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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1926-03-10 · 1 (10.3.1926) · p. Seite 17

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
4 (1926)
Issue
1 (10.3.1926)
Date
1926-03-10
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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nicht). Der «tat tst überwiesen. Wir werden noch einen HauShaltSauSfchutz -u wähle« haben. Hierfür sind folgende Vorschläge gemacht: Rechtsanwalt Abraham H o r o v 1 tz. Frankfurt a MM Dr. Hugo Emmerich.Frankfurt a. M. ' Arnold Wiener. Benthe». Alfred Berger. Berlin. RechtSannÄlt Dr. Alfred Landsberg.Wiesbaden. Alfred Getdenberg-Liegnitz. Geheimrat Julius Stern.Berlin (Ersatzmann Dr. Josevb Katzenstetn» Kassel). Alfred BielfchowSky.Breslau, Vorsitzender. Kommerzienrat Naphtali Hamburger.Berlin Henry R othschtlid. Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. Artur Ehrlich. Tilsit. Moritz Steinberg»Wiesbaden. Willy Dreyfus.Frankfurt a. M. Willy W o l f f» Frankfurt a. M. Bruno W o y d a - Berlin Widerspruch wird nicht erhoben, die Herren sind also gewählt. Abg. Dr. Badt bemerkt zur Geschäftsordnung, daß wohl die Fraktionen unzweifelhaft das Recht hätten, für etwa verhinderte Abgeordnete andere in die Sitzungen zu delegieren. Dies wird vom Vorsitzenden bestätigt. Abg. Frau Seligsohn setzt sich für die Mitarbeit der Frauen auch in den Ausschüssen ein. Präsident Sonnenfeld: Ich schlage Ihnen nunmehr vor, eine Pause bis 8^ Uhr eintreten zu lassen. (Widerspruch wird nicht erhoben.) In einer persönlichen Bemerkung erklärt Abg. Berger: Ich bedaure außerordentlich, infolge einer falschen Information über die Gemeinde Düsseldorf 'eine falsche Mitteilung gemacht zu haben. Ich erfahre soeben, daß dort inzwischen das Ausländerwahlrecht eingeführt ist. Präsident Sonnenfeld: Die Sitzung ist geschlossen. Schluß gegen Z43 Uhr. Nachmittag-Sitzung. Um 8,40 Uhr eröffnet Präsident Sonnenfeld die Nachmittag- Sitzung. Präsident Sonnenfeld: Wir fahren in der Besprechung von Ziffer 8 der Tagesordnung fort. Das Wort hätte in erster Reihe Frau Ovendorf. Ich frage an, ob mit Ihrer ^Genehmigung Herr Peyser das Wort bekommen darf. Er ist zu einem Kranken gebeten und sichert zu, nicht länger als fünf Minuten zu sprechen. Ich höre keinen Widerspruch. Der Abg. Peyser hat das Wort. Abg. Dr. Peyser: Meine Damen und Herren! Der Etat gibt stets Gelegenheit zur allgemeinen Aussprache und diese ist ausgiebig erfolgt. Zu unserer Freude hat sich in den wichtigen prinzipiellen Punkten eine Uebereinstimmung gezeigt. Dagegen tst hier in der Debatte eine Auffassung geäußert worden, die nicht unwidersprochen bleiben kann. wurde gesagt, daß die aufzulegenden Mittel nicht allein für Deutsche, sondern für den- „Älal" bereitgestellt werden müßten. Ich widerspreche dieser Auffassung, weil ich tn ihr einen Versuch erblicke, die Organisation der Preußischen Jüdischen Gemeinde» in den Dienst deS politischen Zionismus zu stellen. Wir ehren und respektieren trotz Gegnerschaft di« zionistische Anschauung und zwar mehr, alS sie es unserer Anschauungen gegenüber tut. Wie man sich dem Gegner gegenüber benimmt, ist Geschmacksache und darüber haben wir «nS hier nicht weiter zu unterhalten. (Unruhe bei der Volkspartei.) ,JBo folgt jeder der Methode, dran er nun einmal gewöhnet und anstatt euch drum zu schelten, sag' ich Dank Euch, wohl versöhnet." Wir wünschen aber nicht, von dritter Seite mit Ihnen zusammengespannt zu werden. (Zurufe: Wir auch nicht!) Und so sehr wir Ihnen zubilltgen» daß Ihre Worte echt und treu sind, sobald Sie vom Judentum sprechen, so sehr kommen uns Zweifel, wenn Sie notgedrungen einmal von Ihren deutschen Gefühlen sprechen. (Zurufe: Denunziation! — Glocke des Präsidenten. Weitere Zurufe: Berleumdung!) Ich gebe sofort eine Begründung für diese sogenannte Berleumdung Ihrer Gesinnungsgenossen: Herr Dr. OSkar Cohn hat in meiner Gegenwart erklärt, er wüßte nicht, ob die Erhaltung des deutschen Volkes eS wert wäre, dab deswegen ein neuer Krieg geführt werde. (Lebhafte Zurufe links: Unwahr!) Herrn RechtSanwalt Alfred Klee habe ich gestern abend wohl richtig verstanden, wen» er gesagt hat, daS Judentum hätte tn seinen Bestrebungen nur eine Zukunft, wenn »fremde" Einflüsse auSgeschaltet würden, und es ist ihm heute der Lapsus passiert, alS von fremde« Sprachen die Rede war, die deutsche Sprache niemals als Muttersprache zu bezeichnen. Meine Damen und Herren! Ich stehet« hter in ehrlicher Absicht, alS religiös empfindender, bewußter und 1 auf Vergangenheit und Tradition der jüdischen Geschlechter stolzer.7 Jude, aber» sobald es sich um BolkStum handelt, a!S guter Deutscher. 1 Und tch glaube, daß ich in dieser Auflassung die Mehrheit hinter mtr^ habe. Es gibt aber auch viele, die nicht so von mir und meinen Freunden denken. Soeben ist «ine Broschüre erschienen, die den Titel führt: ,DaS deutsche Judentum und seine jüdischen Gegner", Da bezeichnet ein Herr Marx als Gegner der deutschen Inden zuerst ‘ die Zionisten und dann die nationaldeutschen Juden, beide int' innigsten Verein. Wir lehnen, wie gesagt, sowohl den Titel alS auch eine solche Zusammenspannung ab. (Gelächter links.) Meine Damen und Herren! Wir haben hier Aufgaben, bei denen Sachlichkeit in der Beratung von Anfang an die größte Rolle spielt, und wir werden trotz der starken gegnerischen Haltung stets bereit sein, uns ohne^ polemische Schärfe an der Arbeit zu beteiligen und die gemeinsame» . großen Ziele mit Ihnen zu verfolgen. Kommen Sie von der jüdischen Bolkspartei uns dagegen statt mit sachlicher Gegnerschaft mit der bei Ihnen beliebten Dialekttk, so sage ich Ihnen schon heute: \ Sie werden auf jeden derartigen Angriff eine geharnischte Antwort : erhalten. (Widerspruch links.) Präsident Sonnenfeld: Man hätte vielleicht zweifelhaft sei» j können, ob alles, was Herr Peyser vorgetragen hat, unter den Bericht und Etat «inzuordnen ist. Ich habe deshalb von jeder Unterbrechung Abstand genommen, weil ich annahm, daß die Ausführungen des Herrn Pevser, ganz gleichgültig, wie man zu ihnen steht, die vielleicht herensgeforderte Antwort auf Ausführungen war, die die Vorredner gemacht haben. Abg. Dr. Weil (zur Geschäftsordnung): 8 8 der Satzungen be. stimmt zwar, daß die bereits gewählten Mitglieder des Rates au de» Sitzungen der ersten Tagung teilnehmen dürfen. Ich glaube aber, daß der Sinn der Verfassung in sein Gegenteil verkehrt wird, wen« Mitglieder des Rates ihre führende Stellung nicht allein versuche» zu Gehör zu bringen, sondern, wie Herr Dr. Klee daö getan hat, z» beleidigenden Ausdrücken benutzen. Ich glaube daher, wenn verhindert werden soll, daß noch in letzter Stunde ein Antrag auf Aenderung dieses Paragraphen hier etngebracht werden soll, der von der Mehrheit des Hauses zweifellos angenommen werde» würde, dann müssen Sie, meine Herren vom Rat, sich die natürliche Reserve aus. erlegen, die aus der Konstitution des Hauses sich ergibt und die von Herrn Klee fortgesetzt und ostentativ verletzt wird. Präsident Sonnenfeld: Das Wort Denunziation hat eine» objektiven Inhalt und kann subjektiv auch in verschiedenem Sinne gemeint sein. Ich habe deshalb, obwohl ich dieses Wort gehört habe,, nicht bei dieser Gelegenheit eingegriffen. Ich werde auch nicht eingreisen, sofern mir nicht ein solcher Antrag seitens des Hauses zugeht. ' — Das Wort hat jetzt die Abg. Frau Ollendorff. Abg. Frau Ollendorf: Meine Herren und Damen! Ich bi» hier, um im Namen der liberalen Frauen unserer Freude und unse»j rem Danke Ausdruck zu geben, baß wir in dieses Haus einztehen j konnten. Wir tragen die Sehnsucht in unserem Herzen, mitzuarbeiten,i am jüdischen Leben, seit dem größten Ereignis der jüdischen Geschichte, i seit dem Auszug der Kinder Israel. Dieses große Ereignis ist ja v auf Veranlassung der jüdischen Frauen geschehen, und das scheint.' offenbar im Laufe der Geschichte vergessen worden zu sein. Und ■{ wenn wir nun hier mitberaten dürfen, so tun wir das tn der Hoff- ' nung, daß wir bald Gelegenheit haben werden, auch in unseren Ge»- meinden Mitarbeiten zu können. Meine Herren und Damen! Wir ] sind hierher gekommen nicht als Frauenrechüerinnen, auch nicht al» ' politische Frauen, sondern um an der «roßen jüdische» Familie als, Mütter unser« Pflicht zu tun. Und wenn wir etnei^ Augenblick politisch sein dürfen, so möchte ich darauf Hinweisen, baß uns eine Verfassung vorgelegt worden war, in der ein Passus stand, daß der z Verband die Bestimmung treffen darf, in den ihm angeschloffene« Gemeinden für die Wahl zum Landesverbände und Rat das Frauen» Wahlrecht auszuschließen. Wen» solche Bestimmungen überhaupt noch^ möglich sind, bann tst es höchste Zeit für uns Frauen, zu kommen und i mitzuarbeiten am Ausbau deS deutschen Judentums. Wir wollen hier lernen, was die klugen Männer bisher getan haben. Da bisher die jüdische Verwaltung von den Männern allein gemacht worden ist; und es nicht so herrlich weit gebracht hat, so hoffen wir, daß, wenn wir Frauen dabei sein dürfen, eS vielleicht etwas besser gehen wird. Dazu möchte ich einiges sagen. Mit einigen Redner» sind wir Frauen durchaus nicht einverstanden. Daß die wichtigste oder allerwichtigste Aufgabe des Landesverbandes darin bestünde, 83 BezirkSrabbiner einzusetzen, bas erscheint uns nicht richtig. Unser'Jntertsse an de»' Rabbinern tst außerordentlich. Ich rühme mich der Freundschaft mehrerer Rattiner. Ob sie Bezirks» oder Großstadt- oder Kleinstadt» 1 oder Platte-Land-Rabbiner sind; da», verehrter Herr Dr. Klee, der'

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