ollettivbeleidigungen. Darum muß «S «in« Forderung jedes deutschen Juden sein, «in« Bestrafung des geradezu schändlichen Zustandezu ermöglichen, daß n»an uns Rttualmörder und alleS möglich« nennen kann, ohne daß sich ein« Hand dagegen rührt. Ich weiß, man wird in all diesen Dingen nicht stets einig gehen. Aber in Hauptfragen — und dazu rechne ich neben der Frag« der Kollektivbeleidigung die Frag« der unbedingten Sicherhett de« Schächten« — muß alle« in Bewegung gesetzt toerden, tvaS überhaupt dessen fähig ist. Herr Ministerialdirettor Badt hat von seiner Ernennung gesprochen. Ich glaub« hier nochmals sagen zu können, daß «S niemarrden unter unseren Freunden gibt, der etwa in denunziatorischer Absicht irgendwie auf diese Ding« in einem Brief« hingewiesen HAI«. Ich wetz ganz genau, daß selbst im Lager der Zionssten über dt« Frag« der Möglichkett des Staatsbeamten ein« einhellige Meinung nÄt herrscht. Ich wetz allerdings auch ganz genau, daß die Herren, dt« hier in Frag« kommen, sicherlich mtt vollem Herzen u»»d aus ganzer Seel« dem preußischen Staate und dem deutschen Bolle dienen. Ich könnte mir aber sehr wohl vorstellen, daß ein Herr, der auf radllal-zionistischem Boden steht und den Standpuntt vertritt „Die Zukunft meine- Volle« soll nicht die Zukunft d«S deutschen Volles sein" gar nicht in der Lag« wäre, «in Staatsamt so zu verwalten,-wie «S daS Interesse der Gesamtbevölkerung unter allen Umständen erfordern muß. Gewiß ist daS fein« persönlich« Sach«. Aber man kann sehr wohl auf dem Standpunkt« stehen, daß, wenn dies« Voraussetzungen vorlieg«»», «S vielleicht für ihn unzweckmäßig ist, «in solches Amt anzunehmen. Und wenn heut« angedeutet wurde,, daß di« Lreibereien gegen di« Ernennung des Herrn Ministerialdttettor Badt hauptsächlich auS jüdischen Kreisen gekominen sind, so weiß ich auS der Kenntnis der Verhältnisse, daß sich innerhalb der eigenen Fraktion des Herrn Kollegen Badt sehr erheblich« Widerstände gezeigt haben, u»»d daß di« Sach« durchaus nicht «ttoa so liegt, als ob lediglich Denunzianten aus jüdischem Lager gegen seine Ernennung g«att>ett«t hätten. Wan soll sich üb«rha»»pt hüten, polttisch« Auffassungen, di« ehrlich gemeint u»»b ehrlich durchdacht stnd» als die Konsequenz irge»»d«in«r denunziatorischen Absicht hinzustellen. Man kann aus bester Ueberzeugung sagen : Ich /kann mtt vorstellen, daß der ander« «in sehr anständiger, sehr vornehmer, sehr rechtlicher Mensch ist, daß er aber zu dem «inen oder anderen Amt« nicht paßt, ohne damit sagen zu wollen, daß er mtt der Annahme des Amtes «in« inner« Lüg« begcht. Wenn weiter Herr Berger sich mtt dem Eentralverein insofern befaßt hat, als er über desftn angeblich schädlich« Tättqkett fa» den Fällen Haas und Lessinq gesprochen hat, so kann ich Ihre Zett natürlich nicht mit allen Einzelheiten dieser Fäll« in Anspruch nchmen, möchte Ihnen aber doch Mitteilen, daß die Familtt HaaS sich in einem Schreiben an den Eentralverein für die Erledigung, die di« Angelegenheit durch dessen Tätigkeit gefunden hat, wärmstenS bedantt hat. ” All« diese Ding« scheinen mtt aber nebensächlich zu sein im Verhältnis zu den Ausführungen, di« wir soeben von Herrn Kollegen Blumenfeld gehört haben und di« in der Tat jene großen Gesichtspuntte in den Vordergrund rücken, welch« di« Wetten ttennen. Wenn Herr Blumenfeld zu Anfang seiner Ausführungen erklärt, hat, di« von der Jüdischen Dolkspartei erstrebte jüdisch« VolkSqemeind« solle nicht etwa gleichgestellt oder verwechselt werden mtt dem Verlangen nach Schaffung einer jüdischen Minderheit in Deutschland, so möchte ich doch darauf aufmerksam machen, daß auf der Genfer Böllerbunt«, taqung gerade von nationaljüdischer Sette die Anerkennung der jüdischen Minoritäten verlangt wurde. Und wenn auch, wie ich Ihren Zwischenrufen «ntnehm«, das nicht mtt Bezug auf Deutschland geschah, so doch jedenfalls auch nicht unter Ausschließung der deutschen Juden. Ich komm« nunmehr zu den inneren Gegensätzen, di« uns von der Weltanschauung des Herrn Blumenfeld vollkommen ttennen. Was uns bindet als das entscheidende im I»»d«ntum, ist di« Religion. Und wenn das gesagt wird, so ist es nicht «ttoa «in« Phrase, sondern es ist di« innere Ueberzeugung, daß das religiöse Gut des I»»dentums in Derqangenhett, Gegenwart und Zukunft das unser« sein soll, daß «S einen Primat haben soll vor allen anderen Anschauungen, die die Juden miteinander verbi»»d«n. ES ist richttg, daß nicht allein di« Religion uns verbindet, sondern auch di« Stammes» gemeinschast und die SchicksalSaemeenschast. Aber waS wir in der Wett erwarten und von der Welt «»warten, ist nicht di« Erneuerung des jüdischen Dollsteiles in dem Sinn«, daß wtt nunmehr in revolutionärer Einstellung «inen vollkommen von den Wurzeln gelösten und auS dem Erdreich gehobenen jüdischen Menschen «»warten, verlangen oder auch nur für nöttg hatten, sondern daß wtt in der Bewahrung und- Vertiefung des religiösen Lebens die Zukunft de- I»»d«ntums eiwarten und erhoffen. Ich kann mtt vorstell«»»,- daß man in einer verzweifetten Stimmung glaubt, daß daS Judentum seinem End« «ntaegenqeh«, u»»d in pessimistischer Betrachtung aller Folgen, die di« Verachtung des I»»dentumS im Lauf« der Jahr« und Jahrhundert« ganz zweifellos auf die einzelnen auSgeübt hat, nun meint, von vorn anfangen zu müssen. Ich kann mtt vorstellen, daß es «hrenwert« Männer und Frauen gibt, di« sag«», auch di« Religion ist allmählich in einem Entwicklungsprozeß begriff«», der sie volllommen entwurzeln wird. Und es könnt« der Zeitpunkt «intteten, wo es mtt allen Faktoren, di« heut« »»och dem jüdischen Menschen, von dem so oft gesprochen wird, ausmach«»», zu End« sein wird. Und daS wollen wir nicht. Wtt haben di« E»nvfii»dung, das Judentum und die Juden müssen leben und sein. Wenn ich mtt dieseaber vorstelle, so muß ich mir über mein« inner« Einstellung zu den Problemen volllommen klar sein, und sie fft bei mir und bei meinen Freunden so stark und so innerlich begrittldet, daß wtt sagen: di« jüdisch« Religion, di« groß« Weltaufgaben haben wird, sst ein Stein, der so hart ist, daß all« Wellen und alle Bewegungen vom gegenseitigen Sttand« nie ein« Erschütterung brttkgen werden. Und wenn ich schon einmal gesagt Hab«, ich ehr« und acht« die Bewegung für Erez Iifroel, aber da- Schema Iifroel steht mtt

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