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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1935-04-15 · 7 (15.4.1935) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
12 (1935)
Issue
7 (15.4.1935)
Date
1935-04-15
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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10 J 1 Breslauer güdischesGemeint eblatt Nr. 7 wärts." Nur Vernunft und eigest sicher belegte Erkenntnis anderer zi sein Handeln. So war und ist Maimonidels Arztes. Wohlverständlich ist es dahe und die Verehrung seiner Patient, genoß und als medizinische Autorität arabischen Welt ein außerordentlich Dies bezeugen große Zeitgenosse .Weise preist sein Lob der berühmte Jbn Sina Amulk in Worten, die e Erfahrung oder die stverlässig'eL Aerzte leitete das Idealbild eines daß er das Vertrauen in reichlichem Maße in der ganzen jüdisch-;s Ansehen erlangte, n. Sn ggnz besonderer arabische Dichter Alsac in Verse übertragen — etwa so lauter Ine 'Klmst Galer Nur Körper heil!. Maimonis Kun>st Gestmbheit bring Dem Körper un! Maimon „der A In seiner Weish! Unweisheitsnachl Ja, kam ihm in könnten: i — iK5 Griechen — bi« siechen, dagegen i unb Segen, bem Geist, eise" heißt, it Leuchte er scheucht«. Behandlung Der Mond — ob seiner Wandlung — Maimon wiird' ihn zur Stunde Befrei'n von seiner Runde. Wirb dann vom vollen Bauche, Der Mond zum Sichelhauche, Maimon kann ohne zieren, Die Schwindsucht selbst kurieren. Und, ivenn im Mond, dem Hellen, Sich zeigen fleck'ge Stellen, o Maimons Rezepiezauber Das Mondgesicht macht sauber. flus öcc <Sebantenmelt des Tttamontdes Don Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann. „Auf all Deinen Wegein erkenne ihn, Er wird Deine Pfade ebnen." Dieses Wort des Spruchdichter^ kennzeichnet das'Leben und das Werk des großen Meisters. Seine große Autorität berühr auf der Universalität und der Harmonie seines Geistes. Die Größe unserer Zeit beiuht auf der Fachgelehrsamkeit. Der Umfang des menst zlichen Wissens schwillt immer mehr an. Die Zahl der Fäö-er wird immer größer. .Sicher hat diese Methode zu bedeutenden Erbfolgen geführt. Aber es waren auch große Nachteil, mit ihr verbunden. Es entstand eine gewisse Enge des Horizontes, eine gewisse nüchterne Einseitigkeit. Vielleicht i t Forschung in unserer Zeit gar nicht anders möglich, und vir müssön uns mit den Schattenseiten abfiiiden. Ebenso selt m wie di: Universalität, finden wir in unseren Tagen Izarmonie der Lebensanschauung. Zerrissenheit und Unourgeglichtnheit begegnet uns allenthalben in den Köpfen unl^n.den Seelen. Da berührt uns wie ein Hauch aus reinen Höhen, labend und erfrischend, wie eine hohe Ofstnbarung jeder Gedankengang, jedes Wort des Rambam. Der Anfang seiner Weisheit ist Gott. Zu ihm, uls ragen rem Ziel, führt auch jeine ganze Lebensarbeit. W r werden im folgenden eine Anzahl Kedankengänge unk Aussprüche aus, den Werken und Briefen des Maimonii-es bringen, wollen den Meister selbst sprechen lassen, um aus seinem eigenen Worte seine eigene Art zu erkennen. rNaimonidcs, der Fromme. Sein einziger Drost in einem Leben voll Sorgen. (Aus einem Briefe an J<phet ben Elia.) Seitdem wir uns getrennt haken, trafen mich schwere Schicksalsschläge. Mein Vater selizen Angedenkens starb, und es wurden mir Trostschreiben aus weitemfernten Gegenden zugeschickt; körperliche Leiden untergruben dann meine Gesundheit, bedeutende Geldverluste verringerten mein Vermögen; böswillige Verleumdungen schwärzt, n mich an und versetzten mich in Todesgefahr. Hoch das größte Unglück kam rammen der mit vielen auch anderen Geschäftsne unmündige nterlasten hat. zuletzt! Es ist dies der Tod jenes F Glücksgütern, die uns beiden und freunden, gehörten, unterging und! mir e Tochter und eine unversorgte Witwe h Wiederum warf mich eine bösar ige Krankheit auf das Siechenbett, und fast wäre ich dem Leiden e llegen. — Noch heule trauere ich und finde keinen i Irost, un) selbst die Zeit hat meinen Schmerz nicht gelinder:. Er ist ja auf meinen Knien großgewachsen; er war meii Bruders, mein Schüler, mein Geschäftsführer, mein Derpflez er, und ich faß ruhig im Hause. Er verband mit dem talmudischen Wissen eine gediegene Sprachkenntnis, und'ich hc tte nur Freude an ihm. Doch seitdem er in ein besseres Leben eingegangen ist, flohen von mir die frohen Tage. — Er ließ mich nnit Sorgen belastet in einem fremden Lande zurück. So oft ich einen Brief oder irgendwelche Schrift von ihm sehe, erneuert sich der Schmerz, und die alten Klagen brechen hervor; ich fühle, daß diese Trostlosigkeit mir das Leben verkürzt. Ja, wenn nicht das Studium und das Forschen in der heiligen Lehre meinen Schmerz mich.vergessen ließe, so würde ich schon ein Raub der Schicksalsschläge geworden feilt. Seine Toleranz bei aller Strenge gegen sich selbst. (Aus einem Brief an seinen Freund Chisdai Haler»).) Gott sieht! nur auf das Herz, und nach der inneren Absicht find die Handlungen des Menschen zu beurteilen; daher schließen unsere Weisen keinen Tugendhaften von der Seligkeit aus. Jede:' Mensch, der an einen Wellenschöpfer glaubt und das Sittingesetz befolgt, hat Anteil an der Seligkeit. Sagen ja^unstre Weisen, daß ein Heide, der das mosaische Sittengesetz kennt und befolgt, dem Hohepriester gleichzustellen sei. Eist ohne Zweifel, daß Adam, Noah und die Patriarchen, obgleich sie die in der Thora enthaltenen Gesetze noch nicht gekannt haben, dennoch der himmlischen Seligkeit teilhc ftig sind. Zur Seligkeit führt nicht Beten und Kasteien ohne ittliche Charaktergröße und tiefere Erkenntnis des Glaubens. Bon Leuten, die anderer Meinung sind, gilt das.Schriftwock: Ihrem Munde bist Du nahe, fern aber ihrem Innern. (Jer. 12, 2.) Die er seine Schüler durch Dilde aufrichtet Was du zunächst wissen solltest, mein Freund — Gott erhalte und virmehre dein Heil! — ist, daß du dich keineswegs für einen am hoorez zu halten hast. Du bist unser geliebter Schüler, und wer auch nur einen Vers oder nur eine Halacha zr lernen wünscht, der ist es. Es tut auch nichts, ob du in der -eiligen Sprache oder in der arabischen lernst. Es kommt nur darauf an, ob du es mit Verständnis tust. Nur wer seinen Geist überhaupt vernachlästigt, von dem gilt das Wort der Thora, daß er „Gottes Wort verachtet hat." Das gilt auch für den, der, obgleich ein großer Gelehrter, es unterläßt, weiter zu arbeiten, denn das höchste Gebot ist das Gebot, fst) fortzubilden in der Lehre. Im allgemeinen sage ich: Du brauchst dich weder zu verachten noch die Hoffnung aufzügel en, daß du einst vollkommen sein wirst. Große Gelehrte haben erst in vorgerückten Jahren ihr Studium begonnen und sind doch geworden, was sie waren. Wenn du mein Werk studieren willst, so lerne hebräisch. Es ist nicht st schwer, das Buch ist leicht geschrieben, und, übst du dich in einem Teil, wirst du bald das Ganze verstehen. In jed< m Falle aber bist du unser Bruder, Gott stehe dir bei, leite inch zur Vollkommenheit und gewähre dir die Glückseligkeit beider Welten!" TNaimonides als Arzt. Gebet, das Maimonides zu sprechen pflegte, bevor er seine Kranken besuchte.

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