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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-03-24 · 3 (24.3.1927) · p. Seite 2

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
3 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 ich mich nicht erst betonen, daß insbesondere di« Richtung, di« ich vertrete, nicht» »«leugnet «nd nicht» preisgtt»t von d«m, was ihr da» Heiligst« ist und bleibt. Ist fi« sich doch dessen bewußt, daß sie nur im Geist« ix» überlieferten Judentums handelt, je hingebender sie mitwirkt an allen gemeinsamen Aufgaben, je eifriger sie jede Spaltung und Zersplitterung bekämpft, je mehr sie mit allen anderen zufammenarbeitet überall da, wo ihr die Möglichkest gegeben ist, für ihr« Ueberzeugung «inzutreten, je inniger sie vertraut auf di« siegreich« Kraft der jüdischen Idee. Lin gutes Omen mag es sein, daß dies« Versammlung wenige Tage vor dem Ehanukafest, im Monat Kislew, dem Monat der Verjüngung, der Erneuerung und Selbstbesinnung statthat. Di« Zeit ist zum Glücke für di« Mehrhest der deutschen Juden dahin, wir hoffen es, unwiederbringlich dahin, in der blind« Aflimilation das Losungswort war. Immer mehr hat sich di« Erkenntnis verbrettet und vertieft, daß, selbst wenn st« «in Ideal, «in letztes Ziel sein könnt«, derjenige, der nur äußerlich nachahmt, immer nur das Gegentett erreicht von dem, was er will. Nicht allein, daß er dem nicht ähnlich wird, dem er gleichen möchte, entfernt er sich vielmehr von ihm noch mchr. Original und Nachahmung haben am wenigsten mtteinander zu tun. (Bravo!) Diejenigen sind oft vergleichsweise noch di« ähnlichsten und werden sich allemal am besten verstehen, di« jeweils dem Gesetz chres eigenen Wesens, chres eigenen Lebens und chrer eigenen Geschichte folgen. (Sehr richtig!) „Ihr habt getan wie die Böller, in deren Mitte Ihr lebt", wirst ein Schriftwort Israel vor. Lin anderes aber kündet: „Ihr habt nicht getan wie die Böller, in deren Mitte Ihr lebt". Können di« beiden einander widersprechenden Sätze in «in« Linhett gebracht werden? Der Talmud (Sanh. 39 b) meint, dies sei der Worte Sinn: „Ihr habt getan wie di« Schlechten unter den Völkern; Ihr habt nicht getan wie di« Guten". Lins sind wir, sollen wir sein in allem Großen und Schönen, das di« Völler künden, «ins sollen wir deutschen Juden werden mtt allem Hohen und Großen deutscher Kultur, deutscher Bildung und Gesittung. Innig verbunden fühlen wir uns heut« im Geist« mit allen denen, die an diesem Tag« «in« Träne helligen Gedenkens nachweinen den vielen, di« aus den verschiedensten Stämmen und Konfessionen in der Blüte chrer Kraft für das gemeinsam« Vaterland gefallen sind und in stlllen Gräbern ruhen. Aber über di« Jahrtausend« hinweg grüßen wir keusch« Iahrzeitslichter, Lichter helliger Pietät, festlich« Sabbathlichter, all« Lichter der Weche, die das jüdische Haus, die das Leben des Juden verklären, und verbinden uns aufs neue mit unserer urallen Geschichte, mit dem Gott unserer Väter und Mütter. . Ja, auch wir schauen chn, Iosua, den Hohenpriester, von dem der Prophet des Lichtfestes zu uns spricht, sehen sein« Gewänder, di« besudelt sind von Schimpf und von Verleumdung, vom Kampf niedriger Parteileidenschasten. Als ob das Wort heute zum ersten Mal gesprochen worden wäre, so lebendig, so eindrucksvoll klingt es uns in der Seele nach: „Nehmt sie hinweg, di« schmutzigen Gewänder, seid Luch Eurer Verantwortung bewußt, legt es an, das heilig« Feierkleid des Glaubens!" Der Seher spricht von dem Grundstein des Tempels, den er im Geist« erschaut. Ob heute «in Grundstein zu dem großen Bau gelegt werden wird, der sett langem für viel« «in Traum ist, ich weiß es nicht. Aber das erste, was einst der Stammvater fand, war noch ein anderes. Noch eh« er den Stein setzt«, auf den er das Oel goß, sprach er, da er erwacht«, das Wort: „Wahrlich, Gott ist an dieser Stell«, wie ehrfurchtgebietend ist dieser Ort!" Das fei auch unser erstes! Hat der deutsch« Dichter recht mtt dem Wort (Weimarer Ausg. 4142, S. 133), daß di« Ehrfurcht der „Luellpunkt" des Menschen ist, daß er nur durch sie (Wilhelm Meisters Wanderj. 11,1) „zu dem Höchr*‘tn gelangen kann, was er zu «rreichen fähig ist"? Unendlich mchr 'ch als für jeden anderen gitt das Wort für den Juden. So lange -,olität und Mangel an Achtung vor dem Geschichtlichen ihm zu eigen sind, bezeugt er nur seine Wurzellosigkett, seine Haltlosigkeit, ist er ein Widerspruch in sich selbst, eine Verleugnung seines Namens und seines Wesens und darum mtt Recht «in Gegenstand des Spottes und der Verachtung. (Schr richtig!) Erst durch di« Ehrfurcht erwacht der Jude zu seinem Iudesein. Nicht genug können gerade wir das viel zu wenig gekannt« Goethewort (Weimarer Ausg. 41,2, S. 134) ins Auge fasten: „Wenn sie durch «in Wunder in allen Menschen hervorbräche, sie würden von allen Hebeln der Erd« geheill sein." Wenn wir all«, wo wir auch stehen, uns in solcher Ehrfurcht einigen, dann bereiten wir das: heilig« Oel, das den Grundstein des Gebäudes, welches errichtet werden soll, zu einem Heiligtum weiht. Möge jeder, der hier das Wort ergreift, ob er nun im Namen der Mehrheit oder für eine Minderhett spricht, des Festes Flammenwort „Nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern allein durch meinen Gestt" vor Augen haben. Kommen wird er, muß er, ob heut« oder «in andermal, der Tag, da unser Traum W«chrhett werden wird. Fest «nd immer fester wird fl« «inst stehen, die große Letter, di« wir im Geist« schauen, «in Judentum, ein deutsche» Judentum, das festgefügt in der Erde würzest, aber mtt seinen Sprosten in di« Höh« ragt. Dann werden wir ihn wieder sehen hoch oben über der Letter, den Gott unserer Väter, der zu uns spricht: „Siehe ich bin mtt Dir und ich bchüt« Dich". Dann wird, was auch immer kommen mag, unser das Wort der Ehanukatage sein: „Siehe ich bring« meinen Diener, Blühen und Wachsen Eurem Besttebenl..." Ein Geheimnis umschwebt die Stund«. Immer, wenn Juden Zusammenkommen, gist das Wort, „er traf «in an dem Orte". Gott nur vollendet das Werk, das Menschenhände bauen. Wo Juden sich versammeln, um über jüdisch« Angelegenhetten zu raten und zu taten, stehen sie auf helltgem Boden, an dem Berg« Moria. Euch aber, Ihr Freund«, ruf« ich das Wort zu, das nach einer asten Ileberlieferung (Tos. Menachoth 7,8) «inst Moses segnend sprach bei der Weih« des ersten Heiligtums: „Möge Gottes Glanz, Gottes Weihe, möge die Schechina ruhen auf dem Werk« Eurer Hände", segnend schweben über jedem Worte, das Ihr hier sprechet! So sei denn auch das Gebet derer, die «inst die Stistshütt« gewecht, unser Gebet: „Möge Dein« Huld, o Gott, über uns sein, laß Du gelingen unserer Hände Werk, mache es feststehen, richte es empor über uns selber," auf daß wir in ihm und durch es größer werden, richte Pu es empor zum Segen des deutschen, zur Ehre des gesamten Judentums! (Lebhafter Beifall.) Präsident des Rats Kammergerichtsrat Wolfs: Meine verehrten Damen und Herren! Zum zwetten Mal« haben wir uns in diesem Saale versammelt, um in voller Oeffentlichkett für das «inzutreten, was dem preußischen Judentum frommt und was darüber hinaus das ganze deutsche Judentum aufs tiefst« berührt. Das vorig« Mal gast es, di« Aufgaben, die wir uns in der Verfassung des Landesverbandes vom 25. Juni 1922 gegeben haben, durch einmütiges Zusammenwirken aller Kräfte zu «rfasten und dem neuen Gebilde Leben einzuhauchen. Heut« stehen wir hier, um di« inzwischen geleistet« Arbeit zu überschauen, um das, was gut an chr war, zu billigen und um dem, was noch nicht zu befriedigendem Abschluß geführt werden konnte, die weiter« Förderung und die Formung in künftiger Zeit zu ermöglichen. Der Rat des Landesverbandes war das Organ, das seitdem, unterstützt durch chren Ständigen Ausschuß und di« sonstigen verfassungsmäßig gebildeten Ausschüsse, in Tätigkett gewesen ist. Zahlreiche wichtige Aufgaben in einem Ausmaße, wie es nicht vorauszusehen war, sind an chn herangetreten, andere nicht minder wichtig« Aufgaben hat er sich selbst gesetzt. Und nun beginnt Ihre Aufgabe, mein« verchrten Damen und Herren, nehmen Sie Stellung ju allem, was geschehen ist, sondern Sie di« Spreu von dem Weizen! Urteilen Sie und handeln Sie! Wenn Sie an Ihr Werk ohne Doreingenommenhett nur um unserer gemeinsamen Sach« wlllen herantreten, ,Haß weder Haß noch Liebe das Urteil trübe", das Sie fällen wollen, dann wäre das alles, waS wir von Ihnen verlangen und erwarten. Ich darf hoffen und wünschen, daß Ihr« Verhandlungen von dem Geist« der Versöhnlichkeit und des Friedens getragen werden, besten keine Gemeinschaft so sehr bedarf wie die unsere, wenn anders chr Blühen und Gedeihen auf deutscher Erd« auch in Zukunft gesichert sein soll. Mir bleibt noch übrig festzustellen, daß di« Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden ordnungsgemäß binnen der verfassungßmäßigen Frist durch den Rat einberufen worden sttr Ich erklär« sie hiermtt für eröffnet und bitte den sehr verehrten Herrn Präsidenten der Tagung, Herrn Iustizrat Sonnenfeld, den Vorsitz zu übernehmen. Präsident des Berbandstages, Iustizrat Sonnenfeld: Auch ich habe das Bedürfnis, Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, mtt einem kurzen Wort« willkommen zu heißen. Ich habe zunächst festzustellen, daß leider mein Wunsch, den ich am Schluß der letzten Tagung aus sprach, sich nicht voll erfüllt hat, mein Wunsch, daß wir uns all« gesund Wiedersehen. Es sind zwei bedeutende Männer von uns gegangen: Herr Gewerberat Plotk« und Herr Sanitätsrat Mendel. Sie sind uns entrissen, und daS beklagen wir tief «nd schmerzlich, well wir gerade von diesen Männern erwarten durften, daß sie noch wettere und noch viel« bedeutuagsvaL« Dienst« für das gesamt« Judentum lestten würden. Ihr And«»»» wird bei uns in Ehren bleiben. Wir werden uns ihrer «rinn«» «l» Kllänner, die chr Herz und chr Hirn, beides gemeinsam, in den Dienist uns«« Religion gestellt haben. Ich stelle mtt Genugtuung fest, daß auch ohne jeglich« Aufforderung mein«setts Sie lxr Weche de» Augenblickes Rechnung tragen, indem Sie sich, da wir uns dies« Heimgegangenen mtt Wehmut erinnern, von Ihren Plätze« «hoben haben. Ich danke Ihnen dafür. Wir werden unsere Teilnahme

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