Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 12 (1935)
- Issue
- 9 (15.5.1935)
- Date
- 1935-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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L- Steel a uet Südisches ©emetnbeblatt Nr. 9 oder, was er dafür hält, mit eii»er durch sein Alter erklärlichen Leiden schaft hinter sich, «r glaubt häufig, damit am besten i er Praxis seiner Berufsarbeit zu dienen, wenn er sich von den Bi dunigselementen, die ihm die Schul« ncchezltbringen sucht«, nochdrü kiichst löst, und selbst wenn er schon reif genug zu der Erkenntnis ist, daß sein jüdisches und sein allgemeines Wifstn weder ausreicht, um auf di« Dauer in seinem Beruf« bestehen noch auch sein weit res Loben überhaupt sinnvoll gestalten zu können, selbst dann fehlen hm die Möglichkeiten, aus dieser Einsicht praktische Folgerungen zu ziehen. Er wird von sich aus über eine Bildungsrefignarion nicht hinai skommen, wenn man ihm nicht fühlbar Macht, was ihm fehlt, wenn man nicht sein« Spannkraft elastisch erhält und ihm di« Wege, nx ist, die er einschlogen muß, damit er nicht selbst und mit ihm di« Heranwachsende , jüdische Generation in Halb- und Unbildung versinkt. - Hier haben Einrichtungen emzusetzech die de- Schulentlassenenbkldung dienen wollen. Aus dieser Silmtion haben sie ihren Aufgabenkreis und ihr« Methoden oibzuleiten. Hier wird erst die Möglichkeit geschaffen, zu foätercr fruchtbarer 3J itarbeit an den Institutionen der eigentlichen Erwachsenenbildung, an Volkshochschule und Lehrhaus. Deshalb wird auch von vornherein ein organisatorisches Zusammengehen mit Liefen Einrichtungen ang< strebt. Die Stoffgebiete werden unter Beschränkung auf die dringendsten Brldungserfordernisse die Arbeit der Schule fortsetzen. Neben Li« jüdischen Fächer, insbesondere Bibeikunde, <8 eschichte, Gegenwartskunde, treten die allgemeinen: Deutsch, Gesch chte, Erdkunde, Mathematik, Naturwissenschaften, womöglich auch fr mde Sprachen. Für den Einzelnen ist nur ein kleiner Ausschnitt mö, lich; denn man wird dem tagsüber in der Berufsausbildung Steher den nicht allzu viel zumuten können. Aber der Bedeutung entsprechend, die der jüdischen Stoffgruppe an einer jüdischen Bildungseinrichtung zukommt, wird man die Auswahl der Fächer an die Bedingung knüpfen bindung müssen, daß der Schüler «in allgemeines Fa h nur in Der mit einem jüdischen mitnehmen darf. Diese, für den, der von der jüdischen Schule kommt, eine Selbs Verständlichkeit: für den bisherigen Schüler einer öffentlichen Schul« bare Notwendigkeit. . Es liegt im Wesen der ganzen Einrichtung, daß um ihrer selbst willen, nicht zu beftimrrten prak tischen Zwecken vermittelt. So kann auch im Maßnahme ist ein« unabweissie B i ld u n g Deutschen ein« äußerliche Sprechgewandrheit, die Pfleg« bestimmter Aerussstite ebensowenig das Ziel fein, wie im Hebräischen öder n den neuen Sprachen eine bloße Zungenfertigkeit und Sprechfähigl eit. Diese nicht minder wichtigen Aufgaben müssen den Sprachschulen Vorbehalten bleiben, während es bei unserer Institution gilt, lediglich die Sprache als Bildunzswert zu erschließen. Die größten Schwierigkeiten liegen auf methodischem Gebiet. Es wäre ebenso falsch. Menschen, die in «inen neuen Lebenskreis getreten find, bi« die anstrengenden Pflichten Le- Tages erfüllt haben, methodisch als Schulkinder zu behandeln, wie 14n-löjöhrig« als > Erwachsen« unterrichten zu wollen. Was die Geschtossetrheit der Darbietungen und auch die innere Straffheit der Orycmisat on anlangt, so wird es nur der Sache dienlich fein, die Schule als Muf er zu nehmen, ohne daß dem' Schüler selbst das Schul mäßige zum Bewußtsein zu kommen braucht. Dagegen werden die Anforderungen in Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit notwendig geringer fein müssen als in der Schul« oder vielmehr: der Stoff wird, ohne daß Las Niveau darunter leiden darf, fo dargeboten werden müssen, daß er auch ermüdete und abgespannte junge, Menschen imtn?i wieder reizt, fesselt und anregt. Ein pädagogisches Programm läßt sich natürlich nicht auistellen. Hier muß vielmehr mit der praktisch ti gönnen und.am Ergebnis' immer wieder der einzufcsagende Weg nachgeprüft und verbessert werden, wie es. denn über >aupt bei der ganzen Einrichtung, an deren Notwendigkeit niemand zweifeln wird, darauf ankortnnt, über alle äußeren Schwierigkeiten dem Stadium der Erwägungen heraus und einen Anfang zu machen. Ja, selbst Finanzierung Lars nicht zu einem Aufschub führen; sie Glück vorderhand nicht von au-schlaggebender Bedeutung. Die Bereitstellung von Schulräumen 'am Abend macht kein« Schwierigkeiten. Schulgelder wird man nicht erheben, also auch Lehrkräfte können. Hier kann es sich zunächst nur um neben- und Tätigkeit handeln. ' In elfter Linie muß man jetzt die Schulentlassenen selbst und ihre Eltern für dies« neue Bildungsstätte gewinnen. Diesem Ziel dient der nachstehend veröffentlichte . ' , t im Einzelnen Arbeit be-. hinweg aus; u k o m m e n qie Frag« der ist auch zum nicht besolden ehrenamtliche fiufcuf: | 3n immer größerer Zahl verlassen jetzt junge Menschen die Schule in einem Alter, in dem ein Abschluß ihrer Bildung in keiner Weise erfolgt sdn kann. Mag ihnen der Beruf, zu dem sie meist unmitkeibor im Anschluß an den Schulbesuch übergehen, auch noch so viel fachliches wissen vermitteln, so wird doch ihre allgemeine, besonders aber ihre jüdische Bildung meist nicht weiter gefördert, hinzukommt, daß Menschen von eiwa 14 bis 17 Jahren weder die Möglichkeit noch' die Spannkraft haben, sinnvoll selbst an ihrer Weiterbildung zu arbeiten. Die «„sich, in diese dringende Notwendigkeit hat un» veranlaßt, eine Einrichtung zu schassen, die es unternimmt, berufstätige Jugendliche in systematisch geschlossenen Lehrgängen unterrichtlich und erzieherisch zu erfaßen. Solcher Schulung wird lüe Lehrstätte dienen, deren Unterrichtsplan wir nachstehend veröffentlichen. 3n der Erkenntnis, daß nur die engffe Verbindung zwischen'allgemeiner und jüdischer Bildung den von uns erstrebten Typus einer echten jüdischen Persönlichkeit darstellt, soll jeder Teilnehmer — bei - völliger Wahlfreiheit im übrigen zur Mitarbeit in mindestens e in e m Kursus mit jüdischem Arbeitsgebiet verpflichtet sein. wir rufen zur Mitarbeit ans. wir richten an die > Eltern die Bitte, ihre Kinder zum Besuch tüeser Lehrstätte anzuregen: mir fordern die Jugend auf, unser« Lehrstätte zu besuchen. Lehrplan. Jüdische Fachgruppe.! turf«: Kursus I, Herbert Fischer, Stücke Büchern, Di. 7 bis 'A9. — Kursus II,; aus A. T'n a ct geschichtlich >n Pinczower, vtoss noch Vereinbarung, Di. 7 bis Vt9. B. Gesch Volkes im Zeital stein, Beschicht - A. —- ----— Montag! Dienstag Mittwoch Donnerstag 1. Stunde 7 bis 'A9 Joel! Herbert Fischer Pinczower! Breitbarth Alfred Cohn Fink Schüller 2. Stunde A9 bis 10 Feilchenseld 1 Ernst Fischer Goldmann Oelsner Simonsohn Bluhm Vogelstein > Feuchtwanger i 1 1 chte: 1. Simonsohn. Geschichte des jüdischen er der Emanzipation, Mo. A9 bis 10. — 2. D og el - Israels bis zum babyl. Exil (Bibel in deutscher Uebersetzung ist snitzub-ringen). Mi. %9 bis 10. C. Gegenwartskunde: 1. Breitbarth, Soziologie des rtums, Mil? bis 'A9. — 2. Joel, Die Grundlagen der palästinensischen Berfas üng, Mo. 7 bis K9. Allgemeine Fachgruppe. De u tfch : 1. Alfred Cohn, Lektüre eines klassischen Dramas, Mi. 7 bis lA9. — 2. Ernst Fischer, Meister der deutschen Sprache im 18. Jahrhundert, Di. 'A9 bis 10. B. Geschichte: Fink, Kulturgeschichte der Neuzeit, Do. 7 bis 'A9. i C. Erdkunde: 1. Feilchenseld, Physische Landeskunde von Palästina. Mo. 'A9 bis 10. — 2. Schüller, Reiseliteratur, Do. 7 bis 'A9. v. Mathematik: Goldmann, Thema je nach Wunsch und Vorbildung der Teilnehmer, Mo. 'A9 bis 10. E. Naturwissenschaften: 1. Bluhm. Die Zelle als Baustein aller Lebewesen, mit Mikroprojektionen, Mi. lA9 bis 10. — 2. Feuchtwanger, Aus der Physik des täglichen Lebens, mit praktischen Uebungert der Teilnehmer, Do. 'A9 bis 10. — 3. Oelsne r, Chemie im Dienste der Wirtschaft (mit Versuchen), Di. 'A9 bis 10. Stundenplan: Der Unterricht findet unentgeltlich ftatr. Zur | Deckung der Unkosten für Beleuchtung, Reinigung, evtl. Heizung der I Räume wird ein Verwaltungsbeitrag von höchstens 50 Psg. (ohne Rücksicht auf die Zahl der Lehrgänge) erhoben. Die Kurse finden im Schulhause, Anger 8, statt. Anmeldungen im Büro. Anger 8, II. Stock und beim Ortsausschuß der jüdisch. Jugendverbände (Pinczower, Matthiaspl. 1). B eg i n n 2 3. Juni. -! Für den Ortsausschuß der Iüd. Jugendverbände: i Pinczower, Steuer. Als Förderer: Breitbarth, Lewko-witz, Lux, Xkrich Majchler. j Für d ie Lehrkräfte: _ Mg hm, Alfred Cohn, Schäffer, Schüller. Wir bitten unsere Bezieher bei etwaigen Störungen in der Zustellung des Breslauer Jüdischen Gemeindeblattes sich zunächst an den Postboten bzw. das zuständige Postamt zu wenden.