Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 23 (15.12.1935)
- Date
- 1935-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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f auch BreslauerPüdtsches Ge meindedlatt Nr. 23 dcn, die doch nact> eine Crruftgcnswast der neuesten Entwicklung. Für der dreimal täglich in seinem Gebetbuche noch orte vorfand und auch andächtig betete: „O, mögen chauen .untere Augen, wenn du wieder zurückkehrest Zion in Barmherzigkeit" war das einq Selbstverständ- <3 J lichkeit. 0o kann es das einzige Ziel jeder wahrhaft Politik-nur sein, Gottes Gesetz und Wort heilig für seine Hcilighaltung zu kämpfen und es in einem Lande zu verwirklichen. Dafür kämpften die 3)? Darum feiern wir CKanuckab. >) oft1» jüdischen halten, heiligen Üakkabäer. a n n. .. ..... <$emetndeabend in öee Heuen Synagoge ■fl, iix o b i Vi. _, * geikbl;. ins fcfflii'tr A Auiaa *n haben Aijiga1 Q'oiitti rbilfc sj?ir u. a. Uns, den Thngen ir laluschte -k ster yi i m 3d. Roi>ember, nach Sabbath die Pforten $cr Seiten Synagoge zu na der Jüdischen Winti inschmg, öffneten sich jineri großen K u ndr b r l f e, der begreif- /jicheribeisc -stärkstes Interesse cntgegengebracht wurde. Fast ^5l»i Rens den füllten das Gottesbaus. An deutlichen HinweUeq auf )ic?!otwcndigkeit matcriester Opfer hat es nicht besondere gab Stadtrat a. D. V e o r g L e ß in nsprahe einen sehr genauen Atherblick über die und Leistunaen der Breslauer Jüdischen -- ' i :■! uns bier„ziisaiiiiiiciitzcsundest," führte er um äm heutigen Gemcinheabend Abstand von die jms tagein, tagaus bewegen, zu gewinnen. i den Klängen der herrlichen, uns erhebenden Musik, und .mser wunderbares Gotteshaus zieht uns, wie ft« ts, ir .fein* n Bann, und wir fühlen den Äuber, der unsere Seestn böt er schwingen läßt. ' A ler unsere Jedankcn drängen uys doch in den Alltag zurück. Allzu geualtig lastet das Schicksal auf uns, als daß wir ui s ganz lo-lösen könnten von den Geschehnissen, die unser 6cmüt und unser Denken erschüttern und uns mit banger Sorce um unsere Zukunft erfüllen. Eine gewaltige, auf da - Geschick »er Juden einwirkcnde, sie neu gestaltende Zeit i t angebro ben! Schweigend nehmen wir hin, was über u is bestimm worden ist. \ 3:; tiefer We)mut, aber schweigend«! Es ist etwas Heiliges i m da; 3d weigen! Es erzeugt nicht nur die Kraft in uns mst" Würde stumm das Schwede zu tragen, es gibt uns Rrhc, Besinnung und neuen Lebemsmüt. Ein schweigender Händcdnick sagt oft mehr als Worte dar Freude oder des Sc mcrzes zum Ausdruck bringen können. Wenn Freunde nach lc nger Trennung sich endlich wieverfinden und nach den crs en Worten über die Freude des ^Wiedersehens schweigend b ieinander veilen, so finden sich § ihre Seelen in eng- <rbundenbei Das Schweigest des Waldes bringt uns Glltt naher, ftnd wenn wir am frishen Morgen schweigen) ü »er die Bexge wandern, so empfinden wir Gottes Ällmack t, und die Einsamkeit bringt utzs oft den ersehnten Friedei. Und Füeden schafft neue Kräfte; Hoffnuttuen steigkn in uits^au und beleben unsere» Lebensmut. Wir brauche, den! r i eben in unserer Gemeinde, um die gewaltige i Aufgabe», die uns die Zukunft stellt, zu meistern. Und w< nn es mir möglich war, eine Einigung der Parteien in unserer Esemeirlde zu erzielen, um die Wahlen, für die hätten >roße!Summen aufgewandt werden müssen, zu vermeiden, so bdffe ich auch, daß es mir beschieden sein wird, die best hend< n Gi ggnsätze zu überbrückeft, dftmit wir unsere Kräfte nicht zersplittern, sondern sie nur für das Wohl unserer Genu istde, verwenden können. I ( Ke n dci kendi r Jude wird sich beute abseits stellen können, wenn es sich darum handelt, b<m Aufbau P a l ä - stinas zu urterstätzen, des weiteren unsere Jugend für Leben und Wirker im Heiligen Lande vokzubereiten und denen, 1 tc bi rüber gehen wollen, die Auswanderung zu ermöglich* >i unl °zu «rleichtern. Aber wiederum wird auch niemand es an Berst indnis fehlen lassen, wenn wir alles aufbieten, r m für die roch rn Deutschland verbleibenden Brüder und Sch Western zu sorgen, die Gemeinden und ihre Einrichtungen zu erhalt« n. Soll doch auch derjenige von uns, der uns! verläßt, rm sich im Lande unserer Väter eine neue Heimstätte zu schaffen, wissen, daß er nicht um seine Angehörigen, die zurückgeblieben sind, zu banger? braucht, sondern daß für sie nach Kräften gesorgt wird. Darum »vollen wir uns in gemeinsamer Arbeit zusammcnfinden, das Trennende beiseite stellen und nur das uns Verbindende sehen. Jeder einzige trügt die Verantwortung vor sich, vor der Welt und vor der Zukunft. Dankbar für jede ungetrübte Stunde, die wir erleben, sehen wir jetzt Alt und Jung bei der hingehenden Arbeit für unsere Winterhilfe. Erst am 16. Oktober wurde uns Kenntnis davon gegeben, daß die jüdischen Hilfsbedürftigen in diesem Jahre erstmalig nicht durch das Winterbilfswerk, sondern durch eine eigene zu errichtende Jüdische Winterhilfe zu betreuen seien, und zwar dies zu einem Zeitpunkt, als das Winterhilfswerk bereits in Tätigkeit war und seine ersten Ausgaben an Lebensmitteln und Koblen bewirkt batte. — Obwohl nun erst am 17. Oktober die notwendige Arbeit ausgenommen werden konnte, um die Organisation aufzubauen, so waren wir doch bereits am 4. Rovcjmber in der Lage, also 18 Tage nach dem Beginn der Arheit, die ersten Ausgaben an Lebensmitteln und Koblen a>n etwa 3000 jüdische Menschen vorzunehmen. Cs ist ein! eigenes Lcbensmittellager aus der Karlstraße eingerichtet wofden, in welchem (auch die Lebensmittelausgabe stattfindef. Des weiteren wurde eine Kleiderkammer für die zusätzliche Winterhilfe in den Raumen Antonienstraße 23 geschaffen^, in der. täglich an 30 bis 40 Menschen BÄleidung ausgegeben wirl? und in der jede Woche zunächst einmal 60 Kinder eingekleivet werden. Zur Zeit werden von uns etwa 4000 jü-s dische Menschen betreut. Selbstverständlich hat die notwendige schnelle Schaffung auch mancherlei Schwierigkeiten ergeben, die erst durch die gewonnenen Erfahrungen behoben werden können. Zur Erfüllung aller dieser Ausgaben sind aber, da die Rot gerade hier in Breslau besonders groß ist, viel größer als in den meisten Großgemeinden Deutschlands, selbstverständlich sehr erhebliche Mittel notwendig, sind ich muß leider hier die Legende zerstreuen, als ob die uns bisher zur Verfügung gestellten Mittel bereits ausreichcn würden,, die jüdische Winterhilfe über den ganzen Winter aufrecht zu erhalten. Das ist leider absolut nicht der Fall. Im (Gegenteil, die hier aufgebrachten Mittel bleiben hinter denen der anderen jüdischen Großgemeinden erheblich zurück, und wir haben die große Sorge, daß, wenn nicht die Gebefreudigkeit größer wird, unsere Hilfsaktion plötzlich ins Stockest gerät. — Darum bitte ich Sie von dieser Stelle aus, daß jeder einzige von uns nach besten Kräften sich an dem Hilfswerk beteiligt. Wenn uns in dieser Zeit etwas über den Alltag, erhebt, so ist es mit das Gefühl, etwas zu leisten. Und leisten kann jeder ohne Ausnahme. - Sei es nun, daß er sein Scherslein beisteuert oder daß er seine Arbeit zur Verfügung stellt. Wir sind nur auf unsere eigene Hilfe angewiesen, aber auch dadurch sind neue Kräfte geweckt worden, und es ist ein er hebendes Gefühl, tenden Augen undWM aus. Trepp ab wandern, um die Pfundpakete einzusariuneln. en, wie jüdische Menschen mit n Herzen von Haus zu Haus, leuch- Trepp Dank, tausend Dank an alle, die unserem Rufe leisteten. > Aber auch ein Wort an die, die die Rehmenden sein sollen. Cs sind bei vielen würdigen Bedürftigen mungen entstanden, weil die Befürchtung bei ihnen war, daß die Betreuung beim Winterhilfswerk nicht mit der Folge Hemgroß