Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- 1 (10.3.1926)
- Date
- 1926-03-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 4 — P afft btt bedeutsam-«« Znsammensaffung jüdische» Leben» aus -eut»; schem Boden -um Ausdruck bringen und unsere wärmsten Glück» s wünsche übermitteln. Wir haben von Anfang an die Anschauung vertreten, daß sich in natürlicher Weise aus den Gemeinden die Organisationen der Windcr aufoauen, die wiederum zum Zusammenschluß im Reich« streben. Wir sind gerne bereit mitzuarbeiten zur Bildung eines das Reich umfassenden Verbandes, -er die Aufgaben erfüllt, welcher die Länder für sich nicht zu lösen vermögen und der die Vertretung im Reiche übernimmt. Getrennt in der Organisation verfolgen wir doch einheitlich daS Ziel: die Sorgen auszugleichen und zu mehren die Ehre de» jüdischen RamenS in deutschen Landen. gez. Dr. Silberschmidt, gez. Dr. Neumeyer, Vorsitzender -er Tagung, Vorsitzender des Rats. Telegramm: Karlsruhe, Baden, den 21. Juni 1928. Die badische Israelitische Landessynode alS älteste Deutschlands wünscht ihrer preußischen Schwester alles Gute. Mögen ihre Arbeiten in einmütigem Zusammenwirken aller Richtungen stets von Erfolg gekrönt sein zum Wähle -er gesamten preußischen Judenheit, zum Heil der Juden Deutschlands und der Allgemeinheit. Im Namen der Landesfynode Ettling er, Karlsruhe. Präsident Leo Wolfs: Meine Damen'und Herren, wir treten > jetzt in die eigentliche, die zu leistende Arbeit betreffende Tagesord- I nung ein und beginnen bei Punkt 2 der Tagesordnung: ' Wahl des Präsidiums des Verband Stage S. Wir schreiten nunmehr zur Wahl des Präsidiums des Verbandstages, und zwar ist diese Wahl für jedes der Mitglieder des Präsidiums besonders vorzunehmen. Zunächst beginnen wir mit der Wahl des ersten Vorsitzenden der Tagung. Diese Wahl kann durch Zuruf oder durch Zettelwahl erfolgen. Ich stelle die Frage an die Versammlung, ob Vorschläge gemacht werden. Ein Abgeordneter weist daraus hin, daß die Fraktionen sich in Vorbesprechungen bereits geeinigt hätten und zum Präsidenten den Juftizrat Sonnenfeld vorschlagen. Präsident Leo Wolff: Wenn ich Widerspruch nicht höre, ist Herr Juftizrat Sonnenfeld zum ersten Vorsitzenden gewählt jWtderspruch erfolgt nicht). Juftizrat Sonnenfeld ist somit zum Präsidenten der Tagung berufen, und ich darf ihn bitten, sogleich seinen Platz hier einzunehmen (Geschieht). Präsident Sonnenfeld: Meine Damen und Herren! Sie haben mir eine Ehre erwiesen und mich zum Präsidenten der Versammlung ernannt. Ich darf die Versicherung adgeben, daß ich die Würde des Amtes zu schätzen weiß, ich darf aber hinzufügcn, daß ich mir der Bürde des Amtes auch bewußt bin, um so mehr, als ich weiß, daß ich über die Grenzen der Selbsterkenntnis hinaus Mängel mitbringe, von denen ich wünsche, daß sie nicht zum Schaden der Arbeit : gereichen möchten. Ich danke allen, die mir ihr Vertrauen bewiesen haben und darf versichern, daß ich mir als wichtigste Aufgabe in meiner Amtsführung die Pflicht der Unparteilichkeit vorstelle. Ich weiß, daß es eine absolute Unparteilichkeit unter Menschen nicht gibt, aber daS wissen Sie auch, und ich rechne deshalb damit, daß Sie ein milder Richter sein werden, wenn Sie erkennen, daß ich das Streben mitbringe, unparteiisch zu sein und nicht nach rechts und nicht nach links zu schielen. Ich werde meine Pflicht tun und werde es Ihrem Urteil überlaffen, ob es in meinen Kräften gelegen hat, das zu leisten, . waS Sie von mir verlangen. Anknüpfend an das, was wir heute hier gehört haben, darf ich versichern, daß ich die Auffaffung unseres Herrn Reichspräsidenten teile, die Auffaffung, der er ungefähr dahin Ausdruck gegeben hat, als er je einen Vertreter der drei Religionsgefellfchaften empfing, es fei Pflicht der Religionsgesellschaften, einzutreten für friedfertige Gesinnung, für gegenseitige Achtung und für gemeinsame Arbeit, nur diese drei Eigenschaften seien eine geeignete Grundlage für den Wiederaufbau des Vaterlandes. Die Worte de»' Reichspräsidenten v. Hindenburg haben mich erinnert an die letzte große Rede Walter Rathenaus in Stuttgart, in der er daraus hinwies, daß die Gesundheit eines Volkes nicht geschaffen, nicht gewährleistet wird durch Verhandlungen mit dem Auslände, auch nicht durch die besten Verträge mit dem Auslande, sondern daß die Gesund-! heit eines Volkes ruhen muß in seinem Innenleben, ruhen muß in der Pflege von Seele und Geist,- nach den herrlichen Worten des Herrn Rabbiners Dr. B a e ck ist es gerade die Aufgabe, der Zweck, da» Ziel des Landesverbandes, Seele und Geist im Sinne unserer Religion zu pflegen; und daß wir nicht daran Vorbeigehen werden, . auch den Träger von Seele und Geist, den in den Nöten der Zeit oft I heruntergekommenen Körper zu stützen mit allen Kräften unseres > Könnens, das glaube ich auch in Anspruch nehmen zu dürfen als t Ziel unseres Verbandes. So werden die Gründung, der Weg und di« Aufgaben de» Landesverbandes auch der Mitarbeit am Wiederaufbau unsere» Vaterlandes dienen (Ledh. Beifall). Wenn wir. meine Damen und Herren, da» erreiche», daß wir durch die Eintracht im Inneren zur Eintracht mit den anderen ReligionSgefellfchasten. zur Eintracht innerhalb des ganzen deutschen Volkes gelangen, dann dürfen wir vielleicht hoffen, daß dereinst, wenn unS der grüne Rasen längst deckt, unsere Enkel gern von uns und unseren Mühen und Leistungen erzählen und sich gegenseitig anhüren werden. Daran wollen wir Mitarbeiten, daraufhin wollen wir streben, dann wird, so hoffe ich, der segnende Wunsch des Herrn Rabbiners Dr. B a e ck in Erfüllung gehen, daß wir hier stehen, nicht um kleine Vorteile zu erreichen, sondern um Zeugnis abzulegen für unser Wollen, für die Aufgaben, die uns Gott gesetzt hat, Nächstenliebe zu üben und so den Namen Gottes auf Erden zu heiligen (Lebhafter Beifall und Händeklatschen). Präsident Sonnenfeld: Wir treten nunmehr in die geschäftliche Erledigung weiter ein, und ich bitte um Vorschläge für den ersten Herrn stellvertretenden Präsidenten. Abg. Dr. Baerwald weist darauf hin, daß in interfraktionellen Besprechungen bereits eine Einigung für die Besetzung des Präsidiums erzielt worden sei. Das Ergebnis der interfraktionellen Beratungen sei, daß zum ersten Vizepräsidenten Herr Tr. K o l l e n s ch e r und zum zweiten Herr Dr. Jsi Kahn vorgeschlagen werden. Für die Schriftführer seien vorgeschlagen: Dr. Fleische r, Schneidemühl, und Sanitätsrat Dr. F r a n ck, Altona. Präsident Sonnenfeld: Ich erkläre, wenn ich Widerspruch nicht höre, daß die Wahlen für das Präsidium gemäß den Vorschlägen erfolgt sind. (Widerspruch wird nicht erhoben.) Die betr. Herren sind also gewählt, und ich bitte sie, ihre Plätze einzunehmen. Ich nehme aus Grund des Ergebniffes der Vorbesprechungen an, daß Sie alle damit einverstanden sind, daß wir noch einen weitern Herrn ins Präsidium bitten zur Unterstützung bei unseren Arbeiten. Dafür schlage ich Ihnen Herrn Rabbiner Dr. Brau n schw« ig e r, Oppeln, vor. — Ich stelle fest, daß Bedenken nicht erhoben werden, und bitte Herrn Dr. Braunschweiger, ebenfalls hier oben Platz nehmen zu wollen (geschieht). Präsident Sonnenfeld: Tann darf ich der geehrten Versammlung Mitteilen, daß ich das von Fhnen gewühlte Präsidium hiermit als gebildet Ihnen vorstelle. Wir kommen zu Punkt 3 der Tagesordnung: Geschäftsordnung des Verbandstages. Wird hierzu das Wort gewünscht? Ein Abgeordneter: Eine endgültige Geschäftsordnung wird der Verbandstag sich erst selber geben können. Ich bitte aber vorläufig, den gedruckt vorliegerrden Entwurf, obwohl Bedenken gegen einzelne Bestimmungen bestehen, dieser Tagung zugrunde zu legen. Diesem Borgehen haben sich alle Parteien angeschloffen, ich beantrage daher, demgemäß zu verfahren. Justizrat Hirschberg: Meine Damen und Herren! Die Konservative Partei hat ebenfalls gegen den gedruckt vorliegenden Geschäftsordnungscntwurf Bedenken zum Ausdruck zu bringen und gestattet sich, diese Bedenken in folgender Erklärung niederzulegen: Nach der Ueberzeugung der Konservativen Fraktion enthält keiner der beiden vorliegenden Gefchästsordnungsentwürfe einen genügenden Schutz der Minderheiten. Um aber dse Tätigkeit des Verbandstages zu fördern, erklären wir uns mit der Annahme des gedruckten Entwurfes für diese Tagung einverstanden. Wir beantragen über gleichzeitig, einen Ausschuß zur Beratung der Geschäftsordnung für die folgende Zeit, bestehenaus 15 Mitgliedern, zu wählen und mit dem Aufträge zu versehen, den abgeänderten Entwurf innerhalb von drei Monaten dem Verbandstage vorzulegen. * Präsident Sonnenfeld: Es liegen zwei Anträge vor. Der erste Antrag geht dahin, -aß für diese Tagung die Geschäftsordnung en bloc angenommen werden soll, die Ihnen gedruckt vorliegt. Es liegt der zweite Antrag vor, einen GeschästSordnungsauSschuß von t8 Mitgliedern zu wählen. Wird zu beiden Anträgen daS Wort gewünscht? Das geschieht nicht. Dann werde ich, wenn ich Widerspruch nicht höre, feststellen, -aß Sie zunächst den gedruckt uns vorliegenden Geschäftsordnungsentwurf als für diese Tagung angenommen betrachten. Bezüglich deS zweiten Antrages nehme ich an, falls nicht Widerspruch erfolgt, daß einstimmig beschloffen ist, einen Geschäft»- ordnungsausschuß von 15 Mitgliedern zu wählen und ihm die Aufgabe aufzuerlegen, eine Geschäftsordnung zur nächsten Tagung in Vorschlag zu bringen. Auch dieser Antrag ist, wenn ich Widerspruch nicht höre, angenommen (Widerspruch erfolgt nicht). Wir kommen dann -um nächsten Punkte der Tagesordnung, Punkt 4: Wahlen zumRat gemäß Art. 21, Ziff. 2der Verfassung (sechs Rabbiner, zwei Lehrer).