Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 3 (24.3.1927)
- Date
- 1927-03-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 i» Erscheinung zu treten, um bet der Sach« mttzuwirken. Technisch ist di« Sach« bISdstnntg. Der Referent schlägt di« Entscheidung vor, und der Direktor und Abteilungsleiter muß st« gegenzeichnen. Er kann dann dem Minister sagen, daß «S ihm sehr schwer sei, gegenzuzeichnen, aber soweit war di« Sach« ja noch nicht. Di« Stellungnahme von Herrn Dr. Badt kennen wir nicht. Er hätte dt« Sach« erfahrungsgemäß und nach Recht entschieden. Nachdem unser Präsident dies« Unklugheit begangen hat, haben wir von der Mittel- Partei daS Vertrauen zu ihm verloren. Nicht, daß er heut« nicht technisch imstande wäre, dies« Versammlung zu leiten. Schon di« wenigen Probe« zeigen, daß er das sehr gut kann. Aber wir Wersen ihm noch «in zweites vor: Wir haben chm vorgeworfen, daß er unwahr gewesen ist. Er hat stch in der Sitzung damit verteidigt, daß er in der Schnelligkeit d«S Gesprächs nicht 'ganz verstanden hat, waS er gefragt worden war. DaS mag auch sein, und ich möchte chm den Dorwurf einer bewußten Unwahrheit nicht machen, aber den Dorwurf der Ungenauigkeit; und wem man heut« Angenauigkeit und Unklughett vorwerfen muß, den darf man bitten, fLr diese» Jahr zurückzutreten. Di« Mehrheit wird jetzt entscheiden, aber ich bitte Sie, ohne jede Leiden schaftlichkett zu entscheiden. Wir hielten «S für nötig, Herrn Sonnenfell» für dieses Mal zum Rücktritt zu bitten. Herr Sonnenfeld sagt, dies stände nicht in seiner Macht, da chn nur di« Partei entbinden kann. Entbinden St« daher den Präschenten von seiner Pflicht! Ein Antrag d«S Abg. Woyda auf Schluß der Debatte wird ohne Dchatt« angenommen. ES folgt die Abstimmung über den Mißtrauensantrag der Jüdischen Bolkspartei, wozu namentlich« Abstimmung beantragt ist. Jur Abstimmung erhält der Abg. Dr. Löwe das Wort und «ttklärt: „Ich find« «S unerhört, daß derjenige, über den zu Gericht geseflen wird, im Richteramt« präsidiert.'^ Der Präsident unterbricht den Redner und macht darauf aufmerksam, daß zwar zur Abstimmung gesprochen werden dürfe, nicht aber zu der Frag«, wer die Versammlung bis zur Abstimmung leitet. Präsident Sonnenfeld: Der Vortrag von Herrn Dr. Kollenscher ist nicht zur Geschäftsordnung gewesen. Ich wäre energisch etngeschrttten, wenn «S sich nicht um meine Person gehandelt hätte. Di« Herren, di« zum Präsidium gehören, lad« ich noch einmal «in, hier Platz zu nehmen. Die Einladung wendet sich an di« Vizepräsidenten wie an di« Beisitzer. Da der Einladung kein« Folg« gegeben wird, wird Kommerzienrat Hamburger weiter als Beisitzer tättg sein. Wir kommen jetzt zur Tagesordnung. Punkt 2: Tätigkeitsbericht de» RatS. Dr. Freund (Berlin), Mitglied deS RateS: M. f. g. D. u. tz.l Ich möchte mir gestatten, nach den bisherigen Verhandlungen, die ja dem eigentlichen Segenstande unseres Tagesordnung nichb galten, Ihr« Aufmerksamkeit zu erbitten für dasjenige, waS in Ergänzung Ix» schriftlich erstatteten Berichtes der Rat über sein« Tätigkeit fett der letzten DerbaadStagnng Ihnen zu unterbreiten hat. Die Tättgkett d«S RateS während dieser Jett wird in erster Rech« bestimmt durch die Tatsache, daß dt« BerichtSperiod« di« erst« ist, di« seit der Konstituierung der Organe d«S Landesverbandes aufzuzeigen ist. ES liegt in der Natur der Ding«, daß in diesem ersten Jahr« di« Tättgkett, soweit st« nach außen geht und auf produktiv« Arbett gerichtet ist, nicht im gleichen Maß« vorwärtsgekommen ist und vorwärtSkommen konnte, als «S vielleicht früher der Fall war und als «S später unter normalen Verhältnissen hoffentlich der Fall sein wird. Jedes neu« Instrument muß Jett haben, um sich «inzuspielen, und «S liegt in der Natur der Ding«, daß in einer Organisation, di« in erheblichem Maße sich gebildet hat nach dem Vorbild parlamentarischer Einrichtungen, di« aber nicht in Permanenz arbeitet, sondern di« nur verhältnismäßig setten chre Organe zusammentreten lassen kann, di« zudem durch den Umstand behindert werden, daß''di« Mitglieder aus allen Teilen des Landes "stammen, und daß «S sich um Persönlichketten handelt, dt« durch di« Bindungen des Berufes und vieler Ehrenämter nur in beschränktem Maße über Jett verfügen, — ich sage, «S liegt in der Natur der Dinge, daß unter allen diesen Umständen Arbeitstempo und Arbeitsleistung wesentlichen Beschränkungen unterliegen müssen. Zudem mußten verschiedene Einrichtungen, di« theoretisch geschaffen waren, stch erst in der Praxis bewähren, und wir haben im Lauf« dieser Zett Erfahrungen mancherlei Art gesammelt, di« sich vielleicht erst in der Zukunft auSwirken werden. Jedenfalls hat all daS zusammen dazu beigetragen, daß der Rat selbst die Sesamthett der Arbeiten, di« das Berichtsjahr aufweist, nicht so hoch «imschätzt, wie er selbst gewünscht hätte, daß di« Tätigkeit d«S Landesverbandes bisher gewesen wäre. Wenn ich mm zunächst den äußeren Rahmen kurz skizzieren soll, ) so hat die Entwicklung d«S Landesverbandes, fowett «» ftth um die Vermehrung seiner Mttglieder handett, nahezu «inen Stillstand erfahre«. AlS der VerbandStag das letzt« Mal zufammengetreten war, batte» wir 087 Gemeinde», di« dem Verband« angeschlossen waren. Iu der Berichtszett sind Wetter« 33 Gemeinden hinzugekommeu, so daß der Verband heute SSO Gemeinden zähll. Wenn wir hin zurechnen, daß etwa SO Gemeinden de« halberftädter Perband«, dem zweiten in Preußen bestehenden Verband«, angchören, so ergibt sich, daß insgesamt 780 preußische Gemeinden organisiert sind. Da di« Gesamtzahl der jüdischen Gemeinden in Preuße» auf rund SSO zu veranschlagen ist, so ergibt sich, daß 170 Gemeinden keinem der beide» Verbände angchören. Air intensiver Arbeit, auch dies« noch draußenstehenden Gemeinden in unseren Landesverband hineinzubekommen, hat «S nicht gefchtt. Wenn eS bisher nicht gelungen ist, et» besseres Ergebnis zu erzielen, so liegt daS an mannigfachen Gründen, di« ich in dem schriftlichen Bericht dargelegt hob« und auf di« ich in meinem mündliche» Bericht, den ich so knapp wie möglich halten möchte, nicht näher ein gehen will. Di« Frag«, wie diese 170 Gemeinden der Organisation zugeführt werden können, ist eine außerordentlich ernste, vor allem deshalb, well «S sich dabei in der Hauptsache um klein« und kleinste Zwerggemeinden handett. lieber ISO dieser Gemeinden haben «in« Seelenzahl von weniger alS 100, und wtt all« wisten, baß dies« Gemeinden, wenn st« auf sich selbst gestellt bleiben, nicht leben, nur sterben können. LineS der wichtigsten Problem« des deutschen Judentums ist deshalb di« Aufgabe, diesen ISO kleinen Gemeinden Existenzgrundlagen zu schaffen. Wenn st« freiwillig nicht hineingehen wollen in Verhältnisse, die ihnen chren Bestand verbürgen, dann wird man über di« Maßnahmen beraten müssen, di« diese Gemeinden gegebenenfalls wider ihren Willen sich selbst und dem Judentum «rhatten. M. D. u. tz.! Wenn durch di« inner« Arbett, durch di« Notwendigkett der Konsolidierung d«S LandeSverbandeS nicht immer die produktive Tättgkett dasjenige Ergebnis gezettigt hat, daS wir all« wünschen, so muß auf der anderen, Sette doch festgestellt werden, daß di« Summe der Arbett, di« de«' Rat« und seinem Büro erwachsen ist, in dem Berichtsjahr« gegenüber der Vergangenhett ganz wesentlich angewachsen ist. Wenn ich daran erinnere, daß rund 14000 Eingänge in dieser Zett zu bearbetten waren, daß «ine Füll« von Sitzungen nebst der unausbleibliche» Meng« von Arbett, di« damit verbunden ist, zu diesen Eingängen hinzukamen, so werden Sie begreifen,, daß di« Arbeitsleistung ein« ganz ungeheuer« gewesen ist, und es darf festgestellt werden, daß «S dem Büro nur unter letzter Hingabe aller Kraft möglich gewesen ist, die Arbeiten sowett zu bewältigen, wie dieses geschehen ist. Der Ausbau» den di« Organisatton des Verband«- erfahren hat, bezieht stch einmal aus di« Konstituierung des RateS und zum zwetten auf die Einrichtung und Konstituierung der Ausschüsse. WaS die Organisation des RateS betrifft, so hat dieser, sich nach Maßgabe der Verfassung di« Geschäftsordnung gegeben; er hat den Engeren Rat gebildet und er ist alS Engerer Rat und als Großer Rat ja Beratungen zufammengetreten in dem Ausmaß«, wie «S im schriftliche« Bericht dargelegt wird. ES ist dann, well im Engeren Rat« «in« Reih« von Mttglieder» sitzen, di« nicht in Berlin chren Wohnsitz haben, und «S schlechterdings unmöglich ist, diesen auswärtigen Mitgliedern häufigere Sitzungen in der Reichshauptstadt zuzumuten, di« Arbett de» Engeren Ratein «in« Reih« selbständiger Dezernat« aufgelöst worden, die unter di« Berliner Mttglieder de» Engeren RateS verteilt wurden. Diese Berliner Dezernenten habe« alS freie» Kollegium sich zusammengeschlossen, daS, ohne formal« Beschlüsfe fasten zu können, die wichtigsten Angelegenheiten der laufenden Arbeiten in zwangloser Aussprache erledigt. ES wird zu prüfen sein, ob nicht ein« Umgestaltung der Verfassung im Sinn« der Vermeidung einer Ueberorganisation und einer Vereinfachung der Geschäft« in absehbarer Zett bereits unabweisbar sein wird. Ich geh« nun zu den sachlichen Aufgaben über,,die de« Rat« in der verflossenen Periode oblagen. ES sind da eine ganz« Reih« wichtigster Fragen, di« aus dem letzten VerbandStag« resultierten. In erster Linie ist hier zu nennen di« Frag« der Revision der preußischen Iudengesetzgebung, di« auf de« erst«» VerbandStag« ausführlich besprochen worden ist, und für deren wettere Behandlung bestimmt« Richtlinien ausgestellt «worden waren. Ich kan» hierüber jetzt hinweggehen, weil über diesen Punkt Ihnen «in« besonder« Vorlage zugegangen ist, und bei der Besprechung dieser Vorlage sich Lelegenhett bieten wird, auf di« Einzelhetten etnzu» gehen. Die zwette Angelegenheit, di« im Vordergrund« d«S Interest«» stand, war di« Schaffung de» Reich »verband«». Auch hiirüber kann ich in diesem Iufammenhang« htnweggehen, well di« Sondervorlage, di« Ihnen zugegangen ist, den VerbandStag «och beschäftigen wird. Zu erwähnen als Aufgaben wichttger Art find Wetter di« Frage», di« sich ergeben haben auS der Neugestaltung unsere» Unterricht»- wesen», insbesondere au» den neuen Grundlagen für die Lehrerbildung, wie sie di« RetchSverfasfung auch für da» jüdisch« BildungSwesen geschaffen hat. Ich verweis« hierfür auf da», WaS im schrstt».