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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1926-09-20 · 2 (20.9.1926) · p. Seite 4

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
4 (1926)
Issue
2 (20.9.1926)
Date
1926-09-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Verleger demselben vorhandene nnd neu erscheinende kantorale Werke gütigst überweisen. Der BerbandS-Archivar wird den Empfang aller Eingänge schriftlich bestätigen und. sorgfältig registrieren. Der Ausschuß des A. D. K. B. übernimmt einstweilen die Verpflichtung der treuen Aufbewahrung aller ihm anzuvertrauenden Zuwendungen,- später soll ein für hier zu wählerrdes Komitee dieselben ihrer Bestimmung zuführen und dem allgemeinen Interesse nutzbar machen. Sendungen (Auslagen für Porto, Versand- und andere Spesen werden aus Wunsch gerne erseht) erbeten an O b e r - kantor Theodor Fraenkel, Nürnberg, Neue Gasse 12. Jüdische Krankenschwestern. In den letzten Jahren, ganz besonders, seitdem in fast allen größeren und mittleren Gemeinden jüdische Wohlfahrtsämter eingerichtet worden sind, werden in zunehmender Zahl Wohlfahrtspflegerinnen mit guter beruflicher Vorbildung eingestellt, welche die zur Ausübung ihres Berufes unerläßlichen Fachkenntniffe besitzen müffcn. Während aber bei den anderen Koufeflionen, vor allem unter den katholischen Fürsorgerinnen, ein nicht unerheblicher Teil aus der Krankenpflege hervorgegangen ist, zeigt sich in unserer jüdischen Gemeinschaft, daß nur eine geringe Zahl eine derartige Schulung besitzt und als Krankenpflegerin praktisch gearbeitet hat. Das mag zum Teil daran liegen, daß die Zahl der Krankenschwestern überhaupt zurückgegangen ist, so daß nicht einmal für die Krankenpflege eine genügend große Anzahl von Schwestern vorhanden ist, bzw. daß die Meinung herrscht, daß lediglich auf dem Wege einer Ausbildung in der sozialen Frauenschule die für den Beruf ersorderlichen Fachkenntniffe vermjttelt werden könnten. Ohne den Besuch einer sozialen Frauenschule können zwar kaum die erforderlichen Kenntniffe erlangt werden, jedoch soll nachdrücklich)» auf die Bedeutung einer sozialen Ausbildung der Krankenschwestern hingewiesen werden. Krankenpflege und soziale Fürsorge gehen in der Praxis vielfach Hand in Hand, die Lchwcsternheimc und Vereine sollten daher in Zukunft währender Ausbildungszeit den Schwestern nicht nur medizinische und hygienische, sondern auch in gewiffem Umfange soziale Kenntniffe vermitteln. Ein besonderes Verdienst des Frankfurter Verbandes der jüdische» Krankeiipflcgerinncn-Vercin« ist es. daß er auf seiner diesjährigen Tclcgiertenversammlung die Frage der sozialen Schulung der Krankenlschrvestern aufgeworfen und angeregt hat, den Schwestern eine soziale Ausbildung nahezulegcn. Die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden bringt der sozialen Ausbildung der jüdischen Krankenschwestern weitgehendes Jntereffe entgegen und hat sich mit den Gchwesteruheimeu in dieser Angelegenheit schon in Berdindung gesetzt vor allen Dingen, damit Einwände im Hinblick auf di« an sich lang« Dauer der Ausbildung (3 Jahre) von vornherein behoben werden können. Der Frankfurter Verein hat z. B. mit sechsmonatlichen EinführnngSkursen für ältere Schwestern gute Erfahrungen gemacht. Derartig« Kurs« lassen sich zweifellos am besten gemeinsam mit den anderen Konfessionen im Anschluß an bestehende Lehranstalten fz. B. Wohlfahrtsschulen) einrichten. Für die Zukunft dürft« sich, wie gesagt, eine Kombination der Ausbildung der Krankenschwestern und der sozialen Schulung empfehlen. Sollte der Wunsch und das Bedürfnis nach einer ergänzenden sozialen Ausbildung bei einer größeren Anzahl von Schwestern vorhanden sein, so ist die ZentralwohlsahrtSstelle der deutschen Juden nicht abgeneigt, von sich aus einen besonderen Kursus otnzurichten. Zweifellos ist die Betätigung in der sozialen Arbeit für viele Schwestern, die der Krankenpflege nicht mehr gewachsen sind, möglich und befriedigend, wie auch der Kreis der Wohlfahrtspflegerinnen eine vielfach erwünscht« und notwendig« Bereicherung durch die krankenpflegerisch vorgvbildeten sozialen Kräfte erfahren dürfte. Anfragen und Mitteilungen werden an die Geschäftsstelle der Zentralwohlfahrtsstelle, Berlin C3, Rosenstr. 2/4, erbeten. Veranstaltung von Lotterien oder Kollekten durch Synagogengemeinden. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat dem Landesverband die Mitteilung gemacht, daß in neuerer Zeit in kurzer Frist vier Fälle an ihn hcrangetreten seien, in denen Synagogengemeinden die Genehmigung zu Lotterien ober Sammlungen für Synagogenbauten oder ähnliche Zwecke bei der zuständigen Stelle erbeten hatten. Der Minister habe keine Veranlassung gehabt, diesem Ersuchen entgegenzutreten, da der Zweck der Veranstaltungen in jedem Falle förderungswert war. In einem Falle sei die Genehmigung des Wohlfahrtsministers mit Rücksicht auf die Lage des Lotteriemarktes abgelehnt worben. Innerhalb des Geschäftsbereiches des Kultusministeriums erscheinen Staatsintereffen um so weniger gefährdet, alS der Absatz der Lose und die Sammlungen sich auf den verhältnismäßig kleinen Kreis der jüdischen Glaubensgenossen beschränkt. Dagegen ist das Ministerium der Ansicht, baß die Interessen des Landesverbandes leiden könnten, wenn derartige Veranstaltungen sich häufen. Sie könnten sich gegenseitig stören und die Gebefreubigkeit für solche Zwecke beeinträchtigen. Mit Rücksicht hierauf hat der Minister dem Landesverband von dieser seiner allgemeinen Beobachtung Kenntnis gegeben und sich Vorbehalten, in künftigen Fällen mit dem Landesverband sich ins Benehmen zu setzen. Aus der Verbandstätigkeit Aus der Tätigkeit des Notes und der Kommissionen. Seit der Konstituierung des Rates haben acht Sitzungen des Engeren und zwei Sitzungen des Großen Rates stattgesunden. Tie Angelegenheiten, die Vornehmlich zur Behandlung standen, waren: die Bildung von Ttzernaten, die Regelung der Geschäftsführung, die Schaffung einer Geschäftsführung für den Rat, die Schaffung der Grundsätze für die Bildung von Ausschüssen, der Entwurf der Satzungen für die Ausschüsse, die Wahl der Mitglieder für die Ausschüsse, die Einfügung des jüdischen Religionsunterrichts in den Lehrplan der höheren Lehranstalten, die Frage der Heranbildung der jüdischen Lehrer und Religionslehrer und eine Reihe weiterer Einzelfragen. Besondere Kommissionen wurden niedergesetzt zur definitiven Aufstellung eines Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten, für die Bildung von Rabbinatsbezirken, für die Schaffung eines Normalftatuts für die Gemeinden, für die Revision der preußischen Judengesetzgebüng. Neben den Sitzungen des Rates fanden regelmäßige Besprechungen der Berliner Dezernenten statt, in der Regel alle 8 oder 14 Tage. Eine umfängliche Tätigkeit lag der Subventionskommission ob. Tie hat insgesamt sechzehnmal getagt. In der Hauptsache hatte sie sich mit den überaus zahlreichen Unterstützungsgesuchen der Gemeinden, dann aber auch mit den Anträgen der verschiedenen Institute zu befassen. Es wurden, abgesehen von den Bewilligungen an die großen Institute, wie Rabbinerseminare usw., ausgesprochen: in 68 Fällen laufende Beihilfen bis zu 600,— M. jährlich, in 53 Fällen solche bis zu 1200,— M. jährlich, in 10 Fällen solche über 1200,— M. jährlich, in 68 Fällen wurden einmalige Beihilfen gewährt, im Gesamtbeträge von über 50 000,— M., in 17 Fällen wurden zinslose, rückzahlbare Darlehen im Gesamtbeträge von rund 25000,— M. gewährt. In 54 Fällen mußten Ablehnungen erfolgen, meist, weil es sich um lokale Anstalten handelte, oder, weil eine Notlage als nicht vorhanden erachtet werden mußte, ober, weil trotz anerkannter Notlage die Finanzlage des Landesverbandes es nicht gestattete, den Anträgen Folge zu geben. Ueber die Verteilung der Staatsbethilfen ist an anderer Stelle dieser Nummer ausführlich berichtet. Zu den wichtigsten und dringendsten Aufgaben des BerbandeS gehört die Schaffung von Lehrer- und Rabbinerbezirken. Bon den insgesamt vorhandenen rund 900 preußischen Synagogengemeinden sind etwa 600 kleine und Zwerggemeinden mit 100 Seelen und darunter. Weit über 800 haben keinen eigenen Rabbiner, mehrere hundert auch keinen eigenen Religionslehrer mehr. So unerträglich diese Verhältnisse sind» und so dringend Abhilfe nötig erscheint, so liegt «S doch auf der

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