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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1926-03-10 · 1 (10.3.1926) · p. Seite 11

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
4 (1926)
Issue
1 (10.3.1926)
Date
1926-03-10
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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-11ware», so besteht doch jedenfalls die Tatsache, daß ein ganz beson. ders eindringliches Borgehen notwendig ist, um wertvolles Material in Len jüdischen Lehrerberus hineinzuziehen. Aus diesem Grunde müffen wir für die Ausbildung der Lehrer weitgehend Unterstützungen gewähren. Die übrigen Pofittonen sind von weniger großer Bedeutung. Im Kap. 5 handelt es sich um den VerbandStag und den Rat, um Reisegelder und Diäten für die Abgeordneten und die Mitglieder des Rates. Die vorläufige Geschäftsführung hat zu diesen Fragen keine Stellung genommen. Der VerbandStag soll die Möglichkeit haben, seine eigenen Wünsche hierbei zum Ausdruck zu bringen. Das ist wohl das Wesentlichste, was ich Ihnen generaliter zu sagen habe. Aus Einzelheiten werde ich evtl, in der Spezialdebatte noch zu sprechen kommen. (Beifall und Händeklatschen.) Präsident Sonnenfold: Bevor wir in die Besprechung des Etats eintreten, l>abe ich pflichtgemäß mitzuteilen, daß mir ein Schriftstück folgenden Wortlauts vorliegt: ,F)ch erhebe hiermit Einspruch gegen den zweimaligen Ordnungsruf des Vorsitzenden. Berger." Dieser Einspruch spricht von einem zweimaligen Ordnungsruf.. Ich habe demgegenüber zu erklären-, daß ich dem Abg, Berger einmal einen Ordnungsruf angedroht habe, als er trotzdem sortsuhr zu sprechen, habe ich erklärt: „Nunmehr erteile ich zum ersten Mal einen Ordnungsruf." Dabei ist es geblieben. Ich frage Herrn Berger: richtet sich fein Einspruch gegen einen zweiten, oder gegen beide Ordimngsrufe? (Abg. Berger ist nicht im Saale.) Herr Berger scheint nicht hier zu feilt. Wir kommen daher über den Einspruch zur Abstimmung. Ich bitte diejenigen Damen und Herren, welche den einmaligen Ordnungsruf für berechtigt gehalten haben, sich vom Platze erheben, zu wollen. (Geschieht.) Rach übereinstimmender Auffassung des Präsidiums steht die Mehrzahl der Abgeordneten. Eine Auszählung ist nicht notwendig. Ich werde abwarten, ob Herr Berger auch eine Abstimmung über den zweiten, nicht gegebenen Ordnungsruf wünscht (Heiterkeit). — (Präsident sorif.I: Es ist hier «ingegangen ein eiliger Antrag, unterschrieben von einer großen Fülle von Damen und Herren: „Der Verbandstag wolle zum Kap. 5 beschließen: Die auswärtigen Vertreter erhalten Reisekosten II. Klasse und ein Tagegeld in Höhe von 20 Mark." Zu diesem Antrag kann bei den Eratbcratungen mit Stellung genommen werden. — Das Wort hat nunmehr Herr Abg. Stern. Abg. Stern: Namens meiner Freunde werde ich beantragen, den Etat einem Ausschuß zur Beratung zu. überweisen, der über Abänderungsvorschläge zu befinden und Ihnen Bericht zu erstatten hat; denn wir werden ja doch eine zweite Lesurrg vornehmen. Ich werde daher nur generaliter sprechen. Meine Damen und Herren! Unsere Fraktion und ich persönlich haben diesen Tag herbetgesehnt; wir begrüßen den Zusammentritt des Preußischen Landesverbandes mit herzlicher Freude und Genugtuung. Wir erblicken darin nicht einen Abschluß, sondern den Anfang der Entwicklung der deutschen Judenheit, einen wichtigen Schritt zur Gesamtorganisation der deutschen Juden überhaupt, die wir für eine unumgängliche Notwendigkeit halten, deren Erfüllung nun nicht länger hinausgeschoben werden darf. Denn wir kennen keine preußischen, hessischen und sächsische» Juden, sondern nur ein einiges und großes in sich geschloffenes deutsches Judentum. (Beifall.) Ich halte es auch für meine Pflicht, daraus hinzuweisen, daß der heutige Tag in gewissem Sinne ein geschichtlich denkwürdiger ist, die Krönung des Werks liberaler Männer, die in unermüdlicher Arbeit die Organisation der deutschen Juden vorbereitet haben. Ich halte es sür ein Gebot der Pietät, hier auch der Männer zu gedenken, die an dem Werke der Einigung mitgearbettet haben und die nicht mehr unter uns weilen: Martin Phtlippson, Edmund L a ch m a n n, Maximilian H o r w i tz, OSkar Cassel, Eugen Fuchs und Salomvn Kalischer! Diesen sechs Männern, die zuerst den Gedanken der großen Organisation ausgegriffen haben, gttt unsere Dankbarkeit und Liebe. Präs. Sonnenfeld unterbrechend: Ich bitte seststellen zu dürfen, daß der Berbandstag sich zu Ehren der Verstorbene» von den Plätzen erhoben hat. Abg. Stern fortfahrend: Wir begrüßen die Arbeiten deS Beibandstages in dreifacher Hinsicht. Einmal, weil im preußischen Judentum endlich einmal eine feste Organisation der Juden dem Staate gegenüber geschaffen wird. Und ich muß betonen, wie wesentlich es ist, daß wir endlich einmal dem Staate gegenüber eine einige und hoffentlich auch in der Ausführung ihrer Beschlüsse einheitliche Vertretung haben. Das ist nicht nur um des Judentums willen, sondern auch um des Staates willen notwendig. Denn, wie wir Juden einen festen und blühenden Staat nicht entbehren können, wie wir kraft unserer religiösen Ueberzeugung nicht nur die Gesetze deS Staates als bindend anerkennen, um unser Vaterland als Ganzes mit unserer Liebe zu umfassen, so erwarten wir vom Staat, daß er den Grundsatz der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung uns Inden gegenüber zur Tat werden läßt. 'Deutschland kann das deutsche Judentum ebenso wenig entbehren wie wir Juden ein blühendes und einiges deutsches Vaterland, mit dessen Gedeih und Verderb wir unlöslich verbunden und verknüpft sind. (Lebh. Beifall.) Zweitens ist als selbstverständlich hervorzuheben, daß die Gesamtvertretung der preußischen Juden notwendig ist, wegen der zahllosen Einzelausgaben, die unserer harren und im Etat ihren Ausdruck gefultden haben. Wie wir im einzelnen auch dazu stehen mögen, es ist doch ein Gebot, hier einmal in aller Oeffentlichkeit feftzustellen, wie ge» wattig die Aufgaben in religiöser, sozialer und geistiger Beziehung sind, die wir deutschen Juden uns gegenüber zu erfüllen haben, wo wir keinen Mann und keine Frau entbehren können, an diesem große» Werke mttzuarbeiten. Ich glaube in aller Sinne zu sprechen, wenn ich der bisherigen Geschäftsführung dafür, daß sie uns diese Aufgabe» präzisiert und das Programm gegeben hat, sür ihre große und, wie ich am besten, weiß, sehr mühevolle Arbeit, unseren aufrichtigen Dank ausspreche, insbesondere auch Herrn Dr. Freund, dessen Arbeit eS -ja im wesentlichen ist, die wir hier vor uns haben. (Beifall und Händeklatschen.) Dieser grundsätzliche Dank entbindet uns nicht von der Verpflichtung sorgfältiger Prüfung. In sehr wesentlichen Punkte» sind wir der Ansicht, daß die Verbandsleitung zu bescheiden gewesen ist und die Ansprüche eher zu gering als zu hoch ausgesaßt hat, die wir zu stellen haben. Jedenfalls möchte ich mit aller Entschiedenheit betonen: die Aufgaben, die unserer harren, sind so umfassend, daß wir hiev einmal zeige» müffen, wie unsere Opferwilligkeit nicht bloß auf dem Papiere steht, sondern eine Opferwilligkeit des Herzens und der Tat ist. Bon diesem Gesichtspunkte aus müssen die ^einzelnen Gemeinden an den Etas Herangehen, Ich hebe zwei wesentliche Punkte hervor: 1. das, was mir hier für WohlfaHrtszwecke eingesetzt haben, ist völlig unzureichend, auch unter dem Gesichtspunkte betrachtet, daß die Zentralwohlfahrtsstelle augenblicklich in der Lage sein soll, die notwendigen Aufgaben zu erfüllen. Es ist unter unserer Würde, nachdem wir diese Aufgaben übernommen haben, daß eine andere Stelle, und mag sie noch so großartig gearbeitet haben, diese unsere Arbeiten und Lasten tragen soll (Sehr richtig!). Haben wir die Verpflichtung übernommen, so müssen wir ihr auch Nachkommen. Wir werden Ihnen eine sehr wesentliche Heraussetzung dieser Etatposition Vorschlägen müffen. Als unsere speziellen Wünsche habe ich auszusprechen, baß eine unbedingte Parität jeder religiösen Richtung gegenüber in der Wohlfahrtspflege gewährleistet weiden mutz. Wir bestehen darauf, daß auch unsere Anschauung die gebührende Würdigung findet; et darf nicht Vorkommen, daß Menschen, die uns angeschloffen sind, von der g'milus chessed ausgeschlossen werden, weil sie die Forderungen des Religionsgesetzes nicht in. dem Umfange erfüllen, wie eS eine andere Richtung des Judentums heute noch sür erforderlich hält. Ferner möchte ich meiner hohen Befriedigung darüber Ausdruck geben, daß hier einmal gezeigt wird, wie vielfältig die Aufgaben sind, die wir in sozialer Arbeit zu leisten haben. Sie alle wissen, daß private jüdische Liebestätigkeit an Armen, Kranken usw. bisher im wk,enilichcn den Gemeinden für die Lösung dieser Ausgaoen zur Verfügung stand. Allen Brüdern und Schwestern, die dabei mitgeholke» haben, danken wir an dieser Stelle uird bitten sie, auch weiterhin mittätig zu sein (Beifall). Diese Tätigkeit auf eine größere Basis zu stellen, wird unsere Ausgabe sein. Es wird uns obliegen, dafür zu sorgen, daß die im Etat ausgestellten Buchstaben und Zahlen Leben gewinnen, und ich darf hier die Hoffnung aussprechen, daß auf diesem Gebiete nur ein gemeinsames Ziel gesteckt und erreicht wird. 2. Dem sozialen Hilssweick gegenüber stehen die Aufgaben auf dem Gebiete der Lehrerbildung und des Kultus, die religiösen und die Wissenswerte, diese Kernstücke des Judentums. „Talmud tauroh keneged kuloml" Auch wir Liberalen sind von der Notwendigkeit überzeugt, daß jüdisches Wissen einziehen muß in daS Herz jedes Juden und jeder Jüdin. Judentum muß sein nicht nur ein Empfinden der Pietät, sondern ein durch Wissen gefestigtes, in Tat umgesetztcs Gut unsres LebenSI (Beifall). Was wir Liberalen däzu tun können, daß die Gemeinschaft des Judentums befestigt wird, die sich im Elternhaus, Schulhaus und Gotteshaus ausspricht, das werden wir nach besten Kräften tun, wie bisher. Wir werden beantragen, daß zwei Kultusausfchüffe gebildet werden, einer für die gesetzestreue Richtung und für die liberale Richtung der andere. Wichtige und bringende Aufgaben harren auch des liberalen Ausschusses. Die örtliche Zersplttterung des GotteSdiensteS, die Verschiedenheit der Gebetbücher hossen wir beseitigen zu können, indem wir endlich einmal ein einheitliches Gebetbuch für die liberale Richtung Herstellen, damit eS aufhört, daß wir in Preußen, Hessen oder anderen Ländern jeweils besondere GebetSbücher haben. Meine Damen und Herren, alles, waS hier Herr Dr. Freund über die Notwendigkeit der Unterstützung leistungSschwacher Gemeinden gesagt hat, ist eine absolute Selbstverständlichkeit. Die meisten von Ihnen werden de» Zauber deS jüdischen Gemeinde- und Semetnschastsleben» in kleine« und mittleren Gemeinden noch

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