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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1927-02-01 · 1 (1.2.1927) · p. Seite 3

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
5 (1927)
Issue
1 (1.2.1927)
Date
1927-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gründen. Der Frauenbund sowohl als auch die Hauptstelle haben nunmehr ihre selbständige Tätigkeit auf dem Gebiete -es jüdischen Arbeitsnachweiswesens eingestellt. Die Bereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland ist eine neugeschaffene Organisation, di« in diesen Tagen ihre Tätigkeit aufnimmt. Ihr fällt es zu, das gesamte jüdische Arbeitsuachweiswcfen organisatorisch zu erfassen, den inneren Betrieb^der bereits bestehenden Arbeitsnachweise im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen zu vereinheitlichen und einen Stellenaustausch -er Arbeitsnachweise untereinander durchzuführen, insbesondere aber in großzügiger Weise die Stellenwerbung zu organisieren, d. h. es muß Aufgabe -er gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege werden, in einem weit größeren Matze als bisher dafür zu sorgen, -aß jüdische Arbeitnehmer nicht mehr von Arbeitsstelle» verdrängt werden, weil sie Juden sind. Daneben wird die Vereinigte Zentrale das eingehende statistische Material auszuwerten haben, den einzelnen Arbeitsnachweisen die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen vermitteln müssen, des weiteren aber den Austausch der Erfahrungen der Arbeitsnachweise untereinander herbeiführen. Die Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise i» Deutschland ist also das, was seit Jahren in Deutschland angestrebt wurde: sie ist die einzige Stelle, von der in Zukunft alle Fragen des jüdischen Arbeitsnachweiswesens in Deutschland selbständig bearbeitet' werden: ihr wird es obliegen, das deutsche Judentum in den Fragen des Arbeitsnachweiswesens vor den Behörden zu vertreten, die oben skizzierten Aufgaben im einzelnen durchzuführen. Es ist eine große und verantwortupgsvolle Ausgabe, die ihr damit gesetzt ist. Die Vereinigte Zentrale wird ihr aber nur dann gerecht werden können, wenn die geiamte jüdische Oefsentlichkeit die Größe dieses Problems erkennt und die Bestrebungen der Zentrale mit allen Kräften unterstützt. Wohlfahrtsfilm »Ein Freitagabend". Von der Zeinralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden geht uns die folgende Notiz mit der Bitte um Veröffentlichung zu: „Der von der ZentralwohlsahrtSstelle der deutschen Juden hergestellte jüdische Wohlfahrtsfilm: „Ein Freitagabend" hat sowohl bei der Berliner Uraufführung als auch bei allen bisherigen Aufführungen im Reich einen ganz außerordentlich starken Erfolg gehabt, wie nicht nur auö den Preflestimmen, sondern vor allem auch ans dem großen Beifall des breiten Publikums und der jüdischen lokalen Organisationen hervorgeht. Der Film erweist sich als ein hervorragendes Propagandamtttel zur Aufklärung und zur Werbung neuer Mitarbeiter und Förderer. Der Film wird allen Gemeinden und jüdischen WohlfahrtsvereiniguNgcn dringend zur Vorführung empfohlen. Bestellungen nimmt entgegen die Zentralwohlfahrtsstcllc der dentschcn Juden, Berlin E 2, Rosenstr. 2/4." Aufruf. Es ist wohl das traurigste Kapitel des Menschheitsclends, daß es Mütter gibt, die nicht imstande sind, ihre Kinder zu ernähren, zu kleiden, zu erziehen und sie etwas lernen zu lasten, die sich von ihnen trennen wollen, um sich selber wieder emporzuarbeiten und den Kindern die Möglichkeit geben wollen, in geordneten Verhältnisten gesunde Menschen zu werden. Es sind nicht die schlechtesten Mütter, die uns bitten: „Gebt mein Kind in gute jüdische Hände: ich kann nicht für es sorgen!" Andererseits gibt es Frauen mit mütterlichem Empfinden, denen das Erlebnis der Mutterschaft versagt ist, die sich nach einem Kinde sehnen, an dem sie und ihre Familie neue heilige Aufgaben zu erfüllen haben. Wir wollen beiden helfen. Wir suchen Mütter für die uns gemeldeten Kinder! Wir suchen Kinder für die sich u n 8 meldenden Mütter! Wer an unserer Arbeit mithilft, dient dem Judentum! Zentralstelle für jüdische Adoptivns. v.e r m i t t e l u n g, Elberfeld, Genügsamkeitsstr. 7. Aus der VerbandsILIigkeit. Bericht über den 2. Verbandslag des Preußischen Landesverbandes. Der 2. Berbandstag des Preußischen Landesverbandes hat in der-Zeit vom 21.—23. November 1926 im Plenarsitzungssaale des ehemaligen Herrenhauses getagt. Ein ausführlicher stenographischer Bericht über die Verhandlungen wird in der nächsten Ausgabe des Verwaltungsblattes veröffentlicht werden. Im folgenden.werden die wichtigsten Beschlüste der Tagung bekanntgegeben: 1. Der Rat wird ersucht, bis zum nächsten Berbandstag durch den Rechtsausschuß des Verbandes eine Gesamtrevision der Bersastung des Verbandes vorzubereiten. 2. Die Vorlage des Rats betr. den Beitritt zum Reichsverband der deutschen Inden wurde abgelehnt. Der Rat wurde beauftragt, baldigst einen neuen Versastungsentwurf vorzulegen. 3. Die weitere Bearbeitung des Entwurfs eines Judengesetzes wurde der bisherigen Kommission mit dem Ersuchen übertragen, die Arbeiten derart zu beschleunigen,- daß am 1. März 1927 die Vorlage für den nächsten Verbandstag vorliegt. 4. Für den März 1927 ist ein Berbandstag einzuherufen mit folgender Tagesordnung: I. Etat'für 1927/28, II. Revisiondes Preußischen JndengesetzeS. 5. Es wurde beschlosten, die Zahl der Mitglieder des Wohlsahrtsausschnffes auf 21 festzusehen, dergestalt, daß 12 Mitglieder aus den Fraktionen des Landesverbandes in den Ausschuß gewählt werben. ■ ... 6. Zur Erhaltung jüdischer Altertümer und Kunstgegenstände soll eine Kommission eingesetzt werden, die tunlichst Vertreter auS allen. Provinzen umfaßt und alle in Betracht kommenden Fragen zu behandeln hat. 7. Der Rat wird ersucht, Feststellungen darüber zu treffen, in welchen Irrenanstalten und anderen öffentlichen Anstalten regelmäßig Juden untergebracht sind, und Vorkehrung sür die Seelsorge und Bestattung derselben herbeizusühren. , 8. Der Rat wird ersucht, bei den zuständigen Behörden für eine gleichwertige Behandlung von Personen jüdischen Glaubens in Einbürgerungsfragen einzutreten. 9. Es wurde beschloffen, in möglichst naher Zeit eine allgemeine Konferenz aller jüdischen Organisationen «inzuberufen, die sich mit der Frage der Austritte, Taufen und Mischehen zu befaffen hat. 10. Der Rat wird gebeten, der Schaffung eines Beamtenrechts und der Einrichtung einer allen Anforderungen gerecht werdenden' Pcnsions- und Hinterbliebcnenversorgungskaste für die Beamten baldigst näherzutreten. 11. Der Abschluß für das Rechnungsjahr 1925/26 wurde genehmigt, der Voranschlag für das Jahr 1926/27 angenommen. Der Große Rat des Landesverbandes wird in seiner auf den 36. Januar einbcrnfcnen Sitzung zu den Beschlüssen Stellung nehmen. Aus der Tätigkeit des Rates und der Kommissionen. Ter Große Rat trat am 17. und 31. Okt. 1926 zu Tagungen zusammen: außerdem fand am 22. November 1926 zur Zeit der Vcrbanbstagnng eine Sitzung des Großen Rates statt. Die beiden ersten Sitzungen galten in der Hauptsache der Vorbereitung des Berbandstages: u. a. wurde der Entwurf für einen Reichsverband der deutschen Juden eingehend behandelt, ferner ein Antrag, der die Rechte der konservativen Minderheiten besonders geschützt misten wollte. Außer der Gewährung von Beihilfen wurde ein Bericht über Verhandlungen mit den preußischen Behörden über die Beitragsleistung für Rabbiner und Lehrer entgegengenommen. Die geplante Besprechung eines Entwurfs über die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen wurde bis zur Veröffentlichung deS Entwurfs vertagt. Als 'nächste bedeutende Aufgabe des LandeSverbandes wurde die Einrichtung von Bezirksrabbinaten und Lehrerbezirken hingestellt. * . * In einer Sitzung des Engeren Rates wurde« dem Marannen-Komitec in London einmalig ein Betrag von 1660 M. bewilligt. Es hat sich die Aufgabe gestellt, die in einigen Städten Nord-Portugals lebenden geheimen Juden, Abkömmlinge der im

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