Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- 1 (10.3.1926)
- Date
- 1926-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden inw AWVMS, Cm «NU M*r »erltn 1926 Stenographischer Bericht der ersten Verbandstagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden vom Sonntag, den 21. bis Dienstag, den 23. Juni 1925 im Plenarsaal des ehemaligen preußischen Herrenhauses, Berlin. J --— Erster Tag. Gegen 4 Uhr eröffnet Kammergerichtsrat Leo W o l f f die Tagung mit folgenden Worten: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Verfassung de» Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, wie sie auf der Taguiig vom 28. Juni 1822 beschlossen worden ist, bestimmt in Art. 35 und 86, daß bi» zum Zufaurmentreten de» Rate» der Borstand der Alt. dischen Gemeinde in Berlin die Geschäft« de» BerbandeS führt und den ersten BerbandStag beruft. Ich stelle fest, daß, nachdem die Wahlen stattgefunden habe», der erste BerbandStag ordnungsmäßig berufen worden ist und eröffne ihn hierdurch namens des Berliner Gemeinde. Vorstände», indem ich die erschienenen Mitglieder herzltchst begrüße. Zugleich dauke ich denjenigen Herren, dtp wir mit Rücksicht auf die besondere Bedeutung dieser ersten Tagung eingeladen haben, für ihr Erscheinen und begrüße alS solche die Bertreter de» Herrn Minister» für Wissenschaft, Kunst und Bolksbtldung, Geheimen Ober. regieruugSrat Paul und RegierungSaffessor Rast, ferner al» Ber. treter de» Herrn Oberbürgermeister» von Berlin, Herrn Stadtrat T r e i t e l, und die Bertreter der uns befreundeten jüdischen Landesverbände von Sachsen und Anhalt, die Herren Rechtsanwalt Saltnger au» Dresden, StaatSrat Dr. Lohn und Landesrabbiner Dr. Walter au» Dessau. Meine Damen und Herren! Es sind gerade drei Jahr« vergangen, seit die Borbereitungen zur Schaffung ber preußischen Judenorganisation zuende geführt werden konnten und unser Verband mit dem Abschluß seiner denkwürdigen GründungSverfammlung tuS Leben trat. Er ist in» Leben gerufen worden in der ausgesprochenen Absicht, sich zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen. Wa» einst Freiligrath von dem Dichter gesagt hat, er steht »aus einer höheren Warte al» aus der Zinne der Partei", da» sollte auch von diesem Verbände gelte«, in dem für jede Richtung Platz ist, in dem aber jede baß gemeinsame Ziel im Auge haben und eS in Frieden und Eintracht mit dem anderen erreichen soll. WaS seitdem geleistet worden ist, da» zu beurteilen, muß einer späteren Zeit vorbehalten Reiben. Da» eine aber können wir schon jetzt festftrllen: e« ist «ine «tätte ««schäften worden, die nicht dem Streite der Meinungen, sondern de« Ausgleich »wischen ihnen dient, die un» befähigt, unser ehrliche» Streben um da» Wohl de» preußischen, ja de» deutsche» JrUWS»«« tu die Tat umzusetzen. Dabei bandelt e» sich nicht nur um daS materielle Bohl aller deutschen Jude» und der H von ihnen geschaffenen Einrichtungen, fondern auch um die Erhalt»«» Ä und die Förderung alle» dessen, wa» für di« Pflege der jüdische« Ä Religion, der jüdischen Ethik, der jüdischen Wissenschaft urch de» I jüdischen Geiste» unentbehrlich ist. WaS bisher vereinzelt uud dar«» 4L von vornherein mit nicht voll ausgenutzter Kraft und verminderter $ Aussicht auf Erfolg geleistet worden ist, da» soll jetzt zusammen- / gefaßt werben zu einer Tat der ihrer Zusammengehörigkeit sich be» 1« wußten, fest in ihrer angestammten Religion wurzelnden, und ans A ihre -war leidensreiche, immer aber rühm- und ehrenvolle Geschichte M stolzen Juden (Beifall). Wenn da» die Aufgabe de« neuen Lande»- « verbände» ist» so ergibt e» sich von selbst, daß in ihm auch die bisher W fehlende Verkörperung ber preußischen Juden insgesamt zu erblicke« .8 ist. ES ergibt sich aber auch, daß diese Verkörperung »och nicht Ä genügt, fondern, wie wir ein einige» große« deutsche« Vaterland haben, so ist eine Zusammenfassung auch der gesamten deutschen H Juden eine unabweisbare Forderung der Zeit. Diese große deutsche Ä Organisation zu schaffen, ist bisher leider nicht gelungen. E» hat sich jg gezeigt, daß eS an dem nötigen Unterbau für eine solche gefehlt hat. G Nachdem aber jetzt außer dem unsrigen eine Anzahl anderer Lande»- L verbände besteht, dürfen wir hoffen, daß alle diese Verbände zusamja men sich alS die geeignete Grundlage für die Lösung derjenige« lg Aufgabe erweisen werden, die in jener Resolution vom 25. Juni 1822 jg alS die vornehmste Aufgabe de» PreußenverbanbeS bezeichnet worden .Jg ist, nämlich für die Schaffung einer Gesamtorganisation de» deutschen . j| Judentum» sBeifall). Mein« Damen und Herren! Eine solche allge- W meine Zusammenfassung der in dem deutschen Judentum schlummerme.W den Kräfte tut bitter not. Längst find die Zetten vorüber, in de»» W Juden und Judentum etwa» Abgesonderte» waren, abgesondert durch U freiwillige Abschließung von der «nßenwelt un» abgesondert durch 1 Verweigerung der un» gebührenden vollen staatsbürgerlich» Rechte 1 und »er Anerkennung de» Judentums al» gleichberechtigter Reli- 1 gtonSgefellfchaft. Wir begreifen e» nicht mehr, wie e« möglich war.? daß in Staaten, die in vielen Dingen wett fortgeschritten waren und sich zivilisiert nannten, »wischen Mensche» und Mensche« «i« Unter- . schied gemacht werden konnte. Run, die Zette» find vorüber. Juden , und Judentum stehen geachtet und gleichberechtigt da in deutsch» j Landen. Erst in diesen Tage» habe ich au» dem Runde unsere» j Herrn Reichspräsidenten die gewiß Ihnen all» bekanni geworden«^»