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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1926-03-10 · 1 (10.3.1926) · p. Seite 24

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
4 (1926)
Issue
1 (10.3.1926)
Date
1926-03-10
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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— 24 — it§ Herrn Dr. Klee nötigen doch au einigen Betrachtungen. Es ist von beiden Herren als -aS Postulat für -t« Arbeit b«S gesamten Landesverbandes die' Förderung -er Einheit deS Judentums als eine Selbstverständlichkeit aufgestellt worden. Und mau darf doch, will man den Dingen wirklich auf den Grund gehen, nicht mit dem seinfachen Worte „Einheit" einen Tatbestand kennzeichnen, der in Wirklichkeit nicht einheitlich ist. Wenn wir unser Judentum in der ganzen Welt als religiöse Gemeinschaft ansehen, so wird auch hier, mit gewissen Beschränkungen, aber grundsätzlich ausgedrückt, von einer Einheit zu sprechen sein. Wenn wir uns aber die Judenheit in -er ganzen Wett ansehen, so sinderen beklagenswerte Geschicke so gewesen, das, sie den Begriff der Einheit als einer vorhandenen Tatsache in außerordentlichem Maße in Frage stelle«. Und mit dieser Tatsache des Nichtvvrhandenfeins einer einheitlichen Judenheit in der Welt muffen wir uns nun einmal abfinden. So kommt es auch, daß in der so viel erörterten und vielfach mit falscher Leidenschaftlichkeit behandelten Ostjudenfrage man zu leicht zu dem Standpunkt einer Einheit kommt, die nicht vorhanden ist. Wenn ich es gleich sagen darf, so scheint mir die Tragik in der Behandlung der Ostiudrnfrage die zu sein, daß man statt „andersartig" „minderwertig" sagt und leider Gottes auch vielfach denkt. Wenn wir nur feststellen , würden, daß innerhalb der auch ihrerseits keineswegs einheitlichen Gruppe der sogenannten Ostjuden Verschiedenheiten vielfachster Art vorhanden Zind, die sie uns gegenüber nicht als minderwertig, sondern als andersartig erscheinen lasten, so würden wir einen großen Teil der Leidenschaftlichkeit, die die ganze Debatte ausfüllt, ohne weiteres beseitigen können. Denn es kann sehr wohl sein, daß der Einzelne unter uns die zweifellos vorhandene lleberwertigkeit der Ostjuden gegenüber der ans dem Westen viel hoher achtet und schätzt als manche vorhandene llnterwerrigkeit in kultureller Beziehung. Diese Dinge müffen aber beobachtet werden, um zu dem Resultat zu kommen, daß man in öffentlichen Angelegenheiten, wo eine ganze Reihe von Interessen der Umwelt zu berücksichtigen sind, nicht ohne weiteres den cingrwanderten. Ostjuden dem angesessenen deutschen Juden gleichstellen kann, llnd es bedeutet keine Mißachtung, wenn wir hier Einschränkungen machen müffen, sondern nur die Tatsache der Beachtung der Andersartigkeit,- denn jemand, der in deutscher Kultur und <nW) in jüdischem Wirken in dieser Kultur mit raten und taten will, muß eine starke Eingewöhnung in Sprach« und Sitten des Landes haben. Vollkommen übereinstimmen muß ich mit Dr. Sandler wegen der- Einwanderungs- und AusweisungSpraxis. .Auch uns sind hier leider Dinge bekannt geworden, die entwürdigend sind. Neulich einmal, vor wenigen Monaten, ist in Oberschlesien ein Kutscher, der sich über die Grenze geschmuggelt hatte, erschaffen worden. Als man sich selbstverständlich sehr scharf gegen dieses Vorgehen des Zollbeamten wandte, hat der Zollbeamte sich damit entschuldigt, daß er gesagt hat, er habe geglaubt, es handle lich um einen polnischen Juden. iZuruse: Unerhört!) Daß eine solche Entschuldigung überhaupt möglich ist und von einem Teil der Behörden sogar mit Sympathie angehört wird, ist ein Beweis dafür, daß sittliches Bewußtsein uns gegenüber innerhalb der behördlichen Organe manchmal verschwunden zu sein scheint. Das^u betonen, dazu scheint mir der Landesverband die richtige Stelle zu sein. (Lebhafter Beifall.) Meine Damen und Herren! Ich wende mich nunmehr den Angelegenheiten der Schule und des Religionsunterrichts zu. Sie wiffen, daß die Angehörigen meiner Fraktion hier auf einem Standpunkt stehen, der sich von dem des Herrn Dr. Klee unterscheidet. Herr Dr. Klee hat ausgeführt: In jüdischen DiNgen sind wir jüdisch, in deutschen deutsch. Zweifellos eine außerordentlich präzise Darstellung einer Angelegenheit, die leider aber nicht so einfach ist. Gewiß sind wir in jüdischen Dingen jüdisch und in deutschen deutsch. Es gibt aber eine große Anzahl von Angelegenheiten, in denen die Frage nicht so einfach zu lösen ist, sondern in dtznen die Dinge sich scheiden. Und in all diesen Dingen stehen wir auf dem Standpunkt, daß es unser höchstes Bestreben ist, unsere jüdisch« Abkunft und jüdische Ueberzeugung mit der Tatsache/ daß wir dem deutschen Baterlande angehören, in eine Synthese von der größten Innerlichkeit zu bringen haben. Deshalb ist die hebräische Sprache nicht schlechtweg unsere Sprache, sondern das ist die deutsch« Sprach«, und die hebräische Sprache ist eine heilige Sprache, wenn man schon eine Abgrenzung für die Dinge finden will. Aber unser großes Bestreben muß es sein, unsere Jugend in dem Streben der Erreichung der Synthese zwischen Deutschtum und Judentum zu erziehen. Wir glauben damit nicht, der richtig verstandenen Einheit deS Judentums ~ irgendwie Abbruch zu tun, denn letzten Endes sind eS ja die ewigen religiösen Wahrheiten, die wir mit innigster Liebe verehren, die die! Einheit deS Judentums verbürgen. Alles andere scheint unS Neben- L werk zu fein. Darum sagen wir: Die Hauptsache, die uns der LandeSk verband bringen muß, ist ein Religionsunterricht, der auf der Grundlage beruht — wie Dr. Horovitz mit Recht verlangt hat, den Angehörigen feiner religiösen Richtung auch in den rftuelle» Dingen kleinster Art Rechnung zu tragen — daß, zumal wir doch immerhin die Mehrheit der preußischen Judenheit vertreten, für ihn Summen auSgesetzt werben, die eS ermöglichen, Religionsunterricht unserer Richtung in den Schulen zu erteilen. Zur Rabbinerfrage habe ich zu meiner Berwunderung heute nicht gehört, woher wir denn die Rabbiner nehmen sollen, selbst, wenn wir das Geld zu ihrer Anstellung hätten/ Es ist in vielen Kreisen, ich glaube wohl auch infolge^ der Schwierigkeiten materieller Art, eine starke Abneigung gegen Einzelnen ganz andere Möglichkeiten eröffnen wird, wie vielleicht gewisse Propaganda für diesen Beruf, der heute auch materiell dem Einzelnen ganz andere Möglichkeiten eröffnet wird, wie vielleicht sehr viel andere Berufe. Und ich glaube, wenn diese Frage ui Angriff genommen würde.'daß die Schwierigkeiten in der Besetzung der Rabbinate in Zukunft verschwinden würden. Sonst, meine Dame» und Herren, können Sic einfach die Stellungen nicht besetzen, so wie cö heute der Fall ist. Es ist sowohl vom Abg. Klee wie von Dr. Sandler die Palästinaangelegenheit berührt worden. Wir alle wünschen diesem Unternehmen zweifellos das allerbeste. Wir wünschen aber, daß Organisationen geschaffen werden, die nicht nur in der Sammlung von «Geldern, sondern auch in der Verwaltung und bei der Ausgabe von Geldern die Garantie geben würden, daß eine unbedingt neutrale Verwendung der Gelder gewährt wird. Das aber scheint notwendig zu betonen, und ich möchte davor warnen, daß man nicht allein auf Palästina sich für die Zukunft stützen kann. Es scheint eine unbedingte Notwendigkeit für unsere Brüder im Osten zu sein, daß man überall in der Welt nach Staaten sucht, wo man sie unterbringen kann. iDehr richtig!) Nach dieser Richtung muß bas Jntereffe weit größer werden, wenn wir alle nicht zugrunde gehen sollen. Ein ungeheurer Rückschlag droht den Juden der ganzen Welt, wenn wir alles auf eine Karte setzen würden. In der ganzen Welt müffen die «Grenzen so geöffnet werden, baß der Abstrom armer Juden dahin erfolgen kann. (Sehr gut!) Bon dem Begriff der Einheit der Judenheit können wir unserer Auffaffung nach nicht sprechen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß der Landesverband seinerseits auch die Hauptaufgabe hat. in all seinen Aeußerungen und Beschlüssen d:c unverminderte Verwirklichung jüdischer und deutscher Interessen zu pflegen und im Auge zu behalten. (Lebhafter Beifall.) Präsident Sonnenfeld: Es ist ein Antrag auf Schluß der Debatte eingegangen. Ich bitte die Herren und Damen, die für den Schluß sind, sich von ihren Plätzen zu erheben. (Geschieht.) Ich danke Ihnen, einen Gegenprobe ist wohl nicht notwendig. Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. In einer persönlichen Bemerkung wendet sich Abg. Falkenberg gegen den Borwurf, daß er.sich gegen eine jüdische Schule prinzipiell ausgesprochen habe. Er habe ausdrücklich am Anfang seiner Rede gesagt, daß die Redezeit nur zu einigen programmatischen Erklärungen, nicht aber zu einer Begründung oder zu näheren Ausführungen ausreiche. Präsident Sonnenfeld: Wir kommen zur Abstimmung über die Resolutton in der Ausweisungspraxis. (Der Worllaut der Reiolution ist oben auf Seite 26 dieses Berichts wiedergegeben.) Ich bitte die Damen und Herren, die diese Resolution annehmen wollen, sich von ihren Plätzen zu erheben. (Geschieht.) Ich stell« die einstimmige Annahme der Resolution fest. Ist die Haushaltskommission in der Lage, Bericht zu erstatten? (Wird verneint.) Es ist zu dieser Position ein Antrag eingegangen und von mir verlesen worden, der sich darauf bezieht, ob und welche Diäten an die Mitglieder des Berbandstages gezahlt werden sollen. Ist dieser Antrag bereits vom Haushaltsausschuß berücksichtigt? (Wird bestätigt.) Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als di« Haushaltsdebatte für die zweite Lesung aus morgen zu vertagen, nachdem wir den Haushaltsausschuß gehört haben. Wir stehen jetzt vor der Frage, ob wir nicht den Umlagebeschluß auch auf morgen vertagen sollen. Ich höre keinen Widerspruch. Wir kommen dann zu Ziffer 8 der Tagesordnung: „Revision des Preußischen Judenrechts." ES ist aber angeregt worden, baß wir zunächst die kleineren Angelegenheiten erledigen, damit wir morgen wiffen, daß wir nur noch den Bericht deS HauShaltsausschuffes zum Etat entgegenzunehmen und über das Preußische Judenrecht zu sprechen haben. (Widerspruch wird nicht erhoben.) Dann kommen wir zu Ziff. S der Tagesordnung: Bildung von Bezirken zur gemeinsamen Anstellung von Rabbinern und Religionslehreru. DaS Wort dazu hat zunächst als Berichterstatter Herr Dr. Freund. Dr. JSmar Freund: Wa» dieser Frag« an Motiven zugrunde liegt, ist ziemlich ausführlich gesagt und hat seine Ergänzung durch

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