Mannheim
Compact Memory

Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-03-24 · 3 (24.3.1927) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
3 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3980048-10021561-10021552--192-3980212
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 11 - insgesamt 388 Gemeinden bisher vorliegen. Aus ihnen ergibt sich. bü& 25 Gemeinden mit rin« Kultussteuer von wenig« al» 10'/, 51 . m 9 m 11-15% 59 ' * m m 16-20% 114 * m m 24-80% 46 * m m 81-40% 88 m m 41-50% 65 , . m . über 50% des ReichSetnkvmmensteuersolls belastet sind. Wenn ich nun mittell«, daß das KultrlSministerium zugibt, daß im allgemedren «in« Belastung von über 10»/» unerwünscht ist, so werden Sie ersehen, daß im Großen und Ganzen «in« beträchtlich« Ueberbelastung der Gemeinden vorliegt. Wie es ungelingen wird, aus diesen Derhältnissen herauszukommen, muß di« Zukunst lehren. M. D. u. h., ich bin damtt am Schluss« angelangt nicht dessen, was ich Ihnen zu sagen wünscht«, sondern dessen, waS nach Maßgab« der zur Verfügung stehenden Jett hier vorzutragen möglich war. Das Bild, daS ich Ihnen entworfen Hab«, ist alles ander« als ein rosiges, und wenn ich den Blick aus der Vergangenheit auf die Zukunft richte, dann knüpf« ich dabei an hi« schönen Worte, di« Herr Rabbiner Dr. tzorovitz uns zur Eröffnung der Tagung gesagt hat. Er erinnert« uns an das Ehannukkah-Fest, das vor der Türe steht. Das Prvphetenwort, das auch «in symbolisches Wort für Ehannukkah ist, lautet: „Um di« Abendzest, da wird «S Licht werden". Dieses Wort kft der Wunsch und di« Hoffnung, di« wir der Arbeit d«S Landesverbandes für daS kommende Jahr mitgeben. Wir wissen, daß es Abend um unS ist. Wir wissen, daß wir heute daS schwerste Dunkel auf dem preußischen Judentum lasten sehen. Aber wir Juden sind nicht umsonst di« Optimisten der Weltgeschichte. Wir werden di« Hoffnung auch jetzt nicht fahren lassen. Wir sind überzeugt, daß, wenn «S auch jetzt Nacht ist, «S wieder Licht wird, und daß dieses Licht, daS Licht der gemeinsamen Arbeit, das Licht der Zusammenfassung der Kräfte in unseren eigenen Reihen von Tag zu Tag stärker werden und uns hineinleuchten wird in «in« Zukunft, di« hoffentlich besser sein wird, als unser« Gegenwart. (Lebhafter Bestall.) Präsident Sonnenfeld: Ich dank« Herrn Dr. Freund für den Bericht, und ich glaub« ihm auch ohne jeden Beigeschmack dafür danken zu sollen, daß er es trotz der Füll« des Stoffs verstanden hat, sich kürzer zu fassen, als vielleicht in seinem ursprünglichen Plan gelegen hat. Ich Hab« ein« Anregung d«S Ratemitzuteilen, di« dahin gcht, daß wir nicht sofort in di« Debatte über Punkt 2 «intreten, sondern daß wir noch Punft S und 4 beraten, und dann erst «in« gemeinsam« Debatte stattfinden lassen. Ich habe gewiss« Bedenken dagegen, daß wir auch Punkt 4, nämlich den Etat, mtt zusammenfassen mtt den beiden anderen Punkten, well nach der Geschäftsordnung der Etat zwei Lesungen erfordert, während für di« beiden anderen Punkt« nur «in« Lesung notwendig ist. Ein« Entscheidung ist in diesem Punkt nicht notwendig, well wtt zunächst, wenn kein Widerspruch laut wird, den Rat um Bericht zu Punkt 3 bitten und dann prüfen werden, ob der Abend nicht zu wett vorgeschrttten ist. Punkt 3: RechnungSabfchlnß für da» Jahr 1923-19«. SalewSkl, Mttglied des Rats: M. D. u. h.l In Ihren Händen befindet sich der gedruckt« Rechnungsabschluß für 1925 und 1926. Sie haben auch «inen kleinen Bericht erhallen, auS dem Sie daS Notwendig« als Erläuterung zu entnehmen belieben. "Ich kann mich kurz fassen und werde mich insbesondere dahin resümieren, daß ich möglichst wenig« Zahlen bring«, damtt Sie nicht zuviel mtt trockenen Zahlen belastet werden. Als wir vor IV* Jahren den Voranschlag für das erst« Etatjahr unseres Preußischen Landesverband«» Ihnen vorgelegt haben, haben wir un» in erster Reih« nur auf Schätzungen berufen können. Es Handelle sich hauptsächlich darum, Ihne« Zahlen geben zu können, di« auf gewissenhaften Schätzungen aufgSaut trnpen. Wtt hatten da hei die Leistung! fähigkett der un» angeschloffenen großen und mittleren Gemeinden berechnet und angenommen, daß der von Ihnen beschlossen« Beitrag von Vio0A> des Einkommensteuersolls mehr als V, Million Mark wird auftringen können. Wtt sind damals zu optimistisch gewesen. Wir wissen, daß 1925 eines der schlechtesten Geschäftsjahr« gewesen ist, das unser Land betroffen hat. Wtt wissen, daß das Jahr 1925 «in Jahr ungewöhullch tiefgehender Krisen für all« Zweig« unserer Wirtschaft gewesen ist, insbesondere sind Handel und Industrie, Handwerk und ftei« Beruf« schwer davon bettoffen worden, so daß Taufend« von Glaubensgenossen kaum da« Notwendigste zum Leben hatten. Stt ) find um so schwerer davon betroffen-worden, nachdem chnen auch der Spargroschen durch Krieg, Inflation und später« Stabilisierung vrrlorengegangen war. Unser« Gemeinden, auch di« größten und «inst reichsten, mußten zum Schuldenmachen greifen. Sie mußten Darlehen ausnchmen, um di« dringlichsten Aufgaben erfüllen zu könue». Was Wunder, wenn da auch di« Beiträge zum Landesverband sehr spärlich eingegangen sind. AIS Illustration für di« damalig« Lag« möchte ich Ihnen den Brief einer großen Gemeinde, der mtt gestern in dtt Hände gefallen ist, vorlesen. Am 13. Dezember 1925, vor etwa 11 Monaten, schrieb di« groß« Gemeind«, daß chr die Zahlung von 6250 Mark Beitrag zum Landesverband nicht möglich sei, da ihr« Finanzlage nicht di« geringste Zahlung eines Beitrages zuläßt. „Wtt sind," so heißt es in dem Brief Wetter, „in so schwerer finanzieller Bedrängnis, daß wir ttotz der verzweifetten Wirtschaftslage unserer Gemeindemttglieder in der Repräsentantenversammlung die Bewilligung eines fünften Steuervierteljahres beanttagen müssen. Wtt sind aller flüssigen Mittel bar und müssen die notwendigen Gelder für Besoldungen usto. auf Bankkredit nehmen." Dttser Bescheid mag genügen, um zu zeigen, Daß wtt mit diesen kleinen Beiträgen werden auSkommen müssen. Auch unser« Hoffnung auf größer« Staatsbeihllfen ist nicht erfüllt worden. Dies« Angelegenhett ist ja soeben von Herrn Dr. Freund ausführlich bchandell worden. Don den 495000 Mark, auf di« wir gerechnet hatten, sind nur 204 000 Mark «ingegangen. Wtt haben diesen Betrag, wie vorgeschrieben, zur Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden, zur: Aufrechterhaltung des Religionsunterrichts usw. verwendet. Wir sind nicht in der Lag«, im ersten Jahr« des BestchenS unseres Perbandes mtt gleichen Zahlen aufwarten zu können. Wtt mußten unsere Ausgaben nach unseren Einnahmen bemessen. Dtt Ihnen vorlttgenden, auf dem Ausgabekonto verbuchten Zahlen sind sehr bescheiden geblieben und wett hinter den angesetzten Beträgen zurückgeblieben. Ich versag« es mtt, httr auf Einzelheiten einzugehen. Wenn wtt auch auf materiellem Gebiet scheinbar sehr wenig Erfolg« zu verzeichnen hatten, so glauben wtt doch auf ideellem Gebiet außerordentliches erreicht zu haben. Es gibt endlich in Preußen «in« Stell«, an dtt sich dtt uns angeschlossenen etwa 690 Gemeinden in ihren Röten wenden können, sei es, daß sie hilf« oder Auskunft auf ttgendetnem Gehiet von uns brauchen. Sie wenden sich immer verttauensvoll an «nS» und dieses Derttauen hat sich zu einem Fluidum zwischen den Gemeinden und dem Landesverband entwickelt. Ich hoff«, daß sich das auch wetterhin bewahren wird. Noch stärker hat sich das Vertrauensverhältnis zwischen der Verbandsleitung und den Beamten unserer Gemettrden ausgeprägt. Eine groß« Anzahl von Briefen gibt davon Kenntnis. Es sind «ine Meng« Forderungen an uns herangetreten; nach Möglichkett haben wtt geholfen. Es war uns ab« nicht möglich, all« Wünsch« und Forderungen zu befriedigen, ab« man wird uns di« Anerkennung nicht v«sag«n können, daß wtt nach bestem Wissen und Gewissen jede einzeln« Forderung geprüft und erledigt haben. Ein« neue, kompliziert« Maschine pflegt im Anfang nicht in allen Tellen gut zu funktionttren. Auch unser Landesverband hat an Hemmungen und Widerständen allerhand zu überwinden gehabt. Wtt hoffen, daß auch bi« Zett kommen wird» wo wtt all« Wünsch« und Forderungen, di« an uns herantreten, erfüllen können. ES wird wohl alleS in allem zugegeben werden können, daß der Landesverband im ersten Jahr seines BestchenS auf materieüem und ideellem Gebiet all«hand geleistet hat, und wtt freuen uns, feststellen zu können, daß d« all« jüdisch« Gedanke sich zu bewähren beginnt. Ein alles jüdisches theologisches Wort hetzt: „Ganz Israel hat «inzustehen, der «in« für den and«n". Wtt sehen» wtt dtt großen und'finanziell stärkeren Gemeinden für di« schwachen eintreten, und können das als «in gutes Zeichen für unfern Verband anschen. Möge der Landesverband auf dem betretenen Gebttt wett« schretten zum Segen uns«« Gemeinschaft! Präsident: Ich habe zu diesem Punft d« Tagesordnung noch folgendes zu bemerken: Der Bericht zum Etat enthält «in« Vorlage» dtt den Etat für zwei Jahr« v«lä»g«rt. Da» verstößt an sich gegen dtt gegenwärtig« Verfassung. Es wird angestrebt, dtt Verfassung in dttser Richtung zu ändern. Vorläufig stt sie ab« nicht geändert. LS könnten daher Zweifel «ntstchen, ob ich überhaupt befugt bin, üb« einen derartigen Antrag debattieren zu lassen. Ich glaube, wtt werden uns darüber in der Form verständige« können, daß wtt nur di« Abstimmung über den zweijährigen Etat nicht zulasten und erklären: Auf der Grundlage des zweijährigen Vorschlag«» erteittn wtt di« BewMgungen für «in Jahr. Lin« Abstimmung üb«. das zweit« Geschäftsjahr vornehmen zu lassen, würde sch allerdings nicht in d« Lag« sein. DaS Wort zu Punft 4 der Tagesordnung: „Etat fftt 1928-1927 »utz 1927*1928" erhält sodann als Berichterstatter KareSki, Mttglied b«S Rats: M. D. u. tz.! Ich kann mich kurz fasten, zumal Ihnen di« Vorlage im Druck vorliegt und ich mich auf einig« «läuternd« Bemerkungenbeschränken darf. ZuM zweite» Matt wird Ihnen «in Voranschlag für den Landesverband vorgettgt. DaS «st« Mal, im vorigen Jahr«, war «S gewiss«-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.