Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- 1 (10.3.1926)
- Date
- 1926-03-10
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— loben ufw., so wollten wir, wie dies auch auS der Berfaffung und den Gründungsverhanblungen sich ergibt» -um Ausdruck bringen, daß die Aufrechterhaltung -er Gemeinden und deren Wiederaufbau den dringlichsten und vornehmsten Teil unserer Tätigkeit darstellt. Ich beziehe mich hierfür nur auf meine Ausführungen von gestern. Ich glaube, datz das, was ich Ihnen über die wirtschaftliche Lage unserer Gemeinden sagte, ausreichend sein wird, um Ihnen zu zeigen, worum es sich bei diesen Positionen handelt. Ich würde Sie auch bitten, in Bezug auf diese Frage sich einerseits das gesamte Kap. 2, auf der anderen Seite Kap. 5 und 7 unseres Etats vor Augen zu halten, die nicht von einander zu trennen sind, sondern ineinander übergehen. (Sehr richtig.) Es liegt in der Natur der Dinge, daß wir nur. sukzessive diesen Aufbau vornehmen können, und -atz in dem Maßt, wie er sich vollzieht, die Notwendigkeit, die .Gemeinden zu unterstützen, sich verringert. Denn wenn der Verband selbst den Bezirksrabbiner und den ReligionSlehrer stellt, entfällt die Notwendigkeit, die Gemeinden für diese Zwecke leistungsfähig zu machen. Infolgedessen müssen diese Positionen und die der Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden untereinander ausgeglichen werben. Es erübrigt sich aus den erwähnten Gründen auch, etwa über die Zahlen mit langer Diskussion, andere Beschlüsse herbeizuführen. In Bezug auf die Frage der Bezirksrabbiner ist in der Borlage, die Ihnen besonders zugegangen ist, das Wichtigste enthalten. Diese Bezirksrabbinervorlage ist Ihnen besonders zugegangen, weil die Frage der Bildung von Bezirken zur Versorgung -er Gemeinden mit geistlicher Fürsorge und geistlicher Führung eine so eminent dringende ist, datz sie keinerlei Aufschub verträgt und darum vorweg ihre Erledigung finden muß. Wenn wir Ihnen in der Vorlage bestimmte Vorschläge, bereits formuliert haben, so ist dazu zu bemerken, datz diese Vorschläge keinen endgültigen Charakter für sich in Anspruch nehmen, sondern daß in jedem Einzelfalle sowohl mit den vorhandenen Provinzialstellen, als c^uch mit den betr. Einzelgemeinden Fühlung genommen werden und erst nach diesen Vorbereitungen eine Entscheidung getroffen werden soll. Worum es sich noch weiter bei diesen Etatpositionen handelt, darüber brauche ich hier nicht zu sprechen, weil wir das besser im kleinen Kreise im Ausschuß behandeln. Wir haben zwingende Gründe, die Bitte an Sie zu richten, daß Sie sowohl die Vorlage der Bezirksrabbinate, als auch die -er B ezir ksl e hr ersie l le n grundsätzlich im Etat annehmen, wobei ich nicht besonders zu betonen brauche, -aß die Beschlüsse des Berbandstages nicht definitiv sind, sondern der Zustimmung des neu zu bildenden Rates bedürfen, und daß etwaige Aenderungswünsche auf diese Weise noch restlos Erfüllung finden können. Wenn im zweiten Titel die theologischen Bildungsanstalten erwähnt sind^ so wollten wir, ebenso wie bei den Lehrerbildungsan st alten, Titel 3, Pos. 3, zum Ausdruck bringen, daß es in den nächsten Jahren eine unserer brennendsten, wichtigsten und schwierigsten Aufgaben sein wird, in ausreichendem Maße für den Nachwuchs an geistlichen Führern und für ein brauchbares Lehrermaterial zu sorgen. Was insbesondere die letztere Frage anbelangt, so sind wir in eine kritische Situation gekommen durch die grundsätzliche Umwandlung der Lehrerbildung, wie sie von der Reichsverfaffung verlangt wird und in Preußen bereits in weitgehendem Ausmaße durchgeführt ist, insofern, als zwar die neuen Möglichkeiten noch nicht da, die alten aber in der Hauptsache beseitigt sind. Für einen rabbinischen Nachwuchs muß von seiten des Landesverbandes umsomehr mit allem Nachdruck einget^eten werden, als beispielsweise das Breslauer Seminar, das von vornherein durch seine Stiftungen ganz unabhängig gestellt war, unter der Inflation genau so zusammengebrochen ist wie alle anderen Institute, die auf nicht so sicherer Grundlage standen, und die nun vollkommen von der Gesamtheit unterhalten werden müssen. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ist schon früher in weitem Ausmaß auf Beihilfen angewiesen gewesen, und mit dem Rabbinerseminar steht es nicht anders als mit der Hochschule. Wir sind der Ansicht gewesen, daß das höchste und letzte Ziel des Verbandes, die Einheit des Judentums auch in unserm Etat verankert werden muß, indem wir innerhalb des Landesverbandes keine Unterschiede der Richtungen anerkennen können, und daß vor allem keine Majorität die Möglichkeit haben darf, in religiösen Fragen von ihrer Majorität Gebrauch zu machen, es sei denn, daß Sie den Landesverband in allerkürzester Zeit in Grund und Boden wirtschaften wollen. (Lebh. Beifall.) Mit der absoluten Freiheit in religiöser Hinsicht und mit der absoluten Schützung jeder Minderheit steht und fällt der Landesverband, und ich halte es für meine heilige Pflicht, Sie vor der Geschichte zur Verantwortung zu ziehen, wenn Sie den Landesverband zum Erliegen bringen, indem Sie die Axt an seine Grundlagen legen. sLebh. Beifall.) Meine Damen und Herren, ich spreche allgemein. Sie werden aber wissen, was Sie aus meinen Worten zu entnehmen haben. Ich selbst stehe und falle mit diesen Erklärungen. Wir haben drei Rabbinersemtnare und haben im Etat dafür Summen eingestellt, die selbstverständlich für alle gleich sind. Ich nehme an, daß das Ihnen allen aus der Seele gesprochen ist, weil es lediglich den Ausdruck der prinzipiellen Parität der religiösen Richtungen in diesem Verbände bedeutet. sZurufe.) Ich kann auch htnzufügen, daß der Etat von der Geschäftsführung mit allen gegen eine Stimme angenommen worden ist. Bezüglich der Lehrerbildung liegen die Dinge so, daß leider unsere preußischen Bildungsanstalten nahezu ausgeschieden sind. Es besteht lediglich als ein Torso heute noch das Lehrerseminar in Köln und das in Münster. Mit dem Eingehen auch dieser Seminare haben wir zu rechnen. Die Lehrerbildung auf der alten Grundlage ist in Preußen abgetan. Wir müssen uns mit unserer Sorge nach Bayern wenden, das sich auch in dieser Frage partikularistisch eingestellt hat. In Würzburg besteht die Lehrerbildungsanstalt auch heute noch, und sie wird weiter bestehen. Sie hat gegenwärtig etwa 50 Prozent ihrer Zöglinge aus Preußen. Unter diesen Umständen ist es unsere Pflicht, sie sozusagen auch als unser Institut in Anspruch nehmen. Die Anstalt ist infolgedessen auch im Etat berücksichtigt. Was wir aus der zweiten Seite unseres Etats in der Position 8 ,Mldungsanstalten zur Heranbildung von Lehrern, Kantoren und Gemeindebeamten" in den Etat eingestellt haben, ist als Summe betrachtet verhältnismäßig belanglos, ist aber auf der anderen Seite als Ausdruck eines Prinzips von allergrößter Wichtigkeit. Denn mit dem Augenblick, wo die Bildung der Elementarlehrer in Preußen nach den Gesichtspunkten der Reichsverfaffung auf akabemischer Grundlage erfolgt, entsteht für uns die Frage, wie wir den Ergänzungsunterricht regeln, um für die jüdischen Gemeinden Lehrer zu erhalten. Wir werden zwar an den Staat die Forderung stellen, daß, wenn die Konfessionsschule kommt, und Sie wissen ja, daß das in Preußen nur noch eine Frage der Zeit ist, er die Verpflichtung anerkennt, auch für die Lehrer der jüdischen Bekenntnisschulen zu sorgen. Wir werden uns aber sagen müssen, daß es mit dem, was der Staat uns auf diesem Gebiet leisten kann, unmöglich sein Bewenden haben kann. Denn die Bildung, die wir für den Lehrer der jüdischen Schule fordern müssen, wird anders sein als die, die der Staat bietet. Infolgedessen ist es eine unserer wichtigsten Aufgaben, die Schaffung von jüdischen Bildungsmöglichkeiten vorzusehen. Diesem Zwecke dient Kap. 8. — Ich habe hier noch zu erwähnen eine Reihe von Petitionen, die bei uns eingegangen sind, die aber in ihrem Inhalt durchaus sich mit dem decken, was wir selbst erstreben. Sie behandeln die Schächterfrage. Sie wissen, wie die Dinge in den kleinen Gemeinden liegen, daß sich mehr und mehr eine Trennung des Lehrer- und Schächterberufs herausgebildet hat. Viele Gemeinden mußten deshalb auf ausländische Schächter zurückgreifen. Auf der anderen Seite wissen wir, wie augenblicklich der Kurs bei uns läuft, daß die Neigung, Ausländer und noch dazu als Beamte aufzunehmen, in Preußen gering ist. Wir müssen uns deshalb fragen: Was haben wir zu tun, damit nicht einmal durch irgendwelche Maßnahmen, die außerhalb unseres eigenen Machtbereiches liegen, Hunderte von Gemeinden in Gewissensnot kommen? Wir müssen Einrichtungen treffen, daß deutsch ausgebildete Kultusbeamte die Möglichkeit finden, sich auch als Schächter auszubilden. Wir denken dabei nicht etwa daran, daß das Lehreramt obligatorisch mit dem Schächteramt verbunden werden soll. Jeder aber, der sich zum Lehrer ausbildet, muß wenigstens die Möglichkeit haben, sich auch im Berufe des Schächters auSzubtlden. Es wirb notwendig sein, hier den verschiedenen religiösen Richtungen gerecht zu werden. Der Etat hat diesem Erfordern im Kap. 8 dadurch Rechnung getragen, daß er in Tit. 1 zwei Bildungsanstalten zur Heranbildung von Lehrern, Kantoren und Schächtern vorsieht. Wir wollen damit bereits bestehenden Anstalten keine Konkurrenz machen, wir wollen diese vielmehr übernehmen. Es handelt sich um Berlin und Köln. Wir haben angenommen, daß zunächst nur je ein Jahrgang in beiden Anstalten ausgebildet wird. Außer den Gehältern haben wir in weitem Ausmaß Stipendien vorgesehen. Denn wir müssen von uns aus unendlich viel tun, um einen wertvollen Nachwuchs herauszubilben. Es ist eine Tatsache, daß der Lehrerveruf bisher alles andere als verlockend gewesen ist. In Lehrerkreisen ist geradezu eine Agitation getrieben worden, um den weiteren Zustrom zu einem Berufe zu unterbinden, den man nicht glaubte mit gutem Gewissen empfehlen zu können. Wenn wir jetzt keine Anklagen erheben, sondern summarisch sagen, datz an diesen Zuständen im wesentlichen die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse schuld V.