Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 3 (24.3.1927)
- Date
- 1927-03-24
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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- 19 - schlossen«, vollkommen alleinstehend« Gemeinschaft, sondern daß st« da» find, waS man gemeinhin assimiliert nennt, daß ans sie alles abfärbt, was im deutschen Doll um sie herum geschieht. Di« Zer» fleifchung der deutschen Juden nehme ich nicht so schlimm. Herr Dr. Badt hat als Beispiel von seinen Kämpfen um sein« Ernennung zum Ministerialdirektor gesprochen. Ich muß gestehen, ich habe von diesen schweren Kämpfen -überhaupt nichts gewußt. Ich bin «in bescheidener Mann aus der Provinz, ich gehör« keiner politischen Partei an, ich weiß nicht, waS in der hohen Politik vorgeht, und bin, wenn Sie wollen, auf politischem Gebiet «in richtiger Am-hoor«z. LS war mir unbekannt, daß «in« derartige Ernennung zur Erwägung stand. Ich Hab« auch nichts gewußt von den Briefen, di« gegen di« Ernennung des Ministerialdirektors Badt geschrieben worden sind. Ich kann «S bedauern, daß sich noch Leut« finden, di« Briefe an den Minister deS Innern schreiben, um ihm zu sagen, daß ein ausgezeichneter verdienter Parteigenosse, der sich alS Beamter im hohen Maß« bewährt hat, nicht befördert wehren soll. Bon meinen liberalen Freunden ist keiner unter den Brieffchreibern gewesen. Herr Dr. Badt hat dies« Briefaffär« angeführt alS «in Beispiel, wie schlimm di« Ding« bei unS stehen. Er hat darauf hingewiesen, daß «S West« Kreise gebe, di« der Beförderung und Ernennung von jüdischen Beamten zionistischer Richtung nicht freundlich gegenüberstehen. Ich gehör« nicht zu chnen. Ich spreche Herrn Dr. Badt meinen Glückwunsch zu der hohen Stellung aus. Ich freue mich neidlos über jeden tüchtigen, aufrechten, charaktervollen Mann, dem es gelingt, als Jude «in« Stell« in Deutschland zu finden; und wenn gerade Zionisten derartig« hohe Stellungen erlangen, so stell« ich fest, daß die Aussicht für sie, raschestens Ministersessel in Palästina zu erhallen, nicht so in der Näh« liegt, daß sie nicht in der Zwischenzeit «in« Stell« in Deutschland annehmen. Das «in« aber muß ich feststellen, dies« ausgezeichneten Männer dienen unserer jüdischen Sach« nur dann, wenn fl« charaktervoll, tattvoll und zurückhaltend ihre Pflicht ausüben. Nach der Richtung hin muß ich sagen, daß «S mir wenig behagt hat, daß Herr Dr. Badt von den Berliner Wahlvorkommnissen gesprochen hat, die zu seiner amtlichen Kenntnis gekommen sind. Ich will über die Wahlding« nicht reden. Ich Hab« gehört, daß Wahlkämpfe nicht da« erfreulichste sind. Daß «S zu Wahlprotesten kommt, daß ein« Partei nicht gewillt ist, «inen Wahlschwindel, den sie für vorliegend hätt, zuzudecken, ist auch schon anderwärts vorgekommen: und wenn ein« andere Instanz nicht gegchen ist, muß man sich an die Ministerialinstanz Hallen, so lang« nicht das Wahlschiedsgericht Wirklichkett geworden ist, von dem Herr Dr. Badt gesprochen hat, ein Gedanke, mit dem ich sympathisier«. Wenn Herr Dr. Badt auf di« Einzelhetten diese- WcchlprotefteS, di« mich gar nicht interessieren, zu sprechen gekommen ist, und wenn er dabei von diesem und jenem Faktum gesprochen hat, so Hab« ich Zweifel» ob er daS Maß von Objektivttät besitzt, daS man in solchen Sachen als hoher Beamter haben soll, wenn «S sich um Fragen handell, bei denen die eigen« Partei am intensivsten beteiligt ist, und ich darf, nachdem Herr Dr. Badt sich auch in diesem Kreis mit den Einzelhetten der Sache beschäftigt hat, als unzweifelhaft feststellen, daß er amtlich mtt diesen Dingen nichts zu tun haben wird. .Ich habe diese Ding« hier nicht gern vorgebracht. Ich habe das auSgeführt, weil ich auS den Ausführungen des Herrn Dr. Badt gehört habe, daß er «in« schlimm« Zersplitterung, ja «in« Zerfleischung des Judentums sicht. Ich kann nicht feststellen, daß di« Besspiele, di« er anführte, für diese Behauptungen ausreichen. Er hat aber auch gesprochen von dem Kampf« für Deutschland und für deutsche« Wesen und von dem Kampf gegen den Zionismus. Er hat dabei ein« Reih« von Zeitungsausschnitten vorgelegt. Ich sammele keine ZeitungSauSschnttt«. Ich habe infolgedessen mtt auch kein« Zeitungsausschnitte mttgebracht. Ich glaub« ohne wettereS, daß in den Zeitungen daS gestanden hat, WaS Herr Dr. Badt zttiert hat. Aber meinen Sie, daß, wenn ich mir ein Archiv hätt« anlegen wollen, ich so unendlich viel Arbett gehabt hätt«, auS dem zionistischen Blätterwald und der Füll« der Reden, di« in Vollspa rteilichen Versammlungen gehalten werden, «in« Füll« von Dingen herauSzuftnden, die durchaus nicht geeignet find, den Frieden innerhalb d«S deutschen Judentums zu fördern? Sie dürfen nicht glauben, daß nur außerhalb Ihrer Mauern gesündigt wird. Sie st»llten doch auch die Erkenntnis haben, daß im Kampf und in der ZeitungSpolemik da und dort gefehlt wird, und daß «S falsch ist, sich darüber zu entrüsten und zu sagen, die anderen sind die, die den Frieden gestört haben. Gerade bei einer noch jungen Richtung im Judentum, wie es die vollSpartelliche Richtung sst, sst «S selbstverständlich, daß der Kampf für ihr« Ideen schärfst« Formen annimmt. Aber «faifowenig, wie Zionismus und DollSpartei sagen kann, daß st« das Judentum gepachtet haben, ebenso werden Gi« sich auch zufrieden geben müssen, daß auch ander» Richtungen innerhalb d«S Judentums vorhanden sind, di« den Kampf-für ihr« Ideale aufnehmen. St« dürfen nicht auf dem Standpunkt stehen, daß von zionistischen Blättern und Rednern gesagt werde» kann: „bi«« Kind, kein Engel ist so rein". Wir wollen auch hier nicht da« Kind mtt dem Badt auSschütten. E« sst viel gesprochen worden von der Selbstzerfleischung der deutschen Judentum«. Ich bin kein Pessimist, daß ich sie für vorliegend eracht«. Wenn man in bi« Vergangenheit sieht, weiß man, daß es im deutschen Judentum und im Judentum Eberhaupt immer Richtungen gegeben hat, di« einander bekämpft haben. Wir können un« nicht ohne wettereS unter einer Mark« «inordnen und müssen unS daran gewöhnen, daß da« Judentum groß genug ist, ein« ganz« Reih« von Richtungen in seiner Mitte zu dulden. Wir müssen aber Toleranz gegeneinander üben. Ich kann nicht finden, daß dieses Mal von gegensettiger Duldung auS den Ausführungen des Ministerialdirektors Badt so herausgeklungen hat, wie ich «S gewünscht hätte. Dr. Badt hat uns schließlich eine schön« Geschichte erzählt von einem Mann aus dem Lentralverein, der nach Palästina gegangen sst, dort alles außerordentlich schön gefunden hat und erklärt hat, er werd« sein« ganz« Ortsgruppe der Volkspartei» lichen Bewegung zuführen. Wolle Gott, daß in Palästtna alles so schön und wunderbar wäre. Aber dieses ein« Beispiel, das gegeben worden sst, das berechtigt doch wohl kaum zu der halben Hoffnung und halben Prophezeiung d«S Herrn Dr. Badt, daß wir «inst 99°A» unserer ' Glaubensgenossen in den Armen der BollSpartei werden sich liebend zusammenfinden sehen. Ich bin bescheiden und kein Prophet. Ich stch« nicht an, den Aufbau von Palästina nach vielen Richtungen hin zu begrüßen, wenn er sich nicht auf nationalistischer Grundlage vollzieht- Stärker als diese nationalistisch« Grundlage scheint mir di« Notwendigkett zu sein, daß das religiös« Judentum di« Suprematt« behält. Wir haben di« Zuversicht, daß innerhalb dieses religiösen Judentums auch die liberal« Idee Wetter ihren Platz finden wird, und daß von der liberalen Idee gesagt werden wird: iTniPJ fllölOtS ich werd« nicht sterben, nein^ ich hoff« zu leben. (Bravo bei den Liberalen.) Abg. Horovitz: M. D. u. H.l Auch dieses Mal war wie bei dem ersten DerbandStag di« Einleitung unserer Arbetten nicht erfteulich. LS scheint schon so zu sein, daß di« ersten Tag« des DerbandstageS in gewisser Beziehung dies atra« sind, jedenfalls Tage, auf denen di« Gegensätze aufeinanderplatzen und «in sachliches Arbetten aufS äußerst« gefährden. Hoffen wir, daß der all« Talmudgrundfatz wahr wird, der entsprechend dem deutschen Sprichwort: „Ende gut, alles gut" zum Ausdruck bringt: pNNX P"1HK — ,Jba& letzt« ist das best« und geliebte". Nachdem der Redner der Liberalen Fraktion auch heut« wieder und auch im Verlauf unserer Verhandlungen di« Sprache auf das gebracht hat, WaS gestern di« Gemüter «rregt und auseinandergeführt hat, so möchte ich betonen, daß, so wenig «» mir liegt, auf vergangen« Ding« zurückzukommen, die Anlässe, di« zu der gestrigen häßlichen EingangSphaf« unserer Verhandlungen geführt haben, unS für all« Jetten erspart werden müssen, und daß es auch heut« noch Zeit gewesen wäre, «ine Befriedigung herbeizuführen. Es sst traurig, daß das nicht geschehen ist, und daß «S unS nicht gelungen ist, wenigstens am zwetten Tag« ohne jede Divergenz in dieser Richtung auSzukommen. M. D. u. tz.l Wir haben unS mtt dem TättgkeitSbericht des RateS zu befassen. Ich stimm« in allen Puntten mtt der Krttik überein, di« der Vertreter der Liberalen Fraktion in maßvoller Weis« über «ine Reih« von Puntten der Dorbereitung der Tagung und der Führung unftrer Arbetten zum Ausdruck gebracht hat. Wir sind der Ansicht, daß «S zu den internen Differenzen nicht hätte kommen dürfen, di« «in ruhiges Arbetten der Ausschüsse und des Ständigen Ausschusses verhindert haben. Wir glauben, daß in anderen Gremien, in denen nicht persönliche Ettellett ein« sokh« Rolle zu spielen scheint, wie bei uns, «in« schnellere Abfeilung solcher persönlichen Spitzen und Schärfen möglich gewesen wäre. Wir wollenaber bei dieser Gelegenheit und nachdem unS heut« auS dem Mund« des liberalen Fraktionsredners mageteill worden ist, daß Dr.. Freund voraussichtlich aus seinem Amtes'der Geschäftsführung auSscheidet, nicht unterlassen, zu sagen, daß-wir nicht nur sein« Sachkenntnis und Arbeitskraft, sondern auch das ungeheure Maß von Erfolg anerkennen, das seiner Arbett beschieden war, in der Hoffnung, daß di« Mitarbeit von Herrn Dr. Freund dem Engeren Rat erhallen bleibt. Wir können nicht anders als unumwunden die Meinung aus sprechen, daß er sich unvergänglich« Verdienste um di« Arbeiten und daS Gedeihen des Preußischen Landesverbandes erworben hat. (Bravo.) Wenn ich «inen speziellen Wunsch noch auS sprechen darf zur Verteilung der Dezernat«, so möchte ich im Namen meiner Fraktion sagen, daß «S uns nicht angchracht erscheint, daß die allgemeinen Fragen d«S Kultus und AnterrichtS dauernd von einer liberalen Stttl«, und allein von chr behandelt werden. Segen di« Objek-