Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- 1 (10.3.1926)
- Date
- 1926-03-10
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWWW gegeben werden, insoweit die Gemein»«» leistungsschwach sind Dabei möchte ich auf einen taktischen Gesichtspunkt aufmerksam machen. Zu den religionSgesetzlichen Einrichtungen gehören ja auch bestimmt« rituelle Gegenständ«. Vernachlässigen wir die Gemein»«» «ei diesen Wünschen so werben ste fich an den Halberstädter Bund wenden. Wir werben deshalb dafür sorgen müssen, daß unser Landesverband, dem wir mit grober Freude ««gehören^ hier reiche HUse leistet und hoffen, daß wir init diesem Wunsche keinen Widerspruch finden werben. Meine Damen und Herten! Ein letztes tn diesem Zusammenhang ist der folgende Punkt: Es hat sich herausgestellt, baß die Kultgegenstände und Lehrmittel wie auch der rituelle Bedarf, den wir haben, nur zu sehr erhöhten Preisen zu beschaffen sind. Für diese kultischen und rituellen Bedarfsmittel müssen heute Preise vufgewendet werden die eS dem kleinen Mann nicht leicht möglich machen, sie sich zu beschaffen. Auch hier muh der Verband für die Verbilligung sorg«« und einen erheblichen Betrag anfwenden, und durch gemeinschaftlichen Einkauf unter anerkannter Zuverlässigkeit oder durch Subvention es möglich machen, daß Gemeinden und Einzelne ohne besonder« Opfer ihre religiösen Verpflichtungen und Rcdürsnisie erfüllen können. Meine Damen und Herren! Unsere Weisen sagen : Al sch'lauschoh d’worim hoaulom aumed al hatauroh w’al lioawaudoh w'al g’milus chassodim. Tragen wir dazu bei, dass diese Säulen der Welt, die zu tragen wir mitberufen sind, ja an erster Stelle berufen sind, erhalten bleiben. Was wir zur Stärkung von taurost, zur Stärkung jüdischen Wissens fordern und wünschen, haben wir ausgesprochen. Wie die Forde, rnngen der awaudoh, des Gottesdienstes wahrgemacht werden sollen, haben wir angcdcutet, und zu diesen Forderungen gehört vor allem die materielle Sicherung und die Schaffung einer wahrhaft unabhängigen und dem Amte angemessenen Stellung für alle Träger heiliger Berufe in unseren Kreisen. Lassen wir auch der Wohlfahrtspflege, dem g'irih'.s chessed, seinen historischen und bedeutungsvollen Platz in der Arbeit des Verbandes. Daraus ergibt sich schon, daß der im Etat vorgesehene Betrag für die Förderung der Wohlfahrtspflege nicht genügen kann, und dass er um ein Außerordentliches hinaufgesetzt werden muss. Darauf bitte ich das Hauptaugenmerk zu richten, dass alle Einrichtungen des Verbandes so beschaffen sein müssen, bah alle darin Platz haben können. Das steht ja auch in der Verbandsverfassuna,' aber wir wollen anch auf die Auslegung achten. Wir haben hier viel gehört von einem Gemeinschaftsgedanken, der auf allen Seiten besteht, der nur von der einen und anderen Richtung anders ausgclegt wird. Aber immerhin war es für uns etwas Befreiendes, bah die Zeit des Niederreihens offenbar vorbei ist und alle nur aufbauen wollen. Nach dem, was hier an lebendigem Judentum, ich darf wohl sagen, gepredigt worden ist. können wir nur bekennen, dah wir zufrieden sind, wenn all das, was hier gesprochen wird und wurde, auch nur zum Teil wahrgemacht wirb: wenn cs wahrqemacht wird, dah wirklich neues Leben auf jüdischem Grund und aus jüdischem Bewusitsein heraus in den Oerzen unserer jüdischen Fugend erblühen soll. Nicht nur die allgemeine grohe Welt, nicht nur unsere jüdische Welt, auch die Forteristenz der preuhischen Judenheit. auf die wir uns hier ja zu beschränken haken und für die wir arbeiten, auch sie hängt, wie daS Gedeihen der Seele eines jeden einzelnen von uns ab davon, dah die Tauroh lebt und nicht untergeht und dah daS jüdische Herz nicht ansstirbt, so wie es auszusterven droht, je mehr wir uns sklavisch anpassen demjenigen, was um uns und unsere Fugend lebt. Der Klall-Gedanke. den ja alle hier betont haben, er erfüllt uns bis zum letzten Blutstropfen. Wir sehnen de« Tag herbei in unseren Träumen und Hoffnungen, wo wirklich eine geeinte Menschheit friedlich diese schöne Welt bebauen und pflegen wird. Wir sehne.» d,n Tag herbei, wo wirklich eine jüdische Gemeinschaft wieder besteht in der Ausübung und Verwirklichung beS Gesetzes, daS wir getreulich halten und pflogen wollen biS^u dem Tage, den unS unsere Propheten und Weisen gekündet haben. Arbeiten wir an der Zusammenfassung und Vereinheitlichung unserer jüdischen Gemeinschaft, arbeiten wir daran mit Zähigkeit ein jeder an seinem Platz und durch Einfügung in den großxn Weltenplan, der unS verkündet ist. so wird der Tag, kommen, wo nach wahrer Herstellung. Festgründung und Verwirklichung der jüdischen Gemeinschaft die grohe geeinte Menschheit bereit sein wird, in Frieden, Recht und Gerechtigkeit ihre Aufgaben einheitlich zu lösen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präsident Sonnenfeld: DaS Wort hat der Abg. Dr. Neumann. Abgeordneter Dr. N e u m a n n: Meine Damen und Herren. Mit Ihnen allen bogrühen auch wir von der Mittelpartet den Zusammentritt deS Landesverbandes und danken allen, die an den Vorarbeiten mitgeholfen haben. Nach dem Anhalt der bisherigen drei Reden könnten wir glauben, die Aufgaben deS Verband«- lägen so einfach, dah sie l« schnellster Weise erfüllt werden könne». Leicht aber beieinander wohnen die Gedanke«, doch hart im Raum« stoße« sich 15 - ' - a 6ie Sachen. So kommt ce zn persönlichen Auseinandersetzungen und 2 . Schwierigkeiten, wie wir sie heut bereits erlebt haben, die die großen.-^ Gedanken zu kleinen Sorgen zu verzetteln drohen. Was der Lande», i verband als deutsche Organisation will, ist schon durch seine Verfassung festgelegt und Allgemeingut geworden, so daß sich hierin Gegensätze j und Uneinigkeiten zunächst nicht zu zeigen brauchten. In »er Tat haben wir heut auch von Herrn Stern, dem Führer der Liberalen>' Fraktion eine Rede gehört, die, wie ich glaube, fast alle bis zu den 1 äußersten Konservativen unterschreiben können. Und wie kommt e» . doch, daß trotz dieser Rede heute schon Konflikte entstanden sind? Da» ' ist ein Zeichen dafür, »atz uns,nicht nur die Ideen verbinden sollen, sondern daß wir auch an die praktische Ausführung mit dem gleichen brüderlichen Geiste gehen müssen, den wir in unseren Worten an den Tag legen. Schwierigkeiten haben in dieser Beziehung freilich manche Ausführungen LeS Herrn Dr. Klee gebracht. Unzweifelhaft hat jeder -Jude auch in den außerhalb Preußens und Deutschlands lebenden Juden seinen Glaubens- und Stammesbruder zu erblicken. Zunächst ist aber dieser Landesverband als eine preußische Organisation gedacht, al» eine Organisation der preußischen Synagogengemeinden, um dem preußischen Staate gegenüber eine gemeinsame Vertretung zu bilden und um innerhalb Preußens die Unterstützung der leistungsschwachen Gemeinden zu sichern. Was aus dem Landesverband in Zukunft wird, ist eine andere Sache. Die preußischen Aufgaben sind aber die Grundlage und wir wollen uns diese Grundlage nicht durch theoretische Auseinandersetzungen zerstören lassen. Wir dürfen auch nicht, wie eS hier ausgesprochen wurde, sagen, wir sind auf der einen Seite Juden und auf der anderen Deutsche, sondern wir sind beide» vereint, deutsche Juden. Wir müssen uns zu dem Staat in ein ganz anderes Verhältnis stellen. Durch unser Wirken und unser Leben , haben wir an der deutschen Kultur in Wissenschaft, Kunst, Handel und Industrie mitgearbeitet. Sie ist damit zugleich auch ein Eigentum von uns geworben. Wir Juden haben in allen Fragen mitgearbeitet. Es gibt nichts, wo wir nicht mitgewirkt hätten. Deshalb können wir eine solche Trennung, wie sie hier ausgestellt wurde, nicht anerkennen. Da» hindert aber nicht, dah sich unser Mitgefühl auch auf diejenigen Mitbrüder erstreckt, die nicht in Preußen oder Deutschland ihr Heim haben. ES ist von Palästina gesprochen worden. Wir alle stehen mit unseren religiösen Gedanken in irgend einem Gesühlszusammenhang mit Palästina. Wir wissen alle, dah unsere Quellen von dort kommen und unser Ideal deS einen Gottes und einen Menschengeschlechtes auf. Palästina zurückgeht. Aber wir können nicht als eine Aufgabe de»! Landesverbandes in erster Reihe heut hier verlangen, daß er für den 1 Aufbau Palästinas und seine nationalpolitische Ausgestaltung etntritt. 1 Wohl aber mutz der Verband sich für die hebräische Sprache insoweit | einsetzen, daß möglichst viele hebräisch mit Verständnis beten können. Die jüdischen Gebete und die heiligen Schriften werden erst mit ganzer Kraft auf unS einwirken, wenn wir den Sinn der Worte nach ihrem sprachlichen Ursprung begreifen. Wir beschränken aber niemanden in seiner Individualität. Kein Gewissenszwang ist zu dnlden. »aber Schutz religiöser Minderheiten. Wenn wir uns jetzt an den Tisch zur gemeinsamen Arbeit setzen und zunächst die Aufgaben erledigen, worin wir alle einig sind, so wird der Verband mit seinen Zielen von selbst weiter wachsen. Dabet müssen wir immer wieder von dem Gedanken ausgehen, daß ein freiwilliger Zusammenschluß in Frage kommt. Daher wird der Verband nur leben können, wenn er in seinem Wirken gegenseitiqes Verständnis und gegenseitige Duldsamkeit erkennen läßt. Wahre Duldsamkeit verlangt aber ein Empfinden dafür, daß der andere, auch wenn er anders denkt, solange er aus seiner innersten Ueberzeugung heraus handelt, sein Bestes geben will. Ich schließe, nachdem ich zur Sache selbst, da alle Fragen, die uns heut beschäftigen sollen, bereits reichlich erörtert sind, nur wenig hinzuzufügen hatte, mit der Wiederholung des meiner Ansicht nach wichtigsten Gedankens: . Bestand und Gedeihen des Landesverbandes hängen vyn der Erkennt- niS ab: 1. dah eS sich um einen Zusammenschluß preußischer Snna- . gogengemeinben handelt, der zu einem Verband deutscher jüdischer -j Gemeinden ausgebaut werden soll, j 2. daß der Zusammenschluß auf Freiwilligkeit beruht, die nur bei 1 gegenseitiger Duldsamkeit zu erhoffen ist. (Beifall und Händeklatschen.) Präsident Sonnenfeld: DaS Mort hat der Abg. Berger. Abg. Berger: Meine Damen und Herren! Wenn ich hier namenS der sehr kleinen, zahlenmäßig schwächsten Gruppe, der jüdischen sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion, re»e, möchte ich anknüpsen an die Worte, die gestern hier von dieser Stelle au» über die Bedeutung und Bewertung der Minderheiten in einem - Gremium, wie eS da» unfrige »arstellt, gesprochen sind. Und ich bedaure ganz außerordentlich, daß »iese an fich lobenswerten Worte dort, wo sie »n praktischen Beschlüssen hätten führe» müssen, unserer .