Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 11 (15.6.1935)
- Date
- 1935-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Nr. 11 Breslauer Jüdisches G e m e i n d ebl att flm 3$re$faus jüdtßßcm Runftleben Rongert in der Heuen Synagoge &is üi€&jät>rifle SynagogenLonzert wurde, wie schon frühere, zugunsten des Jüdischen Wohlfahrtsamtes veranstaltet, der Besuch ivar aber trotz des sozialen Zwecks und des gebotenen wertvollen Kunstgenusses leider nur sehr mäßig. Was Heinrich M a r k t, der Dirigent des zu dieser Aufführung oer. stärkten Synagogenchores, ausgewählt hatte, war zumindest must- , katisch von Belang und nebenbei auch dem Wirkungsbereich eines solchen Chores angepaßt. Salomo» Sulzeks „Adaun aulo-m" gehört darüber hinaus zu jenen Gesängen der Liturgie, die auch in satztechnischer Hinsicht interessieren. »Die Wiedergabe war hier in der tonlichen und dynamischen Ausfeilung am reifsten; zum Teil vielleicht auch, weil die immer wieder spürbaren akustischen Mängel fcer Neuen Synagoge nun erst, gegen den Schluß des Abends, von den Sängern restlos überwunden wurden. Man hatte den Eindruck absoluter Geschlossenheit und einer Leuchtkraft im Chorklang, die des erhabenen Vorwurfs würdig war. Bon den Psalmen Rehselds und Weintraubs beide haben nur einzelne Perfe komponiert — erwies sich der erste als ein fataleis Stilgemisch aus Puccini, Tfchaikowsky und deutscher Nomantik. Die Mendelssohnsche Hymne „Hör' mein Bitten, Herr" stellt in jeder Beziehung erhebliche Ansprüche an die Sänger; bis auf einige Schärfen in den Männerstimmen vollzog sich die Darstellung reibungslos. Das schöne, zu den Chorpartien prachtvoll kontrastierende Solo sang, ebenso wie dasjenige bei Sulzer, die hier bekannte und geschätzte Sopranistin lilnnie Hecker. Sie beherrscht ihre Stimme nach wie vor so sicher, daß trotz mancher Eigeuwilligkeit, zumal beim Tonansatz, eine hochersreuliche Gesamtleistung zustande kam. Erich Schäfser bot außer einer Begleitung drei bedeutsame Werke der Orgelliteratur. Bachs grandiose Passacaglia, «ins der herrlichsten Beispiele der Variationenkunst, erklang, auch in der Doppelsuge, mit wünschenswerter Klarheit und Plastik; stilwidrig war nur das übertriebene Ritardando am Schluß. In der melodiösen, ein wenig zu lang ausgesponnenen C-Dur-Fantasie-- des Deutsch-Belgiers Cefar Franck und in einem der Regerschen Stücke aus Opus 59 wurden alle Möglichkeiten der modernen Registrierung bis ins kleinste ausgenutzt. ohne daß das Spiel darum überladen gewirkt hätte. (jeitetec fibenö mit Ttta? $ Ff r lief) Diese 'Veranstaltung im Liebich-Theater erfreute sich eines verhältnismäßig guten Besuches. Manche Erinnerung knüpft sich ja auch an den Namen Mar Ehrlich und an die Breslauer Theaterzeit dieses beliebten Künstlers. Die jüngere Generation kennt ihn zumeist vom Tonfilm her, wo ihm ein Erfolg noch dem anderen beschieden war. Inzwischen sind wieder ein paax Jahr« vergangen, aber Mar Ehrlich ist, wie sich zeigte, immer noch derselbe, der er war: ein Komiker im guten 'Sinne, der sein Publikum nicht nur mit scharfer Ironie, sondern auch mit einem gewissen jovialen Humor zu unter-. halten und zu fesseln'weiß. '< Das Programm, welches Ehrlich mit einem kleinen Ensemble ab-' soloiert, ist ganz auf den Kabaretton abgestimmt. Er selbst präsentiert sich natürlich von seiner witzigsten Seite, und es sei ihm gedankt, daß er neben den unvermeidlichen „ollen Kamellen" auch etwas Neues und sogar recht Originelles mitbrachte: „Chrlichs tönende Witzschau"', eine Reihe von Miniaturszenen, die es gerade in ihrer Kürze weder an Deutlichkeit noch an wirklichem Witz fehlen lassen. Von den „Schau, tpielerporträts", mir denen Ehrlich aufwartete, interessier)« vor allem das seines großen Kollegen Pallenberg, den man für Minuten wieder auserstanden glaubt« Stella Ha y ivar für die Rolle des Jettchen Gebert nicht sonderlich geeignet. Besser lagen ihrem Temperament die Chansons, die sie zu Beginn des Abends vortrug. Heitere und oolksliedähnliche Schlager aus aller Welt fang Ferris Gondosch zur Gitarre; sehr virtuos, aber bisweilen doch mit zu starker Betonung billigster Effekte. Sein „hebräischer Tango" war natürlich nichts anderes als ein Tango mit unterlegtem hebräischen Tert. Als Ehrlichs Partner in der Witzschau war Gondosch ebenso am Platze wie Hermann Ludwig, der sich im übrigen mit Rudi Lehmann in die Klavierbegleitungen teilt«. Ihr Spiel auf zwei Flügeln war weder beschwingt, noch im letzten Sinne korrekt. Als das Ereignis des Abends darf man Else Dublon betrachten, zweifellos eine der apartesten Tänzerinnen,! ie das jüdische Kunstleben momentan auszuweisen hat. Wenn diese schlanke, zierliche Frau über die weit« Bühn« schwebt, wenn ihr kupferfarbenes G«-i> wand, dem Rhythmus des Körpers folgend, sich zur wandelnden Glocke formt, dann glaubt man, eine solch starke, naturhaste Begabung lange | nicht mehr gesehen zu haben. Hier sind gewisse Stilelemenie der Wigman und der Impekoven, der Palucca und der Kieselhauscn, der Größten also im Reiche des Tanzes, aufs glücklichste in einer Kunstleistung vereint, die trotz alledem keine Nachahmung, kein Klischee darstellt. Aber es ist nicht der Tanz allein, der einen entjüdt; Äse Dublon tanzt und singt jüdische Volkslieder und sie macht es mit einer solchen Grazie und einem so sicheren Gefühl für das ganz Besonder« dieser Kunst, daß man auch dort hingerissen ist, wo das rein Technische noch der Schulung bedarf. ' M: H. „Cand der Verheißung" Zum ersten Male hört di« Iudenheit der außerpülästinensischen Welt einen Tonfilm, der, von Juden für Juden gedreht, jedem ein jüdisches Erlebnis seiner Tage vermitteln muß. Die Verbundenheit mit den geschichtlichen Stätten unserer Vorfahren und das stolze Schauen auf einen Aufbau, der mit härtesten körperlichen Anstrengungen erarbeitet wird, verbinden sich in uns Juden zu dem eindrucksvollen Miterleben der jüdischen Tat. Diese Nähe vermittelt uns die. unter Leo Herrmanns Produktionsleitung und Juda L e ktka n s Regie hergestellten Ausnahmen, die in ihrer Natürlichkeit, Ungeschminkt heit und Eindringlichkeit den Juden unserer Tage packe», ergreifen tknd begeistern müssen. Die musikalische, sinfonische Untermalung (Boris Makros und Daniel Sambursky) gibt den unaufdringlichen Untergrund für die Geschehnisse auf der Leinwand. ,^!and der Verheißung". Man kann förmlich die Kräfte des jüdischen Volkes wachsen sehen, so eindringlich vermitteln die Aufnahmen einen Einblick in die Arbeit der Chaluzim. Der Film verschafft technisch und ökonomisch wicylig« Einblick« in ein« emporkommend« Industrie, die für dieses bisher! fast industriefreie Territorium etwas völlig Neues bedeutet. . Demgegenüber interessante Aufnahmen aus den Arabervierteln palästinensischer Städte, deren Panoramen chre Entwicklung ahnen lassen. Neben der kulturellen Würdigung -er anderen Bewohner des Landes wird 'selbstverständlich jüdische Kultur besonders hervorgehoben: Von den «kgreisenden Bildern der Beter an der K'lagemauer und sonstigen religiösen Stätten über die Universität Jerusalem zu den Einrichtungen des Haifaer Technikums. Ein Glanzstück stellt die Aufführung der Hayün'schen „Schöpfung" auf dem Skopusberge dar. Eine Massenversammlung in Haifa zeigt neben ihrer Wucht auch den Reiz der neu erlebten hebräischen Sprach». Und — über allem das Lied des Emek>,>das in der Gemeinschaft gehört, gelernt, gesungen, getanzt, — erlebt wird und uns diese Gemeinsamkeit erleben läßt. Wir glauben den Menschen, die am Schluß des Liedes singenmo®o 1? i:k ,mKC“ r~iK (Herrliches Land, wir wachen für Dich). Die beiden bisher stattgefundenen Aufführungen des Tonfilms im Tauentzienlheater fanden -vor überfülltem Hause statt. Bor der ersten Ausführung sprachen Dr. David Schl o ß b er g . Berlin und Assael den David sSchefajüh), vor der zweiten. Dr. Hans Prinz. Breslau. Musikstücke umrahmen den Film. F. G. Nathan. Drucksachen für Tagesbedarf , 11 und Werbung GARt EN STRASSE IQ FERNRUF 24468/60 Plakate Etiketten Packungen