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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1926-03-10 · 1 (10.3.1926) · p. Seite 2

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
4 (1926)
Issue
1 (10.3.1926)
Date
1926-03-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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» Versicherung entgcgrngeuommen, datz er in seinem hohen Amte mit t1 gleicher Gewiffenhaftigkeit alle Bekenntnisse und Weltanschauungen l achten und stets den Geist innerer Volksgemeinschaft schützen werde » sLebh. Beifall). Mein« Damen und Herren! Der Herr Reichs.! Präsident hat damit etwas Selbstverständliches gesagt, aber -atz er eS ausgesprochen hat, und -atz er glaubte, damit im Sinne des ganzen von ihm vertretenen deutschen Volkes zu handeln, das sich nicht; weiter verhetzen lassen will, deffen wissen wir ihm Dank lBeifallj. ' Wir werden sein Wort in Ehren halten und darauf Hinweisen dürfen, wie ein wahrhaft deutscher Mann über den Wert des Judentums und seiner Bekenner denkt. Nichts anderes ist ja von je her unsere Forderung gewesen, als -ah unS die gleiche Achtung und die gleiche Behandlung zuteil werde wie den anderen Bekenntniffen, und diese Foü»erung wurjie. wie ich mit Befriedigung nochmals feststellen darf, durch den ersten Beamten unseres Staatswesens erfüllt. Wir unserseits können darauf nur einmütig antworten, -atz wir uns stets bewußt sein werden, treue Sinder unseres deutschen Vaterlandes zu sein sLebh. Beifall) und ein Bestandteil jener inneren VolkSgemeinschasl, von der der Herr Reichspräsident gesprochen hat sBetfall). Gerade unter diesen Umständen erscheint es mir doppelt notwendig, daß unter uns das Zusammenhanglose, bas Eigenbrödlerische, daS Zerstreute aufhöre und damit die Möglichkeit einer gemeinsamen Vertretung nach auhen geschaffen werde. Nachdem die Voraussetzung für eine solche durch den Zusammenschluß in dem Lan-esverbande gegeben ist, ist dieser somit auch berufen, als geordnete Vertretung der preußischen Juden sofort den Staats- und Gemeindebehörde» gegenüber, als auch in jeder sonstigen Beziehung zu gelten. Die Uebernahme der Vertretung durch den Landesverband stützt sich aus den Art. 137 der Reichsverfassung, der den Zusammenschluh öffentlichrechtlicher Religiousgesellschaften als möglich und zulässig voraussetzt und dem durch den Zusammenschluß entstehenden Verbände selbst ebenfalls den Charakter einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft verliehen hat. Meine Damen und Herren! Datz mit der Erfüllung der angedeuteten Aufgabe die Wirkungsmöglichkeit des BerbandeS nicht erschöpft sein wird, liegt aus der Hand, und es wäre verlockend, schon jetzt zu zeigen, wie weit und wie bedeutungsvoll das Feld seiner Tätigkeit sich ausdehnt. Ich darf mir das aber versagen, weil die Erkenntnis hiervon sich bei fast allen Gegenständen unserer Tages-' ordnung ohne weiteres aufdrängen wird. Jeder Bericht und die sich anschließende Besprechung wird zeigen, wie reiche Gelegenheit zur Wirksamkeit dem Verbände überall blüht, und damit zugleich, wie notwendig seine Gründung war, wie wichtig es sein wird, ihn am Leben zu erhalten und zu fördern. Wenn ich somit über die Bedeutung beS Verbandes selbst nichts hinzuzufügen habe, so erscheint eS doch wesentlich, datz wir uns der Bedeutung der Tagung, dieses ersten BerbandStages, der daS Hauptorgan des Verbandes ist, bemüht werden. AIS wir den Verband selbst begründeten, waren wir alle überzeugt, datz es zum Zusammentreten der ersten Tagung binnen kurzer Frist kommen würde. Und dennoch sind drei lange Jahre verfloffcn. AuS welchem Grunde, so höre ich fragen, ist der Zusammentritt so lange verschoben worden? Nun, meine Damen und Herren, verschoben worden ist er überhaupt nicht,' er konnte bedauerlicherweise nicht früher erfolgen, und das aus zwei Gründen: einmal war die Fülle der sofort in Angriff zu nehmenden Arbeiten, die zum Teil gerade der Vorbereitung dieser ersten Tagung dienten, sehr groß. Zweitens lag uns daran, für den Verband die Genehmigung der preutzischen Staatsregierung zu erlangen. Nun hat sich herausgestellt, datz für diese Genehmigung gewisse gesetzgeberische Maßnahmen erforderlich sind, deren Inhalt von der Regierung in Uebereinstimmung mit uns vorgeschlage» und dann von dem Landtag gebilligt werden mutz. Bis es soweit kommt, kann noch einige Zeit vergehen. Wir haben uns daher entschlosien, unabhängig von äußeren Geschehnissen nunmehr das zur Tat werden zu lassen, was nach unserer aller Ueberzeugung längst hätte Tat werden sollen. Zur Erfüllung der uns gesetzten Aufgaben in ihrem ganzen geplanten Umfange sind wir, auch ohne die staatliche Genehmigung abwarten zu müssen, dank unserer Berfaffung berufen und befähigt. Ob diese Möglichkeit zur Betätigung bisher genügenausgenutzt ist, das zu beurteilen steht mir nicht zu. Aber ohne dem Bericht, der Ihnen nachher erstattet werden wird, vorzugreifen, darf ich Ihnen sagen, datz der Verband nach innen eine umfangreiche Tätigkeit bereits entwickelt hat, indem er zahlreichen Gemeinden und Einzelpersonen ein Helfer und Berater in mancher schwieriger Lage gewesen, daß er aber auch nach auhen wirksam geworden ist, besonders bei Verhandlungen mit den Reichs- «ud Staatsbehörden, die ihn längst als die zur Vertretung der preutztscheu Juden berufene Stelle ansehen. Eine Reihe erfahrener und arbeitsfreudiger Männer hat sich von vornherein in den Dienst unserer Sache gestellt, besonderunser Dr. Jsmar Freund, der al» Dezernent des Berliner GemeindevorstandeS sich dem Gelingen des unter seiner hervorragende» BeteUignug zustande gekommenen Werks mit unermüdlichem Eifer gewidmet hat (Beisall). Die vorläufige Geschäftsführung hat dem Berliner Gemeindevorstand eine große Belastung und, was schlimmer ist, eine Verantwortung gebracht, die er zwar bisher getragen hat, die er aber für einen noch längeren Zeitraum ablehnen mutz. Er fühlte sich auch nicht befugt, eine» vorübergehenden Zustand weiter bestehen zu kaffen, der als ein solcher kaum noch anzusehen war, sondern immer drohender ein Dauerzustand wurde, und er glaubte daher, im Sinne der Berfaffung des Landesverbandes und der in ihm vereinigten einzelnen Synagogengemetnden zu handeln, wenn er die Wahlen zum ersten Verbandstage ausschrieb und deffen Zufammentreten vorbereitete. Die aus allen diesen Gründen für heute einberufene Tagung ist für Preutzen die erste aus allgemeinen, gleichen iyii> direkten Wahlen hervorgegangene Vertretung der Juden. In ihr kommen dank dem Verhältniswahlsystem auch die Rechte der Minderheiten zur Geltung. Wir werden in voller Oeffentlichkeit tagen, und wenn wir auch kein Parlament darstellen, so doch to, parlamentarischen Formen. Es wirb ln Rede und Gegenrede manches bisherige Mißverständnis beseitigt, und cs wird auf diese Weise in vielen Fragen die bisher vermißte Klärung erreicht und ein Ergebnis gezeitigt werden, mit dem sich alle einverstanden erklären, oder doch wenigstens abfinden können. So darf es der Berliner Gemeindevorstand mit Genugtuung begrüben, datz es ihm gelungen ist, diesen Verbandstag zustande zu bringen. Damit ist seine Tätigkeit beendet. Er legt den. ihm gewordenen Auftrag, den mit seinen beschei-enen Kräften auSzufikhren, er redlich bemüht war, in die Hände deS Sandesverbandes selbst zurück und spricht die Hoffnung aus. daß mit dem heutigen Tage deffen berufene Organe die begonnene Arbeit mit entschloffenem Willen, klarem Blick und kräftiger Hand fortführen werde. Meine Damen und Herren! Bei der Gründung des Verbandes hat man wohl davon gesprochen, daß man einen Schicksalstag der deutschen Judenheit erlebt habe. Ich möchte es mir versagen, so große Worte zu gebrauchen, weil ich glaube, daß es nicht von Wert sein kann, sich an Worten zu berauschen und der Sache im Voraus eine Bedeutung züzusprechen, von der eS sich erst erweisen soll, ob sie sie hat. Es will mir richtiger erscheinen, zunächst einmal praktische Arbeit zu leisten und erst nachher festzustellen, ob etwas dabei herausgekommen, ob Nutzen gestiftet worden ist oder nicht. Auf diese Weise werden uns Enttäuschungen erspart bleiben. Auch wird unsere Aufmerksamkeit nicht abschweifen von dem, waS allein wir im Auge behalten müssen: das ist, und damit komme ich zu dem Ausgangspunkte meiner Ausführungen zurück, gemeinsam und friedlich zu arbeiten. Gemeinsam, meine Damen und Herren, daS ist selbstverständlich,' friedlich, sollte es auch fein. Mag es früher, wenn wir zu Beratungen zusammentraten, sei es unter dem Druck schwerer Ereigniffe oder in ruhigen Zeiten, nicht immer ganz friedlich hergegangen sein, so hängt doch alles davon ab, daß es diesmal anders wird. Richten wir deshalb alle den Blick auf das, was u»S eint, nicht auf das, was unS trennt. Dann, aber auch nur bann, wird aus dem Zusammenwirken so vieler Kräfte die eine große Kraft hervorgehen, die etwas anderes ist als die bloße Summe einzelner Faktoren, nämlich die neue, gewaltige, bahnbrechende, in sich geschloffene Macht, die dem deutschen Judentum bisher gefehlt hat, und die ihm eine Quelle des Segens sein wird für alle Zeiten lLebh. Beiiall und Händeklatschen). Tann nahm Rabbiner Tr. B a c ck das Wort zu folgenden Ansführungen: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Wort eines Rabbiners soll in dieser Stunde zu Ihnen sprechen, ein Wort, in welchem daher unser Judentum sich an uns alle wendet, unser Judentum, und das will doch sagen, daß unser Eigenstes, unser innerstes Ich zu uns sprechen will. Ein Wort, so wie die Bibel diesen Ausdruck faßt, möge es sein, denn die Phrase trennt und das Wort verbindet. Das Wort verbin-et, weil in ihm das Gewissen, die Seele zu sprechen sucht, und die Phrase trennt, weil in ihr Eitelkeit und Eigenliebe reden. Ein Wort, in dem unser Judentum sprechen will, ist immer ein Wort von dem, was wir, wir alle sind; was wir, mir alle sein sollen, und ist darum immer «in Wort von dem Einigendem Auch Einheit ist freilich oft eine Phrase nur, eine Phrase der Politik, Einheit ist an sich noch nichts. Sie bedeutet an sich noch keinen Wert und kein Ideal, ebensowenig wie sonstige politische Begriffe, wie etwa Aristokratie und Demokratte. Es ist ja oft, wenn in den vergangenen Tagen der Gedanke des Zusammenschlusses vor uns htntrat, erwogen worden, welche Form die besser« sei, die artstokrattsch« oder die demokratische. Aber was ist das eine und daS andere, wenn eS bloße Re-enSart ist. ES kann eine Aristokratie von Persönlichkeiten geben von führenden Männern und führenden Frauen, und eS kann eine Aristokratie von müden Erben gÄen, die da müde find vor Sattheit oder müde in HoAheit. Und Demokratie: ES kann eine

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