Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- 1 (10.3.1926)
- Date
- 1926-03-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 Demokratie von Plebejern geben, und eine Demokratie der Bor. nehmen, der ganzen Männer, der ganzen Krauen, eine Demokratie von Aristokraten, eine echt jüdische Demokratie. Immer find die Menschen in ihrer Gesinnung, in ihren Motiven daS Entscheidende, sie sind die stärkste Realität. So gilt eS von der Einheit auch. ES gibt so manches Streben nach Einheit um selbstsüchtiger Parteiwerke willen, um auch bei den anderen am Tisch zu sein, und es gibt eine so leicht hergestellte Einheit, die der Trägheit , und Bequemlichkeit, die der Impotenz und Indolenz, die -er Gedankenlosen und Oberflächlichen, die in dem, was gerade Mode und Geltung ist, so leicht Zusammenkommen. Wie oft im Gange der Geschichte mögen die Menschen, die für das Gute kämpften^ die das Volk weiterführen wollten, verwünscht haben die Einheit und sich gesehnt haben nach Zwiespalt. Einheit zwischen Menschen ist ein Wertvolles und ein Ideal, erst, wenn sie aus dem gleichen Grunde hervorgeht, wie die Einheit im Menschen, diese innerliche, seelische Einheit, die sich ergibt aus der Selbstlosigkeit des Strebens, aus der Lauterkeit des Handelns, aus der Klarheit und Ehrlichkeit des Gewissens, aus dieser wahren Frömmigkeit. Wahre Einigkeit ist die von Persönlichkeiten,- denn Persönlichkeit bedeutet immer eine große Sachlichkeit: Persönlichkeiten finden immer den Weg zueinander. Persönlichkeit kommt zu Persönlichkeit. Darum ist eS der große Wunsch dieser Stunde, daß wir nicht als bloße Politiker hier zusammengekommen seien, sondern als Menschen des Judentums. Denn das sind wir doch im Innersten und Eigensten, darin sind wir doch alle verbunden. Wenn wir im Tiefsten uns nachgehen, fühlen wir unsere Einheit. In einer talmudischen Erzählung aus der Zeit des Märtyrertums sind wir Juden genannt Minder der Thora". Ja, das sind wir. Die Thora hat uns gemacht. Unsere Seele ist gebildet und geprägt worden durch die Jahrtausende, durch Jahrtausende eines Kampfes, der immer ein Kamps um das religiöse Dasein war, um die Behauptung der religiösen Eigenart. Kinder der Thora sind wir. In unS allen ist mehr Judentum, als wir selber es vielleicht wissen. Wir brauchen nur einmal zu uns zu kommen, um dessen bewußt zu werden, wie alles, was unser Eigenstes,'unser Persönlichstes ist, uns eint. Mangel an wahrer Einheit ist Mangel an diesem Eigensten. Es gibt ja leider so manche, welche genug Judentum haben, um einander zu befehden, aber nicht genug Judentum, um ehrlich zu einander zu kommen. In diesem Gefühl für die jüdische Gesamtheit, für den ,^klall Jisroel" zeigt sich das echte, wahre jüdische Gefühl, das im Boden der Seele wurzelt und nicht bloß ausgezogen ist im Topfe des Treibhauses als einer Ranke des Lebens. Als Menschen des Judentums werden wir hier einander verstehen und im Besten einig sein. Gewiß, es gibt Mannigfaltigkeit unter uns, und in ihr Ber» schiedenhett der Ansichten und Meinungen. Aber es kommt darauf an, ob wir nur Meinungen haben, nur Meinungsmenschen sind — man sollte nie mit Menschen, welche nur Meinungen haben, über Meinungen streiten — oder ob unsere Meinungen, unser Urteil in unserem Gewissen wurzelt» aus unserer Persönlichkeit, aus dieser Sachlichkeit und Selbstlosigkeit unseres Wesens hervorgeht, ob wir um Gotteswillen sprechen oder unserer kleinen Menschlichkeit wegen. Kinder der Thora nennt uns jenes alte Wort des Weisen,- die Bibel hat daS höhere Wort noch. Im fünften Buche Moses, im 14. Kapitel steht es: .Minder seid Ihr dem Ewigen, Eurem Gotte." Und dieser Satz fährt fort: ,^>arum machet keine Einschnitte. Und ein Denker und Frommer der alten Zeit hat das übertragen: Minder seid Ihr dem Ewigen, unserem Gotte, machet keine Einschnitte, sondert euch nicht ab von einander, seid eine Gesamtheit — dann seid ihr Kinder dem Ewigen, eurem Gotte." Darum ist es die Mahnung für diese Tage, unser selbstbewußt zu bleiben und dessen dadurch bewußt zu sein, was uns eint. Wir wollen nicht zusammengekommen sein,um klug zu sein, nicht bloß deshalb nicht, weil es in ber Erfahrung des Lebens sich als das Törichtste herauszustellen pflegt, immer nur klug sein zu wollen, sondern deshalb, weil diese bloße Klugheit nur dazu dient, das Gewissen zu beschwichtigen, uns von unserem Eigensten, Persönlichsten abzuztehen. Wir wollen nicht unsere Meinungen gegen einander, sondern unsere Persönlichkeiten zu einander stellen. Durch unsere Einheit dien?» wir dem großen Ganzen, dienen wir dem Vaterlande und der Menschheit am besten. Wir können unser Menschentum und unser Vaterländisches nicht besser offenbaren, als in unserem Judentum. Wenn wir einig sind, dann geht die Anziehungskraft des Persönlichen von unS aus. Die Menschen werden unS erkennen und uns achten. Wenn Juden zusammen sind, dann soll es immer eine »Heiligung deS göttlichen RamenS", einen Kiddusch haschem bedeuten. Der Prophet AmoS preist Gott als den, »der droben im Himmel seine Herrlichkeit baut und seinen Bund aus Erde« gegründet hat." Und unsere Weisen sagen: »Wenn st« den Bund auf Erden bilde», deZ H Bund der Einheit, dann ist Gott in seinen himmlischen Höhen ver- W herrlicht." Das soll unsere Versammlung, unsere Beratung sei«: D eine Versammlung von Juden, eine Einigkeit «heschem schomajim", 3 um Gottes willen, ein Kiddusch haschem. (Lebhafter Betfall und W Händeklatschen.) W Präsident Leo Wolfs: Ich danke dem Herrn Rabbiner D*. I B a e ck für seinen gedankenttefen Bortrag, der uns allen zu Herzen -1 gegangen ist und ber unseren Berhandlungen eine Weihe geben wird. — Ich erteile das Wort dem Herrn Stellvertreter des Berliner Oberbürgermeisters. " Stabtrat Tr eitel: Meine Damen und Herren! In Vertre- '! tung des Herrn Oberbürgermeisters von Berlin, der zu seinem Bedauern verhindert ist, an der Tagung teilzunehmen, und im Aufträge des Magistrats der Stadt Berlin, den zu vertreten ich die Ehre habe, erlaube ich mir. Sie zu Ihrer ersten Tagung in Berlin im Namen der Stadt Berlin herzlich willkommen zu heißen. Ich erlaube mir, den Wunsch anzusügen, daß Ihre Tagung von Segen sein möge für die Gesamtheit derer, die Sie vertreten (Beifall). Für den Verband der Israelitische^ Religionsgemeinschaften im - Freistaat Sachsen begrüßte Herr R.-A. Saling er, Dresden, die Tagung mit folgenden Worten: Der Verband der Israelitischen Religionsgemeinschaften im Freistaat Sachsen dankt herzlich für die Einladung zu Ihrer heutigen Tagung und wünscht Ihren Arbeiten den vollen Erfolg. Wir sind der Einladung um so lieber gefolgt, als; auch wir im Begriffe stehen, auf Grund des Artikels 187 der Reichs» Verfassung uns zu konstituieren und wir erhoffen und wünschen von der Tagung des großen preußischen Verbandes hierfür Förderung und Unterstützung. Nicht zum wenigsten darum wünschen wir Ihrer heutigen Tagung und Ihren Arbeiten einen völligen Erfolg. Möge . Ihre Tätigkeit zum Segen werden, nicht nur für die Juden Preußens, nein, für das gesamte Judentum (Leb'h. Beifall). ' Für den Verband Jüdischer Religionsgemeinschaften in Anhalt- Dessau begrüßte Staatsrat a. D. Justizrat Dr. Cohn aus DreÄe» die Versammlung mit folgenden Worten: Meine Damen und Herren!; Wenn der kleine Landesverband der anhaltischen israelitischen Religionsgemeinden es für richtig gehalten hat, der freundlichen Ein- > ladung Ihres Vorstandes, für die wir dankbar sind, zu folgen, und Vertreter zu Ihrer Tagung zu entsenden, so ist das aus zwei Gründen geschehen: Einmal wollten wir zu unserem bescheidenen Teile ein Zeichen dafür geben, daß weit über die Grenzen Preußens hinaus die gesamte deutsche Judenheit Ihrer bedeutungsvollen Arbeit mit größter Aufmerksamkeit folgt und Ihnen bei ber Erledigung Ihrer wichtigen Aufgaben von ganzem Herzen baldigen Erfolg wünscht in vollem Vertrauen darauf, daß der große Moment ein großes Geschlecht finden wird. Dann aber, und das ist es, was wir ganz besonders in den Vordergrund rücken möchten, geschieht es darum, weil wir, nachdem Sie schon bei der Begründung des Verbandes das beschlossen haben, was Ihr Herr Vorsitzender heute so warm hervorhob, dementsprechend Ihre Aufmerksamkeit für die Lösung der Aufgabe gewinnen wollen, die unS Außenstehenden als die wichtigste scheint, die Begründung des GesamtverbandeS der Deutschen Juden (Beifall). Seine Gründung ist keine Parteifrage, ist überhaupt keine Frage mehr, sondern der brennende Wunsch der Ueberzahl der deutschen ' Juden. Möge es bald gelingen, die Bedenken zu zerstreuen, die dem Gelingen des großen Wunsches noch etwa entgegenstehen. - Unsere j Bitte ist, baß Sie über den vielen anderen schweren Arbeiten, die > ihrer Erledigung harren, diese wichtigste nicht aus dem Auge ver- 1 lieren möchten: Im geeinten deutschen Volke ein geeintes deutsch«» J Judentum! In diesem Zeichen wird Ihre, wird unsere gute Dache siegen (Lebh. Beifall). Präsident Leo Wolfs: Ich danke dem Herrn Vorredner für 1 seine freundlichen Worte und möchte zu den mündlichen Begrüßung»- ansprachen noch rwei schriftliche zur Kenntnis geben: ES ist eingegaugen ein Glückwunschschreiben vom Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und ein BegrüßnngStelegramm von der LanbeSsynod« in . Karlsruhe. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. “* München, den 16. Juni 1935. 4 Herzog Maxstr. 7, I. f- An den & Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden? Berlin. X Wir danken für die liebenswürdige Einladung zur Eröffnung , der Tagung deS Preußischen Landesverbandes. Wenn es unS auch nicht möglich ist, persönlich unsere Anteilnähme an dem geschichtlich denkwürdigen Ereignis zu bezeugen, so | möchten wir doch in nicht minder herzlicher und nachdrücklicher Form S unsere Freude über die Schaffung de» Preußische» SandeSverbaudesH