Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- 3 (24.3.1927)
- Date
- 1927-03-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 wir nicht mehr wert, daß di« Oeffentlichkeit unS Respekt entgegenbringt, und dann , müßten wir di« Achtung vor uns selbst verlieren. (Sehr richtig.) Wir stehen ans gesichertem Rechtsboden. Man hat bisher da» Vertrauen zu uu» gehabt, daß wir da» Recht von der Partei unterscheiden könne»; und Herrn Sonnenfell» ist t§ als erstem Vorbehalten geblieben, diese« Primat jeder gesicherten Welt- und Rechtsanschauung zu erschüttern. Hier heißt «S: PrincipiiS obstak Sonst komme« wir auf ein« abschüssig« Bahn. Wir können da» End« nicht ab sehen. Deshalb der scharf« Kampf gegen dies« Auffassung, wo sie sich zum ersten Mal« zeigt. Und nun noch «in Wort vom Standpunkt des Eentralvereins aus. (Lachen.) Ich gebe Ihne» auf, sich mit Herrn Iustizrat Sonnenfeld zu beschäftigen, und ich verlang« von Ahnen, daß Sie diese Frag« in ihrem ganzen Ernst nachprüfen. Und wenn Sie bei dieser Prüfung sind, so könne» Sie nicht sage», er hält« diese Ausführungen nicht in seinem Amt als Vorsitzender der Versammlung gemacht, sondern Sie müssen sein menschliches Verhallen und fein jüdisches Verhallen prüfen. Und so viel Vertrauen habe ich zu Ihrer moralischen und juristischen, und sogar zu Ihrer jüdischen Anschauung, daß Sie dann zu demselben ErgebnÜ kommen werden wie wir. Sie führen einen jahrelangen Kampf um dt« Gleichberechtigung der Juden. Sie bemühen süh, jüdisch« Beamte in höher« Beamtenstellen zu bringen. Run haben wtt «inen höheren jüdischen Beamten, «inen Mann, über dessen untadligen Charakter und Gesinnung ich nicht zu ft»r«ch«n brauch«. Und wa» macht Sonnenfeld? Kaum ist -der Herr in seinem Amt warm geworden, so kommt «r mtt den schwersten Verdächtigungen an. Sonnenfeld schreibt seinem Vorgesetzten Minister, er möge sich in acht nehmen vor einem Zionisten, und er möge prüfen, ob di« Mitwirkung eines Zionisten möglich wäre. Wenn Sie im E.B. etwas in den letzten Jahrzehnten getan haben, so haben Sie «S umschattet durch dies« Handlung, di« Herr ^Sonnenseld getan hat, und di« Sie zu billigen im Begriff stehen. Wir müssen aus diesen Handlungen Konsequenzen ziehen, und dies« Konsequenzen haben mein« Kollegen im Präsidium dieses Hauses dahin gezogen, daß sie für dies« Tagung ein« Mitwirkung, so lange Herr Iustizrat Sonnenfeld an seinem jetzigen Platz sitzt, ablehnen. Die ganz« Tagung muß aber die Konsequenz daraus ziehen, daß sie Herrn Iustizrat Sonnenfeld nicht da beläßt, wo er sitzt. Ich kann dies« Auffaserung bei der Geschäfts« rdnungs» debatt« nicht in «inen Antrag kleiden, well di« Wahlperiode jetzt nicht abläust. Aber «in einmütiges oder «in an Eindeutigkeit grenzendes Votum des Hauses wird auf Herrn Iusttzrat Sonnenfeld di« Wirkung ausüben, daß er seinen Platz verläßt. Herr Iustizrat Sonnenfeld hat wenigstens objektiv nicht di« Wahrhett gesagt, indem er in der Rtt>räsentant«nv«sammlung dem Brief edlen anderen Inhalt gegeben hat, als er in Wirklichkett hat. Herr Iustizrat Sonnenfeld sucht diesen Vorwurf aus der Well zu schaffen, indem er au»- führt, er würde doch nicht di« Dummhett begehen, «inen Brief anders darzustellen, dessen Inhalt doch nachprüfbar wäre. Man kann nie wissen, wie wett Dummheiten gehen, wo chr« Grenzen sind, wo di« Dummhett aufhört und die Klughett anfängt. Tatsache ist, daß in dem Augenblick, wo diese Unwahrheiten vorgebracht wurden, niemand zur Stell« war, der sie widerlegen konnte, und daß diese Unrichtigketten Herrn Iustizrat Sonnenfeld ein« besser« Position in der Repräsentantenversammlung gegeben haben. Herr Iusttzrat Sonnenfeld hat uns auch etwas über den Inhall der Besprechung mtt dem Minister wiedergegeben. Er hat erklärt, der Minister habe am Schluß der Sitzung sein« Meinung gebilligt. Er hat Wetter erklärt, als er beim Abschied de» Minister selbst aus Bescheidenheit die Hand nicht bot, der Minister sich erhoben, chm di« Hand gereicht und sie mehrfach geschüttell habe. (Lachen.) Ein Mann, der so wenig Männerstolz vor Königsthronen hat, ist nicht in der Lage, di« Würde der Versammlung zu wahren. Er ist nicht in der Lag«, in Repräsentationsangelegenheiten des deutschen Judentums an die Spitze gestelll zu werden. Rach allem ist der Schluß gerechtfertigt, daß «in Amtieren von Herrn Sonnenfeld als Präsident der Tagung unmöglich ist. Namens meiner Freund« erlaub« ich mir deshalb «in« Erklärung abzugeben, über di« dann abzustimmen sein wird. Sie lautet! „Der Verba ndstag häll «S für unverantwortlich, daß Juden im Verkehr mtt . Behörden aus der innerjüdischen Einstellung eines jüdischen Beamten Zweifel gegen dessen Objektivttät Herletten. Ein solches Verhallen gefährdet di« staatsbürgerlich« Gleichberechtigung der Juden und leistet auch den Tendenzen auf Ablehnung jüdischer Richter und Verwaltungsbeamten Vorschub. Der Derbandstag mißbilligt den Brief des Iustizrats Sonnenfeld an den Minister des Innern und entzieht chm deshalb als Präsident des PerbanbstageS das Vertrauen." (Händeklatschen.) Der Präsident ersucht di« Beisitzer, die Plätze am Vorstandstisch einzunehmen. Da das nicht geschieht, wird Herr Kommerzienrat Hamburger als Beisitzer gebeten und übernimmt sein Amt. Abg. Berger (zur GeschLftsordnung): Ich habe namens der kleinsten Grupp« diese« Hausvs, namens der Poale Zion folgend« Eicklärnng abzugeben, di« mein Freund Oscar Lohn, der leider im letzte» Augenblick so erkrantt ist, daß er vorläufig unseren Verhandlungen nicht beiwohnen kann, besonder» gern persönlich abgegeben hätte, da er glaubt, daß es sich um de« gleichen Kampf handelt, de« er jcchrzehntelang für di« Gleichberechtigung nicht nur der Juden, sondern überhaupt aller deutschen Bürger geführt hat, — eine Erklärung zum Verhallen de» Präsidenten dieser Versammlung. OScar Lohn hat in seiner Eigenschaft als Reichstags» und Landtagsabgeordneter mtt Zustimmung manches von Ihnen, der mtt uns in der gleichen deutschen Partei ist, jahrelang und jahrzehntelang den Standpunkt vertreten, gegen «ine Well von Reaktion, daß «in Sozialdemokrat, daß ein Jude, daß ein Mensch gleich welcher Herkunft und Meinung das Recht und di« Pflicht haben soll, Staatsbeamter zu werden, und daß chm nicht au» seiner Gesinnung «in Strick gedreht werden kann. Herr OScar Lohn und wir alle haben bei dieser Arbeit gewußt, daß wir damtt ein« der wichtigsten Postulat« des deutschen Judentums vertreten. Und wir haben ja oft genug in den Blättern des Eentralvereins gelesen, wie man sich mtt Recht dagegen gewehrt hat, wenn irgendein Richtjud« di« Entscheidung eines Jude» deshalb ablehnte, weil er Jude und damtt von vornherein befangen fei. Da», wa» der Präsident diese» Hauses getan hat, stcht auf dem gleichen Niveau wie dies« Angriff« der völkischen Nichtjuden, «ittspringt derselben Gesinnung und ist nur deshalb wett gefährlicher, well hier zum ersten Male von einem Juden gegen einen Juden der Verdacht erhoben wird, daß er sein Amt — sagen wtt es klar und deutlich — mißbraucht. Wenn in dem nun schon mehrfach erwähnten Brief« geschrieben wird, daß der Herr Minister seinen zuständigen Referenten deshalb nicht heranziehen soll, well dieser Mann von vornherein durch Parteimeinung so befangen sei, daß er da» Recht nicht finden könne, dann heißt das: er mißbraucht sein Amt. Ich war eben ein wenig erstaunt, als Sie, von der Liberalen Partei, di« Red« des Herrn Kollenscher zum Test mtt ,Huh" und mtt ,Hah" beglettet haben. Ich versteh« schon, daß es Ihnen schwer fällt, sogar in eine« so klaren Falle, «inen Mann abzuberufen, obwohl hier einmal meiner Auffassung nach der Fall vorläge, wo der Bruch mehr ehrt, wie di« Befolgung. Aber ich versteh« nicht, daß Sie nicht schweigend zugehört Hab«», wie hier eindeutig wahr« Wort« -«sagt wurden, denen jeder von Ihnen zustimmen muß, well jeder von Ihnen st« morgen im Kampfe gebrauchen wird. Sie habe« da» Recht verloren, sie zu gebrauchen, wenn Sie sie nicht in Ihren eigenen Reihen gebrauchen. Sie haben das Recht verloren, sich lkberal zu nennen, wenn Sie es nicht sind. Ich hoffe immer noch, daß genügend Männer unter Ihnen sind, di« Gefühl für das haben, was sich hier abspiell und wa» mehr ist, als «in« formal« Angelegenheit, daß Männer unter Ihnen sind, di« dem nicht zustimmen werden, was di« Fraktion beschlossen hat. Ich hoff« immer noch, daß einige von Ihne« de» Mut habe» werden, mtt uns zu protestieren. E» geht nicht gegen Herrn Iustizrat Sonnenfeld, sondern es geht darum: sollen wir hier «inen Präsidenten haben, dem man vorwirst, daß er unrichttg« Ding« in einem wichtigen Briefe all «ine hohe Bchörd« geschrieben hat? W. D. u. h., wtt haben Sie zu bitten, im Interest« der Würde der Der» Ammllmg, von der hier immer wieder gesprochen wird, im Interesse des Ansehens de» deutschen Judentums, von dessen Wichtigkett Sie doch ganz gewiß durchdrungen find, sich noch einmal zu überlegen, ob Sie dieses Vorkommen nicht mchbllllgen, ob Stt nicht den Mut aufbringen wollen, znzugeben: hier liegt ein schwerer Mißgriff vor, der ncht ungeahndet bleiben darf, und aus diesem Mißgriff müsten wtt dtt Konsequenzen ziehen. Wtt bitten Sie, nicht auf Grund irgendwelcher Parteimeiuuag heraus di« Verhandlungen dies« Versammlung in «in« Weis« zu belasten, dtt für die Zukunft fast untragbar erscheint. - Abg. Dr. Bar rtpakd (zur Geschäftsordnung): Mein« Damen und Herren! ES stt anßerordenttich betrübend, daß nach de» schönen und tief ergreifende» Worten des Herrn Rabbin« Dr. Horovitz wtt uns in einer Debatt« befinden, wie sie jetzt «nstefsell worden ist. Ich hätte mtt van den «inlettenden Worten des Herrn Rabbin« Horovitz «inen tteferen Einfluß gerade auf diejenigen tz«r«n versprochen, di« sonst tmm« sagen, st« feien dtt wahren Pächt« d« Religion. Unser h«r Vorsitzender ist gewähll worden als ein« aufrechte P«sönlichkett von ausgesprochener Eigenart. Hätte « dies« Oualttäten nicht besessen, so hätte « nie di« Stellung im deutschen » Judentum errungen, dtt « inne hat, so hätte er es «tt sowett gebracht» daß bei der letzten Wahl sogar di« Herren Zionisten chm