Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 3 (24.3.1927)
- Date
- 1927-03-24
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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- 12 - »naß«» «in« schön« Blüte am Baum« uns«r«r Hoffnungen. Wir hatten «inen Etat, der 1 >68000 Mark vorsah, und wenn Si« dem-!l«g«nüber di« Ist-Zahl mit 578000 Mark sich vor Aug«n halten, o «erden Si« s«h«n, daß, hier ofs«nbar «in Reif in d«r FrühlingSnacht gefallen ist, und haß f«hr viel« schön« Blüt«n danächst« Sonnenlicht nicht mehr «rblickt haben. Ls bliesen ja auch in der Lat sehr widrig« Winds aud«r Richtung der Gemeindekasfen sowi« auder Richtung der Regierung h«r. Ls war daher notwendig, di« stolzen Daran schläg« mit den tatsächlichen Mitteln in Linklang zu bringen. Der Voranschlag für diese- Etatjahr bedeutet in gewissem Sinn« «in« Abkehr audem Reich« der Lyrik in da- Lebtet der rauhen Wirklichkeit hinein. Di« Zahlen sind jetzt nicht mehr so stolz wie im vorigen Jahr«, aber dafür haben wir di« Au-stcht, daß sie erfüllbar sind. Immerhin sind sie recht ansehnlich, «eil sie, gemessen an den realen Ziffern de« vorigen Jahre-, doch «in« beträchtlich« Erhöhung aufweisen. Ich darf darauf Hinweisen, daß di« Subventionen an Gemeinden von 222000 Mark auf 324 000 Mark gestiegen sind, daß zum ersten Mal« der neu« Posten für di« Bezirk-rabbinat«, dotiert mit 50 000 Mark, erscheint. Ich darf daran erinnern, daß wir di« Ausgaben für di« theologischen BildungSanstalten von 82 500 Mark auf 150000 Mark erhöht haben, so daß wir di« bisherige unwürdig« Lag« dieser Institut« in dem kommenden Jahr« als beseitigt werden ansehen können. Als neu« Position erscheint zum ersten Mal« der Posten für Lthrerbildungsanstalten in Höhe von 10 000 Mark. Erhöht wurden di« Beihilfen für wissenschaftlich« Arbeiten von 500 Mark auf 20 000 Mark, wobei in erster Linie «in« Subvention für «in großejüdisches Sammelwerk in Frag« kommt. Di« Position für Wohlfahrt-Zweck« ist von 40000 Mark auf 100000 Mark, di« Subventionen für wissenschaftlich« Institut« von 7000 auf 33 000 Mark, also fast um da- Fünffach« erhöht worden. Dies« recht ansehnlichen Steigerungen werden es zweifellos ermöglichen, daß auf all diesen Gebieten mehr als bisher dir vorhandene» ,Wünsch« des Judentumberücksichtigt werden können. Ferner sind noch einig« kleiner« Positionen neu. Erstens einmal «in« Beihilfe für besonder« rituell« Zweck« in Höh« von 10 000 Mark, dann Beiträge zum Reich-verband in Höhe von 15 000'Mark. Das letzter« ist natürlich nur ein« Erinnerungsposition; denn Sie werden nicht annehmen, daß man mit dieser Summ« in der Lag« ist, den Reich-verband wirklich zu alimentieren. Der Etat umfaßt diese- Mal «in« zweijährig« Periode, so daß wir in größerem Maße mit unvorhergesehenen Ausgaben zu rechnen haben, di« daher im Boranschlag von 3000 Mark auf 55 000 Mark erhöht worden sind. Alles in allem weist dieser Etat Ausgaben in höhe von 016000 Mark auf. Das bedeutet gegenüber dem Dorjahresabschluß in höhe von 570 000 Mark ein« Vermehrung um etwa 60°k>, also immerhin ein« nicht unbeträchtlich« Mehrleistung. Zum Schluß möchte ich noch etwaüber «in« Position sagen, di« ja immer besonderzu interessieren pflegt, das sind die Derwattungskosten. Diese haben sich naturgemäß gesteigert. Nachdem der Landesverband anfängt, wirklich zu arbeiten, kann er natürlicb nicht mit dem ursprünglichen Apparat au-kommen, der für die kleineren Arbeite» im Entwicklungsstadium berechnet war. Di« Koste« sind demgemäß von 45 000 auf 80000 Mark gestiegen. Ebenso sind für Derbandstag und Rat 32000 Mark anstatt 18 000 Mark vorgesehen. Das ist im wesentlichen das, was ich Ihnen in bezug auf di« Ausgaben zu sagen Hab«. Die Einnahmen sind so basiert, daß wir hoffen, sie auch wirklich hereinzubekommen. Wir hatten im vorigen Jahr« di« Grmeindebeiträg« mit einem Soll von 858000 Mark veranschlagst, di« Istzahl betrug aber demgegenüber nur 275 000 Mark. Dieses Mal haben wir «in Soll von 340 000 Mark im Voranschlag, und wir zweifeln nicht daran, daß dieser Betrag auch wirklich hereingeholt werden wird. Der Etat ist mit einiger Vorsicht aufgestellt. Er wird zweifellos nicht bi« Befriedigung aller Wünsch« gewährleisten, er wird aber immerhin rin« handhab« dazu bieten, daß wir mehr leisten wie im letzten Jahr« und daß, wenn di« finanziell« Leistungsfähigkeit der Gemeinden wächst, wir allmählich auch zu einer stärkeren Inanspruchnahme der Gemeinden und damit auch zu einer Er» Weiterung unseres Tätigkeitsgebietes kommen werden. Präsident Sonnenfeld gibt sodann folgend« eingegangene Anträge berannt: 1. Antrag der Konservativen Partei: Seitendes Preußischen Landesverbandes soll dahi» gewirkt werben, daß in allen geeigneten Fällen «in« Fühlungnahme wegen gemeinsamer Arbeit mit dem Bund gesetzestreuer Gemeinden in tzalberstadt stattfindet. Insbesondere sollen Gemeinde», di« beiden Verbänden angehören, Subventionen nur nach gegensiritiger Fühlungnahme erhalten. 1 Antrag der Konservative» Partei: Di« Konservativ« Fraktion stellt an de« Verbandstag den Antrag, di« Bildung von Lehrer¬ und Rabbinerbezirken zu beschleunigen, um di« Versorgung einzelner leistung-schwacher, kleinen und kleinsten Gemeinden mit Unterricht und Seelsorge sicherzustellen. 3. Antrag der Konservativen Partei: Di« Konservativ« Fraktion bittet den Preußischen Landesverband, mit aller Beschleunigung di« beabsichtigt« Gründung der Schochtim-Schule mit größtem Nachdruck zu fördern, da sich erheblich« Mißständ« in der Au«bild«ng dieser wichtigen Kultusbeamten und im Schächtwesen herausgestellt haben und «in erheblicher Mangel an geeignelen Kräften vor- Händen ist. Antrag der Liberalen Fraktion betreffend seelsorgerisch« Tätigkest in Irrenanstatten: Wir beantragen, unfern folgenden Antrag auf die Tagesordnung des kommenden DerbandStages zu setzen: Es hat sich gezeigt, daß die seelsorgerisch« Betreuung der in Irrenanstatten und anderen öffentlichen Anstatten auf dem Land« untergebrachten Glaubensgenossen «in« unzureichenb« ist. Zum Teil ist nicht einmal für di« Bestattung in derartigen Anstatten verstvrbener Juden auf einem jüdischen Friedhof gesorgt. Der Rat wolle Feststellungen darüber treffen, in welchen derartigen Anstatten regelmäßig Juden untergebracht sind, und Vorkehrungen für di« Seelsorge und Bestattung derselben herbeiführen. Antrag der Liberalen Fraktion zu Puntt 4 zum Nachtrag der Tagesordnung: Di« Ausbildung jüdischer Gewerbelehrerinnen und anderer hauswirtschastlicher Beruf« ist für di« Erziehung unserer jüdischen Mädchen eine dringende Notwendigkett geworden. Der jüdisch« Frauenbund will in Rheydt ein Mädchen-Wohnheim «inrichten, damtt schulentlassenen jüdischen Mädchen Gelegenheit geboten wird, di« dort bestehend« Staatlich« Handels- und Gewerbeschule zu besuchen,!di« «ine gründlich« Ausbildung und Vorbildung für viel« Beruf« vermittelt. Ein« Haushaltung-schul« ist angeschlossen, ebenso eine höher« Handelsschule, so daß es wünschenswert ist, auch jüdischen Mädchen durch Schaffung von Wohngelegenheit und Ergänzung dev ^Ausbildung in religiösen und rituellen Dingen - den Besuch dieser Schule möglich zu machen. Um di« Ausführung dieses Planezu sichern, stellen wir an den Landesverband den Antrag, «in« einmalig« Beihilfe von 2500 Mark zu gewähren. Di« Möglichkeit dieser Ausbildung würde allen in Preußen wohnenden Famllien zugute kommen, besonderden in kleineren Plätzen Wohnende»», die nicht wissen, wie sie ihren Töchtern «in« Ausbildung geben können. Wir bitten diesen Antrag zu unterstützen, der «men» schon lang« fühlbaren Mangel an Gewerbelehrerinnen und Anstalt-beamtinnen, die vorgebildet sind, abhelfen soll. (15 Unterschriften.) Außerdem liegt ein Antrag der Jüdischen Dollspartei vor, 6000 Mark in den Etat «inzustellen für Lehrerausbildung und 3000 Mark für Arbeiter-Kultur-Dereine der j»wischen Arbeiter in Preußen. Antrag der Konservativen Fraftion: Der Preußisch« Landesverband jüdischer Gemeinden wolle den Verband der jüdischen Iugendvereine Deutschlands, Sitz Düsseldorf, mit 3000 Mark jährlich sirbventionieren. Veranlassung zu diesem Antrag gibt die Tatsache, daß die jüdisch« Jugend, besonders in den ländlichen Bezirken, in völliger Unkenntnä jüdischer Kutturwett heranwächst, und den Zusammenhang mtt einem jüdischen Milieu und ganz speziell mit der jüdischen Allgemestrhett verloren hat. Wenn hier nicht baldige Abhilfe erfolgt, ist ernstlich zu befürchten, daß diese jüdisch« Jugend der jüdischen Gesamtheit verloren geht. Abg.,Dr. Badt: M. D. u. H.k Es ist nicht ganz leicht für mich, in dieser vorgerückten Stund« und in dieser Stimmung d«S OWT mJB' als erster Redner in der Generaldebatte das Wort zu ergreifen. Ich bin Ihnen aber doch sehr dankbar, daß Sie mir überhast di« Gelegenheit hierzu gegeben haben. Als wir uns daS letzt« Mal vor 1'/, Jahren trennten, hatten wir den Rat und den Verband in den Sattel gesetzt; jetzt handelt es sich für uns darum, Kritik zu üben an dem Retten und der Zügelführung der letzten 1»/, Jahr«. Diese Krttik soll durchaus frei» müttg sein, aber getragen vom Seist« der Bersöhnlichkett. Pergegenwärtigen wir uns zunächst noch einmal die Aufgabe»», di« wir damals dem Verband stellten, die der Verband sich selbst steltt«. ES waren drei Hauptaufgaben: Der Ausbau der Verbands» organisation und die Erweiterung des Verband«- zum Reich-verband; die Vertretung dem Staat und seinen Behörden gegenüber, di« gipfeln sollt« in der Schaffung «ine- IudengefetzeS; endlich di« dritte und vielleicht wichttgst« Aufgabe: die Hebung d«S jüdischen Semeindelebens, Erweckung und Belebung des religiösen Gefühls, Schaffung eine« besonderen Zusammengehörigkeitsgefühls und Derantwortungsbewußtseins aller jüdischen Gemeinden in Preußen. Wie ist der Verband diesen drei Aufgaben gerecht geworden» Wa» di« Derbandsorganifation betrifft, so hat Herr Dr. Freund di« Kritik in einem Punft« vorweg genommen. Er hat gesagt, wir werden