Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 3 (24.3.1927)
- Date
- 1927-03-24
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 tidität des Sachbearbeiters äußern wir keinerlei Bedenken. Wir halten es aber für nötig, daß auch «in Vertreter der konservativen Richtung in Fragen des Kultus und Unterrichts den Staatsstellen gegenüber zur Meinungsäußerung kommt, zumal es bekannt ist, daß die allgemeinen Fragen des Kultus und Unterrichts, so wie sie von konservativer Seit« beleuchtet werden müssen, lediglich durch den Vertreter des Halberstädter Bundes den Staatsstellen gegenüber behandelt werden. Dies« Zweiteilung können wir nicht anerkennen. Das liegt auch nicht im Sinn und im Interesse des Preußischen Landesverbandes. Dieser Eindruck wird aber bei den Staatsstellen erweckt, gefördert und wachgehalten, wenn stets für die allgemeinen Fragen des Kultus und Unterrichts lediglich, soweit der Preußisch« Landesverband in Erscheinung tritt, ein Herr» der, wenn auch wohl nicht radikal im Sinne einer Parteirichtung, aber doch liberal ist, herangezogen wird. Ich hoffe, daß meine Wort« nicht so verstanden werden, daß ich vergangen« Fehler feststellen will. Ich will nur darauf hinwirken, daß kn dieser Beziehung «in« Berücksichtigung unserer Wünsch« stattfindet. Ich danke dem Rat für di« Bearbeitung der Schächtfrag«. Di« Schächtfrag« wird unser« Gemüter noch wachhalten, nach den konzentrischen Angriffen, die aus reinen Gründen des Antisemstismus in dieser Sach« gemacht werden. Ich dank« dem Eentralverband, daß er sich mit Energie an der Mitbekämpfung der Antischächt-Seuch« beteiligt. Ich hoffe, daß in dieser Frage «in« geschlossen« Front des deutschen Judentums bestehen wird. In den Zeiten, wo der Landesverband nicht zusammen war, war der Ständig« Ausschuß zweimal versammell, und zwar im November 1925 und im Mai 1926. Diese Sitzungen des Ständigen Ausschusses waren ungenügend vorbereitet. Wir haben im letzten Augenblick ein« Menge Material bekommen, obwohl für die Vorbereitungen genügend Zrst gewesen wäre. Was Herr Kollege Baerwald über di« Frag« des Pressedezernats gesagt hat, gibt auch unser« Meinung wieder. Ls sind bereits 1925 und 1926 Resolutionen angenommen worden, dies« Resolutionen haben aber nichts gefruchtet. Ich möchte dringend bitten, daß, wenn wir jetzt auseinandergehen und erst im nächsten Sommer wieder «inen Ber» bandstag abhalten, die Zusammenrufung des Ständigen Ausschusses frühzeitig und mit frühzeitig bekanntgegebener Tagesordnung geschieht, und daß außerdem auch vom Rat di« Tagung ordnungsmäßig vorbereitet wird. Wir haben mit einer erdrückenden Mehrheit bei der letzten Landesverbandssitzuug beschlossen, daß der Vorsitzende des Verba ndstages und seine beiden Stellvertreter an den Sitzungen des Rates mit beratender Stimm« teilnehmen. Aus welchen Gründen der Rat dem nicht nachgekommen ist, ist mir unverständlich. Unser Gesichtspunkt war der, daß dem Präsidenten und den Vizepräsidenten des Verbandstages die Möglichkest einer ständigen Kontrolle der Arbeiten des Rates gegeben sein soll. Das ist unterblieben. Ich muß es auf das Ernsteste rügen, wenn der Rat es für nötig gefunden hat, die Vizepräsidenten als beratende Mitglieder bei seinen Sitzungen nicht zu dulden. Die Gründe sind mir unklar, da die Vizepräsidenten in Berlin wohnen und die Hinzuziehung keine Kosten gemacht hätte. Es geht nicht an, daß der Rat ohne gewichtig« sachlich« Gründe, die es hier nicht geben kann, einen Beschluß des Derbandstages übergeht. Bei der Lektüre des Protokolls der Sitzung des Wohlfahrtsausschusses ist mir als ein wesentlicher Mangel aufgefallen, daß die anwesenden Vertreter di« ihnen nahestehenden Vereine stark berücksichtigt haben, während di« übrigen Verein« bei der Vergebung der Unterstützungen unter den Tisch fielen. So kann ein Wohlfahrtsausschuß nicht arbesten. Es mag dankenswert sein, daß jeder seine Sach« für die Hauptsache hätt, aber «in Wohlfahrtsausschuß kann nur die Allgemeinheit für die Hauptsache hallen und darf nicht den schönen Augen von Frau soundso zuliebe ein« Bewilligung aussprechen. Es muh zunächst «ine Prüfung der Subventionsgesuch« im Wohlfahrtsausschuß stattfinden und dann muß der Weizen von der Spreu geschieden werden. Auch Vereine, die nicht irgendwie im Wohlfahrtsausschuß vertreten sind, sollen Bewilligungen erhalten. Ich möchte bitten, daß der Wohlfahrtsausschuß diese Gesichtspunkte etwas stärker berücksichtigt. Wir haben, wie ich hier anmerken will, zu dem Antrag der Liberalen Fraktion bezüglich der Haushaltsschul« in Rheydt einen Zusatzantrag eingebracht, wonach, da «in« blühende Haushaltungsschule bereits in Frankfurt besteht, auch dieser Schule ein Betrag bewilligt wird. Wir haben vom Staat einen erheblichen Zuschuß bekommen. Das ist erfreulich. Was haben aber di« Gemeinden getan? Wir hören, daß für 1925 von den angeforderten 275 960 Mark noch heut« 154 000 Mark rückständig sind. Ist das überhaupt möglich? Sollten wir lediglich eine Stelle sein, die vom Staat recht viel Geld bekommt, oder sollten wir nicht auch in uns etwas aufbringen? Ist der Landesverband etwas Gemeinsames, so muß es Sach« der Gemeindevorsteher sein, dafür zu sorgen, daß die einzelnen Gemeinden ihr« Pflicht gegenüber dem Landesverband erfüllen. Ich erkenne bei dieser Gelegenheit dankbar die nlühevoll« und erfolgreich« Arbell unseres Freundes Galewski in seiner schwierigen Tätigkeit als Finanzreferent an. Auch wir wünschen den Reichsverband. Kommt er jetzt nicht zustande, so wünschen wir, daß er bald zustande kommt in irgendeiner anderen Form. Wir wünschen ihn schon deshalb, well «S nicht angeht, etwa von einer anhaltischen oder preußischen Iudenheit zu sprechen; wohl aber geht es an, von einer deutschen Iudenhell zu sprechen. Die Landesverbände haben nur einen Sinn in dem langsamen Uebergang zum Reichsverband und der langsamen Anerkennung eines Reichsverbandes. Freilich müssen bei Schaffung des Reichsverbandes all di« von unseren Kreisen vorgebrachten Gewissensbedenken berücksichtigt werden, und ich verweise auf bi« Beschlüsse einer von der Achduth nach Frankfurt einberufenen Konferenz, di« insbesondere auf Anregung von Süd- und Westdeutschland her gefaßt wurden, und di« der Oeffentlichkeit im einzelnen bekannt sind. Es ist davon gesprochen worden, was die Zwecke des Verbandes sind und wie sie sich im vergangenen Jahre verwirklicht haben. Eine der Hauptzweck« ist die Organisation. Die Organisation des Verbandes ist im Verhältnis zu seinem Gesamtetat zu teuer; es geht nicht an, daß für Derwaltungskosten eines Verbandes im Gesamtbudget von 800 000 Mark 112 000 Mark ausgegeben werden. Da muß Remedur geschaffen werden. Das Büro muß sich etwas einschränken, und es muß dafür gesorgt werden, daß wir nicht bei uns einen Kostenanteil für das Büro aufbringen, der bei anderen Verbänden gar nicht in Betracht kommt. Ich begrüße den Antrag des Kollegen Dr. Badt wegen des Wahlprüfungsgerichts. Der Antrag müßte noch formuliert eingereicht werden. Es können überall einmal Differenzen dieser Art Vorkommen, und es wäre gut, sie den ordentlichen Verwaltungsbehörden und Gerichten zu entziehen. Wir haben dann «inen Antrag gestellt, der schon gestern verlesen worden ist bezüglich Zusammenarbeit mit de« Halberstädter Bund. Wir selbst halten das Sonderbestehen dieses Bundes für bedauernswert. Wir möchten, daß alle Berbandsgemeinden auch dieses Bundes zu uns kommen. So lang« dies aber nicht der Fall ist, muß zu allen geeigneten Zwecken, vor allen Dingen auch zur Vermeidung der Zahlung doppelter Subventionen eine Zusammenarbeit gesucht werden. Ich möchte wünschen, daß der Antrag auf Fühlungnahme, der von uns ausgeht, auch angenommen wird, denn wir haben allen Grund dazu, die Freundeshand und Bruderhand jedem zu reichen, der zu uns gehört. Wir wünschen als Hauptzweck unseres Verband«- nicht nur di« Organisation, sondern di« Hebung des religiösen Lebens. Es sind bereits Hinweise auf Zersetzungs- und Zerfleischungserscheinungen gegeben worden. Ich muß hier zu meinem Bedauern auf einen Zwischenruf zurückkommen, der unserer Gruppe die Gefährlichkeit unseres Auftretens Vorhalten wollte, als wir uns bei unseren gestrigen bedauernswerten Verhandlungen in bestimmtem Sinne äußerten, und uns vor den Folgen warnte. Ein solcher Appell hat auf uns gar keine Wirkung. Wir wissen, was wir tun, wir überlegen es genau; Sie werden auch von uns in dieser Frag« kein« leichtfertige Aeußerung vernommen haben. Wir tun das, was uns unser Gewissen vorschreibt, wenn wir unseren eigenen Weg gehen. Drohungen machen auf uns nicht den geringsten Eindruck. Es war Esau, der dem Jakob für ein Linsengericht sein Erstgeburtsrecht verkaust«. Die Söhne Jakobs sollen nicht mit ihrem Gewissen handeln. Ich möchte nun auf ein« groß« Gefahr Hinweisen, die innerhalb dieses Einheitsverbandes besprochen werden muß. Diese Gefahr liegt darin, daß man an der Grundlage unseres Zusammenlebens rüttell. Ich selbst bin kein rabbinisch Berufener. Aber ich mach« darauf aufmerksam, daß einzelne Rabbiner bei Nichteinhaltung des jüdischen Ehegesetzes und Nichtwürdigung der ehegesetzlichen Vorschriften es dahin bringen werden, das Konnubium zwischen den deutschen Juden der einen Richtung und der anderen Richtung unmöglich zu machen. Ich weiß nicht, ob es allgemein bekannt ist, daß man sich in anderen Ländern gezwungen gesehen hat, Familienlisten anzulegen, aus denen sich ergibt, wo ein Konnubium möglich ist und wo nicht. Ich hoffe nicht, daß wir zu solchen Zuständen kommen, und ich hoffe, daß die Erwähnung dieser Gefahr Sie all« davon überzeugt, daß die Zusammengehörigkeit zu einem Einhellsverband und zu einer Einheit unter allen Umständen gewiss« Reserven auferlegt. Was wir nicht wünschen, ist das. daß in Zukunft in Deutschland der famlliär« Zufammenfchluß der Juden der «inen und der anderen Richtung unmöglich wird. Ich komme nun zu der Tätigkell des Verbandes und zur Notlage der Gemeinden. Ich darf darauf Hinweisen, daß es mir nicht richtig erscheint, wie dieser Not zurzeit beigekommen wird. Di« Not