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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-05-31 · 10 (31.5.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
10 (31.5.1935)
Date
1935-05-31
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblarr Z!r. II» 2u Ttjeodoc fjecgts fünfundfiebgigftem Geburtstage virit-mminhncnig oabre war ticn'dtaticnben, giitigen Augen zum em^. da er s.msuitdsiekzig geworden wäre, feine G-'talt.lebensvoller und monume und ehrsurchtsooll beugt t'ie sich vor Woliens und ficht' Himer dem Träumst vielen schien, den Kämpfer- und Wegb 2llUr.mil seherischem Blicke vor Au Zen dem itv.Uen und' der Straft der Wef zukunststrächtiges Eigenleben. Und n: keren Anteilan dem Aufbau des Li mgfericUcn und idellen borgen, die : -gleiten, als in dkm Deutschland um'ere Lei ln hcyidor Her;!, als er die igen, Schluiamer schloß. . 3ci.it, der gatjzen jüdischen Welt italer als je vor Augen. Ties Reinheit, und Größe seines und Utopisten, der er einst eiter. Das Werk, das er der stellte, sebt heut. getragen von judenheit.^ ein reiches und isqends nimmt man wohl stür tdes und den mannigfachen wie jcde» große 'Werk be- Tage. Dadurch zumal, daß der ereile i fiel' a ntj in so großer Iflfc unserer Jugend alle Sehnsucht und Enischlußlrai:. allen Idealismus mtd alle Opsersrcudigleit diesem Ideal und ''einer Berwirklichunc zuwcndet, wird uns das Land der Väter neck, in einem ganz neuen Zinne zum Heiligen Lande. Was auch bic: Zukunst bringen, wie sich für uns die Dinge in Deutschland und wirst in der Welt gestalten mögen: daß in einer Zeit, da alles um uns züfammenzubrechen schien und alle Türen sick, uns verschlossen, der Gedanke an dieses 'Werk und die Wirklichkeit dieses Landes genügen, um und Parteien ' in der ge'amtän jüdischen Geschichte zu sichern. uns Ausrichtung und Hilse boten, würde allein schon Theodor Herzl über alle llntcrschiede von Richtungen nnwtsg einen hohen Ehrenplatt in unseren .'Herren und $ert inand Gofm und Ttobert ftod) 3“ p7i) stand der Breslauer Botqn geboren 1>>28^ bereits aus der Jäölj» fi . nur eine 'Lokalgroße seinerHeimatsun Neun achtjähriger zur Erlangung der hinwcgziehen mußte, da die Regierung tung durch die Breslauer Fakultät die Zwei Jahre später, im Jahre 1850, außerordentlicher, 1873 ordentlicher Projie seinem hochberühmten Lehrer Göppc Bahnen der botanischen Forschung «in. stopifchcn Betrachtungsweise zu, studierte Periode die 'Algen - und Pilze, insbesi: Anfangs Mußte er dgzu in seiner Wok benutzen, dessen Anschaffung ihm sogar 1660 bekam er zwar auf seinen Genehmigung zur Errichtung eines in Breslau, des ersten infDeutschland ii Etat. In diesem Jnstitut.- damals unte nee- Gal.rie des ehemaligen Konvjktgebäui Eohn tind seinen- Schülern im Winter Pst a 'Seift dem Jahre 1861 gute Qualitäten, für volle Modelle u. für rri Kochs 25 f äff eigen ‘Todestage am 27. 71tai 1935 Von Dr. med. iker Ferdinand Eohn, nes Ruhmss, und war nicht cherfität, von der er einst als Doktorwürde nach Berlin trog zweimaliger Befürwor- Promoifon nicht gestattete. Irivatdozent, wurde er 187,0 ffer; er behaupkete sich neben r t, schlug 'allerdings andere Er wandte sich der mikro in seiner! ersten Schaffens ndere auch Pilzkrankheiten, nung sein eigenes Mikroskop als Protzerei'verdacht wurde. Antrag voch Ministerium die lanzenphysiologilchen Instituts ck erhaupt, 18f>!» aber erst einen ^gebracht auf einer Art osse-. des der Universität, wo von n eisiger Sliilte,. im Sommer Emil R e i s s e r. qere Zeit schaftigt. gelungen. delcannt für geschmackäßige Preise DAMEN-, MANTEL- und Ring 39--4-0 <L EIDER-FABRIK Al brejehtstr. 3 gelc nhihi in brütender Hitze gearbeitet wurde. 'daß die Bakterien Pflanzen sind. Hier im Bakterienreich lwie im Reich der und 1872 ein richtiges System g «schaffest aui Bakterien und der Pachogeniiät ge: Beachtung geschenkt. Ferdinand Cohn wurde von allen Medizinern als Ratgeber gesucht. Es >i .der damalige Wollst«iner Kreisphysikus mit besonderer Begeisterung als Göttirche des „'Vaters der modernen Anatomie" Jakob S) e n I e, gesessen und auch dessen der Existenz eines spezifischen Anstecku Heiken in'sich ausgenommen hatte, sich ai> lauer Gelehrte erhielt von ihm folgende Wöllstein (Prov. P . Hochgeehrter Herr Proseß! Durch Ihre in ddn Beiträgen veröffentlichten Arbeiten' über Bacte ich mehrfach das nöthige Material g erst richtig der Nachweis, churde die Kpnstanz der Arten eren Lebewesen, feftgestellt der Einwirkung der Hitze Arten.wurde gleichfalls nässer .1 bakteriologisch arbeitenden r ganz natürlich, daß auch i)r. Robert Koch, der einst r Student zu 'den Füßen des als Jude geborenen oorausahnende Lehren von itgsftosfes bei vielen Krank- Cohn wandte. Der Bv:s Bries: - lssens, den 22. April 1876. or! zur Biologie der Pflanzen len ang:r«zt habe ich, da l ekommen konnte, mich iänmit der Untersuchung des Milzbrandcontagiums be- Rachi vielen vergeblichen 'Versuchen ist es mir endlich den iEntwicklungsgang des Bacillus anthracis voll ständig aüfzufinden. Durch vielfache 'Ttcrsuchsreihen glaube ich -dem Resultat meiner Untersuchungen eine genügende Sicherheit 'gegeben zt haben. Bevor ich jedoch damit an die Oefsentlichkeit *trete, würde ich eie, hcchgeehrter Herr Professor, als den beiten Kenner de' Baicterien, ganz ergebenst bitten. Ihr Unheil über den Befund abgeben zu wollen. Leider vermag ich nicht durch 'Vorlegung von i Präparaten, welche die einzelnen Ennvicklungs stufen entfalten, den Beweis zu führen, da cs nicht gelingen wollte, die Batterien in entsprechenden Flüsiigkeitcn zu conservieren. Ich würde Sie daher gart; ergebenst bitten, mir gestatten zu wollen, daß ich Ihnen vielleicht im pflanzenphi,siologischen Institut während einiger Tage die nothwendiqen Erperimenk? izeigte. Weiln Sie, hcchgeehrter Herr Professor, geneigt sind, diese Bitte zu « füllen, dann bestimmen Sie gefälligst die Ztit, wann ich nach B 'eslau kommen soll. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Dr. Koch,- .Kreisphysikus. Cohn bekannte später selbst, daß diese Zuchrist eines völlig unbekannten A -ztes aus der polnischen Landichajt in ihm eine große iokopsis erwecku, zunial er oft Ankündigungen von blutigen Dilettanten über ihre vermstntlichen Entdeckungen aui dem Gebiete der Bakteriologie erhielt. Er erklärte sich jedoch zu einer Rücksprache bereit, und Kochs Besuch s< nd voin Zt». 4.—3. 5. 76 in Breslau statt. In dtr ersten Stunde erkanwe Cohn in ihm das Genie, das später die ganze Well bewunderte. Koch legte dann aus Cohns Anregung noch vor einer erlesenen Artzast Breslauer Geehrter mit unübertrefflicher Experi mentierkunst den lückenlosen Kreis der Entwicklung des Milzbrandbazillus zur Swre und aus dieser wieder zum Bazillus, den er in Reinkultur zeigen konnte, dar. Diese 'Arbeit erschien auch in der von Ferdinand Costn herausgegebenen Jnstiiutszeitchrist, ebenso eine zweite über da i Verfahren zur Untersuchung, zum .Konservieren und Photographiere i der Bakterien. Es entwickelte sich in den nächsten Jahren ein lebhafter Brieswechsel zwischets Cohn und Sloch, und auch wiederholte Be'uche des letzteren in Brsslau fanden statt, wo ihn außer dem Cohn'fchen be sonders das Pathologische Institut Julius Cohnheims, des Meisters des E -periments, anzog. Hier begegnete er Männern wie Karl W e i g e i t, Oskar L a s s a r, Ottomar R o s e n b a ch, den» jungen 'Albert 'leisser und auch Paul Ehrlich, feinem späteren Mitarbeiter unk 'Nobelpreiskollegen. In den Briefen aus dieser Zeit, die in der Koch Biographie des früheren Breslauer Httgienikers Professor Bruno H e y m a n n neuerdings oeröffenllicht würden, werden ferner die Na nen der Breslauer Forscher und Aerzte Rudoli Heidenhain Auerbach (des 'Anatomen und bewährten Haus arztes Cohns), lempnet immer wieder erwähnt. Ferdinand Cohn wird als der Mann bezeichnet, der stets Rat wußte, auf dessen Veranlassung wohl auch die Ernennung zum Ehrenmitglied der Schlesischen Gesellscht ft für vaterländische Kultur erfolgte. 1870 sstüelte dann Koch auf Betreiben seiner Breslauer Freunde als Gerichts physikus nach B -eslau über. Seine Tätigkeit sagte ihm aber nicht zu: er kehrte bald rach Wollsttin zurück, von wo aus er 1880 eine Be rufung an das leugegründete Reichsgesundheitsamt erhielt. Die weiter: Entwicklung der Dinge war die, daß Kochs Ruhm den Cohns über trahlte, daß Koch in der bakteriologischen Forschung Cohn ablöste, zt dessen nicht geringsten Verdiensten es gehört, des Jüngeren Bedeutung als erster voll gewertet zu haben.

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