Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 10 (31.5.1935)
- Date
- 1935-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3970005-7569529-7569757--2308-3972151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 1U Breslauer Südliches Semelndjeblatt S > Das l&ettinet jütof<fj*tuUuteUe Ceben im Wintetausgang Die 'Vorbereitungen zur Verdioper „Nabucco" zwabgen den Berliner Kulturbund, zwei Schauspiele hintereinander zu bringen: Beer- Hofmanns „Iaaevbs Traum" und Pirandellos „Sechs Person e n s u ch e n e i n e n A u t o r". ' Ueber die Wertlosigkeit des Letzteren herrschte nur eine M e in u n g. Der Pirandello wirkte peinlich strotz einer nicht üblen Aujsührung, die in manchen Einzelleistungen sogar bedeutend war), besonders nach der wundersamen Sprache Beer-Hosman ns. Es ist und bleibt freilich ein, nicht sehr biblisches, Lesedrama und wird ausgeführt nie die große Wirkung tun wie allein fürsich gelesen. Es ist eine lyrische Dichtung, kein Theaterstück. Trotzdem war die Aufführung sehr dankenswert, wenn sie auch regiemäßig und darstellerisch wenig befriedigte. Der hymnische Schluß wird für die Bühne stets problemw lisch bleiben. Man hatte hier der Musik ganz en-traten und so ein .^Oratorium" mit Recht vermieden. Aber leider vermittelten die Sprecher der Engel zu wenig von der Musik dieser Sprache, so war es eine Art Aufsagen an der Grenze der Langeweile. Ersatz für eine Opernvorstellung war «ine wohlgelungen« Konzert, aufsührung der köstlichen Cornelius'schen komischen Oper „D e r Barbier von'Bagdad", von der jüdischen Künstler- Hit s e veranstaltet. In allen großen Städten sollten solche Opernstudios gebildet und dafür geeignete Werke von enigagementsiosen Bühnenkünstlern vorgejührt werden. Bielleicht werden derartige Werke von' wagemutigen Regisseuren an jüdische junge Komponisten in Auftrag gegeben; denn es muß endlich auch einmal etwas für die junge schafsend« Generation der deutschen jüdischen Musiker getan werden. Der Kulturbund hat sich in seinem letzten Orchesterkonzert dieser Aufgabe auch einmal erinnert und bracht« neben Bach, Händel und Beethoven die Musik zu „U r i e l A c o st a" von Karo I^R a t h q u s und ein „Vorspiel für Orchester" von B e r n h a r dH e i d e n, beides Uraufführungen. Rathaus, heute 4vjähng, «in Schrekerschüler, gibt eine Suite in fünf Sätzen, davon di« drei ersten, die sehr gelungen find, in altem Stil. Der pierte Satz, ein „jüdischer Tanz", ist leider so orientalisch oder „jüdisch" wie etwa der Tanz der Salome bei Richard Strauß orientalisiert ist, d. h., das Erotisch« wird nach einem wohlbeivährten Rezept hergeftellk, mit übermäßigen Sekunden und scharfen Rhythmen, die, virtuos hingelegr, immer wirken werden. Das Orchester- Borspiel des 25jährigen Hindemith-Schülers Heiden, in Frankfurt a. M. geboren, und mit dem Mendelssohnpreis der staatlichen Hochschule ausgezeichnet, ist eine starke Talentprobe. Eine nicht ungewöhnliche Begabung hat (ein weiterer Koni Position säbend mit Kammermusikwerken Heideils erwies das ebenfalls) hier nur noch nicht ganz zu sich selbst gesunden und hängt noch etivas an neuzeitlichen Bor. bildern. Joseph Rosen stock leitete alle Werke mit Schwung und Hingebung, das Orchester des Kulturbundes ist in weiterem Aufstieg und darf sich nunmehr an Werke jeder Art lvagen. Auch der Chor des Kulturbundes, der über «in ausgezeichnetes Stimmenmaterial verfügt, bewies di« Höhe seines Könnens in einem Chorkonzert, das neben etwas romantisierten Madrigale»! des 16. Jahrhunderts (Schütz, Paleftrina. Haasler) auch deutsche Volkslieder in der Bearbeitung von Siegfried Ochs und Werke lebender jüdischer Komponisten und Bearbeiter brachte. Die Bearbeitungen jüdischer Volks» i, der, mehr oder weniger. geschickt, oft „schlagermäßig", > nahmen hier, wie auch in einem Konzert des jüdischen Männerjchors unter dem genialen Eh. Win am er (er hüte sich vor der Virtuosität der Don-Kosaken!) und in einer weniger gelungenen Deranstgltung „jüdischer Sängerknaben" «inen sehr breiten Raum «in. Es hat sich da st hon ein« gewisse Schablone mit Solisten und Brummchvreä herausgebildet, die mehr äußerlich wirkungsvoll ist als dem inneren Sinn jüdisch r Lieder entspricht. Ueberhaupt wäre grund ätzlich zu sagen, daß man die Bewertung der K on,zertvgranssaltungen ii Berlin immer mehr von der Menge des angeblich „Jüdischen", das in der Musik vorläufig doch noch sehr umstritten ist, abhängig macht, r »eil man, ganz irrtümlich natürlich, obendrein daraus aus die jüdisch-; >olitische oder nur religiös-jüdische Gefin. nung der Ausübenden schließ. Ost ist das Gegenteil richtig, oft scheuen sich gute jüdische Musiker, so; «nannte jüdische Musik zu bringen, weil sie von ihrem Wert oder ihrem Dasein innerlich nicht voll überzeugt sind. Andererseits finden sich Konjunkturritter genug, die bis zur Neuordnung in Deutschland von der Existenz des Judentums und seiner Musik nichts wußten, sondern »ich aus ganz anderen, meist publizistischen Gebieten, höchst ablehnend gegen Jüdisches verhielten, und die sich nun nicht genug tun rönnen in llöüprozentiger jüdischer Gesinnung und Betätigung. '! Die Zahl, namentlich der H ay s ko nzerte, ist sehr groß, sehr viel« erreichen nicht das notwendige Niveau, hier muß gesiebt und eingeschränkt werden. Andererseits aber darf man die Kritik nicht zu sehr beschränken. Bon d^n Konzerte»» seien.also nur erwähnt: Dos Händelsche Oratorium „Belsazar" in einer zu wenig dramatischen^Wiedergabe. Di« jüdijsch« Orchester Vereinigung seierte ihr lOjähriges Bestehest durch «in "wohlgelungenes Konzert mit älteren Werken. Warum gibt mai) bei. einer so festlichen Gelegenheit nicht einem jungen jüdischen Komponisten einen Auftrag? Bon solch-jungen Schaffenden schiebtsich Berthold Goidschmidt immer mehr in den Vordergrund. Ein neues Klwoierquartett bon ihm, Op. 30, ist ein außerordentlich gut gearbeitetes, einfallsreiches, zum Teil recht klangvolles Werk, dessen dritter Satz, eine Tripelfuge, eine Talentprobe ersten Ranges ist. Auch das, Boris Kroyt-Ouartett «riveist sich in jedem Konzert als dif zur Zeit beste jüdische Kammermusikoereinigung Berlins, wogegen der 14jährige Geiger Os'fy Rena rdy trotz seiner sehr höchst«hendep Technik, ähnlich wie der ältere und reifere Pianist Stefan Antal, der eine verblüfiende Fingerfertig, keit besitzt, seine Musikalität a i den Klassikern noch vertiefen muh. Das jüdische Lehrhaus >ar sein erstes Semester beendet. Der Besuch der Vorlesungen und 2 rbeitsgemeinschasten war zum Teil über alle Erwartungen groß, ein toller Erfolg, der «ruf eine neue Grundlage gestellten alten Bolkshoc »schule. — Maimonides wurde sehr qeseiert, vielleicht zu sehr für l ie, üiFihn kenrten und von ihm wissen^. Bemerkenswert, daß Jacob Dymont versucht hat, die 13 Glaubenslehren zu vertonen >md damit i, Verbindung mit dem älteren Ehchonus einen neuen Weg für jüdische Musik angebahnt hat. Dr. Oskar G u t l m a n n, Berlin. HEMD ab 4.90 m.1 Krg.ln la Popeline nur Kaiser - W i I heim - Straße 12 - Haus Hutmacher - Ihre Kleine Anzeige tn den GcmetndeblnH- Bezugsquellen-Nadtwets! Die Druckerei des Breslauer Jüdischen Gemeinde-Blattes druckt auch für Sie briefblAtter MITTEILUNGEN POSTKARTEN und alle anderen Akzidenzen PROSPEKTE KATALOGE ZEITSCHRIFTEN PLAKATE ETIKETTEN FALTSCHACHTELN Druckerei Sdialzky Breslau, GartenstraBe 19 Fernsprecher 24468 und 24469 I Frisch und munter in die Schule im ADA-ADA-Kinderschuh, denn der drückt nicht, während die Gedanken angespannt sind beim Lernen. , Sorgen Sie dafür, daß Ihre Kinder nicht vom Lernen abgelenkt werden. Kaufen Sie ihnen die bequemen ADA-ADA-Kindersc vom Schuhhaus Hauptgeschäft OhlauerStr.5/6 Sonntag, den 2. Juni von 14-18 Uhr geöffnet