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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1926-03-10 · 1 (10.3.1926) · p. Seite 23

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
4 (1926)
Issue
1 (10.3.1926)
Date
1926-03-10
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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- 23 - Geheimnis — «egen uns Juden eingestellt. DaS läßt sich nun aber jetzt nicht mit einem Mate nur dadurch ändern, daß an die Spitze Männer gekommeu sind, die den ehrlichen Willen haben, diesem Nebel ab»uhelf«». Und wissen Sie, aus welchem zweiten Grunde diese Arbeit so schwierig ist? «eil eS jüdische Stellen gibt, die die Behörde» tumier wdeder zu antisemitischer Praxis animieren die eine Ostjudenhetze über alles Maß entfachen, zu Ausweisungen' und zum versagen von Einbürgerungen ausforbern. Sie, meine Damen und Herren, werden mit Recht von mir den Beweis für diese Ihnen zunächst unglaublich klingende Behauptung verlangen. Ich will Ihnen nur einige wenige Beispiele ansühren, die ich beliebig vermehren könnte. (Der Redner verweist hier auf zwei Artikel von M. S. Dik in Nr. 8 und Nr. 0 der „jüdischen Rundschau" 1925, die die Ueberschrift „Unvergessenes" tragen.- Ein Vorstandsmitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden, Herr Stubienrat Ofener bezeichnet in den Blättern deS Verbandes die Zionisten tu ihrer Gesamtheit ausdrücklich als Ausländer. Ein anderer Bildner der Jugend, der Lehrer Gerson, denunziert in denselben Blättern die Zionisten deS Landesverrats, indem er schreibt „sie haben im geheimen Einverständnis mit landfremden Männern und Regierungen aus staatlichen Umsturz hingearbeitet." (Hört! Hört!) Herr Naumann selbst bedauert in einem Artikel in der „Kölnischen Zeitung" auS -cm Jahre 1922, daß man die deutschen Zionisten nicht ausweisen kann und daß sie hier mitreden wollen, ,A 18 ob sie wirkliche Deutsche wären". Nun, wenn ich mich recht erinnere, hat gerade ein Berliner Schöffengericht vor kurzem sestgestellt, die schwerste Beleidigung, die man einem deutschen Staatsbürger -»fügen kann, sei es, wenn man ihm sein Deutschtum bestreitet. DaS aber ist hier geschehen. Tin weiteres Beispiel: Wissen Sie denn, meine Damen und Herren, wem Sie, wem der Landesverband preußischer Synagogengemeinbcn bisher die Geschäftsführung anvertraut hat? Sie werden sagen, dem Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde. Aber, nein, das ist ein Irrtum'. Die Wahrheit sagt Ihnen allein Herr Naumann. In dem gleichen Artikel in der.Lblnischen Zeitung" findet er es empören-, und nennt es „einen Schlag inS Gesicht des deutschen Volkes", daß der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde Herrn Prof. Weizmann, den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, empfangen hat. Er wirst die Frage aus, ob der Vorstand etwa auch mit gleicher Bereitwilligkeit „einen Werber der französischen Fremdenlegion offiziell empfangen haben würde, wenn er zufällig ein religiöser Jude gewesen wäre," und geht in seinem blinden Haß so weit, daß er dieses Verhalten des Vorstandes der Berliner Jüdischen (Gemeinde als ein« „Verbrüderung vermeintlicher Deutscher" — das sind Sie meine Herren vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde — mit „deutschfremden, ja deutschfeindlichen Elementen" — das sind wir bösen Zionisten — bezeichncte. Meine Damen und Herren! Allem die Krone aber setzt auf, daß, als kürzlich in der,LSahrheit", dem bekannten antisemitischen Blatte, ein Brief an den Minister Severing veröffentlicht wurde, ein Brief, in welchem in der sattsam bekannten denunziatorischen Art die Gesinnung zionistischer Beamter verdächtigt wurde, Herr Naumann diesen Brief in seinen Blättern mit der Anmerkung begleitete: aucli ein Mitarbeiter der „Wahrheit" könne einmal den Nagel auf den Kopf treffen! Ich frage Sie nun alle, haben Sie nun gemerkt, was ich unter Denunziation verstehe? (Zurufe: Nein.) Meine Damen und Herren! Wenn einige von Ihnen es noch nicht gemerkt haben, so scheint mir von diesen daS Wort zu gelten: Mancher lernt'S nie. Aber an die wende ich mich auch gar nicht, sondern vielmehr an die vtelen andern, die bisher schlecht unterrichtet waren und selbst daS Bedürfnis nach besserer Unterrichtung haben. Und daS find nach meiner festen Ueberzeugung auch sehr viele auS Ihrer Mitte, meine Herren von der liberalen Partei. Und die Wirkung dieser Preffekampague auf di« Behörden, dieser ... — ich finde keinen anderen Ausdruck als — Denunziation, die hat sich immer wieder gezeigt. Machen Sie sich doch einmal klar, wie solche Anschuldigungen, wie die von mir verlesenen, -«mal wenn sie von jüdischer Sette kommen, auf die Verwaltungsbehörden wirken müffen. Für mich selbst war eS ein recht beschämende» Erlebnis, als sich bei den Etatverhandlungen im Jahre 1924 der Vertreter der Deutsthnativnalen bei seinem Angriff aus den Minister Severing wegen seiner Toleranz den Juten" gegenüber ausgerechnet auf die Veröffentlichungen des Herrn Naumann berief. Damals hat allerdings ein christlicher Laudtagsabgeordneter, der Landrat Schubert, Herrn Naumann in der gleichen «eise charakterisiert, wie eS der von mir hochverehrte Herr Geh. Rat Eugen Fach» in jenem jüngst veröffentlichten Brief vom 14. April 1928 getan hat, den er folgendermaben schließt: jedenfalls halt« ich Naumann — und da» habe ich ihm inS Gesicht gesagt — für einen jüdischen Schädling, einen Manu, der noch seine Ghetto --Eierschalen nicht loSgeworden der sich an, die deutschen Christen anschmeißt und dabei Stolz m3W Selbstbewußtsein einer sozialen oder Stammesgruppierung v e r » I leugnet, der zu denen gehört, die ihrer Väter nicht gern ge.» denken. Er gehört der Gruppe an, die ich aufs tiefste verachte»! würde, wenntchdeutscherCtzristwäre." I (Zurufe von liberaler Seite: „Warum sprechen Sie denn soviel vo»W Naumann, kein Mensch beschäftigt sich mit ihm!") Nun, meine« Damen und Herren, wenn eS sich nur um Herrn Naumann handelt^» hätten Sie mit ihren Zwischenrufen recht, über ihn sind nunmehrM glaube ich, die Akten wirklich geschloffen. Ich hätte mich daher nritfl ihm auch gar nicht mehr beschäftigt, wenn nicht Herr Dr. Peyse^W ein Mitglied des Hauses, Vorstandsmitglied des Verbandes nattonaL-W deutscher Juden, heut« in dieselbe Kerbe gehauen hätte. Und da» MD der zweite Grund, der mich nötigt, heute hier das Wort zu ergreif«»^ Herr Dr. Peyser hat hier, wenn auch in etwas gewundener Form^ gesagt: Wenn wir Zionisten von Deutschtum reden, dann könnet diesem Worte kein „Empfindungsgehalt" entsprechen; er hat sich als»! zum Richter über den EmpstndungSgehalt unserer Worte — also! einen inneren Vorgang — aufgeworfen, hat zur Begründung feinet! Auffassung eine angebliche Aeuherung von Dr. Oskar Cohn zitiert,» die in dieser Form nie getan worden ist. Nun würde man ja gar! nichts dagegen einzuwenden haben, wenn die „nationaldeutschen « Juden" sich darauf beschränken würden, bei jeder paffenden und un»! paffenden Gelegenheit laut ihr „Deutschfühlen" zu betonen. Wen»! sie sich aber kein anderes Mittel ausdenken können, um die deutscheul Christen von der Ehrlichkeit dieses „Deutschfühlens"zu überzeugen,! als daß sie andere deutsche .Juden verdächtigen, dann ist wirklich da»! oben zitierte Wort des Herrn Geh. Rat Fuchs von den Ghetto-Eierschalen durchaus zutreffend. Es bedeutet nämlich: die innere Un-l sicherheit dieser Leute zeigt sich darin, daß sie glauben, die Gesinnung I anderer verdächtigen zu müffen, um ihre eigene Zuverlässigkeit! glaubhaft zu machen. (Lebhafter Beifall.) Wir dagegen lehne«! es ab, fortwährend laute Beteuerungen über unsere Gefin-z nung abzugeben. Wir verlangen, nach unseren Taten beurteilt! zu werden. Für einen deutschen Juden versteht sich nach unserer Auf»! faffung das Deutsche immer von selbst in dem Sinne, wie Friedrich» Theodor Bischer das vom Moralischen sagt. Offenbar können ienel Herren es sich gar nicht vorstellen, wie sehr eS gerade uns deutsche»! Zionisten Herzenssache sein kann, daran mitzuarbeiten, daß dieses! ganze System, das bis 1918 unS Juden gegenüber angewandt Wurst» und deffen Reste sich noch heute in den eingangs erwähnten Härte»! zeigen, daß dieses unselige System endlich restlos beseitigt, daß et»! neues wirklich freies Deutschland aufgebaut werde. 1 Meine Damen und Herren! Ist Ihnen heute nicht etwas auf») gefallen? ES hat doch in dieser ganzen Debatte recht viele und leb»4 hafte Zwischenrufe gegeben, auch recht temperamentvolle. Aber nur! ein einziges Mal haben wir es erlebt, daß gegen einen Redner! die allgemeine Empörung elementar zum Ausbruch kam. Das war.» als Herr Dr. Peyser sprach. Das ist auch durchaus verständlich, wen»! Sie sich an folgendes erinnern. Durch alle Reden dieses Tages ging! bisher der ehrliche Ruf nach Einheit — und dann kommt plötzlich ei»! Redner jener „nafionaldeuffchen Juden", die Herr Peyser vertritt^ und die immer wieder die Parole ausgegeben haben: „Heraus anSÄ der jüdischen Einheitsfront." Haben wir eS doch sogar von tiefe«! Seite erleben müffen, daß man den „ReichSbund jüdischer Fronte» soldaten", auf den wir doch alle stolz find, dadurch lächerlich zu mache»! und zu verunglimpfen suchte, daß man ihn als „ReichSbund jüdischer^ Einheitsfrontsolbaten" bezeichnete. Die jüdische Ei».j heitsfront" ist nämlich für Naumann an sich schon ein verbrechenkä So erklärt sich die elementar« Empörung die wir wohl alle dieser! Parole gegenüber einmütig zum Ausdrucke bringen. Denn Herr^ Naumann begeht dasselbe verbrechen, wie der roschoh in der mah» J oischtanoh, von dem es heißt: Ulfi schehauzi es azmau min hakloO kofar boikor! Weil er sich selbst aus der jüdischen Einheitsfrout.1 ausschließt, leugnet er die jüdische Grundwahrheit, die Wahrheit tetJ Satzes: Kol jisroel arewim seh lose! (Zwischenruf: Hakkeh e«.| schinof.) II Jawohl, ich nehme diesen Zwischenruf gern auf. Wir werde»)! stets jenen Leuten gegenüber das bewährte Rezept anwendeu, dast! die Hagadah für die Behandlung des roschoh empfiehlt, das Rezept I de» „Hakheli es schinof”. Wir werden diesen Angriffen und De» i nunziafionen gegenüber stets unfern Mann stehen und werde«) schließlich jedem die Zähn« stumpf machen, der je wieder den Munds zu solchem Gebell aufmachen wird. (Beifall und Händeklatschen.) 1 Präsident Sonnenfeld: Das Wort hat der Abg. Dr. j Holländer. 1 Abg. Dr. Holländer: Meine verehrten Damen und Herreuk4 Die Ausführungen de» Herrn Dr. Sandler und teilweise auch die»

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